LOGINDAMIAN SIGHT
Ich starrte Maya an, während sie verzweifelt nach einer Antwort suchte.
Sie wirkte nervös, wirklich nervös.
Ihr Blick wanderte von ihrem Vater zum Boden und dann wieder zu ihm.
Sie hatte nichts zu sagen.
Das konnte ich erkennen.
Und so, wie Mr. Coker sie ansah, konnte auch er es erkennen.
Er würde sie nicht mit dieser Frage davonkommen lassen.
Er wollte eine Antwort. Eine echte.
In diesem Moment sah ich wieder zu Maya. Sie wirkte völlig in die Enge getrieben.
Dann räusperte ich mich.
„Sir.“
Mr. Cokers Blick richtete sich auf mich.
Ich sah ihn direkt an. „Auf dem Weg hierher gab es einen kleinen Unfall.“
Sofort fuhr Mayas Kopf zu mir herum.
Ich sprach weiter, bevor sie etwas sagen konnte.
„Ein Auto ist auf dem Weg zur Firma leicht mit unserem Wagen zusammengestoßen. Es war nichts Ernstes, aber wir wurden dadurch eine Weile aufgehalten.“
Mr. Coker starrte mich an.
Ich hielt meinen Gesichtsausdruck ruhig.
„Der Unfall hat Miss Coker ein wenig mitgenommen. Ich glaube, deshalb fällt es ihr gerade noch schwer zu erklären, was passiert ist.“
Ich sah Maya an. Ihre Augen waren weit aufgerissen. Sie hatte eindeutig nicht damit gerechnet, dass ich mich einmischen würde.
Fast hätte ich gelächelt. Fast.
Stattdessen wandte ich meine Aufmerksamkeit wieder ihrem Vater zu.
„Ich glaube, sie hat versucht, so schnell wie möglich hierherzukommen.“
Danach erfüllte Stille den Raum.
Mr. Coker sah Maya an.
Dann sah er mich an, bevor sein Blick wieder zu Maya zurückkehrte.
Für einen Moment fragte ich mich, ob er die Geschichte hinterfragen würde.
Doch sein Gesichtsausdruck veränderte sich langsam.
„Du hättest mir sagen sollen, wenn etwas passiert ist“, sagte er zu Maya.
Maya öffnete den Mund. „Ich …“
„Du musst vorsichtiger sein, Maya.“ Seine Stimme war bestimmt, aber der Ärger war verschwunden.
„Ich will nicht, dass du dich in Gefahr bringst, nur weil du versuchst, zu einem Meeting zu kommen.“
Maya nickte langsam. „Ja, Dad.“
„Geht es dir jetzt gut?“
Sie nickte erneut.
„Ja.“
„Gut.“ Ihr Vater nickte.
Ich beobachtete sie aufmerksam.
Sie sah immer noch geschockt aus. Sie hatte nicht erwartet, dass ich für sie lügen würde.
Ich selbst hatte ebenfalls nicht erwartet, dass ich es tun würde.
Aber ich hatte genug von Mr. Cokers Gesichtsausdruck gesehen, um zu wissen, dass Maya noch lange dort stehen würde, wenn niemand eingriff.
Mr. Coker wandte seine Aufmerksamkeit wieder mir zu. „Danke, dass du sie sicher hierhergebracht hast.“
Ich nickte leicht. „Natürlich, Sir.“
Er sah wieder zu Maya und murmelte: „Ich hätte heute eigentlich gar nicht hier sein sollen.“
Maya runzelte leicht die Stirn und hörte ihm zu.
Dann nahm er die Akte vom Tisch und fuhr fort.
„Das Meeting, an dem ich eigentlich teilnehmen sollte, wurde abgesagt. Es wurde auf später in dieser Woche verschoben, also beschloss ich, zur Firma zurückzukehren und mich vorher noch um ein paar Dinge hier zu kümmern.“
Maya nickte.
Dann sah er auf seine Uhr. „Ich habe nächste Woche noch ein weiteres Meeting, aber ich musste mich vorher um einige Angelegenheiten kümmern.“
Maya nickte erneut. „Okay.“
Ein paar Sekunden lang sagte niemand etwas.
Dann öffnete sich die Tür des Konferenzraums.
Das scharfe Geräusch von Absätzen auf dem Boden ertönte. Sandra trat ein.
Sie blieb stehen, als sie Mr. Coker sah.
„Sir.“ Sie neigte leicht den Kopf.
„Mr. Whitmore ist angekommen. Er wartet in Ihrem Büro auf Sie.“
Meine Aufmerksamkeit richtete sich sofort auf sie. Whitmore. Den Namen hatte ich schon einmal gehört.
Mr. Cokers Gesichtsausdruck veränderte sich leicht. „Ich komme.“
Sandra nickte, drehte sich um und ging hinaus.
Mr. Coker nahm seine Akte und ging zur Tür. „Entschuldigt mich. Ich muss gehen.“
Maya nickte. „Okay, Dad.“
Er ging hinaus und die Tür fiel hinter ihm ins Schloss.
Wieder legte sich eine seltsame Stille über den Raum.
Sandra war weg. Mr. Coker war weg.
Jetzt waren nur noch Maya und ich hier.
Sie drehte sich langsam zu mir um. Ich sah sie an.
Sie starrte mich an, und ich erwiderte ihren Blick.
Sie schien herausfinden zu wollen, was in mir vorging. Ich konnte die Frage in ihren Augen beinahe sehen.
Warum hatte ich ihr geholfen?
Ich grinste. „Sieht so aus, als wäre hier jemand undankbar.“
Sie blinzelte. „Was?“
„Du hast mich schon verstanden.“ Ich verschränkte die Arme.
„Ich habe dich gerade vor der Standpauke deines Vaters gerettet.“
Sie atmete langsam ein.
Dann seufzte sie. „Okay.“
Ich hob eine Augenbraue. „Okay?“
„Danke.“
Ich lächelte. „Das war doch gar nicht so schwer.“
Sie verdrehte die Augen. „Ich hatte nicht erwartet, dass du das tun würdest.“
„Ich weiß.“
Sie runzelte die Stirn.
„Aber gewöhn dich nicht daran.“
Ihre Augen verengten sich. „Du bist unglaublich.“
„Gern geschehen.“
Sie schüttelte den Kopf.
Ich konnte nicht anders, als zu lächeln. Sie war so stur und würde nicht so leicht aufgeben.
„Vertrau mir“, sagte ich, „beim nächsten Mal werde ich dich nicht retten.“
Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich sofort. „Für wen zum Teufel hältst du dich?“
Ich zuckte mit den Schultern.
Dann schnappte sie sich ihre Tasche. „Geh mir aus dem Weg.“
Sie ging auf die Tür zu, und ich sah ihr nach.
Kurz bevor sie sie öffnete, drehte sie sich um und sagte: „Mr. Leibwächter?“
Ich hob eine Augenbraue.
„Ich brauche meine Ruhe. Lauf mir nicht überall hinterher. Such dir etwas zu tun. Geh nach draußen und beobachte Leute oder so.“
Ich lächelte. „Wie Sie wünschen, Miss Coker.“
Sie funkelte mich an.
Dann öffnete sie die Tür und ging.
Ich sah zu, wie die Tür hinter ihr ins Schloss fiel. Ein leises Lachen entkam mir.
Ich schüttelte den Kopf. Dann veränderte sich mein Gesichtsausdruck langsam.
Mein Blick fiel auf die Dokumente, die noch immer auf dem Tisch lagen.
Coker Group. Darum ging es.
Nicht um Maya.
Nicht um ihre Einstellung.
Nicht darum, wie sie mich ansah.
Ich griff in meine Tasche und holte mein Handy heraus.
Ich suchte Leos Nummer und rief ihn an. Nach ein paar Klingelzeichen ging er ran.
„Hallo, Boss. Wo bist du?“, fragte er.
„Ich bin noch bei der Coker Group, aber ich werde mich bald auf den Weg machen“, antwortete ich sofort.
„Was hast du herausgefunden?“
Am anderen Ende herrschte kurz Stille.
„Etwas Interessantes.“ Mein Griff um das Handy wurde fester.
„Über die Coker Group?“, fügte Leo hinzu.
„Ja.“
„Was ist es?“
„Ich zeige es dir lieber, als es dir am Telefon zu erklären.“ Ich verengte die Augen.
Dann endete das Gespräch.
Langsam senkte ich das Handy.
Jahrelang hatte ich auf eine Gelegenheit wie diese gewartet.
Und jetzt bewegte sich endlich etwas.
Ich steckte das Handy wieder in meine Tasche und sah zur geschlossenen Tür.
Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen verließ ich den Konferenzraum.
Die Coker Group hatte keine Ahnung, was auf sie zukam.
Maya Sight Endlich begann ich wieder richtig durchzuatmen, als Sandra mit einer Akte unter dem Arm mein Büro betrat.Ihre Absätze klackten bei jedem Schritt auf dem polierten Boden und hallten leise durch das ansonsten ruhige Büro.„Miss Coker, wie läuft es?“, fragte sie mit einem Lächeln.Ich blickte von den Unterlagen auf meinem Schreibtisch auf und murmelte sofort: „Bitte, Sandra. Hör auf, mich so zu nennen.“Sie neckte mich offensichtlich.Sie lächelte unschuldig. „Wie soll ich dich denn nennen?“„Wir sind beste Freundinnen, okay? Vergessen wir die Förmlichkeiten für eine Weile und reden einfach normal miteinander.“Sofort lachte sie und kam näher.„Ich hätte beinahe einen Herzinfarkt bekommen“, sagte ich und stand auf. „Ehrlich gesagt war ich total überrascht, meinen Vater im Konferenzraum zu sehen. Zum Glück hast du mich in dem Meeting gerettet. Am Ende ist alles gut gelaufen.“Sandra verschränkte die Arme.„Hmmmm. Du weißt schon, dass du mir dafür danken solltest.“Ich verdreh
DAMIAN SIGHTIch starrte Maya an, während sie verzweifelt nach einer Antwort suchte.Sie wirkte nervös, wirklich nervös.Ihr Blick wanderte von ihrem Vater zum Boden und dann wieder zu ihm.Sie hatte nichts zu sagen.Das konnte ich erkennen.Und so, wie Mr. Coker sie ansah, konnte auch er es erkennen.Er würde sie nicht mit dieser Frage davonkommen lassen.Er wollte eine Antwort. Eine echte.In diesem Moment sah ich wieder zu Maya. Sie wirkte völlig in die Enge getrieben.Dann räusperte ich mich.„Sir.“Mr. Cokers Blick richtete sich auf mich.Ich sah ihn direkt an. „Auf dem Weg hierher gab es einen kleinen Unfall.“Sofort fuhr Mayas Kopf zu mir herum.Ich sprach weiter, bevor sie etwas sagen konnte.„Ein Auto ist auf dem Weg zur Firma leicht mit unserem Wagen zusammengestoßen. Es war nichts Ernstes, aber wir wurden dadurch eine Weile aufgehalten.“Mr. Coker starrte mich an.Ich hielt meinen Gesichtsausdruck ruhig.„Der Unfall hat Miss Coker ein wenig mitgenommen. Ich glaube, deshalb
MAYAS SICHTIch blieb am Eingang des Konferenzraums stehen.Für ein paar Sekunden dachte ich ehrlich, dass ich den falschen Raum betreten hatte.Mein Vater saß am Kopfende des Tisches.Meine Augen weiteten sich. „Dad?“Er hob den Blick von der Akte vor sich.Er wirkte vollkommen ruhig, als wäre sein plötzliches Auftauchen bei Coker Group das Normalste auf der Welt.Hinter mir blieb auch Sandra stehen.Ich konnte ihre Verwirrung beinahe spüren.Sie hatte darauf gewartet, dass ich ankam. Sie hatte nie erwähnt, dass mein Vater hier sein würde.Damian betrat hinter uns den Raum und schloss leise die Tür.Der Blick meines Vaters wanderte zu ihm. Etwas veränderte sich in seinem Gesicht.Es war nur kurz, so kurz, dass ich mich beinahe fragte, ob ich es mir eingebildet hatte.Er sah Damian eine Sekunde länger an als nötig.Dann wandte er den Blick ab. „Die Besprechung sollte beginnen“, sagte er.Das war alles.Keine Erklärung. Keine Frage, warum ich zu spät gekommen war.Nur die Besprechung.
MAYAS SICHT„Oh mein Gott. Ich bin spät dran. Sehr spät.“Meine Augen flogen auf, als ich mein Handy irgendwo neben mir klingeln hörte.Ein paar Sekunden lang starrte ich einfach nur an die Decke und versuchte noch zu begreifen, was gerade los war.Dann klingelte das Handy erneut. Ich tastete blind danach, nahm es vom Nachttisch und ging ran, ohne auf den Bildschirm zu schauen.„Hallo?“ Meine Stimme klang lauter, als ich erwartet hatte.„Maya, wo bist du?!“Ich erkannte Sandras Stimme sofort. Sie schrie praktisch.Ich rieb mir die Augen und setzte mich langsam auf.„Ganz ruhig, ganz ruhig. Beruhige dich, Sandra. Warum schreist du?“„Die Investoren warten!“Sofort erstarrte ich.„Was?“„Die Investoren, Maya! Sie sind schon im Konferenzraum und warten, und ich kann noch nicht reingehen, weil du nicht hier bist!“ Sandra schrie wieder, ihre Stimme voller Panik.Ich sah schnell zur Uhr und stellte fest, dass es 8:38 Uhr war.Mein Herz sackte in die Hose.„Oh mein Gott.“Ich warf die Decke
Damians SichtDer nächste Morgen strahlte hell, und die warmen Sonnenstrahlen fanden ihren Weg durch die hohen Fenster des Konferenzraums. Doch seit zehn Minuten herrschte dort bereits Stille.Keine friedliche Stille.Es war die Art von Stille, die jeden unruhig machte.Zwanzig Führungskräfte saßen um den langen Glastisch. Ihre teuren Uhren und perfekt geschnittenen Anzüge konnten die Anspannung in ihren Gesichtern kaum verbergen.Niemand wagte es, zu laut zu sprechen. Jeder kannte die Regel.Der CEO wurde niemals warten gelassen.Sie warteten auf mich.Ein junger Manager warf einen Blick auf die Uhr, bevor er seine Stimme senkte.„Ist er schon zugeschaltet?“„Sprich leiser“, warnte der Mann neben ihm.Der junge Manager runzelte die Stirn.„Wir haben ihn noch nicht einmal gesehen.“„Genau deshalb solltest du vorsichtig sein.“Bevor jemand mehr sagen konnte, wurde das Licht im Konferenzraum gedimmt. Der große Bildschirm am Ende des Raumes erwachte zum Leben.Dann erfüllte meine kalte,
Damians SichtIch packte Annabelles Handgelenk, bevor ihre Hand Mayas Gesicht erreichen konnte.Sofort erstarrte sie.Für einen Moment schien der gesamte Raum mit ihr den Atem anzuhalten.Ihr Blick wanderte von meiner Hand zu meinem Gesicht. Offensichtlich hatte sie nicht damit gerechnet, dass ich mich einmischen würde.Maya ebenfalls nicht.Ich hatte Annabelle nicht gepackt, weil mir Maya etwas bedeutete.Ich hatte es auch nicht getan, weil ich plötzlich den Helden spielen wollte.Ich hatte einfach meinen Job gemacht.Ich war eingestellt worden, um Maya Coker zu beschützen, und genau das hatte ich vor.Außerdem hatte ich die gesamte Szene von meinem Platz an der Bar aus beobachtet. Ich hatte bemerkt, wie Annabelles Wut immer größer geworden war, wie ihre Stimme schärfer geworden war und wie sie schließlich die Hand in Richtung Maya bewegt hatte.Ich hätte früher eingreifen können.Ich hatte mich dagegen entschieden.Ich hatte abgewartet, wie weit sie gehen würde.Offenbar war das wei







