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KAPITEL 4

Author: AvryStar
last update publish date: 2026-06-25 17:08:00

Ariel faltete den Zettel auseinander und blickte zu dem Mann hinüber, der am Tresen stand.

Seine Augen waren auf sie gerichtet.

Sofort erschien ein Stirnrunzeln auf ihrem Gesicht.

Sie schaute wieder auf den Zettel.

„Wie viel verlangst du für eine Nacht, Hübsche?“

Die Worte ließen sie verächtlich schnauben.

„Im Ernst?“

Wenn ihr Leben vor zwei Monaten nicht auseinandergebrochen wäre, hätte sie nie in einem solchen Restaurant gegessen – geschweige denn mit Männern zu tun gehabt, die dachten, Geld könnte sie kaufen.

Zuerst der arrogante Typ vom Morgen, jetzt dieser hier.

Ariel zerknüllte den Zettel in ihrer Hand.

„Unglaublich.“

Sie schnappte sich ihre Tasche, stand auf und marschierte aus dem Restaurant, ohne sich umzudrehen. Doch der Mann war nicht bereit, sie gehen zu lassen.

Er eilte ihr hinterher.

„Hey, Miss!“, rief er.

Ariel ignorierte ihn entschlossen.

„Du hast meine Frage noch nicht beantwortet.“

Sie beschleunigte ihre Schritte.

Die Bushaltestelle war nicht mehr weit. Wenn sie sie erreichte, konnte sie den kostenlosen Stadtbus nehmen und diesen absurden Tag endlich hinter sich lassen.

„Ich kann dich fahren“, bot der Mann an.

Ariel tat weiterhin so, als existiere er nicht.

Wenige Augenblicke später spürte sie eine Hand auf ihrer Schulter. Sie reagierte instinktiv.

Klatsch!

Die Ohrfeige knallte laut.

Das unglückliche Opfer taumelte zurück und hielt sich schockiert die Wange.

Ariel erstarrte.

Alle Farbe wich aus ihrem Gesicht. Denn der Mann vor ihr war nicht der Widerling aus dem Restaurant.

Es war Darren, ihr ehemaliger Kollege und Freund.

„Oh mein Gott.“

Sie schlug die Hand vor den Mund.

„Oh nein, oh nein … Darren, es tut mir so leid.“

Darren blinzelte mehrmals. Seine Hand blieb an seiner Wange kleben, während er ein Lächeln aufsetzen.

„Ich wusste nicht, dass eine Ohrfeige von dir jemanden in eine andere Dimension katapultieren kann.“

Trotz allem musste Ariel lachen.

„Ich meine es ernst! Tut mir leid.“

„Das sehe ich.“

„Ich dachte, du wärst jemand anderes.“

„Offensichtlich.“ Er rieb sich theatralisch die Wange.

„Jahrelanges Tippen auf Tastaturen hat deine Hände wohl gestärkt.“

Ariel stöhnte.

„Bitte mach jetzt keine Witze.“

Darren lachte.

„Vielleicht hätte ich mich nicht so anschleichen sollen.“

„Da war so ein nerviger Typ, der mir gefolgt ist, und ich dachte …“

Sie verstummte. Selbst für sie klang die Erklärung lächerlich.

Darren schien sie trotzdem zu verstehen.

„Verständlich.“

Sie gingen gemeinsam weiter.

„Was machst du eigentlich hier in der Gegend?“, fragte Ariel.

„Ich bin vor etwa einem Monat hierhergezogen.“ Er rückte die Laptoptasche auf seiner Schulter zurecht.

„Und du?“

Ariel lachte bitter.

„Zur Bushaltestelle.“

„Zur Bushaltestelle?“

„Ich kann mir kein Taxi leisten.“

Das Geständnis schmerzte mehr, als sie erwartet hatte.

Darrens Miene wurde weich.

„Das kommt vor.“ Dann sah er sie an. „Warst du wegen der Arbeit hier?“

„Jobsuche.“ Sie seufzte. „Ich hatte heute Morgen ein Vorstellungsgespräch.“

Darrens Gesicht zeigte plötzlich Schuldgefühle.

„Es tut mir leid, dass ich dir nicht mehr helfen konnte, bevor du gefeuert wurdest. Ich habe mit dem stellvertretenden Manager gesprochen, aber er wollte nicht hören.“

„Schhh.“ Ariel schüttelte den Kopf. „Ist schon okay. Ehrlich, ich habe mir einen Teil davon selbst eingebrockt.“

Ein schwaches Lächeln erschien auf ihren Lippen.

„Zumindest muss ich mich nicht mehr mit diesen Frauen im Büro herumschlagen.“

Ariel kicherte.

„Die, die es gehasst haben, dass ich dir nahekomme …“

„Sie haben dich nicht gehasst.“

„Oh bitte, natürlich haben sie das.“

„Sie waren eifersüchtig.“

„Worauf denn?“

„Auf dich.“

Ariel verdrehte die Augen.

Darren grinste. „Sie dachten, wir wären zusammen.“

„Genau.“

„Und jetzt können sie frei hinter dem attraktivsten Mann der Firma herjagen.“

Ariel brach in Lachen aus, doch Darren Miene wurde ernst.

„Was, wenn wir wirklich zusammen wären?“

Ariel blinzelte.

Darren ging weiter, doch seine Stimme wurde leiser.

„Wäre das wirklich so schlimm?“

Ihr Lachen verstummte.

„Haha. "Lustiger Witz.“

„Ich meine es ernst.“

Ariels Lächeln verschwand völlig.

„Ich habe einen Freund.

„Nein, hast du nicht.“

Die Worte ließen sie innehalten.

Darren schaute geradeaus.

„Du hast vor zwei Monaten Schluss gemacht.“

[Stille]

Ariel hasste es, wie sehr diese Worte immer noch schmerzen.

Zwei Monate waren vergangen, doch es fühlte sich noch frisch an. Auch wenn sie wütend auf diesen Mistkerl war, dass er mit ihr Schluss gemacht hatte, war ein Teil von ihr noch nicht bereit loszulassen. Er war der erste Mann gewesen, den sie wirklich geliebt hatte, und irgendwie hoffte sie immer noch, dass er sie anrufen und sich entschuldigen würde, damit sie wieder zusammen sein könnten.

Sie hatte immer gewusst, was Darren für sie empfand. Jeder wusste es. Aber sie hatte sich für die Freundschaft entschieden.

Und im Moment war sie nicht bereit für eine neue Beziehung. Nicht nach allem, was passiert war.

Zum Glück kam die Bushaltestelle in Sicht.

„Die Bushaltestelle“, sagte Ariel schnell, um seiner Frage auszuweichen.

Darren blickte auf und lächelte.

Keiner von beiden hatte bemerkt, wie weit sie gelaufen waren.

„Sieht aus, als wären wir da.“

Der Bus fuhr wenige Augenblicke später vor.

Ariel stieg auf die erste Stufe.

„Man sieht sich …“

______

Es war noch nicht richtig Winter, doch der morgendliche Nebel brachte eine Kälte mit sich, die kälter war, als ein Oktobermorgen es eigentlich sein sollte.

Hannah betrat Williams’ Villa, als gehöre sie ihr.

Es war Ende des Monats, und sie hatte die Entschädigungszahlung von Williams’ persönlichem Assistenten immer noch nicht erhalten.

Sie drückte mehrmals auf die Klingel – fast ein Dutzend Mal. Gerade als sie ihren manikürten Finger erneut heben wollte, schwang die Tür auf.

„Da bist du ja.“

Williams stand im Eingang, sichtlich verärgert. „Warum bist du hier?“, fragte er kalt. „Habe ich dir nicht gesagt, du sollst nicht unangekündigt bei mir zu Hause auftauchen?“

Ohne auf eine Antwort zu warten, drehte er sich um und ging ins Wohnzimmer. Während er den Manschettenknopf seines Hemdes schloss, ließ er sich auf die Couch fallen und schlug ein Bein über das andere. Sein morgendlich zerzaustes Haar fiel ihm ins Gesicht.

Hannah folgte ihm.

Ihr Äußeres schrie nach Luxus.

Dicke Foundation verdeckte jede Unreinheit in ihrem Gesicht, während mehrere Schichten Contouring ihre Züge fast künstlich schärften. Dicke Wimpern umrahmten stark geschminkte Augen, und ihre Lippen glänzten in einem tiefen, karmesinroten Lippenstift.

Sie ignorierte Williams komplett und ging auf ein großes gerahmtes Hochzeitsfoto zu, das an der Wand hing.

Das Bild zeigte Samantha und Williams an ihrem Hochzeitstag.

Hannah hob langsam die Hand.

Klick. Klirr. Klick.

Die dicken Goldarmreifen an ihrem Handgelenk klirrten gegeneinander, während ihre Finger über das Glas strichen.

Ihre Hand verharrte über Samanthas lächelndem Gesicht.

„Oh, arme Samantha.“

Sie seufzte theatralisch.

„Du hast uns viel zu früh verlassen.“

Sie senkte den Kopf.

„Ich wünschte, du wärst noch hier.“

Ein weiterer falscher Seufzer.

„Vater, mein Bruder und ich müssten nicht so kämpfen.“

Sie tupfte sich mit einem Taschentuch den Augenwinkel ab.

„Du warst immer diejenige, die diese Familie zusammengehalten hat.“

Williams starrte sie angewidert an.

„Kannst du mit dem Theater aufhören und mir sagen, warum du hier bist?“

Hannahs Hand erstarrte. Dann lachte sie leise und ließ die Tränen sofort verschwinden.

Williams wusste genau, dass weder Hannah noch ihre Familie Samantha jemals wirklich gemocht hatten. Das Einzige, was sie je geliebt hatten, war Samanthas Geld. Samantha war die einzige Tochter aus der ersten Ehe ihres Vaters gewesen.

Nach der Scheidung hatte er wieder geheiratet und Hannah sowie ihren älteren Bruder bekommen. Jahrelang hatten sie Samantha wie ein persönliches Bankkonto behandelt. Wann immer sie Geld brauchten oder Probleme hatten, riefen sie sie an.

Und obwohl Samantha genau wusste, wie sie ausgenutzt wurde, hatte sie ihnen weiterhin geholfen.

„Na gut.“

Hannah zuckte mit den Schultern.

„Wenn du darauf bestehst.“

Sie setzte sich graziös in einen Sessel ihm gegenüber, schlug ein Bein über das andere, öffnete ihre Designer-Handtasche und holte ein Dokument heraus.

Das Papier landete ordentlich auf dem Couchtisch.

„Hier.“

Sie tippte mit ihrem lackierten Fingernagel auf eine Stelle.

„Zweihunderttausend Dollar.“

Williams rührte sich

nicht.

„Zum Ende jedes Monats zu überweisen als Entschädigung für den Verlust von Samanthas Familie.“

Dann stieß er ein bitteres Schnauben aus.

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