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„Du wirst mir deinen Namen verraten“, rief er über den Parkplatz hinweg.
Mein Magen machte einen verräterischen Satz. Ich hatte nicht gedacht, ihn noch einmal zu sehen.
Ein Teil von mir hatte sogar gehofft, ich würde ihn nie wiedersehen.
Ich drehte mich um.
„Das weißt du nicht.“
„Eigentlich …“ Er hob einen Finger, als wollte er ein besonders kluges Argument vortragen. „Doch, ich weiß es.“
Sein Grinsen breitete sich langsam aus. Ich öffnete den Mund, brachte aber keinen Ton heraus. Die Art, wie er mich ansah, ließ mein Gehirn komplett aussetzen.
„Wirklich? Wie denn?“
„Deinen Namen“, sagte er. „Dann antworte ich.“
Ich hob das Kinn und versuchte, selbstsicherer zu klingen, als ich mich fühlte. „Ich verrate Jungs meinen Namen nicht vor Mitternacht.“
Er biss sich auf die Unterlippe, und mein Magen schlug Purzelbäume. Langsam kam er näher, zog sanft an einer meiner Haarsträhnen und beugte sich zu mir herunter, bis unsere Gesichter nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt waren.
„Dann werde ich dich wohl bei Tageslicht noch einmal fragen müssen.“
Seine Lippen waren so nah, dass ich vergaß, was ich sagen wollte. Er neigte den Kopf, legte eine Hand in meinen Nacken und vergrub die Finger in meinem Haar. Sein Daumen zog langsame, kreisende Bewegungen über meine Haut.
„Wie alt bist du?“, murmelte er.
„Neunzehn.“
Etwas in seinem Gesicht veränderte sich. Er zog mich einen Schritt näher. Die Wärme, die von seinem Körper ausging, war sofort spürbar.
„Jetzt du“, sagte ich. „Wie alt bist du?“
„Letztes Jahr zwanzig geworden.“ Er grinste leicht. „Gleiches Ergebnis.“
Sein Gesicht senkte sich. Meine Lider flatterten zu. Statt eines Kusses spürte ich, wie seine Nase langsam über meinen Kiefer strich, gefolgt vom hauchzarten Druck seiner Lippen an meinem Ohrläppchen.
„Sag mir deinen Namen.“
Ich war nur noch eine halbe Sekunde davon entfernt, ihm alles zu verraten, als hinter mir jemand mit den Fingern schnippte. Mir wurde schlagartig kalt. Ich drehte mich um.
Jan bog um die Ecke und wurde langsamer, als er uns sah. Sein Kiefer spannte sich an, während sein Blick zwischen mir und dem Fremden hin- und herwanderte. Er streckte die Hand nach mir aus. „Was ist hier los?“
Ich brachte kein Wort heraus. Der Fremde hielt immer noch eine Strähne meines Haares zwischen den Fingern und sah mich an, als wäre Jan gar nicht da.
„Verpiss dich, Schulze“, sagte er ruhig und ohne jede Regung. „Sie ist beschäftigt.“ Er hob mein Haar an, roch kurz daran und schaute mir dann mit einem schiefen Grinsen in die Augen. „Ich mag dein Shampoo.“
Ich lachte trotz der angespannten Situation, warf mein Haar über die Schulter und trat einen Schritt zurück. Seine Finger streiften meine Hand, und ich hörte den leisen, tiefen Laut, den er ausstieß. Dennoch ging ich weiter. Das hier konnte schnell unangenehm werden, und ich wollte nicht der Auslöser sein.
Beide verschränkten gleichzeitig die Arme und beobachteten mich.
Hinter uns schwang die Tür auf. Ein Pärchen kam lachend heraus. Ich warf einen kurzen Blick auf die beiden, dann zurück zu dem Fremden. Die Ähnlichkeit zwischen ihm und Jan war fast unheimlich.
„Ich bin Irmina“, sagte ich, zeigte auf mich selbst und ging rückwärts weiter. „Und ich verspreche – kein Mondgeschrei mehr.“
Er lachte leise und setzte an, mir zu folgen. Ich wandte mich zuerst an Jan. „Danke für das Shirt.“ Ich hob den viel zu langen Ärmel des Flanellhemds an. „Es war eine seltsame Nacht. Ich hau ab.“
Ich wirbelte herum und lief über den Sand davon. Als ich noch einmal zurückblickte, standen beide mit fast identischem Gesichtsausdruck da. Das entlockte mir endlich ein echtes Lachen.
Bevor ich endgültig verschwand, sah ich ihn ein letztes Mal an.
„Bis bei Tageslicht.“
MINAIch nehme seinen Arm und lasse mich von ihm die Treppe hinunterführen, aber ich schreie fast auf, als wir unten ankommen, weil Magdalena und Carolin mir entgegenstarren.„Oh mein Gott.“Carolin greift meine Hand und zieht mich von Madeus weg.„Ich kann nicht glauben, dass das gerade passiert. Das ist Kismet. Was sind die Chancen, dass wir alle zur selben Zeit am selben Ort sind?“Magdalena reicht mir ein paar Wildblumen, während ich lächle und sie umarme.„Die Chancen sind gut, Pipes. Immerhin ist euer Jahrestag im Juli, und wir verbringen ihn immer hier auf der Insel.“„Wie auch immer“, kontert Carolin und verdreht die Augen. „Ich sage nur, es ist alles Schicksal und Bestimmung.“Sie umarmt mich auch, das Lächeln fest auf meinem Gesicht. Carolin fängt an, mit Madeus zu reden, und Magdalena nimmt meine Hand, sieht mich an.Nach allem, was passiert ist, war sie diejenige, der ich alles erzählt habe. Früher habe ich mich bei ihr und Carolin immer wie das fünfte Rad am Wagen gefühlt
MINAJahre später„Heirate mich.“Ich drehe den Kopf zur Seite und sehe ihn an, weil wir den ganzen Tag schon in diesem Bett liegen, ineinander verschlungen, und unseren fünften Jahrestag feiern. „Wann?“Seine Hand gleitet zwischen meine Beine, umfasst meine Scham, während ich mir auf die Unterlippe beiße. Gott, er ist gut mit seinen Händen. Zwei Finger schieben sich in mich, seine andere Hand greift die Innenseite meines Oberschenkels und spreizt ihn, während er den Kopf neigt, um zuzusehen.„Fuck, deine Pussy ist wunderschön.“Ich atme schwer aus, hebe die Hüften, keuche, als er sich hinunterbeugt, die Finger herauszieht, sie ableckt und dann den Mund auf mich legt.„Fuck, Jamin.“Seine Zunge zeichnet eine langsame Acht um meine Klit, neckt mich, bevor er sanft auf und ab leckt und mich zum Erschauern bringt.„Heirate mich.“Es vibriert auf meiner Scham, ich hebe den Kopf, die Augen halb geschlossen, auf ihn gerichtet. „Wann?“Er knurrt, was mich zum Kichern bringt, bevor er meinen
JAMIN„Such dir einen aus.“Irmina hält in jeder Hand ein Tagebuch, ihr Blick springt zwischen ihnen hin und her, während wir in dem kleinen Buchladen in der Innenstadt von St. Simeon stehen. Sie hat mir einmal erzählt, dass sie genau vor diesem Laden stand, als sie mich zum ersten Mal die Straße entlangfahren sah.Fuck. Die Art, wie ihre Augen aufleuchteten, hat mir gezeigt, dass ich sie nicht von hier wegnehmen konnte. Sie liebt es. Also bleibt Madeus in Boston, und ich kümmere mich um den ganzen Berlin-Kram.„Ich kann mich nicht entscheiden.“Sie runzelt die Stirn, grinst dann und wiegt die Bücher in den Händen. Also nehme ich sie ihr ab, wackele mit den Brauen.„Dann nehmen wir beide. Eines für mich, eines für dich.“Sie eilt hinter mir her, während ich zur Kasse gehe und sie hinlege, um zu bezahlen. Ihr Arm schlingt sich um meine Taille, meiner legt sich über ihre Schultern.„Lässt du mich deins lesen?“, flüstert sie geistesabwesend und spielt mit ein paar Kleinigkeiten.Ich lach
JAMINEin Jahr späterSie läuft schon seit einer Stunde über das Feld, pflückt Blumen, starrt in die Wolken und tut so, als würde sie mich nicht beobachten, während ich auf der Veranda sitze und lese. Aber ich kann die Augen nicht von meinem Mädchen lassen.Das ist allerdings nichts Neues.Ich schaue wieder auf, starre auf ihr erdbeerbraunes Haar, das wild und frei über ihren Rücken fällt – genau so, wie ich es mag.Sie schiebt eine Strähne hinters Ohr, wirft mir einen Blick zu und schaut schnell weg, während ihre Hand über den Schlitz in ihrem langen babyblauen Kleid streicht. Es ist eines mit dünnen Trägern, das sich an genau den richtigen Stellen an ihren Körper schmiegt und bis zu den Knöcheln fällt.Fuck, das macht mich auf ganz schlechte Gedanken.Ich schaue wieder hinunter, habe die Stelle zum dritten Mal verloren, bevor ich leise lache, ohne den Kopf zu heben, und rufe:„Hör auf, mich zu reizen, und lass mich lesen.“Ich höre sie lachen, und es rührt alles in mir.Weil sie das
MINADie Sonne ist untergegangen. Das Haus ist dunkel.Und ich stehe vor dem Fenster, ziehe die Vorhänge zu, weil ich die Sterne nicht ertragen kann.Es gibt keine mehr. Nicht ohne ihn.Die Schlafzimmertür knarrt, als ich mich über die Schulter umdrehe.„Ist er tot?“„Wir haben noch nichts gehört.“Mein Kinn zittert, meine Arme schlingen sich um mich, ich krümme mich fast zusammen. Madeus eilt zu mir, aber ich halte die Hand hoch und stoppe ihn, während ich mich wieder aufrichte.„Nein. Lass mich einfach allein. Bitte. Lass mich das hier allein durchstehen.“ Madeus greift nach mir, aber ich weiche zurück, also lässt er die Hand sinken.„Es gibt keine Vorbereitung darauf.“ Meine Stimme zittert so sehr, als ich ihn ansehe.Madeus nickt, tritt einen Schritt zurück, während ich mich umdrehe und auf die verdammten Vorhänge starre. Meine Augen suchen den Stoff ab, denken an die Stelle, die ich auf der anderen Seite sehen kann. Den Platz auf dem Feld, wo er mit mir geschlafen, mir meine Unsc
MINAMeine Augen öffnen sich langsam, meine Hand gleitet über das Bett und sucht nach Jamin. Aber ich weiß schon, dass es leer ist. Nur das Sonnenlicht fällt durch das Fenster, trifft auf das Laken und hinterlässt einen hellen Streifen, der seine Abwesenheit beleuchtet.Ich liege einfach da, starre auf das zerwühlte weiße Laken und rücke näher, um daran zu riechen.Meine Augen schließen sich wieder, ich stelle mir vor, wie er neben mir liegt, dieses schiefe Grinsen im Gesicht, während ich mit dem Finger über die Tattoos auf seiner Brust fahre.„Bitte komm zurück“, flüstere ich.Ein Klopfen an der Tür lässt mich hochschießen, die Augen weit aufgerissen. Mein Herz schlägt viel zu schnell, als ich an mir hinunterschaue und sehe, dass ich immer noch Jamins T-Shirt trage.Ein weiteres Klopfen, dann Madeus’ Stimme. „Ich bin’s nur, Irmina. Madeus.“Ich stoße die Luft aus und fahre mir durch die Haare.„Komm rein“, sage ich leise und hasse, wie nervös ich bin. Madeus steckt den Kopf zur Tür h







