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Kapitel 2

Author: Rosalie
Jana fragte nach mir.

Tim und Fabian runzelten beinahe zeitgleich die Stirn.

Tim lachte kurz und kalt. „Jana, sie hat dir so wehgetan, warum sorgst du dich noch um sie? So eine undankbare Person wird nie an dein Wohl denken. Kümmere dich nicht um sie. Lass sie einfach machen.“

„Aber wenn Emma wirklich tot wäre? Fabian, Tim, was würdet ihr dann tun?“ Janas vorsichtige Stimme klang zu mir herüber.

Mein Herz zog sich zusammen, mein Blick heftete sich starr auf Fabians und Tims Gesichter.

Früher wären sie schon in heller Panik ausgebrochen, wenn ich mir nur klein wehgetan hätte – geschweige denn, wenn es um meinen Tod gegangen wäre.

Sie hatten einst gesagt, ich sei die Frau, die sie ihr Leben lang beschützen und lieben wollten.

Doch jetzt lächelte Fabian kalt: „Wenn sie stirbt, werden die Tage danach sicher viel leichter. Dann lasse ich bestimmt ein Feuerwerk über der ganzen Stadt abfeuern, um es zu feiern.“

Tim fügte hinzu: „Vielleicht werfen wir ihre Leiche zurück in ihre Heimatstadt und holen ein paar Geistliche, die einen Bannspruch über sie legen. Dann kann sie dir nie wieder etwas antun.“

Es war, als wäre ich in eine Gefrierkammer geworfen worden. Mein Körper erstarrte, ich spürte nichts mehr, nicht einmal meinen Atem.

Ich konnte nicht glauben, dass die beiden Männer, die einst geschworen hatten, mich ewig zu lieben, nun so grausam über mich sprechen konnten.

Ein Feuerwerk, um meinen Tod zu feiern.

Geistliche, um meine Seele zu bannen.

All das – nur um ihre Geliebte zu erfreuen und zu beruhigen.

In diesem Moment war ich plötzlich froh, dass meine Leiche nicht in ihre Hände geraten war.

Sonst hätte ich wohl noch im Grab keine Ruhe gefunden.

Als Jana sagte, sie habe Angst, beendeten Fabian und Tim sofort alles und eilten nach Hause, um bei ihr zu sein.

Seltsamerweise folgte meine Seele unwillkürlich hinter ihnen her.

Sobald das Auto hielt, stieg Fabian ungeduldig aus und eilte mit großen Schritten zur Villa.

Tim fluchte leise und folgte ihm eilig.

Diese Villa hatten sie damals während des Studiums gekauft, weil sie nicht wollten, dass ich im Wohnheim lebte und wir getrennt wären.

Damals hatte ich mit Fabian noch keine Beziehung.

Auch Jana war noch nicht zurückgekehrt.

Wir drei waren wie ein unzertrennliches Dreieck, stets zusammen, Tag für Tag.

Doch seit Jana eingezogen war, verdrängten mich ihre falschen Beschuldigungen Stück für Stück, bis in diesem Haus kein Platz mehr für mich blieb.

Ich verkroch mich an den entferntesten Ort im Raum, vermied es, hinzusehen oder hinzuhören.

Aber ihr Lachen, ihr ausgelassenes Reden drang trotzdem mühelos in meine Ohren.

Jana verlor wieder eine Runde im Spiel, und missmutig ließ sie sich in das Sofa fallen.

Tim strich ihr sanft über das Haar und redete geduldig auf sie ein, nannte sie seine kleine Prinzessin Jana.

Früher hatte er mich seine kleine Prinzessin Emma genannt. Doch irgendwann begann er, mich nur noch Emma zu nennen.

Aus der warmen Sonne, die stets um mich kreiste, war eine kalte, unnahbare Eiswand geworden.

Ich verstand nicht, warum er sich so verändert hatte.

Ich hatte ihn gefragt.

An jenem Tag wandelte sich sein Blick von eisiger Kälte zu hämischem Spott.

Er benahm sich wie ein leichtsinniger Playboy. Mit zwei Fingern hob er mein Kinn, beugte sich zu mir herab, sein warmer Atem traf mein Gesicht.

Ich wandte den Kopf zur Seite, um ihm zu entgehen, woraufhin er spöttisch die Lippen verzog.

„Emma, du denkst doch nicht, ich würde dich küssen wollen? Sei nicht so eingebildet. Ich will dir nur sagen: Verglichen mit Jana bist du einfach widerlich. Früher muss ich blind gewesen sein, um dich für meinen Schatz zu halten.“

„Du willst wissen, warum ich so kalt zu dir bin? Weil ich die einzige Frau gefunden habe, der ich in diesem Leben gut sein will. Ab jetzt bist du in meinen Augen nichts. Also halt dich raus – verschwinde aus meinem Leben.“

Die letzten Worte sprach er mit beißender Härte, und ich nahm sie mir wirklich zu Herzen.

Am nächsten Tag suchte ich Fabian auf und schlug vor, dass wir ausziehen und Tim und Jana die Villa überlassen.

Doch Fabian, der sonst stets meine Meinung an erste Stelle gesetzt hatte, wies mich zum ersten Mal zurück.

Er machte mir Vorwürfe, ich sei unvernünftig, zu verwöhnt und nicht bereit, Jana zu akzeptieren. Danach sprach er lange Zeit kein Wort mehr mit mir.

Ich hielt ihre eisige Gleichgültigkeit nicht mehr aus und beschloss, auszuziehen, um etwas Abstand zu gewinnen.

Doch nur drei Tage, nachdem ich ausgezogen war, war ich tot.
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