LOGIN„Er dachte, er sei eingestellt worden, um mich zu schützen. Ich hatte keine Ahnung, dass er in mein Leben getreten war, um meine Familie zu zerstören.“ — Maya Coker *** Maya Coker hat ihr ganzes Leben unter der Kontrolle ihres Vaters verbracht – umgeben von Reichtum, Geschäften und einer Familie voller Geheimnisse. Als ihr Vater Damian als ihren persönlichen Leibwächter engagiert, erwartet Maya nur einen lästigen Schatten, dem sie nicht entkommen kann. Sie weiß nicht, dass Damian noch einen ganz anderen Grund hat, dort zu sein. Vor zwanzig Jahren hat Herr Coker Damians Familie vernichtet. Damian hat überlebt, im Geheimen ein mächtiges Unternehmen aufgebaut und jahrelang seine Rache vorbereitet. Maya sollte nie Teil seines Plans sein. Sein Ziel ist klar: sich ihr nähern, ihr Vertrauen gewinnen und sie benutzen, um den Mann zu zerstören, der ihm das Leben genommen hat. Doch je näher Damian Maya kommt, desto schwerer fällt es ihm, sich daran zu erinnern, dass sie nur eine Schachfigur sein sollte. Und als die Wahrheit über Mayas Mutter und das dunkelste Geheimnis ihres Vaters ans Licht kommt, beginnt Maya, alles zu hinterfragen, was sie jemals geglaubt hat. Denn der Mann, der sie beschützen soll, könnte derselbe sein, der gekommen ist, um ihre Familie zu ruinieren.
View MoreMayas Sicht
Das scharfe Vibrieren meines Handys durchbrach die friedliche Stille meines Schlafzimmers.
Ich runzelte die Stirn und vergrub mein Gesicht noch tiefer in dem weichen Seidenkissen.
Die Morgensonne war bereits durch die raumhohen Fenster gedrungen und tauchte das luxuriöse Zimmer in einen goldenen Schimmer, doch ich war noch lange nicht bereit, mein Bett zu verlassen.
Das Handy vibrierte erneut.
Mit einem leisen Stöhnen streckte ich meine Hand über das große Bett und griff nach dem Handy auf dem Nachttisch, ohne die Augen zu öffnen.
„Hallo?“, murmelte ich verschlafen.
Ein vertrautes Lachen ertönte aus dem Lautsprecher.
„Maya! Sag bloß nicht, dass du immer noch schläfst.“
Ein Lächeln umspielte meine Lippen.
Es gab nur eine Person, die es wagte, mich so früh an einem Sonntag zu wecken, und das war meine beste Freundin Sandra.
„Sandra“, seufzte ich. „Es ist Sonntag. Lass mich schlafen.“
Sie lachte noch lauter.
„Ich weiß, dass Sonntag ist. Ich ärgere dich doch nur.“
Ich drehte mich auf den Rücken und öffnete endlich die Augen. Mein Blick fiel auf den prächtigen Kristallleuchter, der über mir hing.
„Du hast mir fast einen Herzinfarkt verpasst.“
„Ach, bitte“, erwiderte Sandra dramatisch. „Die zukünftige Geschäftsführerin der Coker Group lässt sich doch nicht so leicht erschrecken.“
Ich schüttelte den Kopf. „Du und deine große Klappe.“
„Was denn? Habe ich etwa Unrecht?“, neckte sie mich. „Du bist Maya Coker, die einzige Tochter von Daniel Coker. Eines Tages wird das gesamte Unternehmen dir gehören.“
Ich seufzte. Das sagte jeder.
Zukünftige Geschäftsführerin. Alleinerbin.
Milliardärstochter. Prinzessin der Coker Group.
Für die Außenwelt klang das glamourös.
Für mich klang es nach einem Leben, das bereits für mich entschieden worden war, bevor ich überhaupt alt genug gewesen war, selbst darüber zu bestimmen.
„Wie auch immer“, fuhr Sandra fort, „vergiss heute Abend nicht.“
„Als würdest du mich das jemals vergessen lassen.“
„Natürlich nicht. Es ist unser Absolvententreffen. Es ist Monate her, seit wir alle zusammengekommen sind. Du hast versprochen, dass du kommst.“
Ich lächelte. „Ich erinnere mich.“
„Das will ich hoffen. Wenn du mich enttäuschst, komme ich höchstpersönlich zur Villa.“
Ich lachte.
Sandra und ich waren seit unserem ersten Studienjahr an der Universität befreundet. Anders als die meisten Menschen, die nur wegen meines Familiennamens in meiner Nähe geblieben waren, war Sandra meine Freundin geworden, lange bevor sie überhaupt wusste, wie reich mein Vater tatsächlich war.
Nach unserem Abschluss wurde das Leben für sie schwierig.
Arbeitsplätze waren rar, und obwohl sie hervorragende Noten gehabt hatte, schien jedes Unternehmen jahrelange Berufserfahrung zu verlangen.
Sie hatte mich nie um Hilfe gebeten. Kein einziges Mal. Aber ich konnte nicht einfach zusehen, wie meine beste Freundin sich abmühte.
Ich hatte meinen Vater angefleht, ihr eine Chance zu geben. Zu meiner Überraschung stimmte er zu.
Jetzt arbeitete Sandra bei der Coker Group als meine persönliche Sekretärin.
„Okay, wir sprechen später“, sagte Sandra. „Und wag es ja nicht, heute Abend zu vergessen. Wir sehen uns später.“
Das Gespräch endete und hinterließ Stille.
Ich ließ das Handy auf meine Brust sinken, während mein Blick zu dem großen Ölgemälde meiner Mutter an der gegenüberliegenden Wand wanderte.
Ihr Lächeln war warm, und ihre Augen strahlten voller Leben.
Meine Brust zog sich zusammen.
Sie war an Krebs gestorben, als ich zwölf Jahre alt gewesen war. Seit elf langen Jahren lernte ich nun, ohne sie zu leben, doch jeden Morgen spürte ich noch immer den Schmerz ihrer Abwesenheit.
Wenn sie hier wäre, würde sich dieses Haus vielleicht nicht so kalt anfühlen.
Vielleicht würde ich mich nicht so allein fühlen.
In diesem Moment unterbrach ein leises Klopfen meine Gedanken.
Ich richtete mich auf und flüsterte: „Herein.“
Eine der Hausangestellten betrat den Raum, ordentlich in ihrer Uniform gekleidet. Sie trug ein Tablett mit warmer Milch und geschnittenem Obst und bewegte sich vorsichtig, damit nichts verschüttet wurde.
Sie stellte das Tablett behutsam auf den kleinen Tisch neben meinem Bett und verbeugte sich höflich.
„Guten Morgen, Miss Coker.“
„Morgen“, antwortete ich.
„Mr. Coker wartet unten auf Sie“, fügte sie hinzu.
Bei der Erwähnung meines Vaters verkrampfte sich mein Magen.
Natürlich tat er das.
Wenn er mich sehen wollte, bedeutete das normalerweise nur eines.
Geschäfte.
Er war immer derselbe. Streng, kalt und überfürsorglich.
Ich fragte mich, was er diesmal wollte.
„Sag ihm, dass ich gleich runterkomme“, sagte ich leise.
Sie verbeugte sich erneut und verließ den Raum, wobei sie die Tür leise hinter sich schloss.
Ich schleppte mich aus dem Bett und ging ins Badezimmer. Die Marmorkacheln waren kalt unter meinen Füßen. Ich stellte die Dusche an und ließ das heiße Wasser über mich laufen, bis ich vollständig wach war.
Danach wickelte ich mich in einen Seidenmantel und stellte mich vor den Spiegel. Ich betrachtete mein langes schwarzes Haar und meine braunen Augen.
Diese sanften Gesichtszüge, von denen alle behaupteten, ich hätte sie von meiner Mutter geerbt.
Ich trug etwas Lipgloss auf und warf mir einen letzten Blick zu.
„Ein weiterer Tag“, flüsterte ich.
Ich holte tief Luft und verließ mein Zimmer.
Der Flur war weitläufig und mit hohen Spiegeln und Ölgemälden streng dreinblickender Vorfahren gesäumt. Ihre ernsten Gesichter blickten auf mich herab, als würden sie mich beurteilen.
Auch die Männer in schwarzen Anzügen, die Leibwächter meines Vaters, standen an jeder Ecke.
Ihre Anwesenheit sollte mir Sicherheit geben, doch an den meisten Tagen fühlte es sich einfach wie ein weiterer Käfig an.
Als ich das Wohnzimmer erreichte, war mein Vater bereits da. Er saß auf einem der Sofas, trug seinen üblichen eleganten Anzug und trank Tee, als würde er sich auf ein wichtiges Geschäftstreffen vorbereiten.
Er blickte kurz auf, als ich den Raum betrat.
„Wie war deine Nacht, meine Liebe?“, fragte er mit seiner ruhigen, aber distanzierten Stimme.
„Gut, Dad“, antwortete ich, obwohl ich bezweifelte, dass ihn die Antwort wirklich interessierte.
Zum ersten Mal bemerkte ich jemanden, der neben ihm stand.
Einen Mann, den ich noch nie zuvor gesehen hatte.
Sein schwarzer Anzug lag eng an seinen breiten Schultern an, und seine Haltung war vollkommen aufrecht. Seine Arme waren hinter dem Rücken verschränkt.
Er sah stark aus, als wäre er aus Stein gemeißelt, und dennoch lag etwas still Gefährliches in seiner Ausstrahlung.
Mein Vater stellte seine Teetasse ab, und sofort eilte eine Hausangestellte herbei, um sie vom Tisch zu nehmen.
Er räusperte sich und sah erst den Mann und dann mich an.
„Maya“, sagte er bestimmt, „das ist Damian, dein neuer Leibwächter. Ich habe beschlossen, ihn zu deinem Schutz einzustellen. Er wird dich überallhin begleiten, und du wirst auf ihn hören.“
Meine Augen weiteten sich.
„Was? Dad, ist das ein Witz? Bin ich ein Baby, das einen Babysitter braucht?“
Er runzelte die Stirn.
„Maya, du stellst meine Entscheidungen nicht infrage. So beschütze ich dich. Du bist Maya Coker, die Tochter des reichsten Mannes der Stadt. Draußen ist es nicht sicher. Du brauchst Schutz.“
Ich lächelte bitter.
So nannte er das also Fürsorge?
Fremde einzustellen, die mich überwachten, anstatt selbst ein Vater für mich zu sein?
Bevor ich antworten konnte, klingelte sein Handy.
Er zog es schnell heraus, sah auf die Nummer und sagte: „Entschuldigt mich kurz.“
Ohne auf eine Antwort zu warten, drehte er sich um und ging auf die Treppe zu, während er bereits mit seiner schroffen Geschäftsstimme ins Telefon sprach.
Ich sah ihm nach, während sich meine Brust erneut zusammenzog. Dann wandte ich meinen Blick wieder dem Mann zu, den er gerade in mein Leben geworfen hatte.
Damians Blick lag ruhig auf mir, sein Gesicht vollkommen ausdruckslos.
Dann lächelte er zu meiner Überraschung leicht und sagte mit tiefer Stimme: „Es freut mich, Sie kennenzulernen, Miss Coker. Ich werde meine Arbeit gut machen.“
Ich hob das Kinn und verengte die Augen.
„Was soll daran bitte schön sein, mich kennenzulernen, Herr Leibwächter? Oder was auch immer Sie sind.“
Ich ging näher auf ihn zu und ließ meinen Blick über seine breite Brust wandern.
Er zuckte nicht einmal mit der Wimper.
Seine regungslose Haltung irritierte mich nur noch mehr.
Ich beugte mich leicht zu ihm und flüsterte: „Wenn Sie Geld brauchen, kann ich Ihnen achtzig Prozent meiner Ersparnisse geben. Aber machen Sie sich nichts vor. Sie können mir nicht überallhin folgen. Ich brauche Sie nicht.“
Er antwortete nicht.
Nur seine Lippen verzogen sich zu einem weiteren leichten Grinsen, das mir eine Gänsehaut über die Haut jagte.
Ich drehte mich abrupt um und wollte gehen.
Doch kaum hatte ich einen Schritt gemacht, blieb mein Fuß am Rand des Teppichs hängen.
Ich keuchte auf, als mein Körper nach vorne kippte.
Bevor ich auf dem Boden aufschlagen konnte, fingen mich starke Arme auf.
Seine Brust presste sich gegen meinen Körper, fest und sicher.
Er zog mich mühelos wieder hoch. Seine Hände ruhten noch einen kurzen Moment an meiner Taille, bevor er einen Schritt zurücktrat.
„Seien Sie vorsichtig, Maya“, sagte er mit dieser tiefen Stimme. „Das ist einer der Gründe, warum Sie mich brauchen.“
Ich funkelte ihn an, genervt von seinem selbstgefälligen Gesichtsausdruck.
Dann zwang ich mich, weiterzugehen. Ich wandte mich ab und marschierte auf die Treppe zu.
Eines wusste ich ganz genau.
Ich brauchte keinen Leibwächter.
Maya Sight Endlich begann ich wieder richtig durchzuatmen, als Sandra mit einer Akte unter dem Arm mein Büro betrat.Ihre Absätze klackten bei jedem Schritt auf dem polierten Boden und hallten leise durch das ansonsten ruhige Büro.„Miss Coker, wie läuft es?“, fragte sie mit einem Lächeln.Ich blickte von den Unterlagen auf meinem Schreibtisch auf und murmelte sofort: „Bitte, Sandra. Hör auf, mich so zu nennen.“Sie neckte mich offensichtlich.Sie lächelte unschuldig. „Wie soll ich dich denn nennen?“„Wir sind beste Freundinnen, okay? Vergessen wir die Förmlichkeiten für eine Weile und reden einfach normal miteinander.“Sofort lachte sie und kam näher.„Ich hätte beinahe einen Herzinfarkt bekommen“, sagte ich und stand auf. „Ehrlich gesagt war ich total überrascht, meinen Vater im Konferenzraum zu sehen. Zum Glück hast du mich in dem Meeting gerettet. Am Ende ist alles gut gelaufen.“Sandra verschränkte die Arme.„Hmmmm. Du weißt schon, dass du mir dafür danken solltest.“Ich verdreh
DAMIAN SIGHTIch starrte Maya an, während sie verzweifelt nach einer Antwort suchte.Sie wirkte nervös, wirklich nervös.Ihr Blick wanderte von ihrem Vater zum Boden und dann wieder zu ihm.Sie hatte nichts zu sagen.Das konnte ich erkennen.Und so, wie Mr. Coker sie ansah, konnte auch er es erkennen.Er würde sie nicht mit dieser Frage davonkommen lassen.Er wollte eine Antwort. Eine echte.In diesem Moment sah ich wieder zu Maya. Sie wirkte völlig in die Enge getrieben.Dann räusperte ich mich.„Sir.“Mr. Cokers Blick richtete sich auf mich.Ich sah ihn direkt an. „Auf dem Weg hierher gab es einen kleinen Unfall.“Sofort fuhr Mayas Kopf zu mir herum.Ich sprach weiter, bevor sie etwas sagen konnte.„Ein Auto ist auf dem Weg zur Firma leicht mit unserem Wagen zusammengestoßen. Es war nichts Ernstes, aber wir wurden dadurch eine Weile aufgehalten.“Mr. Coker starrte mich an.Ich hielt meinen Gesichtsausdruck ruhig.„Der Unfall hat Miss Coker ein wenig mitgenommen. Ich glaube, deshalb
MAYAS SICHTIch blieb am Eingang des Konferenzraums stehen.Für ein paar Sekunden dachte ich ehrlich, dass ich den falschen Raum betreten hatte.Mein Vater saß am Kopfende des Tisches.Meine Augen weiteten sich. „Dad?“Er hob den Blick von der Akte vor sich.Er wirkte vollkommen ruhig, als wäre sein plötzliches Auftauchen bei Coker Group das Normalste auf der Welt.Hinter mir blieb auch Sandra stehen.Ich konnte ihre Verwirrung beinahe spüren.Sie hatte darauf gewartet, dass ich ankam. Sie hatte nie erwähnt, dass mein Vater hier sein würde.Damian betrat hinter uns den Raum und schloss leise die Tür.Der Blick meines Vaters wanderte zu ihm. Etwas veränderte sich in seinem Gesicht.Es war nur kurz, so kurz, dass ich mich beinahe fragte, ob ich es mir eingebildet hatte.Er sah Damian eine Sekunde länger an als nötig.Dann wandte er den Blick ab. „Die Besprechung sollte beginnen“, sagte er.Das war alles.Keine Erklärung. Keine Frage, warum ich zu spät gekommen war.Nur die Besprechung.
MAYAS SICHT„Oh mein Gott. Ich bin spät dran. Sehr spät.“Meine Augen flogen auf, als ich mein Handy irgendwo neben mir klingeln hörte.Ein paar Sekunden lang starrte ich einfach nur an die Decke und versuchte noch zu begreifen, was gerade los war.Dann klingelte das Handy erneut. Ich tastete blind danach, nahm es vom Nachttisch und ging ran, ohne auf den Bildschirm zu schauen.„Hallo?“ Meine Stimme klang lauter, als ich erwartet hatte.„Maya, wo bist du?!“Ich erkannte Sandras Stimme sofort. Sie schrie praktisch.Ich rieb mir die Augen und setzte mich langsam auf.„Ganz ruhig, ganz ruhig. Beruhige dich, Sandra. Warum schreist du?“„Die Investoren warten!“Sofort erstarrte ich.„Was?“„Die Investoren, Maya! Sie sind schon im Konferenzraum und warten, und ich kann noch nicht reingehen, weil du nicht hier bist!“ Sandra schrie wieder, ihre Stimme voller Panik.Ich sah schnell zur Uhr und stellte fest, dass es 8:38 Uhr war.Mein Herz sackte in die Hose.„Oh mein Gott.“Ich warf die Decke

















