LOGINSie kannte mich nicht.
Oder sie tat es und erinnerte sich nur nicht. Oder vielleicht war das von Anfang an falsch, und sie war wirklich nicht meine Schwester. Ich zog die Tür auf, mein Körper drückte dagegen, um der zitternden Frau hinter mir Platz zu machen, die die Suite betrat. Der Rand meiner Pistole drückte fest in meine Taille, eine Erinnerung daran, wie viel Blut vergossen wurde, um dieses Mädchen zu bekommen. Ihr Kopf drehte sich von mir zum dunklen Inneren der Suite und dann wieder zu mir. „Geh rein.“ In dem Moment, als die Worte meine Lippen verließen, schoss sie hinein und zuckte zusammen, als die Tür hinter mir zuschlug. Ihre Augen wanderten zu mir. Meine Finger tasteten die weißen Wände nach dem Lichtschalter ab, schalteten ihn ein und erleuchteten den großen Raum. Langsam zog sie meine Jacke aus, verführerisch, ihre spitzen Sirenenaugen huschten über meinen Körper. Genau wie sie es wahrscheinlich beigebracht bekommen hatte. Ihre kleine Gestalt wirkte so fehl am Platz in der Suite. Ihre Schritte machten kaum Geräusche auf den weißen, polierten Fliesen. „Deine Sachen sind noch nicht hier, aber ich bin sicher, dass es im Badezimmer einen Bademantel oder so etwas gibt.“ Mein Kinn deutete in Richtung des Badezimmers. „Du kannst dich säubern, dann sehen wir uns deine Wunden an.“ Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen, Verwirrung auf ihrem Gesicht. Sie war die ganze Nacht über so gewesen. Instabil und ängstlich. Nicht, dass sie schuld war, es war zu erwarten. Sie nickte, drehte sich um und ging auf die graue Tür zu, stieß leicht mit ihrer Hüfte an die Kante des cremefarbenen Keramiktisches im Essbereich. Ihr bis zur Taille reichendes schwarzes Haar bedeckte sie wie ein Mantel. Die Spitzen waren leicht feucht, aber abgesehen davon war sie völlig trocken. Ein Teil von mir hatte gehofft, dass sie mich erkennen würde, als sie meinen Nachnamen hörte. Doch jede Sekunde, die ich damit verbrachte, ihre Gesichtszüge aufzunehmen, machte klarer, dass sie vielleicht nicht meine Schwester war. Vielleicht nicht Stella. Der Weg zum King-Size-Bett erforderte mehr Mühe, als es sollte. Das Bett knarrte, als mein Gewicht darauf traf. Die weichen weißen Laken zogen mich fast darunter. Wie konnte ich das nur so falsch einschätzen? Die Dusche ging an und erinnerte mich an das menschenfressende Problem, das sich gerade in meinem Badezimmer befand. Wir sollten morgen nach Chicago zurückfliegen, aber das war, als es keinen Zweifel gab, dass meine Stella hier sein würde. Ariella konnte jedoch nicht hier bleiben, Vegas würde sie verschlingen und keine Krümel hinterlassen. Aber die Chicago-Mafia würde zusammenbrechen, sobald die Familie Morozcov schwach erschien. Mein Geist glitt langsam ab, kehrte erst zurück, als zarte Finger sich um meinen Fuß legten und meinen Schuh herunterzogen. Meine Reaktion war instinktiv. Ich richtete mich vom Bett auf, griff mit der rechten Hand nach meiner Pistole aus dem Holster und zielte auf die Person, die mich berührt hatte. Ariella zog sich auf den Knien zurück, würgte an ihrem Schrei. Sie war nackt, außer einem kleinen Handtuch um sich, und hielt meinen verdammten Schuh. Wäre sie nicht so verdammt verängstigt gewesen, wäre ihre Schönheit schwer zu ignorieren gewesen. Mit zusammengekniffenen Augen senkte ich die bewaffnete Hand. „Was zum Teufel machst du?“ Die Worte kamen härter heraus, als beabsichtigt. „Ich_ dachte, du schläfst. Ich wollte fragen, ob du willst, dass ich einfach dusche, oder ob du willst, dass ich auf dich im Bad warte, aber du hast geschlafen und hattest noch deine Schuhe an. Ich dachte nur...“ Ihre Pupillen glänzten vor unvergossenen Tränen, als sie schließlich aufstand, das Handtuch gefährlich hochgezogen, aber ihre Augen ließen die Waffe in meiner Hand nie los. Seufzend lockerten sich meine Finger um die Waffe und ließen sie auf das Bett fallen. Das konnte nicht passieren. Sie trat zurück und keuchte, als ich vom Bett aufstand und den anderen Schuh abtrat. „Leg ihn weg, Ariella.“ Ihr Kopf sank auf den Schuh in ihrer Hand, nach einer Sekunde landete er mit einem dumpfen Geräusch auf den Fliesen. „Es tut mir leid.“ Ihre Stimme zitterte, die Augen weigerten sich, meinen Blick zu treffen. Es ließ mich sie noch mehr sehen wollen. „Komm, wir bringen dich in Ordnung.“ Ihr Körper war völlig angespannt, als würde das Konzept, dass ich sie ins Badezimmer begleite, nur Ärger bringen. Die Tür war noch offen, und innen roch es vage nach Zitrusfrüchten und vielleicht Erdbeeren. Ein großer wandfüllender Spiegel stand vor einem sauberen gold-cremefarbenen Tresen. In der Ecke stand eine Badewanne, gold gestrichen, der Wasserhahn lief und sie war fast zur Hälfte gefüllt. Die Dusche lief ebenfalls, die Glastür war durch den Dampf des heißen Wassers milchig. Sie trat vor, schaltete die Dusche aus und ging zur Keramikbadewanne, kletterte die zwei Stufen hinauf, auf denen sie stand. Ihre Hüften wiegten sich bewusst, die Arme fielen seitlich, das Handtuch fiel von ihrem Körper. Meine Augen wanderten zur großen Wanne. Ich setzte mich am Rand, streckte meinen Arm aus, um die Temperatur zu prüfen, und fügte einige Öle und Düfte hinzu. „Steig rein.“ Das Wasser war warm genug, um ihre Wunden nicht zu verletzen, aber angenehm, um darin zu sitzen. Sie setzte sich in die Wanne, zog die Knie wie ein Kind an die Brust und starrte mich an. Ihre blauen Augen waren weit aufgerissen. Sie stöhnte, als der Luffa ihren Körper berührte, meine Berührung leicht. Ihr Körper entspannte sich, auch als meine Hand ihre runden Brüste streifte, und schließlich lehnte sie sich mit einem Seufzer zurück. Die Spannung kehrte zurück, als es Zeit war, zwischen ihren Beinen zu waschen. Ihr Rücken richtete sich auf, sie vermied meinen Blick. „Es ist okay, Ariella, ich werde dir nicht wehtun.“ Selbst nachdem sie sauber war, entspannte sie sich nicht. Meine Finger umschlangen ihr Kinn und hoben es sanft an. „Bleib so. Ich werde deine Haare waschen, ich will nicht, dass die Seife in deine Augen kommt.“ Sie nickte leicht und gehorchte meinem Befehl. Sobald ihr Haar gründlich nass war, schäumte ich die Kopfhaut mit Shampoo ein und rieb es in langsamen, bewussten Kreisen ein. Sie zitterte, ein leises Summen stieg aus ihrer Kehle. Ich fragte nicht, ob es sich gut anfühlte, das hätte sie nur erschreckt. Vielleicht erlaubt sie sich ohne Aufmerksamkeit, ein wenig darin zu baden. Schließlich musste das Haar abgespült werden. Sie sah etwas traurig aus, aber ihre Haut würde Falten bekommen, und wir mussten noch Schlaf für unseren Flug nach Chicago morgen früh bekommen. Es gab noch Hoffnung, dass dies Stella war. Es waren so viele Jahre vergangen, seit sie verloren gegangen war. Unser Zuhause in Chicago könnte ihr vielleicht etwas in Erinnerung rufen. Schließlich war sie nur zehn, als sie verschwand. Mit meiner Unterstützung stand Ariella in der Wanne auf und stieg vorsichtig heraus. „Danke, Sir.“ „Killian.“ Ein Grunzen entwich meiner Kehle. „Du kannst mich Killian nennen.“ Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen, leicht verärgert, als sie nach einem sauberen Handtuch vom Halter griff, bevor ihre Hand es berührte, starrte sie mich auf Zustimmung an. Nachdem wir sie abgetrocknet hatten, gingen wir zurück ins Schlafzimmer. Ein großer Wagen stand in der Nähe des Tischrands, gefüllt mit allen möglichen Speisen. Jemand musste hereingekommen sein, um es abzustellen. „Wo willst du, dass ich… Killian?“ Ariella sagte verführerisch und ließ ihre Finger über die Knöpfe meines weißen Hemdes gleiten. Meine Hände schossen heraus und hielten sie fest, bevor sie das Handtuch fallen ließ. Abgesehen von der leichten Möglichkeit, dass dies meine Schwester war, gab es keine verdammte Chance, dass wir nach allem, was sie durchgemacht hatte, Sex haben würden. „Es gibt einige Kleider in den Koffern neben dem Bett. Sie sind wahrscheinlich alle groß, aber trag, was du willst, und komm an den Tisch, um zu essen.“ Ihr Ausdruck verwandelte sich von verführerischer Überraschung, als wären meine Worte in einer anderen Sprache. Wir aßen schweigend zu Abend, mein übergroßes graues Hemd hing kaum an ihrem Körper, fiel mehrfach von ihrer Schulter. Sie aß wie ein ausgehungertes Tier, schaufelte das Essen in den Mund, als würde es verschwinden, wenn sie auch nur kurz wegblickte. In meiner Erschöpfung und Verzweiflung, ins Bett zu gehen, stellte sich das letzte Problem des Abends. „Wir müssen früh aufstehen. Ich weiß, dass du wahrscheinlich verwirrt bist, ich erkläre dir bald alles, okay? Geh ins Bett.“ Sie zitterte leicht auf den Füßen, bevor sie auf das Bett kroch, sich in der Mitte positionierte, auf Händen und Knien, den Rücken gewölbt. Sie präsentierte sich mir. Mir stieg beinahe die Galle in die Kehle. „Was machst du? Ich habe dir nicht gesagt, dass du das tun sollst.“ „Ich_ du hast mir gesagt, ich soll…“ Wenn sie zuvor zitterte, bebte sie jetzt. Auf dem Bett sitzend, strich meine Hand durch ihr jetzt trockenes Haar. Ariella schnurrte praktisch, lehnte sich an meine Hand. „Ich wollte schlafen. Nicht mehr. Ich werde dich nicht anfassen.“ Meine Arme schlangen sich um ihre schlanke Taille, so dünn, dass es fast ungesund war. Fast. Wir setzten uns auf unterschiedliche Seiten des Bettes, da sie mich wahrscheinlich sowieso nicht berühren wollte. Dass sie sich mir anbot, wann immer sie konnte, war nur ein weiterer Beweis für den Horror, den sie erlebt hatte. Warme Arme schlossen sich schüchtern um meine Brust, und dann vergrub sich ihre schwarze Haarmähne in der Armbeuge meines Halses, ihr Atem heiß auf meiner Haut, während sie sprach. „Bitte verkauf mich nicht.“ Meine Worte blieben mir im Hals stecken, unfähig, ihr eine Antwort zu geben. Selbst wenn sie nicht meine Schwester war, gab es keine verdammte Chance, dass sie zurück ins System ging, das sie so klar im Stich gelassen hatte.(*SIEBEN Jahre später*)Der Ansager rief den Namen meiner Frau auf, und ich stand voller Stolz auf, um zu klatschen.Ariella betrat die Bühne und lächelte strahlend, während ihr Abschlusskleid nahtlos ihren Körper umspielte.Sie nahm ihr Diplom entgegen, schüttelte allen ihren Betreuern die Hand, bevor sie die Bühne verließ und sich zu den anderen Absolventen gesellte.Sie war wahrscheinlich die Älteste unter ihnen, doch das Leuchten in ihren Augen hatte mit jedem Tag, den sie an dieser Hochschule verbracht hatte, nie nachgelassen. Und nun hatte sie endlich den Rest ihres Traums verwirklicht.„Wow! Mama sieht so hübsch aus. Ihre Klamotten sehen lustig aus.“ Nikolai kicherte und klatschte, während er auf den Stuhl hüpfte, auf dem er stand, um seine Mama besser sehen zu können.Alina saß neben ihm, ließ ihre Beine baumeln, unbeeindruckt von ihrer Umgebung und ganz in das vertieft, was auch immer einem Zweijährigen gerade durch den Kopf geht.Nikolai war drei Jahre älter und sich seiner
Killian gab mir Anweisungen, während ich fuhr – mein Körper war angespannt und von Panik erfüllt.Meine Füße blieben fest auf der Bremse, bereit, sie bei Bedarf voll durchzutreten. Und selbst wenn es gar nicht nötig war.„Gib einfach ein bisschen Gas. Du fährst ja nicht zu schnell oder so, aber wir stehen schon seit fast einer Stunde hier.“ Er klang nicht, als hätte er genug von mir – wenn überhaupt, dann war es eher so, als könne er gar nicht genug von mir bekommen.„Du warst es doch, der mir gesagt hat, ich solle fahren. Vielleicht war das ein Fehler, lass uns wieder die Plätze tauschen.“Er beugte sich zu mir herunter und drückte mir einen sanften Kuss auf die Lippen. „Nichts an dir ist ein Fehler, Liebes. Vergiss das niemals. Und jetzt lass uns loslegen.“Es dauerte noch eine Stunde, bis er mir genug beigebracht und mir so viel schöne Worte gesagt hatte, dass ich das Auto in Bewegung setzen konnte.Nach ein paar Minuten war es schon gar nicht mehr so schlimm wie zuvor. Er lotste m
Kaum waren Anyas Worte ausgesprochen, da explodierte Kirilli schon und schimpfte und beschimpfte Killian.Seine Worte wechselten schnell zwischen Englisch und Russisch hin und her, aber auch ohne sie zu verstehen, wusste ich, dass das, was aus seinem Mund kam, nichts Gutes bedeutete.Killian zeigte keinerlei Reaktion und stand einfach nur da, während sein Vater ihn beschimpfte.Erst als Kirilli nach mir griff, reagierte Killian.Es ging so schnell, dass ich es fast übersehen hätte.Killians Hand schlang sich um den Hals seines Vaters, schleuderte ihn gegen eine Wand und drückte zu.„Killian!“, rief Anya mit schriller, panischer Stimme, die Augen weit aufgerissen, während Killian Kirilli weiterhin mit mörderischer Absicht würgte.Ich stürzte vor, riss an seinem Arm, um ihn wegzuziehen. Meine Bemühungen zeigten keine Wirkung. „Killian, bitte hör damit auf. So geht das nicht. Lass nicht zu, dass noch jemand aus deiner Familie stirbt.“Er erstarrte und warf mir einen kurzen Blick zu. Sein
Sie war nicht schwanger geworden.Selbst nachdem ich ihr die Pille und einen Test besorgt hatte, tippte sie weiter mit dem Fuß auf den Boden, völlig paranoid.Ich hatte nicht damit gerechnet, sie heute zu sehen. Schließlich hatte sie nie zugestimmt, mit mir zur Beerdigung zu kommen.Meine Eltern waren bereits vorausgefahren und hatten mich allein zu Hause zurückgelassen. Niemand, der mich zwingen konnte, mitzugehen.Ein Teil von mir wollte überhaupt nicht hingehen. An ihrer Beerdigung teilzunehmen bedeutete, anzuerkennen, dass meine Schwester wirklich tot war.Dass all die Hoffnung, an der ich mich in den letzten Jahren festgehalten hatte, umsonst gewesen war – und das alles nur, weil ich verdammt noch mal zu spät gekommen war, um sie zu retten.Ein Klopfen an meiner Tür lenkte meine Aufmerksamkeit von dem gerahmten Foto in meinen Händen ab. Ein altes Bild von mir und Stella aus der Zeit, als meine Eltern mich in die Little League gesteckt hatten.„Ich komme gleich runter. Wer ist da?
Sobald sich meine Panikattacke gelegt hatte, gingen wir in meine Wohnung.Er war so sanft, so ruhig, als hätte er mir nicht gerade erst seinen Namen und alles andere verraten, um mir das Gefühl zu geben, vollständig zu sein.„Warum tust du das immer wieder? Du könntest jede haben. Buchstäblich jede Frau, die du willst. Warum bist du mir ständig hinterher und machst es mir unmöglich, an dieser Entscheidung festzuhalten?“ Am Ende brach meine Stimme, und ich konnte nicht weiterreden.„Weil ich nicht einfach irgendjemanden will. Ich will dich.“ Er setzte sich neben mich auf mein winziges Bett, legte seine Arme um meine Taille und drückte mir einen festen Kuss ins Haar. „Keine andere Frau gibt mir das Gefühl, das du mir gibst. Keine andere Frau weckt in mir den Wunsch, für sie die Welt in Schutt und Asche zu legen, so wie du es tust. Keine andere Frau kann du sein.“Meine Kehle schnürte sich zu, meine Augen glänzten vor Tränen, die ich seit Jahren aus Sturheit nicht hatte fließen lassen. „
Ariella und Michael waren nach draußen gegangen, um sich unter vier Augen zu unterhalten, ihre Geschichten aus der Vergangenheit zu vergleichen und über ihre Zukunft zu sprechen. Sie ließen mich mit Ariellas zierlicher Mitbewohnerin zurück. Ihr Aussehen täuschte jedoch. Sie war ein Monster in einem kleinen Körper.„Sie mag dich wirklich sehr, das weißt du doch, oder?“, sagte sie und nahm einen kleinen Schluck aus der Tasse in ihren Händen. „Ja, das ist mir bewusst. Ich wünschte nur, sie würde es zugeben. Nur noch ein einziges Mal.“ Ich stöhnte, und die Frustration drohte mich ausrasten zu lassen.„Es wird Zeit, dass du aufhörst zu wünschen und endlich etwas unternimmst. Du bist auf dem richtigen Weg, ihre Familie zu finden … aber im Moment gibst du ihre Liebe nur an andere weiter. Nimm dir zuerst deinen Anteil.“ Verwirrt zog ich die Augenbrauen hoch. „Meinen Anteil?“„Geh mit ihr aus, gib ihr das Gefühl, als hätte sie schon einen Freund. Es geht nicht nur um dich, sondern auch um s







