LOGINKapitel SechsIsabella saß an ihrem Frisiertisch.Der Spiegel zeigte eine Frau, die alles hatte. Einen mächtigen Ehemann. Ein Rudel, das sie anbetete. Ein Leben, genau so aufgebaut, wie sie es wollte.Sie sollte zufrieden sein.Das war sie nicht.Ihr Handy hielt sie in der Hand. Seit zwanzig Minuten umklammerte sie es. Ihre Knöchel waren weiß.Sie sah es immer wieder vor sich. Die Art, wie Daemon Irabella auf dem Ball angesehen hatte. Dieser winzige Augenblick, bevor er sich gefangen hatte. Dieses Flackern in seinen Augen, das Isabella nie auch nur ein einziges Mal gesehen hatte, wenn er sie ansah.Erkennen.Sie legte das Handy vorsichtig auf den Frisiertisch. Nahm ihre Bürste. Begann, sie durch ihr Haar zu ziehen.Strich. Strich. Strich.Ihr Spiegelbild starrte sie an. Ruhig. Gefasst.In ihrem Kopf sah es anders aus.Was, wenn er es herausfindet.Der Gedanke kreiste seit letzter Nacht. Zuerst klein. Leicht abzutun. Aber er kam immer wieder, jedes Mal ein wenig lauter.Was, wenn sein
Ich wachte auf, weil Sonnenlicht durch meine Vorhänge brannte.Mein Körper schmerzte. Meine Lippen kribbelten noch dort, wo er mich fast geküsst hätte.Fast.Ich presste die Finger an meinen Mund. Erinnerte mich daran, wie er mich angesehen hatte. Wie sich seine Hände an meiner Taille angefühlt hatten.Wie er sich zurückgezogen hatte, als wäre ich Gift.Ich setzte mich auf. Sah auf die Uhr.Neun Uhr morgens.Ich hatte kaum geschlafen.Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, sah ich ihn. Spürte ihn. Hörte seine Stimme Dinge sagen, die er nicht sagen durfte.Ich stand auf. Duschte. Zog Jeans und ein schlichtes Shirt an.Sprühte das Parfüm auf.Der chemische Geruch drehte mir den Magen um.Ich starrte mein Spiegelbild an.Fünf Jahre. Fünf Jahre, und nichts hatte sich geändert.Ich versteckte mich immer noch. Tat immer noch so, als wäre nichts. War immer noch unsichtbar.Ich ging nach unten.Aus dem Esszimmer drangen Stimmen.Gelächter.Ich blieb in der Tür stehen.Sie waren alle da.Mama.
Fühlt sich anders anKapitel VierIch konnte nicht auf dem Ball bleiben.Nicht, während er mich so ansah. Nicht, während die Bindung in meiner Brust schrie, jedes Mal, wenn sich unsere Augen quer durch den Raum trafen.Ich sagte meinen Eltern, ich brauche Luft. Wartete nicht auf Erlaubnis.Ich schlüpfte aus dem Ballsaal. Ging einen Flur entlang. Dann noch einen.Das Rudelhaus hatte sich verändert. Neue Flügel. Neue Gänge. Nichts kam mir vertraut vor.Ich bog um eine Ecke und blieb stehen.Das war nicht richtig. Der Flur war hier dunkler. Ruhiger. Privater.Ich war zu weit gegangen.Ich drehte mich um, um zurückzugehen.Schritte hallten hinter mir.Schwer. Bedächtig.Mein Herz sprang mir in die Kehle.Ich drehte mich langsam um.Alpha Daemon stand am Ende des Flurs.Allein.Keine Isabella. Keine Gäste. Keine Zeugen.Nur er.Seine Augen verankerten sich in meinen. Dunkel. Intensiv.Raubtierhaft.„Du solltest nicht hier sein", sagte er.Seine Stimme war leise. Rau.Aber er kam auf mich z
Fünf Jahre verändern allesKapitel DreiFünf Jahre später.Das Auto hielt vor dem Haus, aus dem ich verbannt worden war.Nichts hatte sich verändert.Die gleichen weißen Säulen. Die gleichen perfekt gestutzten Hecken. Die gleiche kalte, leblose Villa, die sich nie wie ein Zuhause angefühlt hatte.Ich stieg aus.Mein Haar war jetzt länger. Weinrot. Ich hatte es am Tag nach meinem Weggang gefärbt. Eine neue Farbe für ein neues Leben.Nur war mein Leben nicht neu gewesen. Es war Überleben gewesen.Fünf Jahre Leben am Rande des Rudelgebiets. Fünf Jahre Gelegenheitsjobs. Fünf Jahre der Versuch, die Gefährtenbindung zu vergessen, die nie verschwand.Die Eingangstür öffnete sich.Mom und Dad standen dort. Warteten.Nicht Isabella.Natürlich nicht Isabella.Sie war jetzt verheiratet. Mit meinem Gefährten. Lebte ihr perfektes Luna-Leben, während ich in der Verbannung verrottete.Ich ging auf sie zu. Meine Stiefel knirschten auf der Kiesauffahrt.Moms Gesicht war ausdruckslos. Dads war wie aus
Kapitel ZweiIch sagte mir, dass ich nicht hinsehen würde.Ich blieb in meinem Zimmer. Setzte mich auf mein Bett. Starrte die Wand an.Aber dann hörte ich seine Stimme wieder, jetzt klarer, aus der Eingangshalle unten.Mein Körper bewegte sich von selbst.Ich stand auf. Ging zu meiner Zimmertür. Öffnete sie nur einen Spalt.Nur ein Blick. Das ist alles. Nur um ihn einmal zu sehen.Ich schlich zur obersten Stufe der Treppe. Der Marmorboden unten glänzte. Meine Eltern standen an der Tür, in ihren besten Kleidern. Isabella wartete auf der untersten Stufe, trug mein Kleid, meinen Schleier, meine Zukunft.Und dann kam er herein.Die Bindung traf mich wie ein Lastwagen.Meine Knie gaben nach. Ich klammerte mich am Geländer fest, um nicht zusammenzubrechen.Hitze durchflutete meinen Körper. Jede Nervenendung loderte auf. Meine Haut fühlte sich zu eng an. Meine Wölfin drängte nach vorn, stärker als sie es seit Stunden gewesen war.GEFÄHRTE. GEFÄHRTE. GEH ZU IHM.Er war groß. Breite Schultern.
Kapitel EinsIch sah zu, wie meine Zwillingsschwester mein Hochzeitskleid anprobierte.Weiße Spitze. Zarte Perlenstickerei. Das Kleid, von dem ich seit meinem zwölften Lebensjahr geträumt hatte, damals, als ich noch an Märchen und Happy Ends glaubte.Isabella drehte sich vor dem Spiegel, ihr blasses Gesicht erstrahlte in etwas, das ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Gesundheit. Glück. Triumph.„Es passt perfekt", sagte Mom und richtete den Schleier zurecht. „Als wäre es für dich gemacht worden."Es war für mich gemacht worden. Meine Maße. Meine Anzahlung. Mein Gefährte.Aber das interessierte niemanden.„Irabella, hör auf, in der Tür herumzulungern." Dad sah mich nicht einmal an. „Komm und hilf deiner Schwester."Ich trat ins Zimmer. Meine Wölfin krallte sich in meiner Brust fest und bettelte, dass ich rennen sollte. Kämpfen. Irgendetwas tun, nur nicht hier stehen und zusehen, wie das hier passierte.„Der Alpha kommt in zwei Stunden", sagte Mom und strich Isabella über das Haar







