DAS VERMÄCHTNIS DER SCHURKIN NACH DEM TOD

DAS VERMÄCHTNIS DER SCHURKIN NACH DEM TOD

last updateLast Updated : 2026-10-14
By:  SusanUpdated just now
Language: Deutsch
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Ich bin einmal gestorben. Offenbar reichte der Tod nicht aus, um mich unten zu halten. Als ich die Augen öffnete, steckte ich im Körper von Vivian Vance, der berüchtigtsten verrückten Erbin von Onyx Harbor. Perfekt. Alle halten sie ohnehin für wahnsinnig. Wenn ich also anfange, die Menschen zu vernichten, die mich ermordet haben, schieben sie es einfach auf einen weiteren Zusammenbruch. Es gibt nur ein Problem. Damian Black hält mich nicht für verrückt. „Du bist nicht Vivian.” Ich lächelte. „Wer bin ich dann?” Er beugte sich näher, seine Augen verdunkelten sich. „Das”, flüsterte er, „ist genau das, was ich herausfinden werde.” Ich lächelte breiter. Gut. Soll das Spiel beginnen.

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Chapter 1

Chapter one

VIVIANS PERSPEKTIVE

Der Wind heulte in meinen Ohren und ließ die Tränen auf meinen Wangen gefrieren.

Zwanzig Stockwerke über dem Boden stand ich auf dem Balkon der Vance Legal Group, der Regen durchnässte meine Kleidung.

Julian Vance, mein Verlobter, hatte eine Hand fest um mein Handgelenk geschlossen, während er auf mich herunterlächelte.

Aber in seinen Augen lag keine Liebe.

Nicht mehr. Nicht die Liebe, die er mir fünf Jahre lang versprochen hatte.

„Warum, Julian?”, keuchte ich, Tränen liefen mir über das Gesicht, während meine Stiefel auf dem nassen Vorsprung rutschten. „Ich habe dir alles gegeben. Ich habe den rechtlichen Rahmen für dein gesamtes Imperium aufgebaut!”

„Genau deshalb musst du sterben, Clara”, flüsterte er und beugte sich näher. „Ein lebendes Genie fordert die Hälfte der Anteile. Ein totes Genie hinterlässt alles ihrem trauernden Verlobten.”

Neben ihm trat meine Stiefschwester Evelyn aus den Schatten, einen USB-Stick in der Hand.

Der Stick enthielt mein Lebenswerk.

Sie sah nicht schuldbewusst aus.

Sie sah einfach nur gelangweilt aus.

„Beeil dich, Julian. Die Überwachungskameras laufen bereits in einer Schleife. Wir müssen los.”

„Lebwohl, meine Liebe”, sagte Julian.

Dann ließ er los. Der Sturz fühlte sich an wie eine Ewigkeit.

Die Lichter der Stadt verschwammen, der Aufprall brach mir nicht nur die Knochen – er zerschmetterte meine Realität.

Es gab einen ohrenbetäubenden Knall, einen Stoß qualvoller Hitze, und dann …

Absolute Dunkelheit.

„Haaaah!”

Meine Augen flogen auf.

Ich fuhr hoch, meine Brust hob und senkte sich heftig, während ich an einer Luft würgte, die nach teuren Lilien und Whiskey schmeckte.

Ich lag nicht auf dem Pflaster. Ich lag auf einem plüschigen Sofa in einer schwach beleuchteten Umkleidekabine.

Meine Hände flogen zu meiner Kehle, dann zu meinem Schädel. Kein Blut. Keine gebrochenen Knochen.

„Clara Hastings war der Anker meines Herzens”, hallte eine tiefe, theatralische Stimme aus dem Lautsprecher an der Decke.

Mein Blut gefror zu Eis. Es war Julians Stimme.

Er weinte.

„Ihr tragischer Suizid hat in der Vance Corporation eine Lücke hinterlassen, die niemals gefüllt werden kann.” Seine Stimme brach vor einstudierter Trauer.

Ich sprang vom Sofa auf, meine Beine zitterten. Dann erhaschte ich im bodenlangen Spiegel einen Blick auf mich selbst und erstarrte.

Die Frau, die mich anstarrte, war nicht Clara Hastings. Sie hatte lange braune Haare, die zu perfekten Wellen gelockt waren, stechende smaragdgrüne Augen und ein enges schwarzes Seidenkleid.

Vivian Vance.

Julians berüchtigte Halbschwester. Das schwarze Schaf der Familie.

Die Frau, die die Medien so gern eine drogenverwirrte, klinisch wahnsinnige Society-Dame nannten.

Plötzlich drängte sich ein gewaltiger Schwall fremder Erinnerungen in mein Gehirn und vermischte sich mit meinen eigenen.

Ein dunkles, chaotisches Lachen stieg aus meiner Brust auf. Julian hatte mich ermordet, um mein juristisches Imperium zu stehlen.

Und irgendwie hatte das Universum meine Seele direkt zurück in den Schoß seiner eigenen Familie fallen lassen.

Er wollte eine tote Verlobte?

Gut.

Stattdessen bekam er einen lebenden Dämon im Körper der Schwester, die er verachtete.

Und da Vivian bereits rechtlich als „wahnsinnig” eingestuft war, konnte ich tun, was ich wollte, ohne Konsequenzen.

Ich schnappte mir eine Flasche Champagner aus dem Eiskübel, öffnete sie und nahm einen langen Schluck direkt aus der Flasche.

„Zeit, die letzte Ehre zu erweisen, Bruder”, flüsterte ich dem Spiegel zu.

Dann riss ich die Doppeltüren auf.

Die große Halle des Bestattungsinstituts von Onyx Harbor war gefüllt mit Hunderten der Elite der Stadt.

Am Altar stand ein riesiger geschlossener Sarg, bedeckt mit weißen Rosen.

Mein Sarg.

Julian stand am Rednerpult und wischte sich eine falsche Träne weg.

Evelyn saß in der ersten Reihe, ihr Spitzenschleier verbarg ihr selbstgefälliges Lächeln nur sehr schlecht.

Ich marschierte den Mittelgang entlang und schwang die Champagnerflasche in meiner Hand

„Julian! Wahrlich, eine Oscar-würdige Vorstellung!”, rief ich. „Du sprichst so schön über die Frau, die du ermordet hast!”

Ein Aufkeuchen ging durch die Halle. Fast sofort begannen Kameraverschlüsse zu klicken.

„Vivian?”

Julians Gesicht wurde blass.

Er umklammerte das Rednerpult. „Sicherheitsdienst! Schafft meine Schwester hier raus. Sie hat wieder eine manische Episode.”

„Eine Episode?”, lachte ich. „Nein, ich feiere!”

Vier Wachleute stürmten auf mich zu. Ich zuckte nicht zusammen.

Ich schlug den Boden der Champagnerflasche gegen die Kante einer Kirchenbank. Das Glas zersplitterte in meiner Hand, und ich hielt die gezackten Überreste.

„Fasst mich an, und ich finde heraus, wie viel Blut dieses Kleid aufsaugen kann”, zischte ich.

Dann lächelte, kein normales Lächeln. Die Wachen erstarrten.

Ich ging an ihnen vorbei und steuerte direkt auf den Altar zu.

Dann goss ich mit einer langsamen Drehung meines Handgelenks den restlichen Champagner über die weißen Rosen, die meinen Sarg bedeckten.

„Auf Clara”, sagte ich laut. „Möge sie ihre Mörder aus der Hölle heraus jagen.”

„Vivian, halt den Mund!”, kreischte Evelyn und sprang auf. „Schafft diese ekelhafte Irre hier raus!”

Die Wachen bewegten sich wieder auf mich zu, ermutigt durch Julians wütendes Nicken.

Ich ignorierte sie.

Mein Blick glitt über den VIP-Bereich. Ich suchte nach einer einzigen Person. Einer Variablen, die dieses ganze Chaos in eine Waffe verwandeln konnte.

Und da war er.

Ganz allein im hinteren Teil saß ein Mann, der in einem maßgeschneiderten schwarzen Anzug wie der Tod aussah.

Damian Black.

Der unantastbare Milliardär und CEO des Vanguard Syndicate.

Der einzige Tycoon der Stadt, skrupellos genug, der Vance Corporation offen den Krieg zu erklären.

Er saß mit übereinandergeschlagenen Beinen da, ein amüsiertes Grinsen spielte um seine Lippen.

Ich ließ die zerbrochene Flasche fallen. Bevor die Wachen mich packen konnten, sprintete ich den Gang entlang, brach geradewegs durch Damians Sicherheitstrupp hindurch und setzte mich auf Damian Blacks Schoß.

Die ganze Kathedrale verstummte.

Auf dem Schoß des meistgefürchteten Raubtiers der Stadt zu sitzen, war praktisch ein Todesurteil.

Damian rührte sich nicht.

Sein Körper fühlte sich unter mir an wie massiver Granit. Seine eisgrauen Augen hielten meine fest.

„Sie haben genau drei Sekunden, um von mir runterzugehen, Vance”, sagte Damian, seine tiefe Stimme jagte mir einen Schauer über den Rücken. „Bevor ich Ihr hübsches Genick breche.”

Ich beugte mich näher. Seine Leibwächter zogen sofort ihre Waffen.

Ich presste meine Lippen an sein Ohr. „Projekt Genesis”, flüsterte ich.

Der streng geheime Name der Multimilliarden-Dollar-Rechtssoftware, für die Julian mich ermordet hatte.

„Julian hat heute Morgen die unveröffentlichten Baupläne aus Claras Großrechner gestohlen. Der Master-Entschlüsselungsschlüssel lautet Hades-0924.” Ich wich zurück und sah ihm in die Augen.

Die Kälte in Damians Miene bekam Risse.Etwas Scharfes und Gefährliches trat an ihre Stelle.

Er kannte diesen Namen.

Und er wusste, dass eine hirnlose Society-Dame diesen niemals hätte aussprechen können.

Ich schenkte ihm ein boshaftes Lächeln und tippte mit einem Fingernagel gegen sein Schlüsselbein. „Ich habe den Hintertürzugang zu allem, was Julian besitzt, Mr. Black”, flüsterte ich. „Also, werden Sie zulassen, dass sie mich in die Anstalt zerren?”

Ich beugte mich näher. „Oder werden wir heute Nacht ein Imperium ruinieren?”

Damian starrte mich an. Sein Blick durchschnitt mich. Langsam breitete sich ein dunkles Lächeln auf seinen Lippen aus.

Er hob eine Hand. Seine Leibwächter traten sofort zurück.

„Schließt die Kathedralentüren ab”, befahl Damian, ohne mich aus den Augen zu lassen. „Niemand verlässt diese Beerdigung lebend, bevor ich es sage.”

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