LOGINMaya Sight
Endlich begann ich wieder richtig durchzuatmen, als Sandra mit einer Akte unter dem Arm mein Büro betrat.
Ihre Absätze klackten bei jedem Schritt auf dem polierten Boden und hallten leise durch das ansonsten ruhige Büro.
„Miss Coker, wie läuft es?“, fragte sie mit einem Lächeln.
Ich blickte von den Unterlagen auf meinem Schreibtisch auf und murmelte sofort: „Bitte, Sandra. Hör auf, mich so zu nennen.“
Sie neckte mich offensichtlich.
Sie lächelte unschuldig. „Wie soll ich dich denn nennen?“
„Wir sind beste Freundinnen, okay? Vergessen wir die Förmlichkeiten für eine Weile und reden einfach normal miteinander.“
Sofort lachte sie und kam näher.
„Ich hätte beinahe einen Herzinfarkt bekommen“, sagte ich und stand auf. „Ehrlich gesagt war ich total überrascht, meinen Vater im Konferenzraum zu sehen. Zum Glück hast du mich in dem Meeting gerettet. Am Ende ist alles gut gelaufen.“
Sandra verschränkte die Arme.
„Hmmmm. Du weißt schon, dass du mir dafür danken solltest.“
Ich verdrehte lächelnd die Augen. „Ich weiß, oder? Vielen Dank, Baby.“
„Gern geschehen.“
Sandra legte die Akten, die sie in der Hand hielt, auf den Tisch und setzte sich. Sie beugte sich leicht nach vorn und stützte die Arme auf der Tischplatte ab.
„Aber warte mal“, sagte sie und kniff die Augen zusammen, als wäre ihr gerade etwas eingefallen. „Hat dein Vater dich später nicht gefragt, warum du zu spät gekommen bist?“
Ich seufzte und setzte mich auf die Kante meines Schreibtischs. „Doch, hat er. Aber Damian hat dich gerettet.“
Sandra hob eine Augenbraue.
„Er hat meinem Vater erzählt, dass wir unterwegs einen kleinen Unfall hatten. Deshalb waren wir zu spät.“
Sandras Augen wurden groß, bevor sie in schallendes Gelächter ausbrach. „Er hat für dich gelogen?“
„Ja.“ Ich nickte.
„Wow. Das war wirklich nett von ihm. Was für ein netter Bodyguard.“ Sie zwinkerte mir zu.
„Nett, von wegen. Er ist so verdammt nervig“, fuhr ich sie sofort an und ging in die Defensive.
Sandra schüttelte amüsiert den Kopf.
Bevor sie noch etwas sagen konnte, klopfte es an der Tür.
Sie richtete sich sofort auf und stand auf. „Miss Coker, ich mache auf.“
Ich musste mich fast vor Lachen zusammenreißen. „Siehst du? Du machst es schon wieder.“
Sie ignorierte mich und ging zur Tür.
Als sie sie öffnete, stand draußen eine junge Sekretärin.
Sandra trat sofort zur Seite, damit die Sekretärin mich sehen konnte. Die junge Frau verbeugte sich leicht.
„Miss Coker, Mr. Coker möchte Sie in seinem Büro sprechen.“
Ich seufzte. „Natürlich. Schon wieder Geschäftliches. Ich komme.“
Die Sekretärin verbeugte sich noch einmal und ging.
Ich folgte ihr hinaus und ließ Sandra in meinem Büro zurück. Sie wusste, dass ich bald wiederkommen würde.
Kaum betrat ich den Flur, begrüßten mich die Mitarbeiter, während ich an ihnen vorbeiging.
„Guten Nachmittag, Miss Coker.“
„Guten Nachmittag.“
Ich ging weiter, während meine Absätze leise auf dem polierten Boden widerhallten.
Die Tochter meines Vaters zu sein bedeutete, dass die Leute mich in diesem Gebäude anders behandelten. Manchmal fühlte es sich an, als würde ich mit einer unsichtbaren Krone auf dem Kopf durch die Firma laufen.
Als ich das Büro meines Vaters erreichte, klopfte ich einmal, bevor ich die Tür öffnete.
„Dad?“
Ich blieb stehen, sobald ich eintrat.
Ein Mann saß meinem Vater gegenüber.
Ich hatte ihn noch nie zuvor gesehen.
In dem Moment, in dem er mich erblickte, stand er auf.
Er war groß, elegant gekleidet und strahlte eine selbstbewusste Haltung aus. Sein dunkler Anzug saß perfekt, und eine teure Uhr fing das Licht ein, als er seinen Ärmel zurechtrückte.
Mein Vater lächelte. „Maya, komm rein. Ich möchte dir jemanden vorstellen.“
Ich ging ein paar Schritte weiter ins Büro.
Dann fügte mein Vater hinzu: „Das ist Adrian Whitmore.“
Adrian sah mich an.
Und er wandte den Blick nicht ab.
Seine Augen wanderten langsam über mich, verweilten lange genug, um mir unangenehm zu werden.
Es war nicht die Art von Blick, mit der ein Fremder normalerweise jemanden ansah, den er gerade erst kennengelernt hatte.
Er war bewusst.
Fast schon dreist.
Ich zwang mich, es zu ignorieren, und streckte ihm die Hand entgegen.
„Freut mich, dich kennenzulernen, Adrian.“
Adrian ergriff sofort meine Hand. „Freut mich ebenfalls.“
Seine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln.
„Du siehst wirklich wunderschön aus, muss ich sagen.“
Ich schenkte ihm ein höfliches Lächeln. „Danke.“
„Du passt wirklich hierher“, fuhr er fort. „Dein Vater hat mir viel über dich erzählt.“
Ich sah zu meinem Vater.
Er wirkte vollkommen entspannt.
Dann blickte ich wieder Adrian an. „Hoffentlich nur Gutes.“
„Sehr viel Gutes.“
Er ließ meine Hand los.
Dann wanderte sein Blick zu etwas auf dem Schreibtisch meines Vaters.
Dort lag eine kleine, verpackte Schachtel.
Adrian griff danach.
„Eigentlich habe ich etwas für dich mitgebracht.“
Ich runzelte leicht die Stirn.
Warum hatte er mir etwas geschenkt?
„Für mich?“, fragte ich.
Er nickte. „Wir lernen uns heute zum ersten Mal kennen. Betrachte es als kleines Willkommensgeschenk.“
Er hielt mir die Schachtel hin.
Ich nahm sie vorsichtig entgegen.
„Danke.“
Adrian lächelte. „Nur eine Kleinigkeit. Es wird dir gefallen.“
Ich sah meinen Vater an.
Er sagte nichts.
In diesem Moment blickte Adrian auf seine Uhr.
„Ich fürchte, ich muss zu einem weiteren Termin.“
Mein Vater stand auf. „Ich begleite dich hinaus.“
Adrian nickte und erhob sich sofort.
Als er an mir vorbeiging, sah er mich noch einmal an.
Derselbe lange, unverhohlene Blick.
Ich schenkte ihm ein verlegenes Lächeln.
Innerlich dachte ich bereits:
Was zum Teufel hat dieser Kerl vor?
Er ging zusammen mit meinem Vater hinaus.
Kurz bevor mein Vater ihm folgte, warf er mir noch einen Blick zu.
Dann fiel die Tür ins Schloss.
Ich starrte auf die Schachtel in meinen Händen.
Adrians Verhalten hatte mich bereits unwohl fühlen lassen.
Jetzt wollte ich unbedingt wissen, was zum Teufel er mir geschenkt hatte.
Ich drehte die Schachtel in meinen Händen herum, bevor ich langsam an dem Band zog.
Die ordentlich gebundene Schleife lockerte sich unter meinen Fingern.
Ich hob den Deckel an und schlug vorsichtig das dünne Seidenpapier zurück, das den Inhalt bedeckte.
Dann erstarrte ich.
Meine Augen weiteten sich.
Darin lag ein zarter Spitzen-BH.
Darunter lag ein passender String.
Einige Sekunden lang konnte ich mich nicht einmal bewegen.
Ich starrte einfach nur völlig fassungslos auf die Dessous.
Mein Mund klappte auf.
„Was zum Teufel?“
Die Schachtel glitt mir aus den Händen und die Dessous fielen zu Boden.
Ich blieb einfach stehen und starrte sie an.
Wer zum Teufel schenkte einer Frau beim ersten Treffen Unterwäsche?
Maya Sight Endlich begann ich wieder richtig durchzuatmen, als Sandra mit einer Akte unter dem Arm mein Büro betrat.Ihre Absätze klackten bei jedem Schritt auf dem polierten Boden und hallten leise durch das ansonsten ruhige Büro.„Miss Coker, wie läuft es?“, fragte sie mit einem Lächeln.Ich blickte von den Unterlagen auf meinem Schreibtisch auf und murmelte sofort: „Bitte, Sandra. Hör auf, mich so zu nennen.“Sie neckte mich offensichtlich.Sie lächelte unschuldig. „Wie soll ich dich denn nennen?“„Wir sind beste Freundinnen, okay? Vergessen wir die Förmlichkeiten für eine Weile und reden einfach normal miteinander.“Sofort lachte sie und kam näher.„Ich hätte beinahe einen Herzinfarkt bekommen“, sagte ich und stand auf. „Ehrlich gesagt war ich total überrascht, meinen Vater im Konferenzraum zu sehen. Zum Glück hast du mich in dem Meeting gerettet. Am Ende ist alles gut gelaufen.“Sandra verschränkte die Arme.„Hmmmm. Du weißt schon, dass du mir dafür danken solltest.“Ich verdreh
DAMIAN SIGHTIch starrte Maya an, während sie verzweifelt nach einer Antwort suchte.Sie wirkte nervös, wirklich nervös.Ihr Blick wanderte von ihrem Vater zum Boden und dann wieder zu ihm.Sie hatte nichts zu sagen.Das konnte ich erkennen.Und so, wie Mr. Coker sie ansah, konnte auch er es erkennen.Er würde sie nicht mit dieser Frage davonkommen lassen.Er wollte eine Antwort. Eine echte.In diesem Moment sah ich wieder zu Maya. Sie wirkte völlig in die Enge getrieben.Dann räusperte ich mich.„Sir.“Mr. Cokers Blick richtete sich auf mich.Ich sah ihn direkt an. „Auf dem Weg hierher gab es einen kleinen Unfall.“Sofort fuhr Mayas Kopf zu mir herum.Ich sprach weiter, bevor sie etwas sagen konnte.„Ein Auto ist auf dem Weg zur Firma leicht mit unserem Wagen zusammengestoßen. Es war nichts Ernstes, aber wir wurden dadurch eine Weile aufgehalten.“Mr. Coker starrte mich an.Ich hielt meinen Gesichtsausdruck ruhig.„Der Unfall hat Miss Coker ein wenig mitgenommen. Ich glaube, deshalb
MAYAS SICHTIch blieb am Eingang des Konferenzraums stehen.Für ein paar Sekunden dachte ich ehrlich, dass ich den falschen Raum betreten hatte.Mein Vater saß am Kopfende des Tisches.Meine Augen weiteten sich. „Dad?“Er hob den Blick von der Akte vor sich.Er wirkte vollkommen ruhig, als wäre sein plötzliches Auftauchen bei Coker Group das Normalste auf der Welt.Hinter mir blieb auch Sandra stehen.Ich konnte ihre Verwirrung beinahe spüren.Sie hatte darauf gewartet, dass ich ankam. Sie hatte nie erwähnt, dass mein Vater hier sein würde.Damian betrat hinter uns den Raum und schloss leise die Tür.Der Blick meines Vaters wanderte zu ihm. Etwas veränderte sich in seinem Gesicht.Es war nur kurz, so kurz, dass ich mich beinahe fragte, ob ich es mir eingebildet hatte.Er sah Damian eine Sekunde länger an als nötig.Dann wandte er den Blick ab. „Die Besprechung sollte beginnen“, sagte er.Das war alles.Keine Erklärung. Keine Frage, warum ich zu spät gekommen war.Nur die Besprechung.
MAYAS SICHT„Oh mein Gott. Ich bin spät dran. Sehr spät.“Meine Augen flogen auf, als ich mein Handy irgendwo neben mir klingeln hörte.Ein paar Sekunden lang starrte ich einfach nur an die Decke und versuchte noch zu begreifen, was gerade los war.Dann klingelte das Handy erneut. Ich tastete blind danach, nahm es vom Nachttisch und ging ran, ohne auf den Bildschirm zu schauen.„Hallo?“ Meine Stimme klang lauter, als ich erwartet hatte.„Maya, wo bist du?!“Ich erkannte Sandras Stimme sofort. Sie schrie praktisch.Ich rieb mir die Augen und setzte mich langsam auf.„Ganz ruhig, ganz ruhig. Beruhige dich, Sandra. Warum schreist du?“„Die Investoren warten!“Sofort erstarrte ich.„Was?“„Die Investoren, Maya! Sie sind schon im Konferenzraum und warten, und ich kann noch nicht reingehen, weil du nicht hier bist!“ Sandra schrie wieder, ihre Stimme voller Panik.Ich sah schnell zur Uhr und stellte fest, dass es 8:38 Uhr war.Mein Herz sackte in die Hose.„Oh mein Gott.“Ich warf die Decke
Damians SichtDer nächste Morgen strahlte hell, und die warmen Sonnenstrahlen fanden ihren Weg durch die hohen Fenster des Konferenzraums. Doch seit zehn Minuten herrschte dort bereits Stille.Keine friedliche Stille.Es war die Art von Stille, die jeden unruhig machte.Zwanzig Führungskräfte saßen um den langen Glastisch. Ihre teuren Uhren und perfekt geschnittenen Anzüge konnten die Anspannung in ihren Gesichtern kaum verbergen.Niemand wagte es, zu laut zu sprechen. Jeder kannte die Regel.Der CEO wurde niemals warten gelassen.Sie warteten auf mich.Ein junger Manager warf einen Blick auf die Uhr, bevor er seine Stimme senkte.„Ist er schon zugeschaltet?“„Sprich leiser“, warnte der Mann neben ihm.Der junge Manager runzelte die Stirn.„Wir haben ihn noch nicht einmal gesehen.“„Genau deshalb solltest du vorsichtig sein.“Bevor jemand mehr sagen konnte, wurde das Licht im Konferenzraum gedimmt. Der große Bildschirm am Ende des Raumes erwachte zum Leben.Dann erfüllte meine kalte,
Damians SichtIch packte Annabelles Handgelenk, bevor ihre Hand Mayas Gesicht erreichen konnte.Sofort erstarrte sie.Für einen Moment schien der gesamte Raum mit ihr den Atem anzuhalten.Ihr Blick wanderte von meiner Hand zu meinem Gesicht. Offensichtlich hatte sie nicht damit gerechnet, dass ich mich einmischen würde.Maya ebenfalls nicht.Ich hatte Annabelle nicht gepackt, weil mir Maya etwas bedeutete.Ich hatte es auch nicht getan, weil ich plötzlich den Helden spielen wollte.Ich hatte einfach meinen Job gemacht.Ich war eingestellt worden, um Maya Coker zu beschützen, und genau das hatte ich vor.Außerdem hatte ich die gesamte Szene von meinem Platz an der Bar aus beobachtet. Ich hatte bemerkt, wie Annabelles Wut immer größer geworden war, wie ihre Stimme schärfer geworden war und wie sie schließlich die Hand in Richtung Maya bewegt hatte.Ich hätte früher eingreifen können.Ich hatte mich dagegen entschieden.Ich hatte abgewartet, wie weit sie gehen würde.Offenbar war das wei







