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Ich ging mit Würde

Ich ging mit Würde

By:  Sarah LaneCompleted
Language: Deutsch
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Meine jüngere Schwester, Rosalind Thorne, hatte mir neun Männer nacheinander ausgespannt. Danach hatte ich panische Angst davor, mich jemals wieder zu verlieben – bis Nikolai Volkov mir einen Heiratsantrag machte. Er verwöhnte mich, als wäre ich ein kostbarer Schatz. Ich glaubte wirklich, endlich den Richtigen gefunden zu haben. Ich dachte, ich wäre dazu bestimmt, seine Frau zu werden und an seiner Seite ein Leben voller Frieden und Geborgenheit zu führen. Am Abend vor unserer Hochzeit schickte Nikolai Rosalind ins Ausland. Vier Jahre nach unserer Heirat begegnete ich Rosalind auf einem Bankett wieder. Ein Gast verzog spöttisch den Mund. „Nikolai hat dich vier Jahre lang im Ausland verrotten lassen. Hasst du ihn etwa nicht?“ Rosalind schenkte ihm ein provokatives Lächeln. „Er ist der Vater von meinem Kind. Warum sollte ich ihn hassen?“ Plötzlich herrschte Totenstille im Saal. „Meine ältere Schwester ist einfach nur dumm und naiv. Sie glaubt tatsächlich, dass Nikolai mich wirklich verachtet!“ Sie lächelte höhnisch, ein Ausdruck tiefster Verachtung lag auf ihrem Gesicht. „Die Wahrheit ist: Ich habe sein Kind zur Welt gebracht, auf seinem Anwesen gelebt, seine Supersportwagen gefahren und sein Geld ausgegeben.“ Kaum hatte sie ausgesprochen, richteten sich alle Blicke im Raum schlagartig auf mich. Als Nikolai Volkovs rechtmäßige Ehefrau wusste ich nichts von all dem, was sie gerade erzählt hatte. Doch ich weinte nicht und machte keine Szene. Ich tippte einfach auf „Senden“ bei der E-Mail, die ich schon vor langer Zeit vorbereitet hatte. Die Antwort kam fast sofort: „Du bist jederzeit in meinem Designbüro willkommen. Ich habe auf dich gewartet.“ Während ich die Nachricht betrachtete, kehrte langsam ein aufrichtiges Lächeln auf meine Lippen zurück. Nikolai Volkov, von diesem Moment an hättest du nicht länger so tun müssen, als würdest du mich lieben.

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Chapter 1

Kapitel 1

Als ich nach Hause zurückkehrte, löschte ich alle Beiträge in den sozialen Medien, die mit Nikolai Volkov zu tun hatten, und hörte auf, ihm zu folgen. Es war, als hätte ich meine Identität als seine Ehefrau vergessen und und steckte nun all meine Energie in die Arbeit.

Einen Tag bevor ich Nikolai für immer verlassen wollte, bemerkte er endlich, dass etwas nicht stimmte, und kam zu mir.

„Vivienne!“

Er rief mich von der Tür aus an. Seine Stimme klang gespielt zärtlich. Ich drehte mich nicht um. Mein Ton war ruhig und beinahe gleichgültig.

„Was gibt’s?“

Ich wandte mich nicht wie früher zu ihm um, um ihn zu begrüßen, und schenkte ihm nicht einmal einen Blick.

„Vivienne, was Rosalind an jenem Tag gesagt hat, war nur betrunkenes Gerede. Du weißt doch, dass sie schon immer neidisch auf deine akademischen Erfolge war. Deshalb hat sie dir einen Freund nach dem anderen ausgespannt – nur um sich an dir zu rächen. Sie will dich nur provozieren. Du musst mir glauben: Zwischen ihr und mir gibt es absolut nichts. Ich helfe ihr nur aus Mitleid. Sie hat keinen einzigen Cent mehr …“

Ohne den Kopf zu heben, antwortete ich kalt:

„Das ist mir egal.“

Nikolai runzelte leicht die Stirn.

„Vivienne, hast du dich ausgetobt? Wir haben seit Tagen nicht mehr miteinander gesprochen!“

Plötzlich unterdrückte er mit aller Kraft den aufsteigenden Ärger in sich.

„Vivienne! Ich rede mit dir!“

Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, klingelte sein Handy. Am Apparat klang Rosalinds Stimme schwer vor Tränen.

„Nikolai, meine Geburtstagstorte ist heute aus Versehen umgestoßen worden. Kannst du auf dem Weg zu mir eine neue für mich holen? Sonst ist mein Geburtstag nicht vollständig …“

Nikolai kniff leicht genervt die Augen zusammen, doch sein Körper verriet ihn – ohne zu zögern drehte er sich um und ging zur Tür. Doch kurz bevor er hinausging, blieb er stehen.

„Ich bin bald zurück. Sei nicht so kleinlich, Vivienne.“

Bevor ich etwas erwidern konnte, fiel die Tür mit einem leisen Klicken ins Schloss, und er war verschwunden. Das Geräusch seiner sich entfernenden Schritte hallte durch den leeren Flur und erinnerte mich schmerzlich daran, wie leicht ich ersetzt worden war. Er bemerkte nicht einmal, dass seine „kleinliche“ Ehefrau ihr Herz längst weggeschlossen hatte.

In der Ecke meines Studios versuchte Audrey, für mich einzustehen. Ihre Stimme zitterte vor Empörung.

„Wie kann Nikolai Rosalinds Geburtstag feiern? Du bist doch seine Ehefrau!“

„Das ist mir egal“, murmelte ich. Meine Stimme klang weiterhin so ruhig und gefasst wie immer. Doch der Entwurf auf meinem Schreibtisch war ein einziges Chaos, übersät mit eingetrockneten Tränenflecken.

Nikolai hatte sich schon vor langer Zeit in Rosalind verliebt. Er hat es aber die ganze Zeit vor mir verborgen. Sie hatten sogar schon Kinder miteinander. Ich wischte mir die Tränen aus dem Gesicht und legte mir im Stillen ein Versprechen ab.

Ich würde nie wieder für Nikolai tränen. Die Frau, die ihn geliebt hatte, starb in dem Moment, als sie die Wahrheit erfuhr.

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