INICIAR SESIÓNKapitel Zwei
Ich sagte mir, dass ich nicht hinsehen würde. Ich blieb in meinem Zimmer. Setzte mich auf mein Bett. Starrte die Wand an. Aber dann hörte ich seine Stimme wieder, jetzt klarer, aus der Eingangshalle unten. Mein Körper bewegte sich von selbst. Ich stand auf. Ging zu meiner Zimmertür. Öffnete sie nur einen Spalt. Nur ein Blick. Das ist alles. Nur um ihn einmal zu sehen. Ich schlich zur obersten Stufe der Treppe. Der Marmorboden unten glänzte. Meine Eltern standen an der Tür, in ihren besten Kleidern. Isabella wartete auf der untersten Stufe, trug mein Kleid, meinen Schleier, meine Zukunft. Und dann kam er herein. Die Bindung traf mich wie ein Lastwagen. Meine Knie gaben nach. Ich klammerte mich am Geländer fest, um nicht zusammenzubrechen. Hitze durchflutete meinen Körper. Jede Nervenendung loderte auf. Meine Haut fühlte sich zu eng an. Meine Wölfin drängte nach vorn, stärker als sie es seit Stunden gewesen war. GEFÄHRTE. GEFÄHRTE. GEH ZU IHM. Er war groß. Breite Schultern. Dunkles Haar. Seine Präsenz erfüllte den ganzen Raum, gebieterisch und absolut. Alpha. Meiner. Ich konnte nicht atmen. Konnte nicht denken. Die Bindung zog an mir, ein körperlicher Schmerz in meiner Brust, der verlangte, dass ich zu ihm ging. Dass ich die Treppe hinunterrannte und— Sein Kopf drehte sich. Seine Augen fanden meine. Alles hielt an. Zeit. Atem. Gedanken. Seine Augen waren dunkel. Intensiv. Sie verankerten sich in mir mit einer Kraft, die mein Herz gegen meine Rippen schlagen ließ. Für eine perfekte, furchtbare Sekunde dachte ich, er fühle es. Ich dachte, er wisse es. Mein Herz schlug so heftig, dass ich es in meinen Ohren hören konnte. Donnernd. Verzweifelt. Die Bindung zwischen uns spannte sich. Vibrierend. Lebendig. Sein Ausdruck veränderte sich. Verwirrung flackerte über sein Gesicht. Seine Nasenflügel weiteten sich leicht, als würde er versuchen, einen Duft einzufangen, der nicht da war. Er runzelte die Stirn. Legte den Kopf schief. Als wäre etwas falsch. Als würde etwas fehlen. Meine Brust brannte. Die Bindung schrie mich an, zu ihm zu gehen. Dann hörte ich Schritte auf der Treppe. Isabella. Sie stieg zu mir hinauf. Meine Eltern waren noch unten, sprachen mit dem Alpha, lenkten ihn ab. Aber Isabellas Augen waren auf meine gerichtet. Ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Kalt. Siegessicher. Es verschwand in dem Moment, als sie nah genug war, dass nur ich sie deutlich sehen konnte. „Warum stehst du da?" Ihre Stimme war laut genug, um nach unten zu tragen. Süß. Besorgt. „Komm her, Ira. Komm und lerne den Alpha kennen." Sie kam näher. Ihr Lächeln verzog sich zu etwas Bösartigem. „Wir haben dir gesagt, du sollst nicht herauskommen", zischte sie. Ihre Stimme war jetzt leise. Gift. „Aber du bist trotzdem gekommen. Willst du mir das hier verderben? Glaubst du, du kannst mir das wegnehmen?" „Er ist mein Gefährte", flüsterte ich. „Er ist MEINER." Ihre Augen blitzten. „Ich wurde geboren, um eine Luna zu sein. Die Mondgöttin hat einen Fehler gemacht, als sie dich auswählte. Du bist schwach. Erbärmlich. Du verdienst ihn nicht." „Isabella—" „Lass mich dir etwas sagen." Sie trat näher. „Er wird niemals dir gehören. Dafür werde ich sorgen." Dann griff sie nach meinem Handgelenk. Und stürzte sich selbst rückwärts die Treppe hinunter. Sie schrie. Ihr Körper überschlug sich. Schlug mit erschreckendem Geräusch auf jeder Stufe auf. Sie landete unten in einem Haufen. „IRABELLA HAT MICH GESCHUBST!" Der Schrei zerriss das Haus. Nein. Nein nein nein nein— „WAS?" Dads Gebrüll erschütterte die Wände. Ich starrte auf meine Hand. Die Hand, die Isabella gepackt hatte. Die Hand, die immer noch ausgestreckt war. Als hätte ich sie gestoßen. Mom war schon auf dem Boden, hielt Isabella im Arm. „Baby, geht es dir gut? Kannst du dich bewegen?" Isabella schluchzte. Echte Tränen liefen über ihr Gesicht. „Sie hat mich geschubst. Ich wollte nur, dass sie herunterkommt und ihn kennenlernt, und sie—sie wurde so wütend—" „Das habe ich nicht", sagte ich leise. Niemand hörte zu. „LÜGNERIN!" Dad stand jetzt vor mir. Sein Gesicht war rot. „Wir haben sie schreien hören! Wir haben dich dort stehen sehen!" „Sie hat nach mir gegriffen und sich selbst gestürzt—" Moms Stimme schnitt dazwischen. „Sie blutet." Ich sah nach unten. Blut tropfte von Isabellas Schläfe. Ihr Arm war in einem seltsamen Winkel verdreht. Sie hatte sich selbst verletzt. Tatsächlich verletzt. Um mir das anzuhängen. Der Alpha kniete jetzt neben ihr. Seine Hände waren sanft, als er ihre Verletzungen untersuchte. Sein Gesicht war hart. Kontrolliert. Aber ich sah etwas in seinem Ausdruck aufflackern, als er sie berührte. Verwirrung. Zweifel. Als würde seine Wölfin ihm sagen, dass etwas nicht stimmte. „Alpha Daemon." Isabellas Stimme war so klein. So gebrochen. „Es tut mir leid. Ich hätte nicht zu ihr gehen sollen. Ich wusste, dass sie wegen... wegen uns wütend war. Aber ich dachte, wenn sie dich kennenlernt, würde sie vielleicht verstehen, dass das der Wille der Mondgöttin ist." Ich antwortete nicht. Was hätte es gebracht? Sie hatten mir vorher nie geglaubt. Sie würden jetzt nicht damit anfangen. Der Alpha stand auf. Er sah mich an. Und ich fühlte es wieder. Diesen Zug. Diese Verbindung. Seine Augen verengten sich. Als würde er es auch fühlen, könne sich aber keinen Sinn daraus machen. Er machte einen Schritt zur Treppe. Zu mir. „Alpha." Moms Stimme war dringlich. „Bitte. Isabella braucht einen Arzt." Er blieb stehen. Sah zurück zu Isabella, die weinend und blutend auf dem Boden lag. Dann zu mir. „Hast du sie geschubst?", fragte er. Seine Stimme war leise. Aber da war etwas darin. Etwas, das mich glauben ließ, er wolle, dass ich es abstreite. Dass er brauchte, dass ich es abstreite. „Nein", sagte ich. Meine Stimme war leer. Hohl. „Ich habe sie nicht berührt." „Sie BLUTET!", kreischte Mom. Der Alpha presste den Kiefer zusammen. Er sah mich einen langen Moment an. Ich fühlte die Bindung zwischen uns ziehen. Schmerzen. Aber ich sagte nichts. Starrte nur zurück zu ihm. Es gab keinen Sinn im Bitten. Keinen Sinn im Erklären. Niemand würde zuhören. Das hatten sie nie getan. „Schafft sie mir aus den Augen", sagte er. Mein Herz blieb stehen. „WACHEN!" Zwei Männer erschienen von draußen. Groß. Bewaffnet. „Bringt sie zur Grenze", sagte der Alpha. „Sie ist für fünf Jahre aus dem Rudelgebiet verbannt. Wenn sie vorher zurückkommt, wird sie hingerichtet." Fünf Jahre. Ich würde dreiundzwanzig sein. Falls ich so lange überlebte. „Du kannst nicht—", begann Dad. „Das ist meine Entscheidung." Der Alpha unterbrach ihn. Seine Stimme war absolut. „Sie hat meine Gefährtin angegriffen. Sie hat Glück, dass ich gnädig bin." Er zuckte zusammen, als er es sagte. Als würde das Wort „gnädig" falsch in seinem Mund schmecken. Seine Hand presste sich kurz auf seine Brust. Sein Ausdruck flackerte wieder mit Verwirrung. Aber dann wimmerte Isabella. Und was auch immer er gefühlt hatte, verschwand. Die Wachen griffen nach meinen Armen. Ich wehrte mich dieses Mal nicht. Was hätte es gebracht? Sie führten mich zur Tür. Ich sah einmal zurück. Der Alpha half Isabella auf die Beine. Sein Arm um ihre Taille. Ihr Kopf auf seiner Schulter. Sie sah mich an. Und lächelte. Ich wandte mich ab. Die Wachen schoben mich nach draußen. Die Tür schlug hinter mir zu. „Du hast bis Sonnenaufgang Zeit, zu packen und zu gehen", sagte einer der Wächter. „Danach zerren wir dich raus." Ich nickte. Ging zurück in mein Zimmer wie ein Geist. Fünf Jahre. Fünf Jahre Verbannung für ein Verbrechen, das ich nicht begangen hatte. Fünf Jahre fern von meinem Gefährten. Mein Gefährte, der diese Jahre mit meiner Schwester verbringen würde. Ihren Lügen glaubend. Sich in sie verliebend. Ich setzte mich auf mein Bett. Weinte nicht. Weinen war sinnlos. Das hatte ich vor langer Zeit gelernt.Kapitel SechsIsabella saß an ihrem Frisiertisch.Der Spiegel zeigte eine Frau, die alles hatte. Einen mächtigen Ehemann. Ein Rudel, das sie anbetete. Ein Leben, genau so aufgebaut, wie sie es wollte.Sie sollte zufrieden sein.Das war sie nicht.Ihr Handy hielt sie in der Hand. Seit zwanzig Minuten umklammerte sie es. Ihre Knöchel waren weiß.Sie sah es immer wieder vor sich. Die Art, wie Daemon Irabella auf dem Ball angesehen hatte. Dieser winzige Augenblick, bevor er sich gefangen hatte. Dieses Flackern in seinen Augen, das Isabella nie auch nur ein einziges Mal gesehen hatte, wenn er sie ansah.Erkennen.Sie legte das Handy vorsichtig auf den Frisiertisch. Nahm ihre Bürste. Begann, sie durch ihr Haar zu ziehen.Strich. Strich. Strich.Ihr Spiegelbild starrte sie an. Ruhig. Gefasst.In ihrem Kopf sah es anders aus.Was, wenn er es herausfindet.Der Gedanke kreiste seit letzter Nacht. Zuerst klein. Leicht abzutun. Aber er kam immer wieder, jedes Mal ein wenig lauter.Was, wenn sein
Ich wachte auf, weil Sonnenlicht durch meine Vorhänge brannte.Mein Körper schmerzte. Meine Lippen kribbelten noch dort, wo er mich fast geküsst hätte.Fast.Ich presste die Finger an meinen Mund. Erinnerte mich daran, wie er mich angesehen hatte. Wie sich seine Hände an meiner Taille angefühlt hatten.Wie er sich zurückgezogen hatte, als wäre ich Gift.Ich setzte mich auf. Sah auf die Uhr.Neun Uhr morgens.Ich hatte kaum geschlafen.Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, sah ich ihn. Spürte ihn. Hörte seine Stimme Dinge sagen, die er nicht sagen durfte.Ich stand auf. Duschte. Zog Jeans und ein schlichtes Shirt an.Sprühte das Parfüm auf.Der chemische Geruch drehte mir den Magen um.Ich starrte mein Spiegelbild an.Fünf Jahre. Fünf Jahre, und nichts hatte sich geändert.Ich versteckte mich immer noch. Tat immer noch so, als wäre nichts. War immer noch unsichtbar.Ich ging nach unten.Aus dem Esszimmer drangen Stimmen.Gelächter.Ich blieb in der Tür stehen.Sie waren alle da.Mama.
Fühlt sich anders anKapitel VierIch konnte nicht auf dem Ball bleiben.Nicht, während er mich so ansah. Nicht, während die Bindung in meiner Brust schrie, jedes Mal, wenn sich unsere Augen quer durch den Raum trafen.Ich sagte meinen Eltern, ich brauche Luft. Wartete nicht auf Erlaubnis.Ich schlüpfte aus dem Ballsaal. Ging einen Flur entlang. Dann noch einen.Das Rudelhaus hatte sich verändert. Neue Flügel. Neue Gänge. Nichts kam mir vertraut vor.Ich bog um eine Ecke und blieb stehen.Das war nicht richtig. Der Flur war hier dunkler. Ruhiger. Privater.Ich war zu weit gegangen.Ich drehte mich um, um zurückzugehen.Schritte hallten hinter mir.Schwer. Bedächtig.Mein Herz sprang mir in die Kehle.Ich drehte mich langsam um.Alpha Daemon stand am Ende des Flurs.Allein.Keine Isabella. Keine Gäste. Keine Zeugen.Nur er.Seine Augen verankerten sich in meinen. Dunkel. Intensiv.Raubtierhaft.„Du solltest nicht hier sein", sagte er.Seine Stimme war leise. Rau.Aber er kam auf mich z
Fünf Jahre verändern allesKapitel DreiFünf Jahre später.Das Auto hielt vor dem Haus, aus dem ich verbannt worden war.Nichts hatte sich verändert.Die gleichen weißen Säulen. Die gleichen perfekt gestutzten Hecken. Die gleiche kalte, leblose Villa, die sich nie wie ein Zuhause angefühlt hatte.Ich stieg aus.Mein Haar war jetzt länger. Weinrot. Ich hatte es am Tag nach meinem Weggang gefärbt. Eine neue Farbe für ein neues Leben.Nur war mein Leben nicht neu gewesen. Es war Überleben gewesen.Fünf Jahre Leben am Rande des Rudelgebiets. Fünf Jahre Gelegenheitsjobs. Fünf Jahre der Versuch, die Gefährtenbindung zu vergessen, die nie verschwand.Die Eingangstür öffnete sich.Mom und Dad standen dort. Warteten.Nicht Isabella.Natürlich nicht Isabella.Sie war jetzt verheiratet. Mit meinem Gefährten. Lebte ihr perfektes Luna-Leben, während ich in der Verbannung verrottete.Ich ging auf sie zu. Meine Stiefel knirschten auf der Kiesauffahrt.Moms Gesicht war ausdruckslos. Dads war wie aus
Kapitel ZweiIch sagte mir, dass ich nicht hinsehen würde.Ich blieb in meinem Zimmer. Setzte mich auf mein Bett. Starrte die Wand an.Aber dann hörte ich seine Stimme wieder, jetzt klarer, aus der Eingangshalle unten.Mein Körper bewegte sich von selbst.Ich stand auf. Ging zu meiner Zimmertür. Öffnete sie nur einen Spalt.Nur ein Blick. Das ist alles. Nur um ihn einmal zu sehen.Ich schlich zur obersten Stufe der Treppe. Der Marmorboden unten glänzte. Meine Eltern standen an der Tür, in ihren besten Kleidern. Isabella wartete auf der untersten Stufe, trug mein Kleid, meinen Schleier, meine Zukunft.Und dann kam er herein.Die Bindung traf mich wie ein Lastwagen.Meine Knie gaben nach. Ich klammerte mich am Geländer fest, um nicht zusammenzubrechen.Hitze durchflutete meinen Körper. Jede Nervenendung loderte auf. Meine Haut fühlte sich zu eng an. Meine Wölfin drängte nach vorn, stärker als sie es seit Stunden gewesen war.GEFÄHRTE. GEFÄHRTE. GEH ZU IHM.Er war groß. Breite Schultern.
Kapitel EinsIch sah zu, wie meine Zwillingsschwester mein Hochzeitskleid anprobierte.Weiße Spitze. Zarte Perlenstickerei. Das Kleid, von dem ich seit meinem zwölften Lebensjahr geträumt hatte, damals, als ich noch an Märchen und Happy Ends glaubte.Isabella drehte sich vor dem Spiegel, ihr blasses Gesicht erstrahlte in etwas, das ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Gesundheit. Glück. Triumph.„Es passt perfekt", sagte Mom und richtete den Schleier zurecht. „Als wäre es für dich gemacht worden."Es war für mich gemacht worden. Meine Maße. Meine Anzahlung. Mein Gefährte.Aber das interessierte niemanden.„Irabella, hör auf, in der Tür herumzulungern." Dad sah mich nicht einmal an. „Komm und hilf deiner Schwester."Ich trat ins Zimmer. Meine Wölfin krallte sich in meiner Brust fest und bettelte, dass ich rennen sollte. Kämpfen. Irgendetwas tun, nur nicht hier stehen und zusehen, wie das hier passierte.„Der Alpha kommt in zwei Stunden", sagte Mom und strich Isabella über das Haar







