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ÜBERRUMPELT

Author: Biodun
last update publish date: 2026-09-30 06:33:57

MAYAS SICHT

„Oh mein Gott. Ich bin spät dran. Sehr spät.“

Meine Augen flogen auf, als ich mein Handy irgendwo neben mir klingeln hörte.

Ein paar Sekunden lang starrte ich einfach nur an die Decke und versuchte noch zu begreifen, was gerade los war.

Dann klingelte das Handy erneut. Ich tastete blind danach, nahm es vom Nachttisch und ging ran, ohne auf den Bildschirm zu schauen.

„Hallo?“ Meine Stimme klang lauter, als ich erwartet hatte.

„Maya, wo bist du?!“

Ich erkannte Sandras Stimme sofort. Sie schrie praktisch.

Ich rieb mir die Augen und setzte mich langsam auf.

„Ganz ruhig, ganz ruhig. Beruhige dich, Sandra. Warum schreist du?“

„Die Investoren warten!“

Sofort erstarrte ich.

„Was?“

„Die Investoren, Maya! Sie sind schon im Konferenzraum und warten, und ich kann noch nicht reingehen, weil du nicht hier bist!“ Sandra schrie wieder, ihre Stimme voller Panik.

Ich sah schnell zur Uhr und stellte fest, dass es 8:38 Uhr war.

Mein Herz sackte in die Hose.

„Oh mein Gott.“

Ich warf die Decke zur Seite und sprang aus dem Bett.

Mein Vater hatte ausdrücklich verlangt, dass ich wegen des Meetings im Büro sein sollte, und jetzt war ich schon zu spät.

„Du solltest vor allen anderen hier sein. Das Meeting hätte längst beginnen sollen“, fügte Sandra hinzu.

„Ich komme“, sagte ich schnell.

„Das will ich hoffen.“

Das Gespräch endete.

Für eine halbe Sekunde stand ich einfach da und starrte auf mein Handy. Dann setzte ich mich in Bewegung.

Ich schnappte mir die erste Kleidung, die ich sah, und eilte ins Badezimmer.

Es klopfte an meiner Schlafzimmertür.

„Miss Coker?“

Ich ignorierte es.

Es klopfte erneut.

„Miss Coker?“

„Ich komme!“, murmelte ich.

Ich eilte ins Badezimmer und stellte die Dusche an. Während das Wasser über mich hinwegprasselte, schloss ich die Augen.

Ich musste mich beruhigen. Stattdessen wanderten meine Gedanken direkt zu letzter Nacht.

Annabelle. Der Streit. Die Art, wie sie versucht hatte, mir eine Ohrfeige zu geben. Und die Art, wie Damian ihr Handgelenk festgehalten hatte.

In diesem Moment öffnete ich die Augen und stöhnte.

Warum musste ich ausgerechnet jetzt daran denken?

Ich durfte jetzt nicht darüber nachdenken. Ich hatte ein Meeting. Ein sehr wichtiges Meeting, und ich war bereits zu spät.

Ich duschte so schnell wie möglich und eilte zurück in mein Zimmer.

Mein Handy war bereits voller Benachrichtigungen. Ich entsperrte es.

Sandra hatte mehrere Nachrichten geschickt.

Maya, was zum Teufel machst du?!

Fast alle Investoren sind schon da!

Das Meeting hätte längst anfangen sollen!!

Wir warten auf dich!

Wo bist du?!

Ich tippte schnell:

„Ich komme. Ich bin eingeschlafen. Gib mir ein paar Minuten.“

Ihre Antwort kam fast sofort.

Ein paar Minuten? Maya!

Ich legte das Handy aufs Bett. Dann eilte ich zu meinem Kleiderschrank und zog einen braunen Hosenanzug heraus.

Er war formell genug für das Meeting, und ich hatte keine Zeit, über ein anderes Outfit nachzudenken.

Ich zog mich schnell an, machte meine Haare zurecht, trug etwas Lippenstift auf und schnappte mir meine High Heels.

Es klopfte wieder. Dieses Mal hielt ich inne und antwortete:

„Herein.“

Die Tür ging auf und eine der Hausangestellten kam mit einer Tasse Milch herein.

„Miss Coker, Ihre Milch.“

Sie stellte sie auf den Tisch und verbeugte sich leicht.

„Ich klopfe schon seit einer Weile.“

Ich seufzte.

„Tut mir leid. Ich bin spät aufgewacht und musste mich für das Meeting fertig machen.“

Die Hausangestellte nickte. Ich griff nach meiner Tasche und erinnerte mich plötzlich an etwas.

Ich drehte mich zu ihr um.

„Warte.“

Sie blieb stehen.

„Wie bin ich gestern nach Hause gekommen?“, fragte ich.

Die Hausangestellte sah mich an und antwortete sofort:

„Mr. Damian hat Sie nach Hause gebracht. Er hat Sie nach oben getragen.“

Ich runzelte die Stirn.

„Hat er das?“

„Ja, Miss Coker.“

Ich schnappte mir meine Tasche und sah auf die Uhr.

8:51 Uhr.

Mein Herz machte wieder einen Sprung.

„Oh mein Gott.“

Ich nahm schnell einen Schluck von der Milch und rannte aus dem Zimmer. Ich eilte die Treppe hinunter, während ich auf mein Handy sah.

Eine weitere Nachricht von Sandra erschien.

MAYA!!!

Ich tippte während des Gehens.

Ich bin schon unterwegs!!

Ich sah kaum nach oben, als mein Absatz an der Kante einer der Stufen hängen blieb. Ich verlor das Gleichgewicht und meine Tasche rutschte mir aus der Hand.

Bevor ich fallen konnte, legte sich ein Arm um meine Taille und zog mich zurück.

Ich erstarrte.

Dann sah ich nach oben und erblickte Damian.

Er stand da, als wäre er schon seit Stunden bereit für die Arbeit, als hätte er genau auf diesen Moment gewartet.

Ich hingegen sah aus, als wäre ich gerade einem Feuer entkommen.

Sein dunkles Hemd lag eng an seinen breiten Schultern an, die Ärmel waren leicht über seine Handgelenke hochgekrempelt. Sein dunkles Haar saß perfekt und sein Gesichtsausdruck war ruhig.

Sein Blick glitt über mich.

Sofort drückte ich gegen seine Brust.

„Lass mich los.“

Er half mir, mein Gleichgewicht wiederzufinden, bevor er seine Hand von meiner Taille nahm.

„Du solltest wirklich lernen, langsamer zu machen.“

Ich funkelte ihn an.

Er bückte sich und hob meine Tasche auf. Sein Blick glitt kurz darüber.

„Schönes Design.“

„Gib sie mir“, rief ich sofort.

Er reichte sie mir und ich nahm sie an mich.

„Wir sind schon spät dran. Wir haben keine Zeit für dein Drama“, murmelte ich.

Er hob eine Augenbraue.

„Nicht wir. Du bist zu spät.“

Ich verdrehte die Augen.

„Wie auch immer.“

„Du hast dich selbst zu spät kommen lassen“, fuhr er ruhig fort. „Ich warte seit fast einer Stunde hier.“

„Ich habe dich nicht gebeten zu warten.“

Ich drehte mich um und ging zum Eingang.

Ich hatte keine Zeit, mit ihm zu streiten.

Draußen standen mehrere Autos auf dem Grundstück, während in der Nähe mehrere Leibwächter standen. Einige Mitarbeiter begrüßten mich im Vorbeigehen, aber ich nahm kaum Notiz davon.

Ich war zu sehr damit beschäftigt, auf mein Handy zu schauen. Sandra hatte eine weitere Nachricht geschickt.

Wo bist du?

Ich erreichte mein Auto und drückte auf den Entriegelungsknopf.

Bevor ich die Fahrertür öffnen konnte, nahm Damian mir die Schlüssel aus der Hand.

Ich starrte ihn an. Dieses Mal würde ich darüber auch nicht mit ihm diskutieren. Ich musste so schnell wie möglich zur Firma kommen.

Ich seufzte und ging zur Beifahrerseite.

Bevor ich einsteigen konnte, hielt Damian mich auf.

„Bleib stehen.“

Er trat vor mich.

Sofort runzelte ich die Stirn.

„Was ist jetzt?“

Er kam näher.

Instinktiv machte ich einen halben Schritt zurück.

„Was machst du?“

„Du hast etwas im Gesicht.“

„Was?“

Er hob die Hand.

Für eine Sekunde hielt ich den Atem an.

Seine Finger bewegten sich vorsichtig auf meine Wange zu.

„Da.“

Er wischte unter meinem Auge entlang.

Ich starrte ihn an. An seiner Fingerspitze war ein winziger schwarzer Fleck.

„Deine Wimperntusche.“

Ich berührte schnell mein Gesicht.

„Das hätte ich selbst machen können.“

„Aber hast du nicht“, sagte er.

Dann öffnete er die Beifahrertür.

„Steig ein.“

Ich sah ihn einen Moment lang an, bevor ich ins Auto stieg. Er schloss die Tür und ging um das Auto herum zur Fahrerseite.

Sobald er den Motor startete, sah ich wieder auf mein Handy.

Sandra hatte eine weitere Nachricht geschickt.

Die Investoren warten immer noch, Maya.

Ich sperrte mein Handy.

„Du musst schnell fahren“, sagte ich zu Damian.

Er warf mir einen Blick zu.

„Werde ich.“

Dann fuhr er vom Grundstück.

Das Auto bewegte sich schnell durch die Straßen.

Ich sah immer wieder auf die Uhr.

8:59.

9:03.

9:07.

Ich spürte, wie sich mein Magen zusammenzog.

„Schneller“, sagte ich panisch.

Damian sah mich erneut an.

„Ich fahre bereits schneller, als du es tun würdest.“

„Dann fahr schneller.“

„Du willst doch lebend ankommen, oder?“

„Ich will ankommen, bevor mein Vater herausfindet, dass ich zu spät bin.“

Er lachte leise.

„Das ist dein Problem.“

Ich wandte mich von ihm ab.

Das Auto nahm eine weitere scharfe Kurve und ich packte die Kante meines Sitzes.

Als wir endlich bei Coker Group ankamen, wartete ich nicht, bis er vollständig geparkt hatte.

Sobald das Auto zum Stillstand kam, schnappte ich mir meine Tasche und stieg aus.

Meine Absätze klackten über den polierten Boden, während ich zum Gebäude eilte.

„Guten Morgen, Miss Coker!“

Ich ignorierte die Begrüßungen der Mitarbeiter, die an mir vorbeigingen.

Ich hatte nur eine Sache im Kopf.

Das Meeting.

Die Aufzugtüren öffneten sich und ich trat ein.

Damian folgte mir.

Natürlich.

Keiner von uns sagte ein Wort.

Als der Aufzug die Vorstandsetage erreichte, stieg ich sofort aus.

Sandra stand vor dem Konferenzraum. Sie trug einen taillierten schwarzen Blazer über einer weißen Bluse, ihr Haar war ordentlich zurückgebunden. Ihre Tablette hielt sie an die Brust gedrückt, und sie sah aus, als würde sie schon eine Ewigkeit auf mich warten.

In dem Moment, in dem sie mich sah, weiteten sich ihre Augen.

„Endlich! Maya, hast du überhaupt eine Ahnung, wie lange sie schon warten?“

Sie sah hinter mich.

Ihr Blick fiel auf Damian.

Dann sah sie wieder mich an.

Ich ignorierte ihren Gesichtsausdruck.

Ich holte tief Luft und griff nach der Tür des Konferenzraums.

Meine Hand lag auf dem Türgriff.

Dann öffnete ich sie.

Alle Gespräche im Raum verstummten.

Ich betrat den Konferenzraum.

Der lange Tisch war voller Investoren und leitender Führungskräfte.

Alle Augen richteten sich auf mich.

Ich schluckte schwer.

Dann weiteten sich meine Augen.

Am Kopfende des Tisches saß mein Vater.

Oh mein Gott.

Ich bin erledigt!!

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