LOGINIch wachte auf, weil Sonnenlicht durch meine Vorhänge brannte.
Mein Körper schmerzte. Meine Lippen kribbelten noch dort, wo er mich fast geküsst hätte. Fast. Ich presste die Finger an meinen Mund. Erinnerte mich daran, wie er mich angesehen hatte. Wie sich seine Hände an meiner Taille angefühlt hatten. Wie er sich zurückgezogen hatte, als wäre ich Gift. Ich setzte mich auf. Sah auf die Uhr. Neun Uhr morgens. Ich hatte kaum geschlafen. Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, sah ich ihn. Spürte ihn. Hörte seine Stimme Dinge sagen, die er nicht sagen durfte. Ich stand auf. Duschte. Zog Jeans und ein schlichtes Shirt an. Sprühte das Parfüm auf. Der chemische Geruch drehte mir den Magen um. Ich starrte mein Spiegelbild an. Fünf Jahre. Fünf Jahre, und nichts hatte sich geändert. Ich versteckte mich immer noch. Tat immer noch so, als wäre nichts. War immer noch unsichtbar. Ich ging nach unten. Aus dem Esszimmer drangen Stimmen. Gelächter. Ich blieb in der Tür stehen. Sie waren alle da. Mama. Papa. Isabella. Daemon. Sie frühstückten wie eine glückliche Familie. Isabella saß neben Daemon. Ihre Hand lag auf seinem Arm. Sie lächelte zu ihm auf. Er sah auf seinen Teller. Der Kiefer angespannt. „Irabella!“ Mamas Stimme war scharf. „Steh nicht einfach da. Setz dich.“ Ich ging zum Tisch. Nahm den Platz ihnen gegenüber. So weit weg wie möglich. Daemons Blick huschte zu mir. Dann wieder weg. Als wäre ich nicht da. Als wäre letzte Nacht nie passiert. „Hast du gut geschlafen, Ira?“, fragte Isabella. Ihre Stimme war süß. Unschuldig. Aber ihre Augen waren berechnend. „Gut“, sagte ich. „Du bist so früh vom Ball gegangen. Wir hatten kaum Zeit füreinander.“ Sie drückte Daemons Arm. „Nicht wahr, Liebling?“ „Ja“, sagte er. Seine Stimme war flach. Leer. „Mir war nicht gut“, log ich. „Oh nein.“ Isabellas Gesicht füllte sich mit falscher Besorgnis. „Bist du krank? Sollen wir einen Arzt rufen?“ „Mir geht es jetzt gut.“ Eine Bedienstete brachte mir Kaffee. Ich nahm ihn. Dankbar, etwas für meine Hände zu haben. „Wir planen nächste Woche ein Familienessen“, sagte Papa. „Der Rudelrat wird da sein. Wichtige Leute.“ „Klingt schön“, sagte ich. Es war mir egal. „Du wirst dabei sein“, sagte Mama. Es war keine Frage. „Natürlich.“ Isabella lehnte sich vor. „Es wird wundervoll. Wie in alten Zeiten. Die ganze Familie zusammen.“ Sie sah mich an, als sie es sagte. Lächelte. Ich wollte ihr meinen Kaffee ins Gesicht schütten. „Ich überlege, die Luna-Suite neu einzurichten“, fuhr Isabella fort. „Daemon ist so beschäftigt mit den Angelegenheiten des Rudels, dass er das Haus kaum noch wahrnimmt.“ Sie lachte. Leicht. Melodisch. Daemon sagte nichts. Schnitt nur sein Essen. Aß. Sah nicht auf. „Vielleicht kann Irabella helfen“, sagte Isabella. „Sie hatte immer einen guten Geschmack.“ „Ich habe kein Interesse an Einrichtung“, sagte ich. „Ach, komm schon. Das wird lustig. Schwestern, die Zeit miteinander verbringen.“ Das Wort „Schwestern“ fühlte sich an wie eine Ohrfeige. „Ich habe anderes zu tun“, sagte ich. „Was denn?“, fragte Mama. „Ich muss raus. Ein paar Besorgungen machen.“ „Nun, bleib nicht zu lange weg“, sagte Papa. „Wir essen heute Abend zusammen.“ „Alle zusammen“, fügte Isabella hinzu. Sie sah Daemon an. Dann mich. „Eine große glückliche Familie.“ Ich trank meinen Kaffee schweigend aus. Daemon hatte mich immer noch kein einziges Mal angesehen. Nach dem Frühstück floh ich nach oben. Ich war auf halbem Weg zu meinem Zimmer, als ich hinter mir Schritte hörte. Mama. „Irabella. Warte.“ Ich blieb stehen. Drehte mich um. Sie hielt etwas in der Hand. Noch mehr Parfümflaschen. „Hier.“ Sie drückte sie mir in die Hände. „Du hast nicht mehr viel.“ Ich sah auf die Flaschen hinunter. Drei Stück. „Ich habe genug“, sagte ich. „Man kann nie genug haben.“ Ihre Augen waren scharf. „Isabella hat erwähnt, dass Daemon letzte Nacht abgelenkt wirkte.“ Mein Herz setzte einen Schlag aus. „Und?“ „Und.“ Sie trat näher. Senkte die Stimme. „Du hast doch nichts getan, oder?“ „Was denn?“ „Stell dich nicht dumm. Du weißt genau, was ich meine.“ Ich hielt ihrem Blick stand. „Ich habe nichts getan.“ „Gut. Dabei bleibt es.“ Sie sah den Flur entlang. Vergewisserte sich, dass wir allein waren. „Er ist jetzt dein Schwager. Isabellas Ehemann. Du hältst dich von ihm fern.“ „Ich halte mich von ihm fern.“ „Ich meine es ernst, Irabella. Ruinier das nicht für deine Schwester. Sie ist endlich glücklich. Endlich gesund. Wage es ja nicht, ihr das zu nehmen.“ „Ich nehme niemandem etwas weg.“ „Denk einfach daran, was ich gesagt habe.“ Sie wandte sich zum Gehen. Hielt inne. „Und trag das Parfüm. Immer.“ Sie ging davon. Ich sah auf die Flaschen in meinen Händen hinunter. Mein Käfig. Ich ging in mein Zimmer. Stellte sie auf die Kommode zu den anderen. Eine ganze Reihe von ihnen jetzt. Wie Soldaten. Aufgereiht, um mich verborgen zu halten. Ich schnappte mir meine Tasche. Mein Handy. Meine Schlüssel. Ich musste raus aus diesem Haus. Ich fuhr in die Stadt. Parkte nahe der Hauptstraße. Die Rudelstadt war klein. Malerisch. Läden säumten beide Seiten der Straße. Menschen gingen ein und aus. Redeten. Lachten. Normale Menschen, die ein normales Leben führten. Ich stieg aus dem Auto. Fing an zu gehen. Ich kam an einer Gruppe Frauen vorbei. Sie hörten auf zu reden, als sie mich sahen. Starrten. Ich ging weiter. „Ist sie das?“ „Die, die Luna Isabella angegriffen hat?“ „Ich kann nicht glauben, dass sie zurück ist.“ Ihre Stimmen trugen weit. Laut genug, dass ich sie hören konnte. Laut genug, dass jeder sie hören konnte. Ich ging schneller. Das Café lag an der Ecke. Ich ging hinein. Die Glocke über der Tür klingelte. Alle drehten sich um. Das Lächeln der Barista verschwand, als sie mich sah. „Was darf es sein?“, fragte sie. Ihre Stimme war kalt. „Kaffee. Schwarz. Zum Mitnehmen.“ Sie machte ihn schweigend. Reichte ihn mir. Ich bezahlte. Sie nahm mein Geld ohne ein Wort. Ich ging. Lief zur Buchhandlung auf der anderen Straßenseite. Vielleicht könnte ich dort eine Weile verschwinden. Mich in Büchern verlieren. Ich stieß die Tür auf. Eine Frau stand am Tresen. Sie sah auf. Ihr Gesicht verhärtete sich. „Wir wollen keinen Ärger“, sagte sie. Ich blieb stehen. „Ich bin nur hier, um ein Buch zu kaufen.“ „Ich denke, Sie sollten gehen.“ „Ich habe nichts getan.“ „Sie haben die Luna angegriffen. Das reicht.“ Sie verschränkte die Arme. „Raus.“ Ich starrte sie an. Fünf Jahre. Fünf Jahre, und sie sahen mich immer noch an, als wäre ich ein Monster. Ich drehte mich um. Ging. Lief zurück zu meinem Auto. Meine Hände zitterten. Meine Brust fühlte sich eng an. Ich konnte nicht hierbleiben. Konnte nicht in dieser Stadt leben, in der mich alle hassten. In der alle Isabellas Lügen glaubten. Ich warf meinen Kaffee in einen Mülleimer. Stieg in mein Auto. Fuhr. Wusste nicht, wohin ich fuhr. Es war mir egal. Ich musste mich nur bewegen. Atmen. Ich landete am Stadtrand. In der Nähe des Waldes. Hielt an. Stieg aus. Ging zwischen die Bäume. Die Stille war besser. Kein Flüstern. Kein Starren. Nur ich und der Wald. Ich lief, bis mir die Beine wehtaten. Bis ich die Straße nicht mehr hören konnte. Dann blieb ich stehen. Lehnte mich an einen Baum. Schloss die Augen. Das war jetzt mein Leben. Vom Rudel gehasst. In dem Haus meiner Eltern gefangen. Zusehen, wie mein Gefährte meine Schwester liebte. Ich öffnete die Augen. Ging zurück. Der Rückweg dauerte länger, als ich gedacht hatte. Die Sonne stand tiefer, als ich wieder bei meinem Auto ankam. Ich fuhr zurück in die Stadt. Ich war fast beim Haus, als ich es sah. Daemons Auto. Geparkt vor dem Gebäude des Rudelrats. Mein Herz setzte einen Schlag aus. Ich sollte vorbeifahren. Nach Hause gehen. Aber ich tat es nicht. Ich parkte weiter unten in der Straße. Stieg aus. Sagte mir, ich müsse nur ein Stück gehen. Meinen Kopf freibekommen. Ich lief an Läden vorbei. An Menschen, die starrten. Bog um eine Ecke. Und lief direkt in jemanden hinein. Starke Hände fingen meine Arme auf. Hielten mich fest. Ich sah auf. Daemon. Wir erstarrten beide. Seine Hände lagen immer noch auf meinen Armen. Sein Duft umgab mich. Kiefer. Erde. Er. Das Band flammte auf. Heiß. Unmittelbar. Ich trat zurück. Seine Hände fielen herab. „Entschuldigung“, sagte ich. Meine Stimme klang rau. „Geht es dir gut?“, fragte er. Seine Augen suchten mein Gesicht ab. „Gut.“ „Du siehst nicht gut aus.“ Ich wandte den Blick ab. „Mir geht es gut.“ „Was machst du hier?“ „Ich gehe nur spazieren. Und du?“ „Ratssitzung.“ Er deutete auf das Gebäude hinter sich. Natürlich. Alpha-Pflichten. Wir standen da. Schweigend. Die Luft zwischen uns fühlte sich schwer an. Aufgeladen. „Du solltest nach Hause gehen“, sagte er schließlich. „Ich weiß.“ Aber keiner von uns rührte sich. Seine Augen ruhten auf mir. Intensiv. Forschend. Als versuchte er, etwas herauszufinden. „Sei vorsichtig“, sagte er leise. Ich runzelte die Stirn. „Vorsichtig wovor?“ Er antwortete nicht sofort. Sah mich nur an. „Sei einfach... vorsichtig.“ Dann drehte er sich um. Ging davon. Zurück zum Gebäude des Rudelrats. Ich stand da. Sah ihm nach. Sei vorsichtig. Was sollte das heißen? Vorsichtig vor dem Rudel, das mich hasste? Vorsichtig vor Isabella? Oder vorsichtig vor ihm? Ich wusste es nicht. Ich ging zurück zu meinem Auto. Fuhr nach Hause. Das Haus war still, als ich zurückkam. Ich ging direkt in mein Zimmer. Schloss die Tür ab. Setzte mich auf mein Bett. Starrte die Parfümflaschen auf meiner Kommode an. Sei vorsichtig. Seine Stimme hallte in meinem Kopf wider. Ich legte mich zurück. Starrte an die Decke. Das war Tag eins. Tag eins des Zurückseins. Des So-tun-als-ob alles normal wäre. Des Verbergens, was ich war. Des Ihn-aus-der-Ferne-Beobachtens. Ich schloss die Augen. Das würde mich umbringen. Langsam. Schmerzhaft. Aber ich hatte keine Wahl. Das war jetzt mein Leben.Kapitel SechsIsabella saß an ihrem Frisiertisch.Der Spiegel zeigte eine Frau, die alles hatte. Einen mächtigen Ehemann. Ein Rudel, das sie anbetete. Ein Leben, genau so aufgebaut, wie sie es wollte.Sie sollte zufrieden sein.Das war sie nicht.Ihr Handy hielt sie in der Hand. Seit zwanzig Minuten umklammerte sie es. Ihre Knöchel waren weiß.Sie sah es immer wieder vor sich. Die Art, wie Daemon Irabella auf dem Ball angesehen hatte. Dieser winzige Augenblick, bevor er sich gefangen hatte. Dieses Flackern in seinen Augen, das Isabella nie auch nur ein einziges Mal gesehen hatte, wenn er sie ansah.Erkennen.Sie legte das Handy vorsichtig auf den Frisiertisch. Nahm ihre Bürste. Begann, sie durch ihr Haar zu ziehen.Strich. Strich. Strich.Ihr Spiegelbild starrte sie an. Ruhig. Gefasst.In ihrem Kopf sah es anders aus.Was, wenn er es herausfindet.Der Gedanke kreiste seit letzter Nacht. Zuerst klein. Leicht abzutun. Aber er kam immer wieder, jedes Mal ein wenig lauter.Was, wenn sein
Ich wachte auf, weil Sonnenlicht durch meine Vorhänge brannte.Mein Körper schmerzte. Meine Lippen kribbelten noch dort, wo er mich fast geküsst hätte.Fast.Ich presste die Finger an meinen Mund. Erinnerte mich daran, wie er mich angesehen hatte. Wie sich seine Hände an meiner Taille angefühlt hatten.Wie er sich zurückgezogen hatte, als wäre ich Gift.Ich setzte mich auf. Sah auf die Uhr.Neun Uhr morgens.Ich hatte kaum geschlafen.Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, sah ich ihn. Spürte ihn. Hörte seine Stimme Dinge sagen, die er nicht sagen durfte.Ich stand auf. Duschte. Zog Jeans und ein schlichtes Shirt an.Sprühte das Parfüm auf.Der chemische Geruch drehte mir den Magen um.Ich starrte mein Spiegelbild an.Fünf Jahre. Fünf Jahre, und nichts hatte sich geändert.Ich versteckte mich immer noch. Tat immer noch so, als wäre nichts. War immer noch unsichtbar.Ich ging nach unten.Aus dem Esszimmer drangen Stimmen.Gelächter.Ich blieb in der Tür stehen.Sie waren alle da.Mama.
Fühlt sich anders anKapitel VierIch konnte nicht auf dem Ball bleiben.Nicht, während er mich so ansah. Nicht, während die Bindung in meiner Brust schrie, jedes Mal, wenn sich unsere Augen quer durch den Raum trafen.Ich sagte meinen Eltern, ich brauche Luft. Wartete nicht auf Erlaubnis.Ich schlüpfte aus dem Ballsaal. Ging einen Flur entlang. Dann noch einen.Das Rudelhaus hatte sich verändert. Neue Flügel. Neue Gänge. Nichts kam mir vertraut vor.Ich bog um eine Ecke und blieb stehen.Das war nicht richtig. Der Flur war hier dunkler. Ruhiger. Privater.Ich war zu weit gegangen.Ich drehte mich um, um zurückzugehen.Schritte hallten hinter mir.Schwer. Bedächtig.Mein Herz sprang mir in die Kehle.Ich drehte mich langsam um.Alpha Daemon stand am Ende des Flurs.Allein.Keine Isabella. Keine Gäste. Keine Zeugen.Nur er.Seine Augen verankerten sich in meinen. Dunkel. Intensiv.Raubtierhaft.„Du solltest nicht hier sein", sagte er.Seine Stimme war leise. Rau.Aber er kam auf mich z
Fünf Jahre verändern allesKapitel DreiFünf Jahre später.Das Auto hielt vor dem Haus, aus dem ich verbannt worden war.Nichts hatte sich verändert.Die gleichen weißen Säulen. Die gleichen perfekt gestutzten Hecken. Die gleiche kalte, leblose Villa, die sich nie wie ein Zuhause angefühlt hatte.Ich stieg aus.Mein Haar war jetzt länger. Weinrot. Ich hatte es am Tag nach meinem Weggang gefärbt. Eine neue Farbe für ein neues Leben.Nur war mein Leben nicht neu gewesen. Es war Überleben gewesen.Fünf Jahre Leben am Rande des Rudelgebiets. Fünf Jahre Gelegenheitsjobs. Fünf Jahre der Versuch, die Gefährtenbindung zu vergessen, die nie verschwand.Die Eingangstür öffnete sich.Mom und Dad standen dort. Warteten.Nicht Isabella.Natürlich nicht Isabella.Sie war jetzt verheiratet. Mit meinem Gefährten. Lebte ihr perfektes Luna-Leben, während ich in der Verbannung verrottete.Ich ging auf sie zu. Meine Stiefel knirschten auf der Kiesauffahrt.Moms Gesicht war ausdruckslos. Dads war wie aus
Kapitel ZweiIch sagte mir, dass ich nicht hinsehen würde.Ich blieb in meinem Zimmer. Setzte mich auf mein Bett. Starrte die Wand an.Aber dann hörte ich seine Stimme wieder, jetzt klarer, aus der Eingangshalle unten.Mein Körper bewegte sich von selbst.Ich stand auf. Ging zu meiner Zimmertür. Öffnete sie nur einen Spalt.Nur ein Blick. Das ist alles. Nur um ihn einmal zu sehen.Ich schlich zur obersten Stufe der Treppe. Der Marmorboden unten glänzte. Meine Eltern standen an der Tür, in ihren besten Kleidern. Isabella wartete auf der untersten Stufe, trug mein Kleid, meinen Schleier, meine Zukunft.Und dann kam er herein.Die Bindung traf mich wie ein Lastwagen.Meine Knie gaben nach. Ich klammerte mich am Geländer fest, um nicht zusammenzubrechen.Hitze durchflutete meinen Körper. Jede Nervenendung loderte auf. Meine Haut fühlte sich zu eng an. Meine Wölfin drängte nach vorn, stärker als sie es seit Stunden gewesen war.GEFÄHRTE. GEFÄHRTE. GEH ZU IHM.Er war groß. Breite Schultern.
Kapitel EinsIch sah zu, wie meine Zwillingsschwester mein Hochzeitskleid anprobierte.Weiße Spitze. Zarte Perlenstickerei. Das Kleid, von dem ich seit meinem zwölften Lebensjahr geträumt hatte, damals, als ich noch an Märchen und Happy Ends glaubte.Isabella drehte sich vor dem Spiegel, ihr blasses Gesicht erstrahlte in etwas, das ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Gesundheit. Glück. Triumph.„Es passt perfekt", sagte Mom und richtete den Schleier zurecht. „Als wäre es für dich gemacht worden."Es war für mich gemacht worden. Meine Maße. Meine Anzahlung. Mein Gefährte.Aber das interessierte niemanden.„Irabella, hör auf, in der Tür herumzulungern." Dad sah mich nicht einmal an. „Komm und hilf deiner Schwester."Ich trat ins Zimmer. Meine Wölfin krallte sich in meiner Brust fest und bettelte, dass ich rennen sollte. Kämpfen. Irgendetwas tun, nur nicht hier stehen und zusehen, wie das hier passierte.„Der Alpha kommt in zwei Stunden", sagte Mom und strich Isabella über das Haar







