LOGINMayas Sicht
Die Lichter der Stadt verschwammen zu langen Lichtstreifen vor dem Fenster, während Damian durch die belebten Straßen fuhr. Eine Hand lag fest am Lenkrad.
Ich verschränkte die Arme vor der Brust und starrte ihn an.
„Blue Velvet Lounge“, murmelte ich. „Dorthin fahren wir.“
Er nickte einmal.
Sein Blick blieb auf der Straße.
Für einen Moment herrschte Stille im Wagen. Dann heulte plötzlich der Motor auf.
Der Lamborghini schoss nach vorne und überholte das Auto vor uns mit unglaublicher Geschwindigkeit.
Mein Körper wurde gegen den Sitz geschleudert.
„Was machst du da?“, rief ich und packte das Armaturenbrett. „Pass auf die Straße auf!“
Doch Damian lenkte ganz ruhig wieder auf seine Spur.
„Du wirst uns noch umbringen!“, murmelte ich vor mich hin.
Ein schwaches Grinsen zog an seinem Mundwinkel.
„Werde ich nicht.“
Bevor ich wieder richtig Luft holen konnte, überholte er ein weiteres Auto.
Mein Herz hämmerte gegen meine Brust.
„Bist du verrückt?“
„Nein.“ Er grinste, ohne mich anzusehen.
„Du fährst wie ein Wahnsinniger!“
Sein Grinsen wurde nur breiter.
„Die Leute warten auf dich.“
Ich funkelte ihn an. „Das ist kein Grund, so zu fahren, als wärst du bei einem Rennen.“
Er antwortete nicht. Stattdessen drückte er das Gaspedal noch etwas weiter durch.
Ich stöhnte genervt auf und ließ meinen Kopf gegen die Kopfstütze fallen.
„Du bist unglaublich.“
Den Rest der Fahrt verbrachte ich damit, mich zu weigern, ihn anzusehen.
Zwanzig Minuten später tauchte das leuchtende Schild der Blue Velvet Lounge vor uns auf.
Luxuswagen füllten den Parkplatz. Musik drang aus dem riesigen Gebäude, während bunte Lichter über den Eingangsbereich tanzten.
Damian fuhr langsam auf das Gelände und brachte den Wagen schließlich sanft zum Stehen.
Endlich.
Ich griff nach dem Türgriff und hörte ein Klicken.
Die Tür ließ sich nicht öffnen.
Sofort runzelte ich die Stirn und versuchte es noch einmal.
Immer noch verriegelt.
„Was jetzt?“, fuhr ich ihn an und drehte mich zu ihm.
Damian schnallte sich ganz ruhig ab.
„Mein Job.“
Bevor ich noch eine weitere Frage stellen konnte, stieg er aus dem Wagen.
Durch das Fenster beobachtete ich, wie er um die Vorderseite des Wagens herumging, mit derselben ruhigen Selbstsicherheit, die mich jedes einzelne Mal auf die Palme brachte.
Er öffnete mir die Tür.
Ich stieg aus, richtete mein Kleid und ging hinein, ohne mich nach ihm umzusehen. Er würde mir sowieso folgen.
Die Musik schlug mir sofort entgegen.
Die Blue Velvet Lounge war bereits voll. Bunte Lichter wanderten über die Wände, Getränke standen auf den Tischen und Menschen füllten die Tanzfläche.
Ich entdeckte Sandra fast sofort. Sie trug ein schlichtes grünes Kleid, das ihr perfekt stand.
„Maya!“
Sie eilte auf mich zu und zog mich in eine Umarmung.
„Ich dachte schon, du kommst nicht.“
„Ich wäre fast nicht gekommen“, sagte ich.
Ihr Blick wanderte hinter mich, und in dem Moment, in dem ich sah, wie sich ihr Gesichtsausdruck veränderte, wusste ich, dass sie Damian entdeckt hatte.
„Ist er mit dir gekommen? Wer ist das?“
Ich warf Damian einen Blick zu.
Er sah sich bereits in der Lounge um und musterte jeden Eingang und jede Person im Raum.
„Der neue Leibwächter, den Dad eingestellt hat.“
Sofort lachte Sandra und beugte sich näher zu mir, um mir ins Ohr zu flüstern.
„Ich weiß, dass du nicht willst, dass er dir überallhin folgt, aber ich schätze, du kannst nichts dagegen tun.“
„Vergiss ihn. Heute Abend geht es um uns“, sagte ich und weigerte mich, Damian meine Nacht verderben zu lassen.
Sie zog mich zu unserem Tisch.
Zum ersten Mal an diesem Abend erlaubte ich mir, mich zu entspannen.
Ich trank.
Ich lachte.
Ich tanzte mit ihr.
Die Musik war laut, die Stimmung ausgelassen, und für eine Weile vergaß ich alles, was zu Hause auf mich wartete.
Damian hatte an der Bar Platz genommen.
Vor ihm stand ein Glas Whiskey.
Er rührte es kaum an.
Er beobachtete einfach nur den Raum.
Und hin und wieder blieb sein Blick auf mir liegen.
Es war mir egal. Ich hatte Spaß.
Nach einem weiteren Drink breitete sich die Wärme des Alkohols in meinem Körper aus. Mein Kopf fühlte sich etwas leichter an, und meine Bewegungen waren langsamer als sonst, aber ich war noch lange nicht betrunken genug, um mich darum zu kümmern.
Bald darauf betrat James, einer der ehemaligen Mitschüler, die kleine Bühne neben der Tanzfläche. Er war der Moderator des Abends.
„Alle zusammen!“, rief er ins Mikrofon. „Wer ist bereit für ein Spiel?“
Die Menge sprang von ihren Sitzen auf und jubelte.
Sandra packte meine Hand.
„Komm.“
Ich lachte widerwillig. „Nein.“
„Sei nicht langweilig. Ich bin hergekommen, um zu tanzen, nicht um Spiele zu spielen.“
Trotzdem zog sie mich zur Gruppe.
Das Spiel dauerte nicht lange. Die Leute zogen Zahlen, beantworteten Fragen und mussten kleine Aufgaben erfüllen, die alle zum Lachen brachten.
Als ich an der Reihe war, zog ich eine Zahl.
Der Moderator sah sie sich an und lächelte.
„Du musst jemandem, den die Menge auswählt, einen Lapdance geben.“
Die Leute um uns herum jubelten.
Sofort schüttelte ich den Kopf.
„Auf keinen Fall.“
Sandra schob mich leicht zurück.
„Das macht sie nicht.“
Ich lachte noch immer, als ich plötzlich eine vertraute Stimme hörte.
„Natürlich macht sie das nicht.“
Ich drehte mich um.
Annabelle stand ein paar Schritte entfernt zusammen mit einigen anderen ehemaligen Mitschülern.
Ich hatte sie lange nicht gesehen, aber diesen Blick kannte ich sofort.
Sie hatte mich noch nie gemocht.
Sie musterte mich von oben bis unten, bevor sie sprach.
„Du hast dich kein bisschen verändert.“
Ich nahm einen weiteren Schluck von meinem Getränk.
„Du dich auch nicht.“
Sandras Lächeln verschwand.
Sie wusste, dass das nicht gut enden würde.
Annabelle trat näher.
„Du denkst immer, du wärst besser als alle anderen. Alle haben ihre Aufgaben gemacht, aber sobald du an der Reihe bist, sagst du plötzlich nein.“
Ich hob eine Augenbraue.
„Und was genau soll ich deiner Meinung nach tun? Für Fremde tanzen, nur weil du denkst, ich müsste es?“
„Siehst du?“ Annabelle zeigte auf mich. „Genau davon rede ich.“
Ich seufzte.
„Dafür habe ich keine Zeit.“
Ich wandte mich ab, doch ihre Stimme folgte mir.
„Natürlich nicht. Du hast nie Zeit für jemanden, der dir nichts nützt.“
Ich blieb stehen.
Langsam drehte ich mich wieder zu ihr um.
„Wenn du das glaubst, dann glaub es weiter.“
Ihr Gesicht verhärtete sich.
„Du glaubst, dieses teure Kleid macht dich zu etwas Besonderem?“
Sandra trat näher.
„Annabelle, jetzt reicht es.“
„Nein.“ Ihr Blick blieb auf mich gerichtet. „Ich habe jahrelang darauf gewartet, ihr genau zu sagen, was ich von ihr halte.“
Ich starrte sie an.
„Dann sag es.“
Sie lächelte bitter.
„Ich hasse dich.“
Die Worte hingen in der Luft. Die Menschen um uns herum begannen, aufmerksam zu werden.
Ich spürte, wie der Alkohol meine Augen schwerer machte, aber ich weigerte mich, ihn die Kontrolle über mich gewinnen zu lassen.
„Ich kann nichts dafür, was andere für mich empfinden“, sagte ich.
Ihr Gesicht verdunkelte sich.
„Siehst du? Genau das meine ich. Du musst dich immer so aufführen, als wärst du besser als alle anderen.“
Die Eifersucht war deutlich in ihrer Stimme zu hören.
Bevor ich antworten konnte, stieß sie mich gegen die Schulter.
Ich taumelte zurück, und Sandra fing meinen Arm auf.
„Maya.“
Ich fing mich wieder und funkelte Annabelle an.
„Fass mich nicht noch einmal an.“
Sie lachte.
„Das hast du verdient.“
Meine Wut kochte hoch.
Ich stieß sie zurück.
Sie taumelte und sah mich ungläubig an.
„Du ...“
Ihr Gesicht verzerrte sich vor Wut.
Sie hob die Hand und kam auf mich zu, bereit, mir ins Gesicht zu schlagen.
Ich hatte kaum Zeit zu reagieren.
Plötzlich packte jemand ihre Hand und hielt sie fest, bevor sie mein Gesicht erreichen konnte.
Maya Sight Endlich begann ich wieder richtig durchzuatmen, als Sandra mit einer Akte unter dem Arm mein Büro betrat.Ihre Absätze klackten bei jedem Schritt auf dem polierten Boden und hallten leise durch das ansonsten ruhige Büro.„Miss Coker, wie läuft es?“, fragte sie mit einem Lächeln.Ich blickte von den Unterlagen auf meinem Schreibtisch auf und murmelte sofort: „Bitte, Sandra. Hör auf, mich so zu nennen.“Sie neckte mich offensichtlich.Sie lächelte unschuldig. „Wie soll ich dich denn nennen?“„Wir sind beste Freundinnen, okay? Vergessen wir die Förmlichkeiten für eine Weile und reden einfach normal miteinander.“Sofort lachte sie und kam näher.„Ich hätte beinahe einen Herzinfarkt bekommen“, sagte ich und stand auf. „Ehrlich gesagt war ich total überrascht, meinen Vater im Konferenzraum zu sehen. Zum Glück hast du mich in dem Meeting gerettet. Am Ende ist alles gut gelaufen.“Sandra verschränkte die Arme.„Hmmmm. Du weißt schon, dass du mir dafür danken solltest.“Ich verdreh
DAMIAN SIGHTIch starrte Maya an, während sie verzweifelt nach einer Antwort suchte.Sie wirkte nervös, wirklich nervös.Ihr Blick wanderte von ihrem Vater zum Boden und dann wieder zu ihm.Sie hatte nichts zu sagen.Das konnte ich erkennen.Und so, wie Mr. Coker sie ansah, konnte auch er es erkennen.Er würde sie nicht mit dieser Frage davonkommen lassen.Er wollte eine Antwort. Eine echte.In diesem Moment sah ich wieder zu Maya. Sie wirkte völlig in die Enge getrieben.Dann räusperte ich mich.„Sir.“Mr. Cokers Blick richtete sich auf mich.Ich sah ihn direkt an. „Auf dem Weg hierher gab es einen kleinen Unfall.“Sofort fuhr Mayas Kopf zu mir herum.Ich sprach weiter, bevor sie etwas sagen konnte.„Ein Auto ist auf dem Weg zur Firma leicht mit unserem Wagen zusammengestoßen. Es war nichts Ernstes, aber wir wurden dadurch eine Weile aufgehalten.“Mr. Coker starrte mich an.Ich hielt meinen Gesichtsausdruck ruhig.„Der Unfall hat Miss Coker ein wenig mitgenommen. Ich glaube, deshalb
MAYAS SICHTIch blieb am Eingang des Konferenzraums stehen.Für ein paar Sekunden dachte ich ehrlich, dass ich den falschen Raum betreten hatte.Mein Vater saß am Kopfende des Tisches.Meine Augen weiteten sich. „Dad?“Er hob den Blick von der Akte vor sich.Er wirkte vollkommen ruhig, als wäre sein plötzliches Auftauchen bei Coker Group das Normalste auf der Welt.Hinter mir blieb auch Sandra stehen.Ich konnte ihre Verwirrung beinahe spüren.Sie hatte darauf gewartet, dass ich ankam. Sie hatte nie erwähnt, dass mein Vater hier sein würde.Damian betrat hinter uns den Raum und schloss leise die Tür.Der Blick meines Vaters wanderte zu ihm. Etwas veränderte sich in seinem Gesicht.Es war nur kurz, so kurz, dass ich mich beinahe fragte, ob ich es mir eingebildet hatte.Er sah Damian eine Sekunde länger an als nötig.Dann wandte er den Blick ab. „Die Besprechung sollte beginnen“, sagte er.Das war alles.Keine Erklärung. Keine Frage, warum ich zu spät gekommen war.Nur die Besprechung.
MAYAS SICHT„Oh mein Gott. Ich bin spät dran. Sehr spät.“Meine Augen flogen auf, als ich mein Handy irgendwo neben mir klingeln hörte.Ein paar Sekunden lang starrte ich einfach nur an die Decke und versuchte noch zu begreifen, was gerade los war.Dann klingelte das Handy erneut. Ich tastete blind danach, nahm es vom Nachttisch und ging ran, ohne auf den Bildschirm zu schauen.„Hallo?“ Meine Stimme klang lauter, als ich erwartet hatte.„Maya, wo bist du?!“Ich erkannte Sandras Stimme sofort. Sie schrie praktisch.Ich rieb mir die Augen und setzte mich langsam auf.„Ganz ruhig, ganz ruhig. Beruhige dich, Sandra. Warum schreist du?“„Die Investoren warten!“Sofort erstarrte ich.„Was?“„Die Investoren, Maya! Sie sind schon im Konferenzraum und warten, und ich kann noch nicht reingehen, weil du nicht hier bist!“ Sandra schrie wieder, ihre Stimme voller Panik.Ich sah schnell zur Uhr und stellte fest, dass es 8:38 Uhr war.Mein Herz sackte in die Hose.„Oh mein Gott.“Ich warf die Decke
Damians SichtDer nächste Morgen strahlte hell, und die warmen Sonnenstrahlen fanden ihren Weg durch die hohen Fenster des Konferenzraums. Doch seit zehn Minuten herrschte dort bereits Stille.Keine friedliche Stille.Es war die Art von Stille, die jeden unruhig machte.Zwanzig Führungskräfte saßen um den langen Glastisch. Ihre teuren Uhren und perfekt geschnittenen Anzüge konnten die Anspannung in ihren Gesichtern kaum verbergen.Niemand wagte es, zu laut zu sprechen. Jeder kannte die Regel.Der CEO wurde niemals warten gelassen.Sie warteten auf mich.Ein junger Manager warf einen Blick auf die Uhr, bevor er seine Stimme senkte.„Ist er schon zugeschaltet?“„Sprich leiser“, warnte der Mann neben ihm.Der junge Manager runzelte die Stirn.„Wir haben ihn noch nicht einmal gesehen.“„Genau deshalb solltest du vorsichtig sein.“Bevor jemand mehr sagen konnte, wurde das Licht im Konferenzraum gedimmt. Der große Bildschirm am Ende des Raumes erwachte zum Leben.Dann erfüllte meine kalte,
Damians SichtIch packte Annabelles Handgelenk, bevor ihre Hand Mayas Gesicht erreichen konnte.Sofort erstarrte sie.Für einen Moment schien der gesamte Raum mit ihr den Atem anzuhalten.Ihr Blick wanderte von meiner Hand zu meinem Gesicht. Offensichtlich hatte sie nicht damit gerechnet, dass ich mich einmischen würde.Maya ebenfalls nicht.Ich hatte Annabelle nicht gepackt, weil mir Maya etwas bedeutete.Ich hatte es auch nicht getan, weil ich plötzlich den Helden spielen wollte.Ich hatte einfach meinen Job gemacht.Ich war eingestellt worden, um Maya Coker zu beschützen, und genau das hatte ich vor.Außerdem hatte ich die gesamte Szene von meinem Platz an der Bar aus beobachtet. Ich hatte bemerkt, wie Annabelles Wut immer größer geworden war, wie ihre Stimme schärfer geworden war und wie sie schließlich die Hand in Richtung Maya bewegt hatte.Ich hätte früher eingreifen können.Ich hatte mich dagegen entschieden.Ich hatte abgewartet, wie weit sie gehen würde.Offenbar war das wei







