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Das Meisterwerk

Author: Yole Writes
last update publish date: 2026-06-21 06:00:22

Julian erstarrte in der weit geöffneten Tür. Seine kalten blauen Augen fixierten den rosafarbenen Stoff, der auf dem dicken Teppich verstreut lag. Er blickte auf die scharfe silberne Schere in Mayas Hand. Sein Gesicht lief dunkelrot an. Schnell trat er in den großen, hellen Raum.

„Was hast du mit dem teuren Kleid gemacht?“, brüllte er laut.

Maya zuckte nicht einmal vor seiner rauen, dunklen Stimme zurück. Sie legte die silberne Schere auf die glatte Matratze. Stolz hob sie das geänderte Kleid auf.

„Ich habe deinen hässlichen rosa Fehler korrigiert“, sagte sie ihm trocken. „Ich bin Designerin und kenne mich mit gutem, gewagtem Stil aus.“

Julian rieb sich mit einer großen Hand den Kiefer. Er sah aus wie ein wildes Tier, bereit zum Angriff.

„Du hast ein Kleid zerstört, das mehr wert ist als dein Leben. Wir brechen in einer Stunde zum großen Ball auf. Du hast nichts, was du auf dieser schicken Party anziehen sollst.“

 Maya schenkte ihm ein scharfes, feuriges Lächeln.

„Warte hier und schließ deine wütenden blauen Augen.“

Sie nahm den Stoff, den sie festgesteckt hatte, und ging in das große, glänzende Badezimmer. Sie schlüpfte aus ihren billigen Kleidern und zog das Kleid an. Es schmiegt sich wie eine zweite Haut an ihre zierlichen Kurven. Der hohe Schlitz gab den Blick auf ihr langes, glattes, nacktes Bein frei. Der neue Ausschnitt verlieh ihr eine wilde und kühne Ausstrahlung. Mit erhobenem Kopf schritt sie zurück ins Schlafzimmer.

Julian öffnete die Augen, und all sein dunkler Zorn war wie weggeblasen. Er starrte sie an, als hätte er einen Geist gesehen. Sein Mund öffnete sich einen kleinen Spalt vor lauter Schock. Das hässliche rosa Kleid war nun ein elegantes, dunkles Meisterwerk.

„Na“, fragte Maya und stemmte die Hände in die Hüften. „Sehe ich jetzt aus wie ein billiges, schmutziges Dienstmädchen?“

Julian schluckte schwer und richtete hastig seine teure, dunkle Krawatte.

„Du siehst akzeptabel aus“, log er mit tiefer, rauer Stimme. „Wir müssen gehen, bevor meine Mutter wieder einen Anfall bekommt.“

Er drehte sich schnell um, um sein hochrotes Gesicht zu verbergen. Maya schnappte sich eine kleine schwarze Tasche und folgte ihm. Sie gingen die große Treppe hinunter zur Eingangstür. Der Fahrer wartete draußen in dem dunklen, eleganten Wagen.

Die Fahrt zum riesigen Hotel dauerte dreißig angespannte Minuten. Julian schenkte sich im Auto ein Glas braunes Getränk ein. Er bot ihr ein Kristallglas an, aber sie lehnte ab. Sie brauchte einen klaren Kopf für die Party der Reichen und Snobs.

Der Wagen hielt vor einem hell erleuchteten Gebäude. Blitzlichter zuckten, als Julian schnell ausstieg. Er reichte Maya seine große Hand, um ihr herauszuhelfen. Sie ergriff seine warme Hand und betrat den roten Teppich. Die Menge staunte über ihr leuchtend dunkelrosa Kleid.

Julian zog sie für die Kameras eng an sich.

„Lächle und tu so, als würdest du mich lieben“, flüsterte er leise.

 Maya zwang sich zu einem strahlenden Lächeln und lehnte sich an ihn. Sie betraten die riesige Halle, die von reichen Leuten bevölkert war. Kristalllichter hingen wie helle Sterne von der hohen Decke. Leise Musik untermalte das laute Stimmengewirr.

Maya spürte hundert stechende Blicke auf ihrem Gesicht. Sie hob das Kinn und schritt mit entschlossener Anmut. Julian führte sie zu einem großen Tisch in der Nähe des Eingangs. Seine Mutter saß dort in einem dunkelgrünen Seidenkleid.

Die ältere Frau sah Maya an, und ihre Augen weiteten sich. Sie erkannte den Stoff des hässlichen rosa Spitzenkleides.

„Was hast du mit diesem maßgeschneiderten Kleid angestellt?“, zischte sie.

Maya ließ sich in einen weichen Sessel fallen und lächelte strahlend.

„Ich habe ihm eine Seele eingehaucht“, sagte Maya mit sanfter Stimme. „Es war ziemlich langweilig, bevor ich die schlechten Nähte ausgebessert habe.“

Die Mutter sah aus, als hätte sie in eine saure Zitrone gebissen. Sie funkelte Julian mit purem Hass an.

 „Du bringst dieses wilde Mädchen heute Abend zu unserem großen Ball. Du lässt sie ein eigens angefertigtes Kunstwerk zerstören. Du bist ein Narr, wenn du glaubst, sie passt hierher.“

Julian legte seine große Hand auf den runden Glastisch.

„Sie ist meine Wahl, und du wirst sie heute respektieren.“

Maya spürte ein seltsam warmes Gefühl in ihrer engen Brust. Er verteidigte sie gegen seine eigene gemeine Schlangenmutter. Ein großer Mann in einem grauen Anzug kam schnell herüber. Er klopfte Julian lachend auf den Rücken.

„Julian, du hast heute Abend eine umwerfende Begleitung zum Ball mitgebracht.“

Der Mann hatte glattes blondes Haar und dunkelbraune Augen. Julian richtete sich auf und funkelte den blonden Mann an.

„Das ist meine Verlobte Maya“, knurrte Julian. „Maya, das ist mein Geschäftsrivale Liam Thorne.“

Liam nahm Mayas kleine Hand und küsste ihre weichen Knöchel.

 „Ein wunderschöner Name für eine wahre Verkörperung von Anmut. Wie hat Julian es bloß geschafft, eine Göttin zu einer Blitzhochzeit zu überreden?“

Maya lachte leise über seine schmeichelnden Worte.

„Das ist eine sehr lange und lustige Geschichte“, erwiderte sie.

Julian riss ihre Hand von dem lächelnden blonden Mann weg. Sein Griff war fest, und seine blauen Augen brannten.

„Wir sind beschäftigt, Liam“, warnte Julian mit kalter Stimme.

Liam hob beschwichtigend die Hände.

„Wir sehen uns später, Maya“, sagte Liam und ging.

Er verschwand mit einem finsteren Grinsen im Gesicht. Maya sah ihm nach, wie er in der Menge der Reichen verschwand. Julian knirschte mit den Zähnen.

Julian setzte sich und zog Maya an sich.

„Halt dich von ihm fern“, warnte er.

Die Mutter stand auf und klopfte mit ihrem Glas. Der laute Raum verstummte schlagartig.

 „Gäste!“, rief sie. „Mein Sohn heiratet bald!“

Maya freute sich.

„Aber nicht sie!“, zischte die Mutter laut. „Bitte begrüßt seine wahre Braut!“

Die riesigen Türen flogen auf. Eine große, blonde Frau trat ein.

Julian keuchte vor Entsetzen.

„Chloe!“, flüsterte er fassungslos.

Maya starrte das hübsche blonde Gesicht an. Sie kannte diese blonde Frau aus ihrer Vergangenheit. Die Frau, die den Gang entlangschritt, war ihre beste Freundin.

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