Share

Ihr Kind, seine Zwillinge – ich verließ
Ihr Kind, seine Zwillinge – ich verließ
Author: Bagel

Kapitel 1

Author: Bagel
An dem Tag, als Luca Bianca behutsam durch das Haupttor des Anwesens geleitete, stand ich oben im Badezimmer und biss mir auf den Handrücken, um eine Welle heftiger Übelkeit zu unterdrücken.

Ich hatte kurz nach meiner Rückkehr von der Reise entdeckt, dass ich mit seinen Zwillingen schwanger war.

Ich spritzte mir kaltes Wasser ins Gesicht, presste eine Hand auf meinen noch immer flachen Bauch und zwang die Übelkeit nieder, während ich die schwere Haustür öffnete.

Mir schlug fröhliches, entspanntes Gelächter entgegen.

„Er hat Lucas Züge, wie aus dem Gesicht geschnitten. Bianca, du hast der Lupo-Familie ein großes Geschenk gemacht!“

Die Donna säuselte über den in Windeln gehüllten Babyjungen, die Augen voller Verzückung, als Luca mit einer Schale einer speziellen Kräutersuppe aus der Küche trat.

„Bianca, du hast viel durchgemacht. Ich habe sie über Nacht köcheln lassen. Du musst wieder zu Kräften kommen.“

Er setzte sich ans Bett und fütterte sie Löffel für Löffel, sein Blick sanft genug, um Eis zu schmelzen.

Für jeden Betrachter waren sie das perfekte Bild eines hingebungsvollen, ebenbürtigen Paares.

Lucas Vater, der Don der Familie, unterhielt das Baby mit einer goldenen Taschenuhr. Der Säugling gluckste vor Lachen, und selbst der Don konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.

„Der Kleine hat Charme. Gut, dass er nicht von dieser Stella stammt, die nur mit dem Skalpell umzugehen weiß. Eine Frau, so kalt wie ein Operationstisch – das macht keinen Spaß.“

Meine Finger krallten sich um die Türklinke, die Knöchel wurden weiß.

Ich erinnerte mich an das erste Mal, als ich ihnen begegnete – als exklusive Chirurgin der Familie.

Der alte Don hatte mir auf die Schulter geklopft und seinen ranghöchsten Männern erklärt, eine Frau, die Kugeln entfernen und Wunden nähen konnte, sei das größte Kapital der Lupo-Familie.

Jetzt nannte er mich kalt und langweilig.

Ich war der Familie nur zehn Monate ferngeblieben, um an einer medizinischen Fachkonferenz im Ausland teilzunehmen.

Ich hatte es getan, um der Familie besser zu dienen, um meine Fähigkeiten zu verbessern, sie gesund zu halten und ihre Wunden zu versorgen.

Doch als ich zurückkehrte, gab es in diesem Haus keinen Platz mehr für mich.

Ich zwang mir ein Lächeln auf, das keine Wärme enthielt.

Die Sache war die: In den drei Jahren, die Luca und ich verheiratet waren, war dies nicht meine erste Schwangerschaft.

Doch vor zwei Jahren, während eines Überfalls einer rivalisierenden Familie, erlitt ich eine schwere Verletzung am Unterleib, als ich Luca aus der Schusslinie stieß.

Ich hatte nicht nur unser ungeborenes Kind verloren – der Schaden war so schwer, dass die Ärzte mir eine nahezu nullprozentige Chance auf eine erneute Empfängnis bescheinigten.

Damals weinte ich Nacht für Nacht. Luca war es, der mich in den Armen hielt, meinen Scheitel küsste und schwor, ich sei die einzige Frau, die er jemals haben würde.

Er sagte, er würde die Lupo-Linie lieber aussterben lassen, als jemals eine andere Frau zu berühren.

Doch nun hatte er diesen Schwur eigenhändig zu Staub zermahlen.

Für eine angebliche Ehrenschuld hatte er jede Grenze überschritten.

Ich erinnerte mich an den Tag vor zehn Monaten, als ich kurz davorstand, das Flugzeug nach Europa zu besteigen. Er hielt mich auf dem privaten Rollfeld in den Armen und wollte mich nicht loslassen.

Sein heißer Atem streifte mein Ohr, und seine Augen waren von Widerwillen erfüllt.

Während unserer Trennung telefonierten wir täglich per Video und hielten einander ständig auf dem Laufenden. Ich nahm mir sogar die Zeit, einmal im Monat zurückzufliegen, nur um ihn für ein paar Stunden zu sehen.

Alle in unserem Umfeld sagten, der Underboss der Lupo-Familie sei ein Wahnsinniger, doch seine ganze Zärtlichkeit gehöre seiner Ärztin-Ehefrau. Nach drei Jahren seien sie noch immer wie frisch Verliebte.

Als ich mein Projekt vorzeitig beendete und zurückeilte, gönnte ich mir nicht einmal Zeit, den Jetlag zu überwinden.

Kurz nach der Landung überfiel mich eine plötzliche Welle von Schwindel.

Mein chirurgischer Instinkt erwachte, und ich unterzog mich einem Bluttest. Zu meinem Erstaunen war ich nicht nur schwanger – ich trug Zwillinge.

Ich war überglücklich und brannte darauf, Luca die gute Nachricht zu überbringen. Ich wollte ihm sagen, dass ich bereit sei, meine Karriere zurückzustellen, um mich ganz auf die Schwangerschaft zu konzentrieren.

Doch als ich voller Freude zum Anwesen zurückkehrte, versperrten mir die Wachen den Zugang. Sie verwehrten mir kalt den Eintritt, schlicht und einfach, weil Bianca kurz vor der Geburt stand.

Biancas zuckersüße Stimme riss mich in die Wirklichkeit zurück. „Stella? Wann bist du zurückgekommen? Du hast ja kein Wort gesagt!“

Sofort richteten sich alle Blicke auf mich. Als die Donna neben ihnen das Dokument in meiner Hand sah – meine Kündigung als Familienärztin –, verfinsterte sich ihr Gesicht.

„Ich hätte Luca nie erlauben dürfen, dich zu heiraten. Kündigen? Glaubst du wirklich, Luca schuldet dir den Lebensunterhalt? Ernährt die Lupo-Familie etwa Schmarotzer?“

Der alte Don schnaubte verächtlich.

„Du kannst nicht einmal einen Erben hervorbringen, der das Vermächtnis der Familie fortführt. Wozu bist du überhaupt noch nütze? Hätte ich gewusst, dass du der Lupo-Familie keinen nächsten Anführer schenken kannst, hätte ich dich nie einen Fuß auf dieses Anwesen setzen lassen.“

„Bianca hat gerade entbunden, sie ist schwach. Das Baby ist zerbrechlich. In dieser Zeit brauchen wir jede helfende Hand. Das Mindeste, was du tun könntest, wäre, Luca zu unterstützen und dich um die Angelegenheiten zu kümmern. Stattdessen schmollst du hier herum. Hast du denn gar kein Gefühl für deine ehelichen Pflichten?“

Ihre Worte waren so absurd, dass ich lachen wollte.

„Und was ist mit Luca? Eine andere Frau zu schwängern, während ich weg war. Soll sich ein Ehemann so verhalten?“

„Stella, es reicht! Ich habe das alles für dich getan!“ Luca trat mit einem großen Schritt vor, die Stirn gerunzelt, seine Augen so kalt wie Eis.

„Du kannst keine Kinder bekommen, also habe ich Bianca gebeten, es für dich zu tun. Ich übergebe dir einen Erben, und du kannst die Geste nicht zu schätzen wissen?“

„Das sollte eine Win-Win-Situation sein. Bianca bekommt ihren letzten Wunsch erfüllt, und du behältst deine Stellung als Frau des Underbosses ohne die Last einer Schwangerschaft. Ich verstehe wirklich nicht, worüber du so aufgebracht bist.“

„Bei dem Hinterhalt vor zwei Jahren – wenn Bianca mich nicht weggestoßen hätte, wäre die Kugel in meinem Kopf gelandet, nicht in meiner Schulter.“

„Ihr Vater starb für die Familie, als sie noch ein Kind war, und jetzt hat man bei ihr eine unheilbare Krankheit diagnostiziert. Sie hat nur noch wenige Monate. Wenn sie geht, wird es keinen einzigen Menschen auf dieser Welt geben, der sich an sie erinnert.“

„Ihr seid beide Frauen. Kannst du kein Mitgefühl aufbringen? Warum bist du so gegen sie? Oder hältst du mich wirklich für einen Mann, der es nicht in der Hose halten kann?“

Bianca begriff sofort und krallte sich an seinem Ärmel fest. Ihre Augen röteten sich perfekt, als hätte ich ihr ein schreckliches Unrecht angetan.

„Stella, bitte, sag nichts mehr. Es ist alles meine Schuld. Ich verspreche, ich werde nach der Geburt verschwinden. Ich werde mich nicht zwischen euch stellen. Aber bitte streitet euch nicht meinetwegen mit Luca...“

Ihre vereinte Front malte mich als die Böse, und die letzte Wärme in meinem Herzen gefror zu Eis.

In ihren Augen war ich also nichts weiter als beschädigte Ware, unfähig, ihr Vermächtnis fortzuführen. Ich war keine Ehefrau, kein Mitglied dieser Familie – nur ein nutzloses Werkzeug, das die Macht nicht halten konnte.

Die Ironie war: Ich trug die beiden rechtmäßigsten Erben der Familie in meinem Leib.

Doch in diesem Moment wollte ich kein weiteres Wort verlieren.

Luca sprach erneut, seine Stimme leise, durchzogen von einer unmissverständlichen Warnung.

„Stella, meine Geduld hat Grenzen. Wenn du es wagst, Bianca noch mehr Ärger zu machen, dann gib mir nicht die Schuld, wenn ich vergesse, dass wir Mann und Frau sind.“

„Wenn du die Frau des Underbosses bleiben willst, hältst du den Mund. Bei der Taufe nächste Woche werde ich vor allen Familien verkünden, dass du die Mutter dieses Kindes bist.“

Nächste Woche? Ich warf einen kalten Blick auf das schlafende Neugeborene in der Wiege.

Bis dahin würde ich längst fort sein, spurlos aus seinem Leben verschwunden.

Patuloy na basahin ang aklat na ito nang libre
I-scan ang code upang i-download ang App

Pinakabagong kabanata

  • Ihr Kind, seine Zwillinge – ich verließ   Kapitel 8

    Dieser Ort mochte vom Donner der Kanonen erfüllt sein, doch hier hatte ich meine Würde und eine Freiheit, die mir niemand nehmen konnte.In dieser Einöde hatte ich Wurzeln geschlagen, hier die höchste Berufung einer Chirurgin gefunden.Was dieses sogenannte Lupo-Anwesen betraf – es war für mich nur eine vergoldete Gruft, die ich nie wieder betreten würde.Als Luca die Entschlossenheit in meinen Augen sah, geriet er völlig in Panik.Er schoss in die Höhe und umklammerte den Zaun so fest, dass die scharfen Widerhaken sich in seine Handflächen rissen und Blut floss, das er nicht einmal zu bemerken schien.„Stella, du grollst mir immer noch wegen Bianca, nicht wahr? Ich weiß, dass ich damals blind war, aber jetzt sehe ich klar!“„Biancas Körper hat aufgegeben. Die Ärzte haben gesagt, ihre Organe versagen. Sie wird die Woche nicht überleben!“„Wenn du nur zurückkommst, wirst du die einzige Donna in der Lupo-Familie sein! Ich werde dieses Kind sofort fortschicken, ich schwöre, es wird nie wi

  • Ihr Kind, seine Zwillinge – ich verließ   Kapitel 7

    [Stellas Perspektive]Das Flugzeug durchstieß die Wolken und ließ die Stadt, die der Lupo-Familie gehörte, mit all ihrem Neon und Blutvergießen weit hinter sich.Ich lehnte still an der kalten Kabinenwand und sah zu, wie die glitzernden Lichter der Familiengebiete unter mir zu Stecknadelköpfen schrumpften.Mein Herz war ruhiger, als es jemals gewesen war.Von diesem Moment an war ich nicht länger die „Frau des Underbosses“.Ich gehörte keinem Mann und keiner Familie.Ich war nur noch ich selbst.Nach einer langen, verborgenen Reise voller geheimer Flüge und holpriger Geländefahrten erreichte ich schließlich das kriegszerrüttete Grenzgebiet.Hier gab es keine Untergrundordnung, nur marodierende Rebellen, Söldner und Schmuggler. An jeder Straßenecke konnte jederzeit ein Feuergefecht ausbrechen.Anders als in den Privatclubs der Metropole mit ihren Marmorböden und Goldverzierungen roch die Luft hier stets nach Schießpulver, Benzin und Rost.Der Leiter des Lagers von Ärzte ohne Grenzen beg

  • Ihr Kind, seine Zwillinge – ich verließ   Kapitel 6

    [Lucas Perspektive]Gerade als Biancas Vitalzeichen sich stabilisierten, verschlechterte sich der Zustand des Babys plötzlich dramatisch.Sein Gesicht verfärbte sich in ein erschreckendes Blau, seine Atmung wurde rasselnd und schwach. Die Ärzte der Privatklinik gerieten in Panik, hilflos angesichts des schweren angeborenen Herzversagens.Im VIP-Raum nebenan umklammerte Bianca ihre Brust und schluchzte in ihr Kissen. „Luca, unser Sohn ... er darf nicht sterben! Du musst ihn retten!“Ich fühlte mich völlig in die Enge getrieben und lief ruhelos in dem nach Desinfektionsmittel riechenden Flur auf und ab.Verzweifelt zog mein Vater alle Register der Familie und schaffte es schließlich, den besten pädiatrischen Kardiologen der Stadt ausfindig zu machen.Alle nannten ihn nur „den Doktor“.Er war an keinem Krankenhaus angestellt, doch jeder Mann der Fünf Familien, den er von der Schwelle des Todes zurückgeholt hatte, stand in seiner Schuld.Doch kaum betrat der Alte den VIP-Notfallbereich, li

  • Ihr Kind, seine Zwillinge – ich verließ   Kapitel 5

    „Du hast deinen Erben. Meine Kinder brauchen keinen verräterischen Vater. Von diesem Tag an gehen wir getrennte Wege. Wir werden uns nie wiedersehen.“Lucas Hand zitterte. Das dünne Stück Papier fühlte sich so schwer an wie Blei und presste ihm die Luft aus den Lungen.„Unmöglich. Das kann nicht echt sein.“Seine Augen wurden blutunterlaufen. Sein Blick schoss zu den Türen des Bankettsaals, seine Stimme rau. „Stella! Komm heraus! Das kann nicht echt sein!“Der Kurier zuckte mit den Schultern, plötzlich vorsichtig.„Nachdem Stella Lupo mir die Box gegeben hatte, stieg sie in ein Auto Richtung zum internationalen Flughafen. Inzwischen hat ihr Privatjet wahrscheinlich die Grenze überquert.“Damit drehte er sich um und ging durch die Menge, ohne sich umzublicken.[Lucas Perspektive]Ich starrte lange auf den Ultraschallbefund in meiner Hand, bis die Worte zu verschwimmen begannen.Das Wort „Zwillinge“ war wie zwei Nägel, die mir in die Augen getrieben wurden und mich verhöhnten für den Nar

  • Ihr Kind, seine Zwillinge – ich verließ   Kapitel 4

    Bevor ich mich entschloss zu gehen, registrierte mein chirurgischer Instinkt, dass etwas mit Biancas Baby nicht stimmte.Die Atmung des Babys war ungewöhnlich flach, und die Lippen wiesen einen schwachen bläulichen Schimmer auf: klassische Anzeichen eines schweren angeborenen Herzfehlers.Ganz gleich, was Luca getan hatte – ich konnte nicht einfach zusehen, wie ein unschuldiges Kind litt. Ich nutzte meine Kontakte, um einen renommierten Kinderkardiologen zu einer kurzen Untersuchung auf das Anwesen zu bringen.Doch als ich den Arzt ins Kinderzimmer führte, drehte Bianca völlig durch.„Was machst du da?!“, schrie sie, riss das Baby an sich und umklammerte es fest. „Mein Sohn ist vollkommen gesund! Er ist der Erbe der Lupo-Familie! Du bist doch nur eifersüchtig, weil ich einen Sohn zur Welt gebracht habe und du unfruchtbar bist, also versuchst du, ihn zu verfluchen!“Sie brach in theatralische Tränen aus, ihr Wehklagen hallte durch die Gänge.Luca stürmte herein, sein Gesicht finster vor

  • Ihr Kind, seine Zwillinge – ich verließ   Kapitel 3

    Ein derart abscheulicher Verrat, und doch versuchte er, ihn mit einer Flut selbstgerechter, hohler Worte reinzuwaschen.Nachdem ich eine kleine Tasche gepackt hatte, ging ich ins private Arbeitszimmer, um ein seltenes, vergriffenes medizinisches Fachbuch zu holen.Als ich die Tür aufstieß, fand ich die Donna vor, die ihre Leute anwies, Dinge umzuräumen.Sie warf einen Blick auf die Reisetasche zu meinen Füßen, ihr Gesicht eine Maske der Verachtung.„Ich habe dieses Zimmer für Bianca freimachen lassen. Ich habe dem Personal gesagt, sie sollen all diese nutzlosen, verstaubten medizinischen Bücher wegwerfen. Sie hat gerade entbunden und braucht Platz. Dieses Zimmer ist perfekt für ihre Sachen.“Als ich hineinsah, entdeckte ich meine wertvollen Bände achtlos in eine Ecke geworfen, ersetzt durch Kartons mit importierten Windeln und einen Kinderwagen mit eingeprägtem Familienwappen.Doch sie war noch nicht fertig. „Außerdem schläfst du heute Nacht im Gästezimmer im Erdgeschoss. Wenn dir das

Higit pang Kabanata
Galugarin at basahin ang magagandang nobela
Libreng basahin ang magagandang nobela sa GoodNovel app. I-download ang mga librong gusto mo at basahin kahit saan at anumang oras.
Libreng basahin ang mga aklat sa app
I-scan ang code para mabasa sa App
DMCA.com Protection Status