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Die Schere

Author: Yole Writes
last update publish date: 2026-06-21 05:53:01

Die Frau im roten Kleid betrat den großen Raum. Ihr stechender Blick musterte Julian und dann Maya. Maya stieß sich von der wütenden, hochgewachsenen Chefin ab. Sie strich mit den Händen über ihre billige Kleidung. Die ältere Frau hatte kalte, blaue Augen.

Sie sah genauso aus wie ihr reicher, mächtiger Sohn, der dort stand. Sie war älter, aber immer noch sehr schön und wirkte wohlhabend. Sie trug eine glänzende Goldtasche und teuren Diamantschmuck. Ihr Gesicht verzog sich zu einem tiefen, angewiderten Grinsen. Sie zeigte mit einem manikürten, dünnen Finger direkt auf die arme Maya.

„Wer ist diese dreckige kleine Straßenratte?“, fragte sie laut. Ihre Stimme hallte scharf und laut in dem stillen Büro wider. Julian holte tief Luft und stellte sich aufrecht neben Maya. Er legte seine große, warme Hand auf ihre nackte Schulter. Er zog sie demonstrativ an sich.

„Das ist meine zukünftige Frau“, verkündete er mit einem lauten Knall. Die ältere Frau keuchte auf und ließ ihre glänzende Goldtasche fallen. Die Tasche knallte mit einem lauten Knall auf den harten Boden. Maya spürte, wie ihr Herz in ihrer engen Brust raste. Sie zwang sich zu einem aufgesetzten Lächeln auf ihr blasses Gesicht.

„Sie ist doch nur ein armes Mädchen!“, schrie die Mutter zurück. „Du sollst eine reiche, standesgemäße Frau heiraten. Ich werde diesen Abschaum nicht in meiner feinen Familie dulden!“ Maya spürte, wie ein stechender Zorn in ihr aufstieg. Sie weigerte sich, sich von diesem reichen Snob ihre Kunst beleidigen zu lassen.

„Ich bin Modedesignerin!“, sagte Maya mit lautem Stolz. „Ich bin doch kein Dreckszeug für deine Stiefel!“ Die Mutter lachte ein grausames, hohes Lachen voller Schadenfreude. „Du siehst aus wie ein schmutziges Dienstmädchen“, sagte sie zu der stolzen Maya. Julian packte ihren nackten linken Arm fester.

„Sprich nicht so mit meiner Braut, wütende Mutter!“, sagte Julian mit dunkler, gefährlicher Warnung in der Stimme. „Sie wird morgen Abend mit mir zum großen Ball gehen. Du wirst sehen, sie ist die perfekte Partie für mich.“ Seine Mutter hob ihre goldene Tasche vom glatten Boden auf.

„Das werden wir ja sehen“, warnte die Mutter. „Ich werde sie vor all unseren Standesgenossen auf die Probe stellen.“ „Wenn sie versagt, löst du diese lächerliche Scheinverlobung auf.“ Die ältere Frau drehte sich um und marschierte zur Tür hinaus. Das laute Klacken ihrer Absätze verhallte im Flur.

Julian atmete schwer aus und wich schnell zurück. „Siehst du, warum ich eine Scheinehefrau brauche?“, fragte er. Maya rieb sich den Arm, wo seine kräftige Hand geruht hatte. „Deine Mutter ist eine richtig fiese Schlange“, sagte sie. Er schenkte ihr ein kleines, finsteres Grinsen kalter Wahrheit.

Geh nach Hause und pack deine billigen Taschen, Maya. Mein Fahrer wartet morgen früh vor deinem kleinen Gebäude. Maya drehte sich um und verließ sein großes, karges, kaltes Büro. Sie fuhr mit dem Aufzug hinunter auf die belebte, laute Straße. Die kühle Luft tat ihrem heißen, roten Gesicht gut.

Sie nahm einen lauten Bus zurück zu ihrer kleinen Wohnung. Ihr winziges Zimmer war voller herumliegender Fäden und Stoffreste. Sie griff nach einem alten blauen Koffer unter ihrem Bett. Sie packte ihre wenigen schlichten Kleidungsstücke und ihre bunten Skizzenblöcke ein. Sie brauchte ihre frischen Entwürfe, um nicht den Verstand zu verlieren und stark zu bleiben.

Sie lag die ganze Nacht wach auf ihrer harten, dünnen Matratze. Sie dachte an den arroganten Chef und seine kalten Augen. Sie hatte ihre Freiheit für eine Chance auf Erfolg verkauft. Die Morgensonne kroch durch ihr zerbrochenes, schmutziges Fenster. Sie hörte ein lautes Autohupen auf der Straße.

Maya trug ihre schwere blaue Tasche die steile Treppe hinunter. Ein eleganter schwarzer Wagen stand neben dem kaputten Bordstein. Ein Fahrer in einem grauen Anzug nahm ihre alte Tasche entgegen. Er öffnete ihr die Hintertür, damit sie einsteigen konnte. Die Ledersitze waren weich und rochen nach Reichtum.

Die Fahrt zu der riesigen Villa dauerte eine ganze Stunde. Sie kamen an einem gewaltigen Haus mit hohen Eisentoren an. Maya stieg aus und starrte auf das imposante Gebäude. Es sah aus wie ein königliches Schloss aus einem alten Buch. Ein strenges Dienstmädchen empfing sie an der gewaltigen Eingangstür.

Das Dienstmädchen führte sie eine breite, geschwungene Marmortreppe hinauf. Sie betraten ein riesiges Schlafzimmer voller kostbarer Dinge. In der Mitte stand ein großes, weiches Bett. Julian stand in einem dunklen Anzug am breiten Fenster. Er deutete auf eine große weiße Schachtel auf dem Bett.

„Das ist dein teures Ballkleid“, sagte er. „Ich erwarte, dass du es trägst und sehr gut aussiehst.“ Maya ging zum Bett und öffnete die weiße Schachtel. Sie zog ein schweres, mit rosa Spitze besetztes Kleid heraus. Es war ein scheußliches Kleid, wie für eine langweilige Puppe gemacht.

„Ich werde dieses hässliche rosa Ding niemals tragen!“, rief sie. „Es hat keine Seele und sieht lächerlich aus!“ Julian verschränkte die Arme vor seiner breiten Brust. Du trägst es heute Abend, oder die Sache ist erledigt. Er drehte sich um und verließ das Zimmer.

Wütend starrte Maya die geschlossene, schwere Holztür an. Ihr Blick fiel auf das teure, hässliche, rosa Spitzenkleid. Kein reicher, arroganter Mann sollte ihr ihren Stil und ihre Kunst vorschreiben. Da entdeckte sie ihr Nähzeug, das aus ihrer Tasche ragte. Ein kühner Plan formte sich in ihrem wachen Kopf.

Sie griff nach ihrer scharfen Stahlschere. Sie breitete das rosa Kleid flach auf dem weichen Bett aus. Sie würde diesen hässlichen Witz in ein modisches Meisterwerk verwandeln. Sie hob die Schere und machte den ersten langen Schnitt. Der schwere Stoff riss mit einem lauten Geräusch ab.

Schnell riss sie die dicke rosa Spitze ab. Sie schnitt einen hohen Schlitz an der Längsseite entlang. Die bauschigen, hässlichen, runden Spitzenärmel riss sie ab. Mit Stecknadeln zog sie die breite Taille enger. Sie lächelte zufrieden über ihr kühnes Werk.

 Julian stieß die schwere Tür auf und blieb beim Anblick der Schere wie angewurzelt stehen.

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