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Kapitel 5

Penulis: Bunny
last update Tanggal publikasi: 2026-06-24 18:30:39

Claras POV

Ich schlief nicht.

Nicht wirklich.

Ich saß auf der Kante dieses riesigen Bettes, mein Handy in der Hand, und starrte auf das Foto von Isabella Moretti auf dem Bildschirm. Der Akkustand war auf elf Prozent gefallen, bevor ich das Telefon schließlich weglegte.

Als die Sonne aufging, standen für mich zwei Dinge fest.

Erstens: Ich würde gehen, sobald Adrian mich aus diesem Penthouse ließ.

Zweitens: Bevor ich ging, wollte ich die ganze Wahrheit erfahren.

Ich fand ihn in der Küche.

Er saß an der Kücheninsel, seinen Kaffee unangetastet vor sich, ein Handy in der Hand. Er betrachtete es, als würde er auf etwas warten.

Als hätte er ebenfalls nicht geschlafen.

„Wer hat dich letzte Nacht angerufen?“, fragte ich.

Er blickte auf.

Ich weiß nicht, was in meinem Gesicht stand, aber offenbar genügte es.

„Setz dich“, sagte er.

„Ich will mich nicht setzen. Ich will eine Antwort.“

„Clara.“

„Du hast gesagt, jemand hätte angerufen, der weiß, wer ich bin. Also sag es mir.“

Er musterte mich einen Moment lang.

Als würde er abschätzen, wie viel ich an diesem frühen Morgen verkraften konnte, mit leerem Magen und ohne Schlaf.

Ich hasste es, wenn er das tat.

Entscheidungen für mich treffen, ohne mich zu fragen.

„Sein Name ist Aldo Moretti“, sagte Adrian schließlich. „Er behauptet, Isabellas Vater zu sein.“

Die Küche wurde still.

Ein Teil von mir hatte gewusst, dass so etwas kommen würde.

Trotzdem war ich nicht darauf vorbereitet.

„Und was hat das mit mir zu tun?“

„Er behauptet außerdem, dass du seine Tochter bist.“

Ich lachte.

Das Geräusch klang dünn.

Fast hysterisch.

„Das ist nicht lustig.“

„Ich mache keine Witze.“

„Als ich sechs Jahre alt war, starben meine Eltern“, sagte ich. „Bei einem Autounfall. Ich bin in Pflegefamilien aufgewachsen. Ich habe die Unterlagen. Die Akten. Eine komplette Kindheit, in der keine Mafiafamilie vorkommt, von der ich noch nie gehört habe.“

„Ich sage nicht, dass er recht hat“, erwiderte Adrian vorsichtig. „Ich sage nur, dass er das behauptet.“

„Dann liegt er falsch.“

„Clara.“

„Er liegt falsch!“

Diesmal sagte ich es lauter.

Meine Hände zitterten.

Und ich hasste es, dass sie zitterten.

„Ich bin kein fehlendes Puzzleteil irgendeines Imperiums. Ich bin Studentin. Ich schreibe in zwölf Tagen eine Chemieklausur. Ich habe dreiundvierzig Dollar auf meinem Konto. Das ist alles.“

Adrian sagte nichts.

Er sah mich lediglich mit derselben ruhigen Geduld an wie am Abend zuvor auf dem Campusweg.

Als wäre er daran gewöhnt, dass Menschen vor ihm zusammenbrachen.

Als hätte er längst aufgehört, sich darüber zu wundern.

Irgendwie machte das alles nur schlimmer.

„Er wird heute Morgen herkommen“, sagte Adrian schließlich. „Du musst ihn nicht sehen, wenn du nicht möchtest.“

„Doch.“

Meine Antwort kam sofort.

„Ich will ihn sehen. Ich will ihm persönlich sagen, dass er die falsche Frau vor sich hat.“

„In Ordnung.“

„In Ordnung“, wiederholte ich.

Lange sagte keiner von uns etwas.

Der Kaffee wurde kalt.

Die Stadt erwachte.

Weit unter den Fenstern wurde sie lauter und geschäftiger.

„Warum bist du überhaupt so sehr darin verwickelt?“, fragte ich schließlich. „Warum interessiert es dich überhaupt, ob dieser Mann die Wahrheit sagt? Ich bin nicht dein Problem. Ich bin nicht Isabella.“

Etwas flackerte hinter seinen Augen auf.

Etwas Schnelles.

Etwas, das verschwand, bevor ich es richtig erkennen konnte.

Langsam schüttelte er den Kopf.

„Nein. Bist du nicht.“

„Dann warum?“

Er antwortete nicht sofort.

Stattdessen nahm er seine Tasse in die Hände und drehte sie leicht.

Als müsste er etwas mit seinen Händen tun.

Als seine Stimme schließlich erklang, war sie leiser als zuvor.

„Gestern Nacht sind zwei Männer in dein Zimmer eingebrochen. Mit dem Befehl, dir nichts anzutun.“

Ich schwieg.

„Jemand plant seit mehr als drei Tagen etwas mit dir. Jemand hat dich zu einem Teil seiner Pläne gemacht, ohne dass du jemals darum gebeten hast.“

Sein Blick traf meinen.

„Und das alles geschieht, weil ich dich gefunden habe.“

„Du bist also der Grund dafür.“

„Ich habe dich beobachtet, weil du ihr ähnlich siehst“, sagte er. „Wenn ich das nicht getan hätte, wäre dir vielleicht nie jemand aufgefallen. Vielleicht wärst du immer noch in deinem Wohnheimzimmer und würdest für deine Prüfung lernen, statt in meiner Küche zu stehen und mich zu fragen, warum der Vater einer toten Frau behauptet, du seist seine Tochter.“

Mir fiel nichts darauf ein.

Seine Ehrlichkeit traf mich völlig unvorbereitet.

Ich hatte erwartet, dass er ausweichen würde.

Eine halbe Antwort.

Eine weitere sorgfältig formulierte Lüge.

Stattdessen hatte er einfach die Wahrheit ausgesprochen.

Und sie zwischen uns gelegt.

Hässlich.

Unbequem.

„Das klingt nicht wirklich wie eine Entschuldigung“, sagte ich schließlich.

„Nein.“

Er nickte.

„Ist es auch nicht.“

Das schrille Summen der Gegensprechanlage durchschnitt die Stille.

Adrian wandte sich zur Wandkonsole und drückte den Knopf.

„Mr. Moretti ist hier“, erklang eine Stimme aus dem Lautsprecher.

Mein Magen sank bis in die Knie.

Adrian sah mich an.

„Das muss nicht jetzt sein.“

„Doch.“

Ich richtete mich auf.

Auch wenn nichts in mir wirklich stabil war.

„Lass ihn hochkommen.“

Einen Moment hielt er meinen Blick fest.

Dann drückte er erneut den Knopf.

„Schicken Sie ihn hoch.“

Während wir warteten, ging ich zum Fenster.

Wie in der Nacht zuvor legte ich meine Hand gegen das Glas.

Unten bewegten sich Menschen durch die Straßen.

Kleine Gestalten.

Kleine Leben.

Niemand hatte eine Ahnung von dem Chaos über ihren Köpfen.

Ich dachte an meine Akte aus der Pflegefamilie.

An die Sozialarbeiterin, die mir mit sechs Jahren erklärt hatte, dass meine Eltern tot seien.

Dass ich keine Familie mehr hätte.

Dass niemand kommen würde.

Nie hatte mir jemand gesagt, dass das eine Lüge gewesen sein könnte.

Der Aufzug klingelte.

Ich drehte mich um.

Ein älterer Mann trat heraus.

Groß.

Silbernes Haar.

Gekleidet wie jemand, dessen Familie seit Generationen reich war.

Sein Gesicht trug mehr Spuren als nur die des Alters.

Und als sein Blick auf mich fiel, zerbrach etwas darin.

„Isabella“, hauchte er.

„Clara“, korrigierte ich sofort.

Genau wie bei Adrian vor zwei Nächten.

Doch er schien mich nicht zu hören.

Langsam trat er näher.

Seine Augen füllten sich mit etwas, das erschreckend nach Trauer aussah.

„Ihre Augen“, sagte er leise. „Du hast ihre Augen. Ich würde diese Augen unter Millionen wiedererkennen.“

„Ich kenne Sie nicht.“

Beim letzten Wort brach meine Stimme leicht.

Er nickte langsam.

„Nein.“

Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.

„Aber ich kenne dich, seit dem Tag deiner Geburt.“

Im Raum wurde es vollkommen still.

„Was soll das heißen?“, fragte ich.

Der Mann zog ein gefaltetes Blatt Papier hervor.

Es war alt.

Die Knickstellen waren abgenutzt, als hätte er es jahrelang mit sich herumgetragen.

Mit einer leicht zitternden Hand hielt er es mir entgegen.

„Es bedeutet“, sagte er leise, „dass der Autounfall, von dem man dir erzählt hat, als du sechs Jahre alt warst, niemals stattgefunden hat.“

Mir stockte der Atem.

„Und es ist Zeit, dass du erfährst, wer dich damals mitgenommen hat.“

Eine Pause.

„Und warum.“

Ich wollte das Papier nicht nehmen.

Konnte es nicht.

Meine Hand bewegte sich keinen Millimeter.

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