LOGINDamians Sicht
Ich packte Annabelles Handgelenk, bevor ihre Hand Mayas Gesicht erreichen konnte.
Sofort erstarrte sie.
Für einen Moment schien der gesamte Raum mit ihr den Atem anzuhalten.
Ihr Blick wanderte von meiner Hand zu meinem Gesicht. Offensichtlich hatte sie nicht damit gerechnet, dass ich mich einmischen würde.
Maya ebenfalls nicht.
Ich hatte Annabelle nicht gepackt, weil mir Maya etwas bedeutete.
Ich hatte es auch nicht getan, weil ich plötzlich den Helden spielen wollte.
Ich hatte einfach meinen Job gemacht.
Ich war eingestellt worden, um Maya Coker zu beschützen, und genau das hatte ich vor.
Außerdem hatte ich die gesamte Szene von meinem Platz an der Bar aus beobachtet. Ich hatte bemerkt, wie Annabelles Wut immer größer geworden war, wie ihre Stimme schärfer geworden war und wie sie schließlich die Hand in Richtung Maya bewegt hatte.
Ich hätte früher eingreifen können.
Ich hatte mich dagegen entschieden.
Ich hatte abgewartet, wie weit sie gehen würde.
Offenbar war das weit genug.
„Lass mich los!“, fauchte Annabelle und versuchte, ihre Hand wegzureißen.
Da wurde mir bewusst, dass ich sie immer noch festhielt.
Langsam ließ ich sie los.
„Versuch das nie wieder.“
Sie rieb sich das Handgelenk und funkelte mich an.
„Wer zum Teufel bist du?“
Ich antwortete nicht.
Mein Blick wanderte zu Maya.
Sie stand ein paar Schritte entfernt, doch ich bemerkte sofort, wie ihr Körper leicht schwankte.
Der Alkohol hatte sie nun endgültig eingeholt.
Sie versuchte, auf uns zuzukommen.
„Ich kann mit ihr umgehen.“
Bevor sie einen weiteren Schritt machen konnte, packte ich ihren Arm und hielt sie fest.
„Mir geht's gut“, murmelte sie.
„Du hast genug getrunken.“
Sie zog ihren Arm weg.
„Ich sagte, mir geht's gut.“
Ich starrte sie an.
Sie war stur.
Selbst wenn sie kaum noch auf den Beinen stehen konnte, hatte sie noch genug Kraft, um mit mir zu diskutieren.
Das war verdammt nervig.
Aber ich konnte nicht einfach danebenstehen und zusehen, wie sie betrunken durch die Gegend taumelte.
Nicht, solange ich für ihre Sicherheit verantwortlich war.
Ich tat das nicht, weil ich sie mochte.
Ganz im Gegenteil.
Maya hatte mehr als deutlich gemacht, dass sie mich nicht in ihrer Nähe haben wollte, und mir ging es mit ihr genauso.
Aber ob ich sie mochte oder nicht, änderte nichts an der Tatsache, dass es meine Aufgabe war, sie zu beschützen.
Annabelle schnaubte vor uns.
„Warum fasst du sie an?“
Ich drehte mich zu ihr um.
„Weil sie gerade umgefallen wäre.“
„Wäre sie nicht.“
Ich ignorierte sie.
Meine Aufmerksamkeit blieb auf Maya gerichtet.
Dann trat Annabelle wieder einen Schritt nach vorne.
„Wer glaubst du eigentlich, dass du bist? Ach ja. Ein Leibwächter. Derjenige, den man eingestellt hat, um ihren jämmerlichen Hintern zu beschützen?“
Mein Kiefer spannte sich an.
Bevor ich antworten konnte, drängte sich ein Mann durch die Menge.
Er war groß und trug ein dunkles Hemd, dessen Ärmel bis zu den Ellbogen hochgekrempelt waren. Sein Gesicht war angespannt, und sein Blick fiel sofort auf Annabelle, bevor er zu mir wanderte.
„Was ist hier los?“
Er sah Annabelle an.
Dann mich.
„Was hast du mit meiner Freundin gemacht?“
Ich sagte nichts.
Also wollte der Freund seine Freundin verteidigen.
Interessant.
Ich kannte keinen von beiden und hatte keinen Grund, mich zu rechtfertigen.
Er kam näher.
„Du glaubst, du kannst einfach meine Freundin packen?“
Ich blieb weiterhin schweigend stehen.
Ich spürte, wie meine Geduld langsam nachließ, bewegte mich aber nicht.
Ich wartete.
Wartete darauf, dass er etwas Dummes tat.
Wartete darauf, dass er eine Grenze überschritt.
Maya seufzte hinter mir.
„Können wir das nicht hier machen?“
Das war besser.
Sie musste sich da nicht einmischen.
Doch der Mann hatte offenbar nicht vor, die Sache auf sich beruhen zu lassen.
Er zeigte mit dem Finger auf mich.
„Wer zum Teufel glaubst du, dass du bist?“
Mein Blick fiel auf seine Hand.
„Nimm sie runter.“
Er lachte.
„Oder was?“
Ich sagte nichts.
Dann stieß er mich mit voller Kraft gegen die Brust.
Meine Reaktion kam sofort.
Meine Faust traf seinen Kiefer.
Der Aufprall ließ ihn rückwärts gegen einen Tisch taumeln.
Gläser krachten zu Boden.
Der Mann fiel hin, während Blut an seinem Mundwinkel erschien.
In der Lounge wurde es totenstill.
Menschen keuchten erschrocken auf und wichen zurück.
Ich sah ihn kurz an.
Dann wandte ich mich wieder Maya zu.
„Maya, wir gehen nach Hause.“
Sie runzelte die Stirn.
„Nein.“
„Du hast genug getrunken.“
„Ich bleibe.“
Ich starrte sie an.
Sie war inzwischen eindeutig angeheitert, und mit ihr zu diskutieren würde daran nichts ändern.
„Ich habe meinen Drink noch nicht ausgetrunken“, murmelte sie.
„Den kannst du an einem anderen Tag austrinken.“
Sie öffnete den Mund, um erneut zu protestieren.
Ich drehte mich zu Sandra um, die ebenfalls in der Nähe stand und die ganze Szene beobachtet hatte.
„Kann ich ihre Tasche haben?“
Sandra hob sofort Mayas Clutch auf und reichte sie mir.
„Hier.“
Ich nickte und nahm sie entgegen.
Maya verschränkte die Arme.
„Ich gehe nirgendwohin.“
Ich sah sie an.
„Doch.“
Bevor sie erneut protestieren konnte, beugte ich mich hinunter und hob sie in meine Arme.
Ihre Augen weiteten sich.
„Damian!“
Ich ignorierte ihren Protest.
„Lass mich runter.“
Ich ging weiter.
Sie schlug leicht gegen meine Schulter, doch ihre Kraft ließ bereits nach.
Die Menschen um uns herum beobachteten schweigend, wie ich sie zum Ausgang trug.
Sandra folgte uns.
„Maya, wir sehen uns morgen.“
Maya hob leicht den Kopf.
„Ich werde ...“
Ihre Worte verklangen.
Die laute Musik wurde leiser, je weiter wir uns von der Lounge entfernten.
Dann öffneten sich die Türen, und die kühle Nachtluft strich über mein Gesicht.
Ich trug Maya zum Wagen.
Sie hatte aufgehört, sich zu wehren.
Ihr Kopf ruhte an meiner Schulter, und ihre Augen waren geschlossen.
Ich öffnete die Beifahrertür und setzte sie vorsichtig auf den Sitz.
Sie reagierte kaum.
Ich schloss die Tür und ging um den Wagen herum zur Fahrerseite.
Die Fahrt zurück zum Anwesen verlief schweigend.
Mehrmals warf ich ihr einen Blick in den Rückspiegel zu.
Sie schlief.
Für jemanden, der den größten Teil des Abends damit verbracht hatte, mit mir zu streiten, sah sie jetzt überraschend friedlich aus.
Ich richtete meine Aufmerksamkeit wieder auf die Straße.
Als wir das Anwesen erreichten, stellte ich den Motor ab und stieg aus.
Maya wachte nicht auf.
Ich öffnete ihre Tür und hob sie aus dem Wagen.
Als ich sie ins Haus trug, kam gerade eine der Dienstmägde durch den Flur.
Ihre Augen weiteten sich, als sie mich sah.
„Miss Coker?“
„Sie schläft.“
Die Dienstmagd kam sofort näher.
„Ihr Zimmer ist oben. Ich zeige es Ihnen.“
Ich folgte ihr durch das Anwesen und die Treppe hinauf.
Das Haus war still.
Als wir Mayas Zimmer erreichten, öffnete die Dienstmagd die Tür.
Ich trug Maya hinein und legte sie vorsichtig auf das Bett.
„Danke, dass Sie auf sie aufgepasst haben“, sagte die Dienstmagd, bevor sie leise den Raum verließ.
Ich wandte mich zur Tür.
Da streckte Maya plötzlich die Hand aus und griff nach meiner.
Ich blieb stehen.
Ihre Augen waren kaum geöffnet.
„Ich hasse dich“, murmelte sie mit leicht verwaschener Stimme.
Ich sah auf sie hinunter.
Aus irgendeinem Grund ärgerten mich ihre Worte nicht so sehr, wie sie es eigentlich hätten tun sollen.
„Gut“, murmelte ich. „Dann sind wir uns wenigstens in einer Sache einig.“
Sie runzelte die Stirn.
„Du bist nervig.“
Ein leises Ausatmen entwich meiner Nase.
Sie sah aus, als wollte sie noch etwas sagen, doch ihre Augen schlossen sich langsam wieder.
Trotzdem ließ sie meine Hand nicht los.
Ich blieb einige Sekunden neben ihrem Bett stehen.
Der Raum war still.
Dann sprach sie erneut, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern.
„Ich brauche dich nicht, um mich zu beschützen. Mein Vater denkt ...“
Sie brach ab.
Ich wartete.
Doch sie beendete den Satz nicht.
Ihre Finger lockerten langsam ihren Griff um meine Hand.
Ich sah ihr ins Gesicht.
Die Wut war verschwunden.
Auch ihre Sturheit war weg.
Sie sah einfach nur müde aus.
Verletzlich.
Vorsichtig zog ich meine Hand aus ihrer.
Sie bewegte sich leicht, wachte aber nicht auf.
Ich richtete mich auf und ging zur Tür.
Meine Hand lag bereits auf dem Türgriff.
Dann blieb ich stehen.
Ich sah noch einmal zu ihr zurück.
Sie hatte keine Ahnung, was auf sie zukam.
Heute Nacht hatte sie nur einen Leibwächter gesehen, der seinen Job machte.
Sie hatte keine Ahnung, dass ich ihre Familie schon lange beobachtete, bevor ich überhaupt in ihr Leben trat.
Sie wusste nicht, was ich verloren hatte.
Sie wusste nicht, was ihr Vater mir genommen hatte.
Und sie wusste ganz sicher nicht, warum ich diesen Job überhaupt angenommen hatte.
Maya Coker glaubte, ich sei hier, um sie zu beschützen.
Sie irrte sich.
Ich war nicht einfach hier, um sie zu beschützen.
Ich war hier, weil meine Nähe zur Familie Coker der erste Schritt war, um eine alte Rechnung zu begleichen.
Und Maya hatte keine Ahnung, dass sie gerade zur Person geworden war, die dem Feind am nächsten stand.
Maya Sight Endlich begann ich wieder richtig durchzuatmen, als Sandra mit einer Akte unter dem Arm mein Büro betrat.Ihre Absätze klackten bei jedem Schritt auf dem polierten Boden und hallten leise durch das ansonsten ruhige Büro.„Miss Coker, wie läuft es?“, fragte sie mit einem Lächeln.Ich blickte von den Unterlagen auf meinem Schreibtisch auf und murmelte sofort: „Bitte, Sandra. Hör auf, mich so zu nennen.“Sie neckte mich offensichtlich.Sie lächelte unschuldig. „Wie soll ich dich denn nennen?“„Wir sind beste Freundinnen, okay? Vergessen wir die Förmlichkeiten für eine Weile und reden einfach normal miteinander.“Sofort lachte sie und kam näher.„Ich hätte beinahe einen Herzinfarkt bekommen“, sagte ich und stand auf. „Ehrlich gesagt war ich total überrascht, meinen Vater im Konferenzraum zu sehen. Zum Glück hast du mich in dem Meeting gerettet. Am Ende ist alles gut gelaufen.“Sandra verschränkte die Arme.„Hmmmm. Du weißt schon, dass du mir dafür danken solltest.“Ich verdreh
DAMIAN SIGHTIch starrte Maya an, während sie verzweifelt nach einer Antwort suchte.Sie wirkte nervös, wirklich nervös.Ihr Blick wanderte von ihrem Vater zum Boden und dann wieder zu ihm.Sie hatte nichts zu sagen.Das konnte ich erkennen.Und so, wie Mr. Coker sie ansah, konnte auch er es erkennen.Er würde sie nicht mit dieser Frage davonkommen lassen.Er wollte eine Antwort. Eine echte.In diesem Moment sah ich wieder zu Maya. Sie wirkte völlig in die Enge getrieben.Dann räusperte ich mich.„Sir.“Mr. Cokers Blick richtete sich auf mich.Ich sah ihn direkt an. „Auf dem Weg hierher gab es einen kleinen Unfall.“Sofort fuhr Mayas Kopf zu mir herum.Ich sprach weiter, bevor sie etwas sagen konnte.„Ein Auto ist auf dem Weg zur Firma leicht mit unserem Wagen zusammengestoßen. Es war nichts Ernstes, aber wir wurden dadurch eine Weile aufgehalten.“Mr. Coker starrte mich an.Ich hielt meinen Gesichtsausdruck ruhig.„Der Unfall hat Miss Coker ein wenig mitgenommen. Ich glaube, deshalb
MAYAS SICHTIch blieb am Eingang des Konferenzraums stehen.Für ein paar Sekunden dachte ich ehrlich, dass ich den falschen Raum betreten hatte.Mein Vater saß am Kopfende des Tisches.Meine Augen weiteten sich. „Dad?“Er hob den Blick von der Akte vor sich.Er wirkte vollkommen ruhig, als wäre sein plötzliches Auftauchen bei Coker Group das Normalste auf der Welt.Hinter mir blieb auch Sandra stehen.Ich konnte ihre Verwirrung beinahe spüren.Sie hatte darauf gewartet, dass ich ankam. Sie hatte nie erwähnt, dass mein Vater hier sein würde.Damian betrat hinter uns den Raum und schloss leise die Tür.Der Blick meines Vaters wanderte zu ihm. Etwas veränderte sich in seinem Gesicht.Es war nur kurz, so kurz, dass ich mich beinahe fragte, ob ich es mir eingebildet hatte.Er sah Damian eine Sekunde länger an als nötig.Dann wandte er den Blick ab. „Die Besprechung sollte beginnen“, sagte er.Das war alles.Keine Erklärung. Keine Frage, warum ich zu spät gekommen war.Nur die Besprechung.
MAYAS SICHT„Oh mein Gott. Ich bin spät dran. Sehr spät.“Meine Augen flogen auf, als ich mein Handy irgendwo neben mir klingeln hörte.Ein paar Sekunden lang starrte ich einfach nur an die Decke und versuchte noch zu begreifen, was gerade los war.Dann klingelte das Handy erneut. Ich tastete blind danach, nahm es vom Nachttisch und ging ran, ohne auf den Bildschirm zu schauen.„Hallo?“ Meine Stimme klang lauter, als ich erwartet hatte.„Maya, wo bist du?!“Ich erkannte Sandras Stimme sofort. Sie schrie praktisch.Ich rieb mir die Augen und setzte mich langsam auf.„Ganz ruhig, ganz ruhig. Beruhige dich, Sandra. Warum schreist du?“„Die Investoren warten!“Sofort erstarrte ich.„Was?“„Die Investoren, Maya! Sie sind schon im Konferenzraum und warten, und ich kann noch nicht reingehen, weil du nicht hier bist!“ Sandra schrie wieder, ihre Stimme voller Panik.Ich sah schnell zur Uhr und stellte fest, dass es 8:38 Uhr war.Mein Herz sackte in die Hose.„Oh mein Gott.“Ich warf die Decke
Damians SichtDer nächste Morgen strahlte hell, und die warmen Sonnenstrahlen fanden ihren Weg durch die hohen Fenster des Konferenzraums. Doch seit zehn Minuten herrschte dort bereits Stille.Keine friedliche Stille.Es war die Art von Stille, die jeden unruhig machte.Zwanzig Führungskräfte saßen um den langen Glastisch. Ihre teuren Uhren und perfekt geschnittenen Anzüge konnten die Anspannung in ihren Gesichtern kaum verbergen.Niemand wagte es, zu laut zu sprechen. Jeder kannte die Regel.Der CEO wurde niemals warten gelassen.Sie warteten auf mich.Ein junger Manager warf einen Blick auf die Uhr, bevor er seine Stimme senkte.„Ist er schon zugeschaltet?“„Sprich leiser“, warnte der Mann neben ihm.Der junge Manager runzelte die Stirn.„Wir haben ihn noch nicht einmal gesehen.“„Genau deshalb solltest du vorsichtig sein.“Bevor jemand mehr sagen konnte, wurde das Licht im Konferenzraum gedimmt. Der große Bildschirm am Ende des Raumes erwachte zum Leben.Dann erfüllte meine kalte,
Damians SichtIch packte Annabelles Handgelenk, bevor ihre Hand Mayas Gesicht erreichen konnte.Sofort erstarrte sie.Für einen Moment schien der gesamte Raum mit ihr den Atem anzuhalten.Ihr Blick wanderte von meiner Hand zu meinem Gesicht. Offensichtlich hatte sie nicht damit gerechnet, dass ich mich einmischen würde.Maya ebenfalls nicht.Ich hatte Annabelle nicht gepackt, weil mir Maya etwas bedeutete.Ich hatte es auch nicht getan, weil ich plötzlich den Helden spielen wollte.Ich hatte einfach meinen Job gemacht.Ich war eingestellt worden, um Maya Coker zu beschützen, und genau das hatte ich vor.Außerdem hatte ich die gesamte Szene von meinem Platz an der Bar aus beobachtet. Ich hatte bemerkt, wie Annabelles Wut immer größer geworden war, wie ihre Stimme schärfer geworden war und wie sie schließlich die Hand in Richtung Maya bewegt hatte.Ich hätte früher eingreifen können.Ich hatte mich dagegen entschieden.Ich hatte abgewartet, wie weit sie gehen würde.Offenbar war das wei







