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Geheimes Baby von Bruders bestem Freund
Geheimes Baby von Bruders bestem Freund
Author: Chloe Laurent

Kapitel 1

Author: Chloe Laurent
Rosalies Perspektive

Ich war neunzehn, als ich Aiden King aus der Dusche kommen sah. Er trug nichts als ein Handtuch um die Hüften. Wasser lief über seine nackte Brust, während er meinen Namen murmelte, als wäre er ein Fluch.

Eigentlich wollte ich nur mein Skizzenbuch aus meinem Zimmer holen. Dann verstummte das Rauschen der Dusche. Die Badezimmertür stand einen Spalt offen, und heißer Dampf quoll in den Flur.

Es wirkte wie eine Einladung.

Eine Einladung, die ich unbedingt ignorieren musste.

Doch ich tat es nicht.

Wie erstarrt blieb ich mitten im Flur stehen. Mein Herz hämmerte so heftig gegen meine Rippen, dass es jeden Moment aus meiner Brust zu springen drohte.

Es war später Nachmittag. Papa und mein Bruder Jeffery waren wegen einer Übung auf dem Stützpunkt. Eigentlich sollte ich das Haus für mich allein haben.

Doch zwei Stunden zuvor rief Jeffery an.

„Aiden kommt vorbei“, erklärte er. „Er hat nach acht Monaten im Einsatz endlich Urlaub und braucht für eine Nacht eine Unterkunft. Danach fährt er weiter zu seiner Familie.“

Seit diesem Anruf war ich ein einziges Nervenbündel.

Aiden King war einen Meter dreiundneunzig groß, durchtrainiert und sonnengebräunt. Seit sechs Jahren diente er in der Navy. Dort wurde er zu Jefferys bestem Freund.

Er war acht Jahre älter als ich, vollkommen unerreichbar und der einzige Mann, den ich jemals so sehr wollte, dass es fast körperlich wehtat.

Ich lernte ihn kennen, als ich dreizehn und er einundzwanzig war. Damals kam er zum ersten Mal in Uniform zu uns nach Hause. Er wirkte selbstbewusst, markant und so beeindruckend, dass ich prompt über meine eigenen Füße stolperte.

Jeffery lachte mich aus.

Aiden bemerkte es nicht einmal.

Er bemerkte mich nie.

Für ihn war ich nur Jefferys nervige kleine Schwester. Das Kind, das ihre Männerabende störte. Das Mädchen, das nur auffiel, wenn es die Fernbedienung versteckte oder das letzte Stück Pizza aß.

Sechs Jahre lang war ich für ihn unsichtbar.

Bis vor drei Monaten.

An diesem Tag besuchte ich Jeffery auf dem Stützpunkt und brachte ihm die Brownies mit, wegen denen er mich seit Tagen nervte. Aiden war ebenfalls dort.

Ich trug ein Sommerkleid. Es war heiß, deshalb dachte ich mir nichts dabei. Doch als ich mich nach meinen Schlüsseln bückte, bemerkte ich Aidens Blick auf meinen Beinen.

Es dauerte nur eine Sekunde.

Sein Kiefer spannte sich an. Seine Augen verdunkelten sich. Dann wandte er sich so abrupt ab, dass ich einen Moment lang an mir selbst zweifelte.

Doch ich bildete es mir nicht ein.

An diesem Tag veränderte sich etwas zwischen uns. Ich spürte es tief in mir.

Und jetzt war er hier.

Unter demselben Dach.

In unserer Dusche.

Ich bekam kaum noch Luft.

Durch den Türspalt beobachtete ich, wie er sich mit einer Hand durch das nasse schwarze Haar fuhr. Seine Erkennungsmarken lagen auf seiner nackten Brust. Narben zogen sich über seine gebräunte Haut. Schon immer wollte ich wissen, wie sie sich unter meinen Fingerspitzen anfühlten.

Bei jeder Bewegung zeichneten sich seine Muskeln ab. Alles an ihm strahlte Gefahr aus. Trotzdem wirkte jede seiner Bewegungen vollkommen kontrolliert.

Dann hörte ich es.

Es war kaum mehr als ein Flüstern.

„Rosie.“

Mein Name.

Er sagte meinen Namen.

Ich hörte auf zu atmen.

Seine Hand glitt über seinen Bauch und verschwand unter dem Handtuch.

Ich musste wegsehen.

Ich musste davonlaufen.

Doch meine Beine gehorchten mir nicht. Mein ganzer Körper stand unter Strom, und unter meiner Haut breitete sich glühende Hitze aus.

Sein Körper spannte sich an. Er legte den Kopf in den Nacken, und ein tiefes, raues Stöhnen drang aus seiner Kehle.

„Scheiße, Rosie.“

Meine Knie wurden weich. Hitze schoss durch meinen Körper. Dieses Gefühl war völlig neu.

Bis dahin küsste ich zwei Jungen, ohne auch nur das Geringste dabei zu empfinden. Doch als Aiden meinen Namen auf diese Weise aussprach, stand ich plötzlich in Flammen.

Dann zog er das Handtuch weg.

Ich sah alles.

Wirklich alles.

Er war groß und hart, und der Anblick raubte mir den Atem. Aidens Finger schlossen sich fest um ihn. Unwillkürlich entfuhr mir ein leiser Laut.

Sofort riss er den Kopf zur Tür herum.

Unsere Blicke trafen sich.

Die Zeit blieb stehen.

Ich sah den genauen Moment, in dem er mich bemerkte. Zuerst lag Schock in seinen Augen. Dann wich er etwas Dunklerem.

Verlangen.

Hunger.

Sein Blick zog mir den Magen zusammen. Jeder Nerv in meinem Körper spannte sich an.

Drei Sekunden lang bewegte sich keiner von uns.

Dann veränderte sich sein Gesicht. Das Verlangen verschwand. An seine Stelle trat blanke Wut.

„Raus!“, brüllte er.

Ich taumelte zurück und prallte mit der Schulter gegen die Wand. Mein Herz raste.

„Rosalie, sofort!“

Ich rannte den Flur entlang, stürmte in mein Schlafzimmer und schlug die Tür hinter mir zu.

Mein ganzer Körper zitterte. Mein Gesicht glühte. Ich presste meine Oberschenkel so fest zusammen, dass es beinahe schmerzte.

Dann ließ ich mich aufs Bett fallen und vergrub das Gesicht in den Händen.

Was hatte ich gerade getan?

Was hatte ich da gesehen?

Er dachte an mich.

Mein Name kam über seine Lippen, als zählte in diesem Moment nichts anderes für ihn.

Aiden King wollte mich.

Allein dieser Gedanke machte mich schwindelig.

Gleichzeitig schrie er mich an und befahl mir zu verschwinden. In seinem Blick lag etwas Unerbittliches. Für ihn überschritt ich eine Grenze, hinter der es kein Zurück mehr gab.

Vielleicht stimmte das sogar.

Eine gefühlte Ewigkeit lag ich auf meinem Bett. Vergeblich versuchte ich, meinen rasenden Herzschlag zu beruhigen. Ich wollte das Bild aus meinem Gedächtnis verbannen und das quälende Ziehen in meinem Körper ignorieren.

Nichts davon funktionierte.

Gegen sechs Uhr öffnete sich die Haustür. Papa und Jeffery kamen nach Hause. Ihre Stimmen drangen aus dem Erdgeschoss zu mir nach oben. Kurz darauf hörte ich auch Aidens tiefe Stimme.

Ich blieb in meinem Zimmer.

Ich konnte ihnen nicht gegenübertreten.

Vor allem nicht ihm.

Um sieben rief Papa mich zum Abendessen nach unten.

Ich zog eine Jogginghose und einen viel zu großen Kapuzenpullover an. Meine Haare band ich zu einem unordentlichen Knoten zusammen. Ich wollte so unattraktiv wie möglich aussehen.

Dann schlich ich die Treppe hinunter, als führte jeder Schritt mich näher zu meiner Hinrichtung.

Sie waren alle im Esszimmer. Papa holte Bier aus dem Kühlschrank. Jeffery lachte über etwas auf seinem Handy. Aiden lehnte mit verschränkten Armen an der Küchenzeile und beobachtete die Tür.

Er wirkte, als stünde er Wache.

Kaum betrat ich den Raum, heftete sich sein Blick auf mich.

Ich erstarrte.

Sein Kiefer war angespannt. Seine dunklen Augen verrieten nichts. In seinem Blick lag etwas zwischen Mordlust und Hunger.

Ich wusste nicht, was mir mehr Angst machte.

„Da bist du ja“, sagte Papa lächelnd. „Rosie, du erinnerst dich doch noch an Aiden, oder?“

Ich nickte. Meiner Stimme traute ich nicht.

„Natürlich erinnert sie sich an mich“, sagte Aiden mit tiefer, gefährlich ruhiger Stimme. „Nicht wahr, Rosalie?“

Jeffery runzelte die Stirn und sah zwischen uns hin und her.

„Alles klar, Mann? Du wirkst verdammt sauer.“

„Mir geht’s gut.“ Aiden ließ mich keine Sekunde aus den Augen. „Ich bin nur müde.“

Verdammter Lügner.

Ich nahm mir einen Teller und setzte mich so weit wie möglich von ihm entfernt hin. Trotzdem spürte ich während des gesamten Essens seinen Blick auf mir.

Jedes Mal, wenn ich aufsah, beobachtete er mich. Sobald ich nach etwas griff, folgten seine Augen jeder Bewegung meiner Hand.

Es war die reinste Folter.

Nach dem Essen half ich Papa beim Abwasch. Jeffery und Aiden gingen ins Wohnzimmer. Endlich fühlte ich mich wieder einigermaßen sicher.

Ich hoffte, mich unbemerkt in mein Zimmer zurückziehen und Aiden für den Rest des Abends aus dem Weg gehen zu können.

Doch als ich die Küche verlassen wollte, stand er plötzlich in der Tür.

Er versperrte mir den Weg.

„Wir müssen reden“, sagte er leise.

Mein Herz setzte einen Schlag aus.

„Jetzt.“

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