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Beansprucht

last update Fecha de publicación: 2026-07-09 13:47:10

Lyra hatte Seide noch nie gehasst.

Jetzt jedoch wollte sie jedes einzelne Stück davon verbrennen.

Der Stoff, den sie trug, schmiegte sich sanft an ihre Haut, während zwei Frauen des Palastes sie durch endlose schwarze Flure führten. Die Ketten waren verschwunden und durch silberne Armreifen ersetzt worden, die ihre Handgelenke wie Schmuck umschlossen, was sich irgendwie noch schlimmer anfühlte.

„Geh ordentlich“, schnauzte eine der Frauen.

Lyras Kiefer spannte sich augenblicklich an.

Der nördliche Palast war zu still und zu makellos.

Unter anderen Umständen hätte sie ehrfürchtig gestaunt.

Doch nicht jetzt.

Jeder Diener bewegte sich mit gesenktem Kopf und vorsichtigen Schritten, als hätte er Angst, zu laut zu atmen.

Die Frauen blieben vor einer gewaltigen Doppeltür stehen.

Eine von ihnen klopfte einmal, bevor sie die Tür aufstieß.

„Bringt sie herein.“

Lyra zögerte.

Als eine der Frauen sie hineinstieß, stolperte sie und kämpfte darum, das Gleichgewicht wiederzufinden.

Der Raum, in den sie gestoßen wurde, war riesig.

Dunkle Wände.

Hohe Fenster.

Silberne Kerzen, deren Licht sanft auf den schwarzen Stein fiel.

Und nahe dem Kamin saß Elira.

Die Luna wirkte außerhalb der Thronhalle anders.

Weniger unnahbar.

Und irgendwie noch gefährlicher.

Ihr blasses Haar fiel über eine Schulter, während sie ein Glas dunklen Weins zwischen ihren eleganten Fingern hielt.

Langsam hob sie ihre silbernen Augen zu Lyra.

„Da ist sie ja“, murmelte Elira lächelnd, als Lyra es endlich auf wenig elegante Weise schaffte, aufrecht zu stehen.

Die Dienerinnen verbeugten sich tief.

„Wir haben sie wie befohlen gereinigt, Luna.“

Elira summte leise.

„Ihr könnt gehen.“

Die Frauen verschwanden augenblicklich.

Stille erfüllte den Raum.

Lyra blieb steif an ihrem Platz stehen, während Elira sie lange betrachtete, bevor sie erneut sprach.

„Du siehst sauber deutlich weniger bemitleidenswert aus.“

Lyra sagte nichts.

Sie hatte keine Ahnung, welche Karten sie ausspielen sollte.

Wie sollte sie sich überhaupt verhalten?

Der Blick der Luna glitt langsam über Lyras Körper.

Das dünne silberne Kleid, das man ihr angezogen hatte, ließ ihre Schultern völlig frei, während der Stoff hoch an einem Oberschenkel endete.

Demütigung kroch durch Lyras Brust.

Zum ersten Mal seit ihrer Ankunft fragte sie sich, welche Rolle sie hier spielen sollte.

„Du bist hübsch“, sagte Elira beiläufig.

„Ein gutes Haustier.“

Lyras Augen verhärteten sich, während ihr Herz in die Tiefe sank.

Elira bemerkte es.

Belustigung flackerte über ihr Gesicht.

Anmutig erhob sie sich.

Selbst barfuß bewegte sich die Luna wie eine Königin.

„Du solltest dankbar sein“, fuhr Elira fort, während sie langsam näher kam.

„Darius wollte dich töten.“

Lyras Magen zog sich leicht zusammen.

Elira blieb direkt vor ihr stehen.

Einen Moment lang sagte keine von ihnen etwas.

Dann hob Elira plötzlich die Hand und strich mit den Fingerspitzen über Lyras Wange.

Lyra wich sofort zurück.

Eliras Augen verengten sich leicht.

„Da.“

Sie flüsterte.

„Schon wieder dieses Gefühl.“

Welches Gefühl?, fragte Lyra sich.

Elira musterte ihr Gesicht aufmerksam, als suche sie unter ihrer Haut nach etwas.

„Was bist du?“, murmelte sie.

Bevor Lyra überlegen konnte, was sie antworten sollte, öffneten sich erneut die Türen.

Sofort spannte sich jeder Nerv in ihrem Körper an.

Der ganze Raum veränderte sich.

Darius trat ein.

In dem Moment, als sein Blick auf Lyra fiel, verdunkelte sich sein Gesichtsausdruck.

„Ich dachte, ich hätte dir gesagt, du sollst sie von mir fernhalten.“

Elira seufzte übertrieben.

„Und ich habe dir gesagt, dass ich sie haben will.“

Darius ignorierte sie vollständig.

Seine silbernen Augen blieben auf Lyra gerichtet.

Etwas Gefährliches flackerte darin auf.

Lyra senkte sofort den Blick.

Sein Wolf, wurde ihr klar.

Sie erinnerte sich an das Gefühl von zuvor.

Er hatte sie bemerkt.

Ihr Herz begann schneller zu schlagen.

Warum hatte er mich bemerkt?

Panik stieg in ihr auf.

Und der Anspannung in seinem Kiefer nach zu urteilen, hasste Darius genau das.

„Sie ist ein Mensch“, stieß er kalt hervor.

Elira lehnte sich träge gegen den Tisch.

„Nein“, korrigierte sie sanft.

„Ist sie nicht. Sie riecht anders.“

Darius' Blick wurde schärfer.

„Es ist mir egal, wie sie riecht.“

Seine Augen glitten erneut langsam über Lyra.

Lyra hasste sich selbst dafür, dass sie bemerkte, wie schön er war.

„Sie hat den Verwandlungstest nicht bestanden“, fuhr er fort.

„Werft sie in die Unterkünfte der niederen Dienerschaft und beendet die Sache.“

Elira legte den Kopf schief.

„Du hast sie angestarrt.“

Endlich sah Darius seine Frau an.

Elira lächelte wissend.

„Und selbst jetzt starrst du sie noch an.“

„Ich kenne dich“, fuhr sie leise fort.

„Ich habe gespürt, wie dein Wolf reagiert hat.“

Lyra erstarrte augenblicklich.

Darius' Miene wurde tödlich.

„Hör auf.“

„Ach bitte.“

Elira verdrehte leicht die Augen.

„Du tust ja gerade so, als würde sie versuchen, dich zu verzaubern.“

„Sie ist ein Mensch.“

„Das behauptest du ständig.“

„Und trotzdem hat dein Wolf sie bemerkt.“

„Das bedeutet gar nichts.“

Langsam ging Elira auf ihn zu.

„Du hast keinen Grund, einen Menschen zu fürchten, Darius.“

Sein Kiefer spannte sich scharf an.

„Ich fürchte keine Menschen.“

„Ja“, stimmte Elira leise zu.

„Es ist mehr als das.“

Lyra blieb vollkommen regungslos zwischen ihnen stehen, während der Raum kälter zu werden schien.

Schließlich sah Darius sie erneut an.

Diesmal war der Hass in seinen Augen unübersehbar.

„Du hast keine Ahnung, wozu Menschen fähig sind“, sagte er leise.

Etwas an seinem Ton ließ Lyras Brust eng werden.

Sie war kein Mensch.

Doch sie hatte keine Möglichkeit, das zu beweisen.

Eliras Gesichtsausdruck wurde etwas weicher.

Dann seufzte sie.

„Sie interessiert mich.“

Darius schnaubte.

„Du sammelst aus Langeweile gefährliche Dinge.“

„Vielleicht.“

Nun ging Elira langsam um Lyra herum, als würde sie eine Ware begutachten.

Ihre Finger strichen leicht über Lyras Kiefer.

„Es ist verstörend“, murmelte sie leise.

Ihr Blick verließ Lyras Gesicht nicht.

„Die Ähnlichkeit zwischen ihnen.“

Darius' Miene verdunkelte sich augenblicklich.

„Fang mit diesem Unsinn nicht schon wieder an.“

„Du siehst es doch auch, oder?“

„Es bedeutet nichts.“

Sie summte leise.

„Stimmt.“

„Aber vielleicht doch.“

Dann lächelte sie plötzlich breit.

„Ich möchte, dass sie richtig ausgebildet wird.“

Lyras Magen verkrampfte sich heftig.

„Für den Dienst im Palast.“

Die Art, wie Elira das sagte, ließ Lyra unruhig werden.

Darius wirkte bereits angewidert.

Plötzlich blieb Elira hinter Lyra stehen.

Ihre Finger glitten sanft durch Lyras Haar.

„Sie ist wunderschön, Darius.“

Lyra versteifte sich augenblicklich bei der Art, wie diese Worte klangen.

„Und verängstigt“, fuhr Elira dicht an ihrem Ohr leise fort.

„Diese Kombination bringt mächtige Männer zu Fall.“

Darius' Augen verdunkelten sich gefährlich.

„Elira.“

Die Warnung in seiner Stimme war scharf.

Doch Elira lächelte nur noch breiter.

„Ich präsentiere sie dir“, sagte sie leichthin.

„Sobald sie ausgebildet ist, wird sie vielleicht ganz unterhaltsam.“

Lyra wurde übel.

Während Darius wütend aussah.

„Ich teile deine Interessen nicht.“

„Nein?“

Elira hob eine Augenbraue, während sie ihren Mann ansah.

Schwere Stille legte sich über den Raum.

Lyras Herz schlug immer schneller.

Plötzlich setzte Darius sich in Bewegung.

So schnell, dass Lyra zusammenzuckte.

Er blieb unmittelbar vor ihr stehen.

Sie konnte den Winter riechen, der an ihm haftete.

Sie schnappte nach Luft und versuchte zurückzuweichen.

Seine silbernen Augen suchten langsam ihr Gesicht ab.

Lyra zwang sich, den Blick nicht abzuwenden.

Plötzlich hob er die Hand.

Ihr Atem stockte.

Doch seine Fingerspitzen strichen nur leicht über ihren Hals, bevor sie zu ihrem Handgelenk glitten, wo sich das Brandmal des menschlichen Sklaven befand.

Sein Kiefer spannte sich augenblicklich an.

Ekel flackerte über sein Gesicht.

Vor ihr.

Und vielleicht auch vor sich selbst, weil er sie berührt hatte.

„An ihr ist nichts Besonderes“, sagte er kalt.

Ein leises Lächeln spielte um Eliras Lippen.

Abrupt trat Darius zurück.

„Mach mit ihr, was du willst“, murmelte er.

„Halte sie nur von mir fern.“

Doch bevor er die Türen erreichte, blieb er stehen.

Ohne sich umzudrehen, sprach er erneut.

„Wenn sie Schwierigkeiten macht“, sagte er leise, „werde ich sie eigenhändig töten.“

Dann verließ er den Raum.

Die Türen schlugen hinter ihm zu.

Die Stille blieb zurück.

Endlich ließ Lyra den Atem entweichen, den sie die ganze Zeit angehalten hatte.

Elira betrachtete einen Moment lang die geschlossenen Türen, bevor sie leise vor sich hin lachte.

„Nun“, murmelte sie.

„Er kann so stur sein.“

Vorsichtig sah Lyra zu ihr hinüber.

Langsam wanderten Eliras silberne Augen zurück zu ihr.

Plötzlich verschwand jede Spur von Belustigung.

„Du“, sagte sie leise, „wirst entweder mein liebster Besitz werden …“

Sie trat näher.

Ihr Blick war unlesbar.

„Oder der größte Fehler, den ich jemals gemacht habe.“

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