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Ertrunken in ihrem Schweigen

Ertrunken in ihrem Schweigen

작가:  Cocojam참여
언어: Deutsch
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Meine Schwester war autistisch. Die Ärzte nannten es „schwere sensorische Überlastung“. Die Regel war einfach: Kein plötzlicher Lärm. Niemals. Mein ganzes Leben war auf Stille eingestellt. Ich trug nie Absätze. Ich sprach nie laut. Ich durfte nicht einmal lachen. Alles, damit sie keinen Zusammenbruch erlebte. Mein Vater Victor, der Don des Castellano-Clans, legte mir die Hand auf die Schulter. Sein Gesicht trug den Ausdruck stiller Reue. „Sera, du bist mein braves Mädchen. Deine Schwester zu schützen ist unsere Pflicht. Du bist gesund und stark. Du kannst ein kleines Opfer für sie bringen, oder?“ An jenem Tag stand ich auf der Terrasse im zweiten Stock und stieß versehentlich einen Topf mit weißen Rosen um. Das Geräusch des zerschellenden Topfes trieb meine Schwester, die unten im Garten in der Sonne lag, in einen Zusammenbruch. Zum ersten Mal sah Victor mich an wie eine Feindin. „Kannst du nicht einfach still sein?“, brüllte er. „Willst du sie in den Wahnsinn treiben?“ Meine Schwester wich entsetzt zurück, taumelte gegen einen Glastisch und stieß einen gellenden Schrei aus. Victor stürmte an mir vorbei, ein rasender Wirbel aus Zorn und Panik. Auf der Treppe rannte er mich um, als ich hinunterlief, um zu helfen. Ich verlor das Gleichgewicht und prallte mit der Brust gegen die scharfe Kante eines schmiedeeisernen Treppengeländerpfostens. Ein scharfer Schmerz durchzuckte meine Brust. Ich öffnete den Mund, um zu schreien, aber kein Laut kam heraus. Meine Familie stürzte sich um meine schreiende Schwester. Niemand warf mir auch nur einen Blick zu. Meine Lungen füllten sich mit Blut. Ich ertrank auf dem Boden. Sie alle glaubten, meine Schwester – die Autistin – brauchte den Trost der Familie. Sie dachten, ich war nur gestürzt. Dass ich warten konnte. Sie lagen falsch.

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1화

Kapitel 1

Jeder Atemzug war ein Glassplitter in meiner Kehle. Meine Rippen waren gebrochen.

Blutiger Schaum sammelte sich an meinen Lippen und färbte den weißen Marmor dunkelrot.

„Kannst du nicht einfach still sein? Willst du sie in den Wahnsinn treiben?“, brüllte mein Vater Victor so laut, dass das ganze Anwesen zu erbeben schien.

Ich wollte ihm sagen, dass es ein Unfall gewesen war – aber meine Kehle war voller Blut, und kein Laut kam heraus.

Neben dem zerschmetterten Glastisch kauerte meine Schwester Chloe, die Hände an die Ohren gepresst, und stieß einen gellenden Schrei aus.

„Sie hat es mit Absicht getan! Sie will mich umbringen! Schafft sie weg! Schafft sie weg von mir!“

Meine Mutter Elena kniete vor ihr, versorgte den oberflächlichen Schnitt an ihrem Arm und sprach beschwichtigend auf sie ein.

„Alles gut, Chloe, alles gut. Mama ist hier. Sie wird dich nicht mehr stören.“

Ich versuchte, eine Hand zu heben und um Hilfe zu bitten.

Aber weiterer Schaum trat an meine Lippen. Die Dunkelheit schloss sich um mich.

„Papa ... Mama ...“ Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.

Niemand sah zurück.

Mein Blick verschwamm.

Ihre Welt hatte sich auf meine Schwester verengt, die zitternd neben dem zerbrochenen Tisch kauerte.

Meine Gedanken wanderten zurück zu dem Nachmittag, der alles verändert hatte.

Ich war nach Hause gerannt, das Aufnahmeschreiben für das Solistenprogramm fest in der Hand.

„Mama, ich bin in die Royal Ballet Company aufgenommen worden!“ Ich platzte durch die Tür, die Worte überschlugen sich.

Elena riss mir den Brief aus der Hand und zerriss ihn vor meinen Augen in Stücke.

„Bist du verrückt, Sera?“, zischte sie und warf einen ängstlichen Blick die Treppe hinauf. „Die Geräusche der Spitzenschuhe werden Chloe krank machen!“

Ich stand reglos da, das Lächeln erstarb in meinem Gesicht.

„Aber Mama, das ist die Royal Ballet Company! Nur drei Plätze in ganz New York!“ Meine Stimme zitterte. „Meine Lehrerin hat mich ein Ausnahmetalent genannt ...“

„Du bist das vernünftige Kind.“ Elena strich mir übers Haar, die Augen voller Mitleid. „Die ganze Familie muss deine Schwester schützen. Du bist gesund. Du kannst ein kleines Opfer für sie bringen, oder?“

Ich nickte nur. In meinem Zimmer packte ich meinen Traum wortlos weg – und schluckte ihn hinunter wie einen Glassplitter.

Die Blutlache auf dem Boden wurde größer.

Mein Atem wurde flach und schnell. Mir wurde schwarz vor Augen.

„Mama, es tut weh!“ Ich streckte mühsam die Hand aus.

Elena warf einen Blick herüber, ihr Gesicht eine Maske der Gereiztheit. „Sera, hör auf zu übertreiben. Siehst du nicht, dass Chloe sich nicht gut fühlt? Wir kümmern uns später um dich.“

Die Schreie meiner Schwester wurden hysterischer. „Schafft sie raus! Schafft sie aus diesem Haus!“

Sie riss eine schwere Marmorvase von einem nahen Sockel und schmetterte sie zu Boden. Scherben spritzten in alle Richtungen.

Victor eilte zu ihr und hielt sie mit äußerster Behutsamkeit.

„Alles gut, Chloe, Papa ist hier. Du bist in Sicherheit“, sagte er mit einer Sanftheit wie eine Frühlingsbrise. „Papa hat sich um deine unvorsichtige Schwester gekümmert. Niemand wird dir jemals wieder wehtun, mein Engel.“

Meine Finger kratzten am eisernen Geländer entlang. Ein Nagel brach ab und hinterließ einen dünnen Blutstreifen auf dem Metall.

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