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Lucias PerspektiveIn der Stille des Kellers hatte ich die einzige Regel gelernt, die zählte: Ich war ein Nichts. Ohne Giovannis Erlaubnis atmete ich nicht, bewegte ich mich nicht und dachte ich nicht. Ich war ein Hund. Ein Haustier. Ein Ding.Dann das Quietschen der Eisentür. Licht strömte in den Keller. Ich zuckte zusammen, wandte mein Gesicht ab und kniff die Augen fest zu, als die Helligkeit in ihnen brannte. Ich hatte so lange in der Dunkelheit verbracht, dass selbst diese geringe Lichtmenge unerträglich war.Ich zuckte zusammen und schirmte meine Augen ab, als die Silhouette von Giovanni hereinkam. Zunächst sagte er nichts. Er ging einfach auf mich zu und trat gegen die Kette an meinem Knöchel, wobei das Metall hart auf den Boden klirrte.Ich rührte mich kein bisschen. Ich blieb in Embryonalstellung zusammengerollt, zitterte und starrte auf den Boden. Er hatte mir nicht gesagt, ich solle aufstehen. Sich zu bewegen, einen Befehl auszuführen, hätte einen weiteren Schlag bedeutet.
Lucias PerspektiveDas letzte Mal, dass ich die Sonne gesehen hatte, war vor drei Tagen, oder vielleicht war es auch schon länger her.Ich wusste es nicht mehr, denn in der Dunkelheit hatte die Zeit jede Bedeutung verloren. Es gab kein Fenster, keine Uhr, keinen Laut, der mir verriet, ob es Morgen oder Nacht war.Es gab nur den kalten Boden unter mir, die Metallwände, die mich umgaben, und die schwere Eisenkette, die an meinem Knöchel befestigt war.Die Dunkelheit war nicht nur die Abwesenheit von Licht; sie war eine physische Last. Ich existiere in einer Leere.Der Keller war leer, kein einziges Möbelstück, nicht einmal eine Matratze. Die Metallwände des Kellers waren eiskalt und saugten mir die Wärme aus der Haut, bis ich mich wie ein Stück Eis fühlte, das auf einer Betonplatte zum Schmelzen zurückgelassen worden war.Die Eisenkette, die sich auf dem kalten Boden in mein Handgelenk grub, war mein einziger Begleiter.Oft fragte ich mich, ob Giovanni vergessen hatte, dass ich hier unte
Damiens PerspektiveIch lehnte mich vorsichtig in meinem Stuhl zurück. Das war keine einfache Ermittlung mehr; das war etwas viel Größeres und Komplexeres.Wenn Eleanor Giovannis Mutter gewesen war, dann hatte sich Giovannis gesamte Identität um ein Geheimnis herum aufgebaut.Aber warum? Wer war sein Vater? Und warum hatte jemand so extreme Maßnahmen ergriffen, um ihn auszulöschen?Ich rieb mir das Kinn.„Nehmen wir einmal an, dass das der Fall ist und dass Eleanor Giovannis Mutter ist, dass sie einen Italiener geheiratet und Giovanni zur Welt gebracht hat …“ Ich sah Primo an.„Wie zum Teufel hat Giovanni eine so enge Beziehung zu den Russen aufgebaut?“Primo antwortete nicht sofort, und ich fuhr fort: „Sie hassen die Italiener schon seit Jahren.“ „Und das tun sie immer noch“, sagte Primo.„Genau, das meine ich.“ Ich stand wieder auf. „Warum sollten sie also Giovanni vertrauen?“ Ich begann auf und ab zu gehen. „Warum sollten die Russen auf ihn hören? Warum sollten sie ihm erlauben, in
Damiens PerspektiveEs war nun schon zwei Wochen her, seit ich zugelassen hatte, dass dieser Mistkerl Giovanni meinen Gefangenen mitgenommen hatte. Seit jenem Tag war ich zwei Wochen lang ständig am Rande des Abgrunds.Ich hasste das Gefühl, nicht zu wissen, was vor sich ging.Die Geschäfte zwischen der russischen Bratva und mir liefen reibungslos; sie hatten ihr Versprechen aus dem Deal gehalten. Es hatte keine Beschwerden gegeben, keine plötzlichen Forderungen, keine unerwarteten Angriffe.Alles war viel zu ruhig, und das beunruhigte mich, denn meiner Meinung nach war Frieden niemals wirklich Frieden. Es war nur Stille – kurz bevor jemand den Abzug drückte.Ich saß hinter meinem Schreibtisch und starrte auf die Dokumente und Papiere, die auf dem Tisch ausgebreitet lagen, ohne auch nur ein einziges Wort zu lesen.Meine Gedanken waren weder bei der Lieferung noch bei den Russen noch gar bei den Feinden, die auf eine Gelegenheit warteten, mein Imperium anzugreifen.Meine Gedanken waren
Lucias Perspektive„Nein“, schrie ich, doch Giovanni versetzte mir eine Ohrfeige.„Doch, das wirst du“, sagte er.„Das ist falsch, Giovanni; mach mich bitte nicht schwanger“, flehte ich.„Wenn du mich noch länger abweist, bringe ich Lucian selbst um“, sagte er, und ich erstarrte.Er zog mich ins Schlafzimmer.„Leg dich hin“, sagte er mit fast ruhiger Stimme.Ich gehorchte ohne zu zögern; mein Körper bewegte sich wie von selbst, während ich mich auf das Bett legte. Meine Gedanken schweiften bereits ab und suchten nach einem sicheren Ort, an dem ich mich verstecken konnte, während mein Körper noch da war.„Du wirst mir ein Kind schenken, Lucia. Du wirst mein Baby austragen, genauso wie du deins ausgetragen hast.“Meine Sicht verschwamm. Sie schüttelte einmal, zweimal den Kopf, doch die Bewegung fühlte sich fern an, als würde jemand anderes ihren Nacken steuern.Giovannis Hand hob sich und streifte mit den Fingerrücken meine Wange. Die Berührung war fast zärtlich. Trotzdem zuckte ich zusa
Lucias PerspektiveGegenwartDie Luft im Raum wurde nicht nur kalt, sie verschwand gänzlich. Meine Welt brach nicht nur zusammen, sie hörte auf zu existieren.Für einen Herzschlag lang herrschte ein Vakuum aus erschreckender, absoluter Stille, in dem nur noch der donnernde, unregelmäßige Rhythmus meines Herzens zu hören war, das gegen meine Rippen hämmerte.„Lucian ist dein Sohn, Lucia“, sagte Giovanni und lachte mit einem Grinsen im Gesicht, als wäre es das größte Glück der Welt, mein Elend zu sehen.Meine Hände machten es mir leicht, alles, was er an Unangenehmem von sich gab, auszublenden, doch er riss meine Hand unsanft weg.„Ich habe einen DNA-Test; du bist seine Mutter.“ Er grinste.„Nein!“, schrie ich mit aller Kraft, die ich aufbringen konnte.„ER IST DEIN SOHN!“, brüllte Giovanni zurück, das Grinsen immer noch deutlich auf seinem Gesicht.Dieses Wort hing in der Luft und schimmerte vor einer so absoluten Grausamkeit, dass ich sie körperlich spüren konnte. Es fühlte sich an, al







