MasukSieben Tage.Sieben Tage im Silbernen Schleier, um seinen Kopf freizubekommen.Fort vom Hof. Fort von den endlosen Streitigkeiten.Darius hatte seinen Wolf unter den Wäldern des Tieflands frei laufen lassen, wo die silbergrünen Bäume dicht wuchsen und die Luft mild und warm war. Keine Politik.Nur meilenweites, offenes Land, auf dem Wölfe rennen konnten, ohne auch nur eine andere Seele zu sehen. Er war mit Elira dorthin gegangen, zurück in ihre Heimat und an den Ort, an dem seine eigene Mutter geboren worden war.Zum ersten Mal seit Monaten hatte er sich erlaubt, einfach zu existieren, ohne Alpha Darius zu sein.Er dachte, es hätte funktioniert.Und alles, was es brauchte, war ein einziger Blick auf sie, damit er erkannte, dass diese sieben Tage nutzlos gewesen waren.Ein Wachmann stand im Flur über Nyra. Sie lag auf dem Boden und blutete.Sein Blick glitt langsam über sie. Blut klebte an ihrer Unterlippe. Auf ihrer Wange zeichnete sich bereits ein dunkler Bluterguss ab. Ihre Hände pr
Seit fast einer Woche waren Alpha Darius und Luna Elira aus dem Palast fort.Niemand schien genau zu wissen, wohin sie gegangen waren. Unter den Dienern wurde über Grenzstreitigkeiten, Inspektionen und Angelegenheiten geflüstert, die offenbar nur die Herrscherfamilie etwas angingen.Lyra hörte die Gerüchte, ohne ihnen viel Aufmerksamkeit zu schenken. Seit dem Morgen, an dem sie aufgebrochen waren, hatte sie keinen von beiden gesehen, und im Palast war wieder der gewohnte Alltag eingekehrt.Sechs Tage lang hatte sie diesen seltsamen Druck in ihrer Brust nicht gespürt.Sie hatte nicht dieses plötzliche Bewusstsein empfunden, das sie jedes Mal überkam, wenn einer von beiden einen Raum betrat.Ohne sie fühlte sich der Palast leichter an. Sie fühlte sich leichter. Die Arbeit ging weiter wie gewohnt. Sie hielt sich in den königlichen Hallen auf, kümmerte sich um ihre eigenen Angelegenheiten, beobachtete jedoch weiterhin alles um sich herum, denn eines Tages würde sie diesen Ort verlassen mü
Darius stand allein in der Mitte seines dunklen privaten Arbeitszimmers, sein Atem kontrolliert, schwer und unnatürlich.Die Stille des Raumes hatte ihm gewöhnlich Frieden gebracht. Heute Nacht fühlte sie sich wie eine Beleidigung an.Vor kurzer Zeit war er aus den unteren Ebenen zurückgekehrt und hatte Nyra dort zurückgelassen. Doch er war nicht in der Lage gewesen, auch nur ein einziges Dokument auf seinem schweren Eichenschreibtisch anzufassen. Stattdessen hatte er einfach vor dem erloschenen Kamin gestanden und darauf gewartet, dass sein Körper ihm wieder gehorchte.Er weigerte sich.Tief in seiner Brust lief sein Wolf rastlos hin und her und krallte sich mit einem verzweifelten, wilden Instinkt in sein Innerstes.Meine, verlangte das Tier und wiederholte diesen Anspruch immer wieder, bis das Wort in Darius’ Kopf widerhallte.Nein, dachte Darius kalt zurück und setzte seine Autorität als Alpha ein, um das Tier zum Schweigen zu bringen. Sie ist nichts. Sie ist eine menschliche Dien
Der Norden hatte die Angewohnheit, Gewalt schnell zu verschlucken.Ein paar Tage vergingen, und das Anwesen kehrte langsam zu dem Rhythmus zurück, den es gekannt hatte, bevor Blut seinen Innenhof befleckt hatte.Prinzessin Yvaine blieb im Palast. Sie hielt sich nun größtenteils in ihren Gemächern auf, ihre Anwesenheit wurde nicht länger hinterfragt. Welchen Sturm auch immer ihre Ankunft mit sich gebracht hatte, er hatte sich zu einer unbehaglichen Stille gelegt.Und wie immer ging der Norden weiter.Die Diener standen vor Sonnenaufgang auf. Feuer wurden entzündet. Mahlzeiten wurden zubereitet. Die Wachen wechselten ihre Schichten.Berichte von den Grenzen trafen ein, und territoriale Streitigkeiten, die nichts mit Blut oder Silber zu tun hatten, verlangten nach Aufmerksamkeit.Darius war das nur recht. Routine hatte etwas Beruhigendes.Seine Vormittage waren wieder von den endlosen Pflichten als Hoher Souverän erfüllt.Am späten Nachmittag war das Feuer in seinem Arbeitszimmer fast her
Das steinerne Treppenhaus hallte unter dem dumpfen, schweren Aufprall von Darius’ Stiefeln wider, während er zum unteren Innenhof hinabstieg.Gewalt selbst war nichts Neues für ihn. Er war in der brutalen, erbarmungslosen Kälte des Nordens aufgewachsen, einem Königreich, geschmiedet aus Blut, Eisen und hartem Überlebenskampf.Er hatte Männer gesehen, die auf dem Schlachtfeld in Stücke gerissen worden waren, hatte Feinde mit bloßen Händen getötet und sich im Blut des Krieges gebadet, seit er alt genug gewesen war, ein Schwert zu halten.Blutvergießen schockierte ihn nicht. Gewalt hatte einen Zweck.Was ihn erzürnte—was den dunklen, gewalttätigen Puls seines Alpha-Wolfes unter seiner Haut aufheulen ließ—war diese schiere, unerbittliche Unordnung.Als er den Torbogen erreichte, der in den Innenhof führte, versetzte ihn der Anblick vor ihm in eine noch schlechtere Stimmung.Am Tag zuvor waren die Soldaten der Delegation seines Onkels mit seinen eigenen Wachen in eine wilde, ungeordnete Sc
Die Nacht in den kleinen Dienerquartieren war still.Lyra lag in ihrem schmalen Bett, ihr Geist war leer, und sie schlief tiefer als jemals zuvor in diesem Palast.Dann kam der Schmerz.Er begann als dumpfe, pochende Hitze tief in ihrem verletzten Handgelenk, genau an der Stelle, an der das silberne Messer Stunden zuvor ihre Haut aufgeschlitzt hatte.Lyra regte sich, noch halb im Schlaf. Ihre Finger bewegten sich instinktiv zu ihrem Arm.In dem Moment, in dem sie ihre Haut berührten, schoss eine gewaltige Hitzewelle ihren Unterarm hinauf.Ihre Augen rissen auf.Sie fuhr keuchend hoch, während ihre Lungen sich verkrampften.Die Hitze war nicht einfach nur heiß. Sie brannte von innen nach außen, kroch wie flüssiges Eisen durch ihre Adern. Sie zog sich über ihren Ellbogen, durch ihre Schulter und schlug direkt in ihre Brust.Ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen.Sie bekam keine Luft.Ihre Finger krallten sich verzweifelt um ihren Arm, während abgehackte Atemzüge ihrer Kehle entrissen wurd







