LOGINLyra
Ich balancierte die beiden Gläser vorsichtig durch die dicht gedrängte Menschenmenge. Meine Wut auf Vesper war im Moment kaum in Worte zu fassen. Morgen, wenn der Bass aus unseren Ohren verschwunden war, würde sie das volle Programm von mir zu hören bekommen. Sie hatte mir hoch und heilig versprochen, mich nicht alleinzulassen! Mühsam drängte ich mich an schwitzenden Körpern vorbei und versuchte krampfhaft, niemanden mit den Gläsern zu treffen. Ein riesiger Mann drehte sich plötzlich schwungvoll um und verfehlte mein Gesicht nur um Haaresbreite mit seinem Ellbogen. Ich duckte mich im Bruchteil einer Sekunde weg und entging nur knapp einer gebrochenen Nase. „Pass verdammt noch mal auf!", zischte ich gereizt, doch meine Stimme ging im dumpfen Dröhnen der Boxen unter. Vesper war nur noch etwa zwanzig Meter von mir entfernt. Ich hatte es fast geschafft. Erleichtert atmete ich auf und wollte gerade die letzten Schritte auf sie zugehen, als mich plötzlich jemand von der Seite rammte. Der Aufprall war hart und völlig unerwartet. Das Gleichgewicht entglitt mir. Die beiden Gläser kippten nach vorn, und der klebrig-süße Long Island Iced Tea ergoss sich zusammen mit dem Wasser im hohen Bogen über die Vorderseite meines Kleides. Der kalte, nasse Stoff klebte sofort unangenehm an meiner Haut. Mit offenem Mund starrte ich an mir herab. Ich wartete sekundenlang auf ein einfaches, ehrliches „Entschuldigung", doch von dem Verursacher kam absolut nichts. Der Kerl ging einfach weiter, als wäre ich Luft. Wahrscheinlich war er in seiner unendlichen Arroganz so blind, dass er mich nicht einmal registriert hatte! Nein. Das durfte jetzt einfach nicht wahr sein. Eine heiße Welle der Empörung stieg in mir auf. Diese absolute Respektlosigkeit konnte und wollte ich mir nicht gefallen lassen. Ich drehte mich stinkwütend um, machte zwei schnelle Schritte auf ihn zu und packte ihn fest an der Schulter. „Sag mal, geht's noch?!", herrschte ich ihn wütend an. Der Mann wirbelte herum. Als sich unsere Blicke trafen, stockte mir kurz der Atem. Na großartig. Ausgerechnet der Besitzer dieses unverschämten Ladens. Er sagte kein Wort. Seine dunklen Augen verengten sich leicht, und er starrte mich einfach nur an, als wäre ich ein seltsames Rätsel, das er nicht entschlüsseln konnte. Eine seiner perfekten Augenbrauen wanderte langsam nach oben. „Was ist?!", fuhr ich ihn an, während meine Hand immer noch auf seinem teuren Seidenhemd lag. „Siehst du nicht, dass du mich völlig nass gemacht hast?!" In diesem Moment kam Vesper mit gehetztem Blick herbeigeeilt. Sie packte mich am Handgelenk und versuchte panisch, mich von ihm wegzuziehen. „Lyra, hör auf!", flüsterte sie mir mit schreckgeweiteten Augen ins Ohr. „Das ist Killian Cross! Das ist der Besitzer!" „Das interessiert mich einen feuchten Dreck!", entgegnete ich lautstark und deutete auf mein ruiniertes Kleid. „Er könnte auch der Bundeskanzler höchstpersönlich sein!" Jeder normale Mensch hätte sich entschuldigt, aber dieser... dieser arrogante Kerl starrte mich einfach nur stumm an. Kein Wort des Bedauerns, keine Regung. Nur dieser eisige, taxierende Blick. Killian Ich drehte mich langsam um und betrachtete die Frau, die es tatsächlich gewagt hatte, mich tätlich anzugreifen. Sie stand vor mir, die Wangen vor Zorn gerötet, die Augen funkelnd wie geschliffenes Glas, und schrie mich an. Was hatte sie denn für ein Problem? Ich musterte sie mit hochgezogener Augenbraue. Sie gestikulierte wild und deutete auf ihr nasses Kleid, während sie mir irgendwelche wütenden Worte entgegenschleuderte, die im ohrenbetäubenden Lärm des Nox fast vollständig untergingen. Langsam sickerte die Realität zu mir durch. Ich hatte sie im Vorbeigehen wohl angerempelt und ihr die Drinks übergekippt. Jetzt stand sie hier, bebend vor Zorn, und bot mir die Stirn. Keine Angst, kein ehrfürchtiges Erröten, weil ich Killian Cross war. Nur purer, unverfälschter Hass. Interessant... Ich sah sie mir genauer an. Das feine, nasse Kleid schmiegte sich an ihre Kurven. Ihre Augen blitzten im fahlen Scheinwerferlicht des Clubs auf. Sie war schön. Nein, sie war atemberaubend. Sie war um Längen faszinierender als jede andere Frau, die ich in den letzten Monaten gesehen hatte. Auch weitaus besser als die naive Tessa in meinem Keller. Diese Frau hier hatte Feuer. Sie hatte Leben in sich. Ich musste sie haben. „Wir sehen uns später", raunte ich Nicole zu, die immer noch wie ein nasser Sack an meinem Arm hing, und stieß sie unsanft beiseite. Ich suchte den Blickkontakt zu Mikhail, der im Hintergrund lauerte, und gab ihm ein kaum merkliches Nicken. Er verstand sofort. Er würde Nicole diskret nach draußen befördern und ihr klarmachen, dass ihr Abend im Nox hiermit beendet war. Sei dankbar, Nicole. Heute Nacht hast du dein Leben behalten. Ich trat einen Schritt näher an die wütende Schönheit heran und ließ mein absolut fehlerfreies, charmantestes Lächeln auf den Lippen erscheinen. „Das tut mir furchtbar leid", sagte ich mit sanfter, tiefer Stimme, die über dem Bass zu schweben schien. „Ich wurde selbst angerempelt und habe dich in dem Gedränge übersehen. Bitte entschuldige mein unhöfliches Starren. Darf ich dir als Wiedergutmachung für dein Kleid einen Drink spendieren?" Sie sah an mir hoch, und in ihren Augen lag nicht der leiseste Funke von Begeisterung. Im Gegenteil, ihr Blick war eiskalt. „Nein! Kannst du nicht!", schoss sie scharf zurück. „Weil ich jetzt auf der Stelle aus diesem Laden verschwinde!" Sie wirbelte auf dem Absatz herum. Meine Mundwinkel glitten unwillkürlich nach unten. Mein Lächeln gefror. Wer, im Namen des Teufels, glaubte diese Frau eigentlich zu sein? Niemand gab mir einen Korb. Niemand drehte mir einfach den Rücken zu. Ich machte einen schnellen Schritt nach vorn, stellte mich ihr in den Weg und zwang meine Gesichtszüge wieder zu einer freundlichen Maske. Ich stieß ein leises, amüsiertes Lachen aus. „Bitte. Lass mich dich wenigstens nach Hause fahren. Das ist das Mindeste, was ich tun kann, nachdem ich deinen Abend ruiniert habe", bot ich an und sah ihr tief in die Augen. „Du bist ein..." „Nein, das kannst du ebenfalls nicht! Und jetzt geh mir aus dem Weg!", fauchte sie, stieß mich mit der Schulter beiseite und ging mit schnellen Schritten an mir vorbei in Richtung Ausgang. Ihre blonde Freundin blieb kurz wie angewurzelt vor mir stehen und starrte mich mit einer Mischung aus Panik und Ehrfurcht an. Sie hatte blaue Augen und blonde Haare – eigentlich genau das Schema, nach dem ich heute gesucht hatte –, aber sie wirkte blass, fast langweilig im Vergleich zu der Naturgewalt, die gerade an mir vorbeigezogen war. „Es... es tut mir leid, sie meint das nicht so!", stammelte die Blonde verlegen. „Lyra, warte doch!", rief sie dann und rannte ihrer Freundin hinterher. Ich blieb zurück, verschränkte die Arme und sah ihr nach, wie sie im Scheinwerferlicht verschwand. Lyra. Ein Schauer des Begehrens lief mir über den Rücken. Was für ein wunderschöner, poetischer Name. Sie war perfekt. Sie war stolz, ungezähmt und absolut makellos. Sie und Tessa würden im Keller ein spektakuläres Bild abgeben. Ein ungleiches Paar. Die Dunkelheit und das Licht. Ich musste sie um jeden Preis besitzen. Lyra Ich stürmte mit schnellen, wütenden Schritten aus dem Nox hinaus in die kühle Nachtluft. Die Kälte ließ mich sofort frösteln, da mein Kleid klatschnass war. „Eingebildeter Mistkerl!", fluchte ich laut vor mich hin, während ich auf den Parkplatz zuging. „Was glaubt dieser Kerl eigentlich, wer er ist?! Nur weil ihm der Laden gehört und er ein teures Auto fährt?!" Ich blieb vor meinem alten, dunkelblauen Kleinwagen stehen und begann hektisch in meiner Handtasche zu kramen. Meine Finger zitterten vor Wut und Kälte. „Wo ist dieser verdammte Schlüssel...?" „Lyra, warte doch!", keuchte Vesper, die endlich zu mir aufgeschlossen hatte. Sie stellte sich vor die Fahrertür meines Wagens und hielt sie zu, um mich am Einsteigen zu hindern. „Bitte, Vesper. Geh mir einfach aus dem Weg", sagte ich leise. Ich schloss die Augen und atmete die kalte Nachtluft tief ein, um mich zu beruhigen. „Ich weiß, dass du es nicht böse gemeint hast, und ich bin dir auch nicht ewig böse. Aber ich will jetzt einfach nur noch nach Hause und in eine heiße Badewanne. Bitte." Vesper sah mich zerknirscht an. Ihre Schultern sackten nach unten. „Okay...", flüsterte sie und trat einen Schritt beiseite. Ich stieg dankbar ein, startete den Motor und ließ das Fenster ein Stück herunter. „Es tut mir leid, dass ich den Abend vorzeitig beende, aber ich habe einfach keine Kraft mehr dafür. Wir sehen uns am Montag in der Bibliothek." Ich legte den Gang ein und fuhr vom Parkplatz, ohne noch einmal zurückzublicken. Killian Ich stand im Schatten des Vordachs und beobachtete mit zusammengebissenen Zähnen, wie ihr kleiner, blauer Wagen das Gelände des Nox verließ und im dichten Stadtverkehr verschwand. Verdammt. Ich ballte die Fäuste in den Hosentaschen. Ich wusste absolut nichts über sie. Ich brauchte ihren Nachnamen, ihre Adresse, ihren Arbeitsplatz – einfach alles. Als ich mich umdrehte, sah ich, dass ihre blonde, naive Freundin unschlüssig auf dem Parkplatz zurückgeblieben war. Sie blickte mir mit einem entschuldigenden, fast schon schüchternen Lächeln entgegen. Perfekt. Ich setzte mein charmantestes Lächeln auf und ging langsam auf sie zu. Eine halbe Stunde später bog ich mit einem breiten, triumphierenden Grinsen in die lange Einfahrt meines Anwesens ein. Ich parkte den Aston Martin quer über den gepflasterten Hof, stieg aus und warf die Tür mit einem satten Ton ins Schloss. Alastair trat sofort aus dem Haupthaus, um den Schlüssel entgegenzunehmen. Er musterte mich misstrauisch, als er mein Gesicht sah. „Sie wirken außerordentlich zufrieden, Sir. Und doch kehren Sie ohne Begleitung zurück. Haben Sie Ihre Pläne für heute Nacht etwa überdacht?", fragte er, und ein winziger Funke von Hoffnung schwang in seiner Stimme mit. Wenn er wüsste. „Zufrieden? Alastair, ich bin absolut euphorisch!", entgegnete ich und lachte leise auf. „Ich habe heute Nacht etwas weitaus Besseres gefunden als das, wonach ich gesucht habe. Ihr Name ist Lyra. Sie arbeitet in der historischen Stadtbibliothek am Flussufer. Ich will alles über sie wissen. Jedes kleinste Detail. Wo sie wohnt, mit wem sie spricht, was ihre Gewohnheiten sind. Finde es heraus und erstelle mir bis morgen Mittag eine Akte." Ich drückte ihm einen kleinen, eleganten Notizzettel in die Hand, auf den ich mir rasch die wichtigsten Informationen notiert hatte. Ihre naive Freundin Vesper hatte sich im Austausch für ein wenig Aufmerksamkeit und ein kostenloses VIP-Getränk als äußerst gesprächig erwiesen. Sie hatte mir praktisch Lyras ganzes Leben auf dem Silbertablett serviert. Der Rest war für Alastairs Kontakte ein Kinderspiel. Alastair sah auf den Zettel, seufzte tief und neigte stumm den Kopf. Er stieg in den Aston Martin, um ihn in die unterirdische Garage zu fahren. Mein Weg führte mich direkt ins Haus und die steilen Steinstufen hinunter in den Keller. Ich ging den langen, schwach beleuchteten Gang entlang, bis ich vor der schweren Eisentür ankam. Ich schloss sie auf und trat mit einem breiten Grinsen ein. Als Tessa mich sah, weitete sie die Augen vor Angst und begann sofort, panisch den Kopf hin und her zu wiegen. Ihre Fesseln klirrten leise. Ich trat langsam an sie heran, beugte mich zu ihr hinab und strich ihr sanft mit dem Handrücken über die Wange. „Keine Sorge, meine Liebe. Ich bin nicht hier, um dich zu foltern. Noch nicht", flüsterte ich mit einem eiskalten Lächeln. „Ich wollte dir nur eine freudige Nachricht bringen. Wir bekommen bald Gesellschaft. Dann beginnt ein völlig neues Spiel. Ihr Name ist Lyra. Sie ähnelt dir ein wenig, aber sie hat weitaus mehr Kampfgeist. Sie ist nicht so töricht wie du, die mir einfach freiwillig in den Wagen gestiegen ist. Bei Lyra... nun, bei ihr werde ich wohl etwas mehr Überzeugungskraft anwenden müssen."Lyra Ich setzte mich auf die harte Kante des Bettes und starrte erschöpft die fleckige Wand an. Das Motel war nun wirklich nicht die beste Adresse, aber immerhin hatte ich für die Nacht ein Dach über dem Kopf. Der Mann an der Rezeption hatte mich vorhin extrem merkwürdig gemustert, als ich mit Killians mattschwarzem Luxussportwagen auf den düsteren Parkplatz gerollt war und eingecheckt hatte.Ich hatte ihn nicht töten können ... Nicht, als er so hilflos vor mir lag, fast schon am Verbluten. Wenn wir im Kampf gegeneinander antraten, war das etwas ganz anderes. Aber in so einem Moment brachte ich es einfach nicht übers Herz. Allgemein hätte ich ihn wahrscheinlich niemals töten können – ihn verletzen oder schachmatt setzen vielleicht, aber mehr auch nicht.Obwohl ich hunderte Kilometer weit weg war, wich die lähmende Anspannung nicht aus meinen Knochen. Killian besaß einen unheimlichen sechsten Sinn. Er wusste gefühlt immer ganz genau, wo ich mich aufhielt – ich hatte keine Ahnung, wie
Killian Als ich die Augen langsam aufschlug, lag ich in meinem gewohnten Bett im Anwesen – und Erik stand aufrecht neben mir.Was war noch mal passiert? ... Ach ja. Lyra war kurz davor gewesen, mich endgültig ins Jenseits zu befördern.Ich strich mir müde mit der flachen Hand über das Gesicht. „Wieso bist du hier ... und wieso stehst du stramm wie ein Soldat, Erik?", fragte ich mit rauer Stimme.„Ich war besorgt, Sir. Und solange Sie abwesend waren, wollte ich es mir nicht anmaßen, mich zu setzen", antwortete er gewohnt ehrerbietig.„Ich habe dir doch schon tausendmal gesagt, dass du mich nicht ständig um Erlaubnis bitten musst. Setz dich ruhig", sagte ich angestrengt und fasste mir vorsichtig an die schmerzende Stelle unter dem Schlüsselbein.„Ich habe das von klein auf so gelernt, das kann ich nicht so einfach ablegen", erwiderte er mit einem leichten Lächeln.„Was ist eigentlich genau passiert, nachdem mir schwarz vor Augen wurde?", fragte ich und blickte neugierig unter den Verba
Lyra Er warf einen flüchtigen Blick auf die Wunde. „Nur ein Kratzer, Honey."„Das ist doch kein verflixter Kratzer!", rief ich geschockt und starrte auf sein Hemd. Der Stoff war auf der linken Seite bereits komplett blutgetränkt. „Du musst mich sofort runterlassen!"Er seufzte genervt. „Schau mal, Schatz: Wir sind doch jetzt gleich zu Hause. Halt einfach still und mach es mir nicht noch unnötig schwerer."Ich blickte mich verwirrt um. Wir standen tatsächlich schon vor den massiven Toren seines Grundstücks. „Wie zum ... Wir waren doch gar nicht so weit entfernt?"„Am Anfang hast du über eine Stunde bewusstlos in meinen Armen gelegen, deshalb kam dir der Weg nicht so lang vor", sagte er. „Glaub mir, es war ein verdammt großes Stück."„Ich habe nicht geschlafen, ich war ohnmächtig!", entgegnete ich gereizt.Er zog mit der freien Hand einen Schlüssel aus der Hosentasche und entriegelte das Tor. „Ich musste dich trotzdem tragen. Sogar jetzt noch."Ich verschränkte trotzig die Arme vor der
Lyra„Lyra? Was machst du denn da unten?", rief er von oben aus der Dunkelheit zu mir herab.„Was soll ich hier unten schon groß machen?! Ich bin den halben Berg runtergestolpert!", rief ich wütend und unter Tränen zurück.„... Warte, ich komme", rief er und kletterte vorsichtig den steilen Hang hinunter.Als er endlich bei mir ankam, entfuhr mir ein erleichertes, fast schon ungläubiges Lachen. „Ich habe eben ernsthaft darüber nachgedacht, ob ich mich nicht einfach hier unten weiter vor dir verstecken soll."Er hob irritiert eine Augenbraue. „Das findest du etwa witzig? Du hast eindeutig eine Gehirnerschütterung abbekommen."Ich lachte erneut leise auf. „Kann gut sein – nach all dem Gerolle den Abhang runter! Ich hätte wirklich niemals gedacht, dass ich mich jemals im Leben darüber freuen würde, dein Gesicht zu sehen!"Er warf einen kurzen, prüfenden Blick auf mein verletztes Bein. „Ich nehme das jetzt einfach mal als Kompliment ... Kannst du dich überhaupt bewegen?", fragte er und tr
KillianIch hob amüsiert eine Augenbraue. „Ach komm schon ... Du hast nach all dem, was wir zusammen erlebt haben, erst jetzt Angst vor mir?"Sie hob stolz ihr Kinn und straffte die Schultern. „Ich habe absolut keine Angst vor dir."Für einen klitzekleinen Moment hatte ich es ihr sogar geglaubt, doch ich konnte die Körpersprache eines Menschen wie ein offenes Buch lesen. Ihre Augen verrieten sie ohne Gnade: Sie war schlicht nicht in der Lage, meinem Blick über längere Zeit standzuhalten, was verräterische Unsicherheit bedeutete. Dennoch war ihr Charakter bemerkenswert stark – sie schaffte es immer wieder, mich kurzzeitig in die Irre zu führen. Doch dieses Mal hatte ich sie durchschaut. Und jetzt konnte ich mit ihr spielen!Grinsend machte ich einen bedrohlich langsamen Schritt auf sie zu. „Willst du etwa ... Angst vor mir bekommen?", fragte ich gedehnt, mit einer messerscharfen Nuance in der Stimme. Ich war gespannt, ob sie die Drohung heraushörte.Sie verschränkte die Arme vor der Br
Lyra Er kam mir so bedrohlich nahe, dass ich langsam Schritt für Schritt zurückwich. Ich wusste nicht genau, was da gerade auf mich zukam – aber so, wie sein Blick schimmerte, war es garantiert nichts Gutes.Er legte den Kopf leicht schief. „Also Honey, fange ich mal ganz von vorne an: Mein Vater war ein extrem erfolgreicher Immobilienmakler. Wir lebten in einem schicken Anwesen, mit allem drum und dran. Mami, Papi und ich. Fängt doch schon mal richtig harmonisch an, oder?"Eigentlich schon ...„Das einzige Problem war, dass mein Vater schwerer Alkoholiker war. Und ganz klassisch hat er absolut nicht davor zurückgeschreckt, mich und meine Mutter regelmäßig krankenhausreif zu prügeln. Ich habe meine Mutter wirklich über alles geliebt und alles für sie getan. Doch sie war zutiefst egoistisch. Sie gab mir jedes Mal die Schuld für die Wutausbrüche meines Vaters. Aber ich war jung und naiv – und tat trotzdem brav alles, was sie von mir verlangte. Weißt du eigentlich, was sie damals immer






