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Kapitel 272

Author: Chloe Laurent
Rosalies Perspektive

Auch mein Name stand darin.

Als Lehrerin, gegen die eine erfundene Beschwerde eingereicht wurde. Die deshalb vorübergehend vom Dienst freigestellt war. An der Beschwerde wirkte eine Kollegin mit, die meinen Arbeitsalltag aus nächster Nähe kannte. Der Artikel beschrieb das, ohne mich auf eine Opferrolle zu reduzieren.

Der Kaffee bekam einen einzigen Satz. Ein kleiner Vorgang aus einer Zeit, in der meine Kollegen von den Ermittlungen wussten und ich um meinen Ruf kämpfen musst
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    Rosalies PerspektiveEs passierte an einem Dienstagmorgen im April.Alessandro war zweieinhalb. Seit Monaten erweiterte er seinen Wortschatz. Wie bei allem ging er gründlich vor. Erst beobachten. Prüfen. Dann entscheiden.Einzelne Wörter benutzte er seit seinem vierzehnten Monat.Nach und nach kamen weitere dazu. Jedes probierte er mit der Sorgfalt aus, mit der man ein neues Werkzeug prüfte, bevor man sich darauf verließ.Er brabbelte wenig. Lautes Ausprobieren lag ihm nicht. Offenbar sammelte er die Wörter erst für sich und benutzte sie, sobald er sicher war.Wir ließen ihm Zeit.Lucy fiel das schwerer. Sie hatte ihrem Bruder viel zu erzählen. Seine knappen Antworten erschwerten den Austausch.Also passte sie sich an. Kurze Sätze. Klare Worte. Jener direkte Ton, den sie für Menschen reservierte, mit denen sich ein Gespräch ihrer Ansicht nach lohnte.Eine beachtliche Auszeichnung.An diesem Morgen erklärte sie ihm etwas.Seit vier Minuten. Das wusste ich, weil ich mit Kaffee an der Arb

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    Aidens PerspektiveIch setzte mich vorsichtig auf die Kante ihres Hochbetts. Dafür brauchte ich einen bestimmten Bewegungsablauf. Inzwischen beherrschte ich ihn.„Alles Gute zum Geburtstag“, sagte ich.„Danke.“Sie sah zur Decke.„Ist mein Plan realistisch?“„Er ist ausgezeichnet. Du hast gründlich recherchiert und dir ernsthafte Ziele gesetzt.“„Aber?“„Kein Aber.“Sie sah mich an. Unsere braunen Augen. Seit ihrem sechsten Lebensjahr las sie mit dieser Genauigkeit in den Gesichtern anderer.„Du kontrollierst deine Mimik.“„Nein.“„Doch. Du hältst dein Gesicht absichtlich ganz ruhig.“„Ich sehe aus wie immer.“Sie prüfte mich einen Moment. „Du kannst den Rest auch sagen.“„Welchen Rest?“„Das, was du gerade für dich behältst.“Ich betrachtete meine Tochter.Zehn Jahre. Eine Mappe auf dem Schreibtisch. Die Lampe neben ihr. Und diese stille Entschlossenheit, mit der sie längst auf etwas hinarbeitete, das ihr wichtig war.„Du wirst mich vermissen“, sagte sie.„Und du mich.“Dann ließ ich

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    Aidens PerspektiveLucy wurde an einem Donnerstag zehn.Sie wünschte sich ein Familienessen und ein ausführliches Gespräch. Keine Party. Dafür fühlte sie sich inzwischen zu alt. Ein Restaurant kam ebenfalls nicht infrage. Für die Art von Gespräch, die sie plante, war es ihrer Ansicht nach ungeeignet.Wir sollten zu Hause essen. Mit der schönen Tischdecke und den Kerzen, die sonst im Schrank blieben. Die ganze Familie sollte dabei sein.Und alle kamen.Mein Schwiegervater blieb für eine Woche. Frau Willow saß mit am Tisch. Jeffery und Mara waren per Video dabei. Diesen Anlass ließ er sich nicht entgehen. Mara war im siebten Monat. Hinter ihm saß sie auf dem Sofa, machte es sich sichtlich bequem und schien nicht vorzuhaben, daran etwas zu ändern.Alessandro saß neben Lucy. Mit dem Ernst eines Zweieinhalbjährigen beobachtete er uns. Offenbar begriff er, dass etwas Wichtiges bevorstand, und beschränkte sich zunächst darauf, die Lage zu prüfen.Mila beurteilte währenddessen in ihrem Hochstu

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    Rosalies Perspektive„Das hast du aufgebaut“, sagte er.„Wir.“Er schüttelte den Kopf.„Ich kam später dazu. Das Fundament stammt von dir.“ Sein Blick ging zu „Die Rückkehr“. „Als du das gemalt hast, warst du allein.“„Ja.“„Jetzt hängt es im Mittelpunkt.“„Ja.“Er schwieg.Dann sagte er: „Aus den schlimmsten Jahren hast du etwas Echtes gemacht. Ich sehe das. Du sollst es wissen. Ich habe es immer gesehen. Nur nicht oft genug gesagt.“Meine Stimme war zunächst nicht verlässlich genug für eine Antwort.„Ich weiß“, sagte ich schließlich.Er nickte.Aiden ging mit Mila in der Trage durch den Saal. Aufmerksam wie immer. Bei jedem Bild wandte er sich so, dass er es in Ruhe betrachten konnte.Vor „Zuhause“ blieb er stehen.Lange sah er hin.Ich beobachtete ihn von gegenüber.Dann blickte er zu mir. Etwas trat offen in sein Gesicht. Ohne Kontrolle.Ich behielt diesen Ausdruck. Legte ihn zu den anderen.Um halb acht war der Saal voller fremder Menschen.Sie lasen die Ankündigung, den Artikel.

  • Geheimes Baby von Bruders bestem Freund   Kapitel 334

    Rosalies PerspektiveLucy legte unsere Kleidung drei Tage vorher fest.Natürlich. Seit der Einladung plante sie den Abend mit der Aufmerksamkeit, die sie wichtigen Anlässen schenkte. Die Kleiderfrage nahm sie besonders ernst.Für jedes Kind gab es genaue Vorstellungen. Für Aiden und mich ebenso. Sie hielt alles in einem Dokument fest und schickte es per Mail an die Beteiligten.Ausgenommen Mila und Alessandro. Informationen über ihre Garderobe vertraute man ihnen besser nicht vorab an.Es gab sogar eine Spalte für Anmerkungen.Bei Alessandro stand: „Bei den Schuhen wird er diskutieren. Unbedingt konsequent bleiben.“Ich blieb konsequent.Neun Minuten diskutierte er. Danach nahm er die Schuhe mit der ergebenen Würde eines Menschen hin, der seinen Standpunkt ausreichend deutlich machte und sich nun den Umständen fügte.Mila trug, was Lucy auswählte. Etwas Weiches mit kleinem Kragen. Sie musterte es nach dem Anziehen kurz und schien es zu akzeptieren.Um halb sieben kam meine Familie ins

  • Geheimes Baby von Bruders bestem Freund   Kapitel 333

    Rosalies Perspektive„Aiden?“„Ich bin da. Ich lasse es gerade ankommen.“„Sie schreibt von einer bildnerischen Intelligenz, die der ganzen Ausstellung ihren Charakter gibt.“Er schwieg einen Moment.Dann sagte er: „Ich mache mich auf den Weg.“„Du musst nicht heimkommen. Mila schläft. Mir geht es gut. Lass deswegen nicht alles stehen und liegen.“„Ich komme nach Hause.“Die Geräusche um ihn herum veränderten sich. Stimmen wurden leiser. Dann hörte ich, dass er ins Freie trat.Er verließ das Gebäude.„Du bist mitten in einer Besprechung.“„Marcus führt sie zu Ende.“„Aiden.“„Ich bleibe nicht im Büro, während dir erst richtig bewusst wird, was du gerade erfahren hast. Zwanzig Minuten.“Es wurden siebzehn.Der Schlüssel drehte sich im Schloss. Kurz darauf stand er in der Küchentür und sah mich an.Ich saß am Tisch. Mila schlief an mir. Der Laptop war offen. Das Handy lag daneben.Er setzte sich gegenüber.Sah auf das Telefon. Dann zu mir.„Zeig mir den Artikel.“Die Mail kam während sei

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