LOGINElira hob den Riegel an und stieß die Tür auf, bevor sie eintrat.Der Raum war dämmrig, kalt und roch schwach nach einem winterlichen Luftzug. Nach etwas, das verdächtig nach Zuhause roch.Elira schüttelte bei diesem Gedanken leicht den Kopf.Nyra stand mitten im Raum, nur mit einem dünnen Unterkleid aus Baumwolle bekleidet, das ihr bis knapp über die Knie reichte—mit nackten Beinen, nackten Schultern und völlig überrumpelt.Elira ließ ihren Blick sinken und glitt langsam über die Linie der scharfen Schlüsselbeine des Mädchens, die blasse Rundung ihrer nackten Schultern, ihre Kurven und hinab zu ihren langen, zarten Beinen.Sie hielt einen Morgenmantel vor ihren Körper wie einen Schild, ihre großen Augen fest auf Eliras Gesicht gerichtet.Sie ist wirklich außergewöhnlich anzusehen, dachte Elira, während eine stille Welle der Belustigung in ihrer Brust aufstieg. Es war nicht nur ihre körperliche Schönheit—der Palast war voller hübscher Dinge. Es war die rohe Intensität unter der Haut de
Lyra befand sich wieder einmal in der königlichen Krankenstation, die nach bitteren Salben roch.Sie saß auf der Kante der schmalen Pritsche und beobachtete schweigend, wie der Palastmedikus ihr linkes Handgelenk mit sauberem, weißem Leinen verband.„So, fertig“, sagte der Medikus und wischte sich die Hände an einem Tuch ab. „Es ist nur ein einfacher Schnitt. Halten Sie die Wunde trocken und heben Sie zwei Tage lang nichts Schweres.“„Danke“, sagte Lyra leise.Der Medikus nahm seine Tasche und verließ den Raum, wobei er die Holztür hinter sich schloss.Lyra lehnte den Kopf gegen die kalte Steinwand und ließ endlich ihre Schultern sinken.Sie betrachtete ihren verbundenen Arm. Warum hatte sie sich in einen Kampf eingemischt, der sie nichts anging? Was, wenn sie genauer untersuchten, woher sie wusste, wie man sich verteidigte?Wenn jemand anfing, Fragen zu stellen, wusste sie nicht, wie viel von der Wahrheit sie verbergen konnte.Ein leiser Seufzer entwich ihren Lippen. All diese Vorsich
Das Dröhnen von Stahl und die gerufenen Befehle unter ihnen verstummten nicht; es wurde nur noch lauter.Der Hauptmann der königlichen Garde stürmte auf die hohe Terrasse.Darius und Elira eilten bereits auf das Chaos zu.„Was um den Namen der Göttin geht hier vor, James?“, rief Elira, während sie gemeinsam hinuntergingen.„Eure Hoheit! Die Delegation vom Anwesen Eurer Tante weigert sich, sich am inneren Tor zu entwaffnen! Unter den Wachen ist ein Kampf ausgebrochen.“Darius’ Gesicht verhärtete sich. Er warf Yvaine einen kurzen, scharfen Blick zu und sprintete ohne einen zweiten Gedanken mit Elira die steinerne Treppe hinunter in den darunterliegenden Innenhof.Und ließ die Terrasse völlig unbewacht zurück.Stille legte sich wieder über die steinerne Terrasse, erstickend und schwer.Prinzessin Yvaine blieb in ihrem geschnitzten Stuhl sitzen, ihr Gesicht blass, die Fingerknöchel weiß, während sie ihr Weinglas umklammerte. Nessa trat mit dem Rücken gegen die Wand, ihr Blick huschte zum
Die Griffe des silbernen Weintabletts fühlten sich an Lyra Knöcheln wie Eis an, doch es war die Hitze unter ihrer Haut, die ihre Handflächen schwitzen ließ.Sie stand in der Nähe des Königshauses auf der hohen Terrasse und rieb ihre Handgelenke in engen, nervösen Bewegungen aneinander.Sie überprüfte ihren Griff, lockerte ihre Finger und schloss sie dann in einem nervösen Kreislauf wieder um die Griffe. Nicht zudrücken. Nicht zu fest. Bleib einfach ruhig.Es waren zwei Tage seit dem Vorfall im Arbeitszimmer vergangen. Der Alpha und die Luna taten so, als wäre nichts geschehen. Doch jeder Tag fühlte sich für Lyra wie ein Pfad an, den sie vorsichtig beschreiten musste.„Du starrst deine eigenen Hände an, als würden sie gleich Feuer fangen. Yvaine wird noch denken, du planst, sie zu vergiften. Entspann dich.“Nessa flüsterte neben ihr, während sie eine Schale mit Pflaumen zurechtrückte. Nessa ließ den Blick weiterhin nach vorn gerichtet, ihre Stimme kaum mehr als ein Hauch.„Sie kann Ang
Luna Elira stand nahe der Kante ihres Schreibtisches und beobachtete, wie ihr Gefährte das Menschenmädchen gegen die Steinwand presste.Noch immer stieg dichter, geisterhafter Dampf in Schwaden von dem zerbrochenen silbernen Kessel auf dem Boden empor und vermischte sich mit dem Geruch von verschüttetem Tee und verbranntem Holz.Darius hielt die Sklavin an ihrem Unterarm fest, seine gewaltige Gestalt ragte über ihren zitternden Körper auf, während seine dunkel silbernen Augen vor tödlichem Misstrauen brannten, das die Stille des Raumes erfüllte.Elira sah nicht auf das Chaos auf dem Boden. Stattdessen war ihr scharfer Blick einzig und allein auf Nyra gerichtet.Das Mädchen war vor Angst erstarrt. Ihre weit aufgerissenen Augen glänzten vor blankem Entsetzen, ihre Brust hob und senkte sich in schnellen, flachen Atemzügen, während
Das private Arbeitszimmer der Luna war still und wurde von einem Feuer im Kamin gewärmt.Sonnenlicht fiel durch die hohen, gewölbten Fenster und tauchte den schweren Schreibtisch in Licht, an dem Luna Elira mit einem Stapel Papiere saß.Am anderen Ende des Raumes stand Alpha Darius am kalten Fenster und blickte hinaus auf den vereisten Innenhof.Er stand mit dem Rücken zum Raum, schweigsam und vollkommen distanziert.Lyra trat leise ein, den Kopf gesenkt und die Schritte leicht, während sie das Teetablett trug. Sie konzentrierte sich darauf, ihre Hände ruhig zu halten.Nach allem, was sie in den unteren Verliesen durchgemacht hatte, wollte sie einfach nur ihre Arbeit erledigen, Ärger vermeiden und das Arbeitszimmer verlassen, ohne die Aufmerksamkeit irgendjemandes auf sich zu ziehen.„Du siehst gut aus, Nyra“, sagte Elira sanft, ohne von ihrer Lektüre aufzusehen. Ihre Stimme war ruhig und leicht, als würde sie lediglich eine beiläufige Unterhaltung führen.„Die oberen Gemächer scheine







