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Kapitel 3

Author: Wowo
Ich schloss die Augen und legte sanft die Hand auf meinen Bauch.

Es war Carlos Kind gewesen.

Ich hatte einmal geglaubt, dass er mich ansehen und ein wenig mehr lieben würde, wenn ich sein Kind bekäme.

Ich erinnerte mich noch an den Tag, an dem ich von meiner Schwangerschaft erfuhr. Ich hatte vor Freude geweint.

Ich rief Carlo sofort an.

Er war beschäftigt und antwortete ungeduldig: „Ich weiß schon. Lass mich in Ruhe.“

Ich dachte, er war einfach nur völlig mit der Arbeit überfordert.

Jetzt begriff ich endlich, dass es ihm nie etwas bedeutet hatte.

Als ich später im Rollstuhl aus dem Krankenzimmer geschoben wurde, erfuhr ich, dass es der Priester gewesen war, der mich hierhergebracht hatte.

Carlo hingegen hatte mir nur eine einzige Nachricht geschickt.

Carlo: „Sophia hat sich vor den Schüssen so erschrocken, dass sie ohnmächtig wurde. Ich habe sie nach Long Island gebracht, damit sie sich erholen kann.“

Er und Michael hatten noch in derselben Nacht den privaten Familienjet angefordert, um Sophia zurück nach Long Island zu bringen.

Ob ich verletzt war oder nicht, kümmerte ihn überhaupt nicht.

Die erstickende Verzweiflung in meiner Brust hatte sich in einen dumpfen, anhaltenden Schmerz verwandelt, bei dem schon das Atmen wehtat.

Die Operation war in drei Stunden angesetzt.

In diesem kurzen Zeitfenster stellte ich mit einer befreundeten Anwältin die endgültige Fassung der Mitteilung zur Auflösung der Verlobung fertig.

Als ich den Chat verließ, sah ich etwas in der Familien-Gruppe, das mir das Blut in den Adern gefrieren ließ.

Mein Vater, Michael und Carlo überwiesen Sophia nacheinander Geld.

Heute war Sophias Geburtstag, und sie alle hatten daran gedacht.

Mein Vater überwies fünfzigtausend Dollar und schrieb dazu: „Alles Gute zum Geburtstag, meine liebe Sophia!“

Michael überwies hunderttausend Dollar und schrieb: „Meine liebste Schwester, mögest du immer glücklich sein!“

Carlo schickte einen Screenshot einer Überweisung über fünfhunderttausend Dollar. „Egal, was in Zukunft passiert – ich werde immer nur Sophia lieben.“

Keiner von ihnen hatte an meinen Geburtstag gedacht.

Ich wollte lachen, doch es gelang mir nicht.

Ich las alles still durch und verließ dann die Gruppe.

Im nächsten Moment rief Carlo an. Sein Ton war höhnisch.

„Elena, was für eine Szene machst du jetzt schon wieder?“

„Bist du bloß eifersüchtig, weil wir nett zu Sophia sind?“

„Schon in der Highschool hast du sie und ihre Mutter beschuldigt, deine Mutter umgebracht zu haben, aber was ist wirklich passiert?“

„Dein Vater hat mir längst die Wahrheit gesagt. Deine Mutter war psychisch krank. Es war Selbstmord.“

Seine Stimme troff vor Verachtung.

„Ich hab das auch untersuchen lassen. Sophias Mutter hat dich nie misshandelt.“

„Michael sagt, du hättest ihn zu einer verlassenen Fabrik gelockt, wodurch er sich den Kopf gestoßen und sein Gedächtnis verloren hat.“

„Sophia war es, die sich danach einen ganzen Monat um ihn gekümmert hat.“

Als hätte Carlo endlich einen Ort gefunden, um all seinen Zorn abzulassen, fuhr er scharf fort: „Ehrlich gesagt wollte ich dich von Anfang an nie heiraten. Wenn du dich nicht an mich geklammert und dich nicht absichtlich schwanger gemacht hättest, um mich zu binden, hätte ich längst mit dir Schluss gemacht.“

Ich hörte die ganze Zeit schweigend zu.

Dann unterbrach plötzlich eine mechanische Frauenstimme.

„Miss Elena Rossi, bitte begeben Sie sich zum Eingang des Operationssaals.“

Carlos Atem beschleunigte sich schlagartig.

„Du hast eine OP? Was ist passiert? Bist du verletzt? Ist das Baby in Gefahr?“

Ich wollte gerade antworten, da drang Sophias sanftes Lachen durchs Telefon.

„Carlo, du bist so albern. Elena liegt so viel an dir und dem Baby, wie könnte sie da jemals loslassen?“

Kaum hörte Carlo das, wurde sein Ton sofort wieder eisig.

„Stimmt auch wieder. Elena, du enttäuschst mich wirklich.“

„Ich hätte nicht gedacht, dass du so gemein werden würdest.“

„Ein Kind als Druckmittel benutzen, nur um mich zu heiraten?“

„Ich sag's dir gleich, darauf falle ich nicht rein. Wenn du so weitermachst, kannst du dir die Hochzeit mit mir abschminken.“

Selbstgefällig wartete er darauf, dass ich zusammenbrach, weinte, ihn anflehte.

Stattdessen schwieg ich ein paar Sekunden lang. Dann stieß ich einen leisen, erleichterten Seufzer aus.

„Okay.“

Ich legte auf. Dann drehte ich mich um und ging in den OP-Saal.

In dem Moment, als das OP-Licht aufflammte, spürte ich, wie mir etwas aus dem Körper genommen wurde.

Es war nicht nur das Kind.

Es war auch der letzte Rest an Gefühl, den ich noch für Carlo übrig gehabt hatte.

Als ich nach dem Eingriff wieder in Long Island war, hatte Carlo noch immer nicht angerufen.

Er dachte wohl, ich würde nur eine Szene machen.

Er postete weiter in den sozialen Medien.

Er ging mit Sophia ein Brautkleid aussuchen, organisierte ihre Verlobungsfotos und half ihr bei der Auswahl des Schmucks.

Ich beachtete das alles nicht.

Stattdessen holte ich den Brief hervor, den meine Mutter mir hinterlassen hatte.

Ich hatte ihn schon unzählige Male gelesen, und jedes Mal brach mir das Herz ein Stückchen mehr.

Ganz am Ende hatte sie in zitternder Handschrift geschrieben: „Wenn du eines Tages in New York nicht mehr zurechtkommst, geh zu Don Lanza.“

„Er wird sich um alles für dich kümmern.“

Marco Lanza war der Don der Lanza-Familie auf Sizilien.

Meine Mutter hatte ihm einst in jungen Jahren das Leben gerettet. Nachdem sie meinen Vater geheiratet hatte, kehrte sie Italien endgültig den Rücken.

Doch Don Lanza hatte diese Schuld nie vergessen.

Ich wählte eine Nummer, die ich seit über zehn Jahren gespeichert hatte, mich aber nie getraut hatte, anzurufen.

Es klingelte zweimal, dann wurde abgehoben.

Eine tiefe, alte Stimme meldete sich, mit schwerem sizilianischem Akzent.

„Wer ist da?“

„Hier ist Elena Rossi. Marias Tochter.“

Am anderen Ende herrschte lange Stille.

Dann sagte er etwas, das mir sofort die Augen feucht werden ließ.

„Es scheint, dir ist Unrecht geschehen, mein Kind.“

„Komm zu mir. Hier wird dir niemand etwas antun. Ich bin und bleibe dein Rückhalt.“

Drei Tage später bestieg ich einen Flug nach Palermo.

Bevor ich einstieg, blockierte ich Carlos und Michaels Kontakte, entnahm meine SIM-Karte, brach sie durch und warf sie weg.

Von diesem Moment an hatte ich nichts mehr mit ihnen zu tun.

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