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Kapitel 2

Author: Vee
last update publish date: 2026-08-13 20:22:31

Aureas Perspektive

Alles wird gut werden, wiederholte ich wie ein Gebet in meinem Kopf. Es muss einfach. Ich habe jetzt eine Arbeitsmöglichkeit. Eine echte.

Ich erlaubte mir nicht, auch nur eine einzige Sekunde zu zögern. Ich wusste, wenn ich innehalten würde, um über die dunklen Gerüchte nachzudenken, die die schrecklich reichen Rossi-Zwillinge und die unantastbare, tödliche Macht umgaben, die sie über die Unterwelt der Stadt ausübten, würde ich völlig den Mut verlieren. Ich würde wieder in mein Schneckenhaus kriechen, meine Wohnung verlieren und auf der Straße landen. Ich musste es rationalisieren. Außerdem, warum sollten sich solche Männer jemals für ein völlig normales Mädchen wie mich interessieren? Ich bewarb mich schließlich nur als Hausmädchen.

Obwohl ich ihre markanten, kalten Gesichter auf Fernsehbildschirmen und auf den Covern von High-End-Wirtschaftsmagazinen gesehen hatte—wo sie völlig furchterregend, erbarmungslos und ganz anders als die lebhafte, süße Nina aussahen—musste ich mich nur auf meine Arbeit konzentrieren. Ich musste einfach nur den Kopf unten halten, im Hintergrund verschwinden und genug Geld verdienen. Ich konnte es mir nicht leisten, ein Feigling zu sein. Nicht mehr.

Mit einem plötzlichen, scharfen Adrenalinstoß zog ich meine alte, verblasste Segeltuch-Reisetasche aus dem Schrank und warf sie aufs Bett. Der Reißverschluss klemmte zweimal, ein Beweis dafür, wie abgenutzt sie war, aber ich riss ihn auf. Es dauerte ehrlich gesagt nicht lange, mein gesamtes Leben in eine einzige, kleine Tasche zu packen. Ein paar übergroße, verblasste Pullover, meine zwei Lieblingsjeans, die schon ziemlich abgewetzt waren, ein paar Bücher und die absoluten Grundbedürfnisse war alles, was ich in dieser Welt wirklich besaß.

Als ich die oberste Schublade meines zerkratzten Holznachttischs ausräumte und sicherstellte, dass ich keine wichtigen Dokumente zurückließ, streiften meine Finger plötzlich einen kleinen Samtbeutel, der ganz hinten in der Ecke versteckt war.

Mein Hals schnürte sich augenblicklich zu, als ich ihn herauszog. Mit zitternden Händen öffnete ich den Zugbandverschluss und kippte den Inhalt in meine Handfläche, wobei ich auf die feine Silberkette hinabschaute, die darin lag. Es war das einzige greifbare Stück, das mir von meiner biologischen Mutter geblieben war. Meine Pflegemutter hatte es bis zu dem Tag, an dem sie verstarb, in einer Schatulle für mich aufbewahrt und mich immer daran erinnert, dass ich irgendwoher stammte.

Langsam schloss ich die kühle Silberkette um meinen Hals und steckte den aufwendigen Anhänger sicher unter den Kragen meines Hemdes, direkt an mein rasendes Herz. Das Metall fühlte sich eiskalt auf meiner Haut an, aber es gab mir ein seltsames, verankerndes Gefühl von Stärke. Es fühlte sich wie eine Rüstung an.

Als ich mit dem Packen des Restes fertig war, hatte sich der heftige Sturm draußen endlich gelegt und eine dicke, erstickende Stille hinterlassen, die schwer auf meine Trommelfelle zu drücken schien. Die Luft im Raum fühlte sich abgestanden an. Ich lag die ganze Nacht voll angezogen oben auf der Bettdecke wach und starrte an die abblätternde weiße Farbe meiner Decke, während die Stunden langsam verstrichen.

"Ich werde nie wieder zulassen, dass mich ein Mann so fängt", flüsterte ich entschlossen in den dunklen, stillen Raum, meine Stimme ein feierliches Gelübde an mich selbst.

Schlaf kam nie.

Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, spürte ich Vances Hände wieder an meiner Taille.

Morgengrauen hatte ich das Versuchen aufgegeben.

Sobald die ersten Strahlen des Morgenlichts durch mein schmutziges Glas drangen, stand ich auf steifen Beinen auf und ging direkt in mein winziges Badezimmer. Ich verbrachte mehrere Minuten damit, mein wildes Haar zu bändigen, zog es im Nacken fest zu einem ordentlichen, professionellen Dutt zusammen und stellte sicher, dass keine einzige Strähne am falschen Platz war. Ich spritzte mir eiskaltes Wasser ins Gesicht, um die Erschöpfung aus meinem System zu schütteln und die dunklen Schatten unter meinen Augen zu löschen.

Nachdem ich den Boden meiner Tasche durchsucht hatte, zog ich mein bestes Outfit heraus: eine maßgeschneiderte schwarze Hose und eine einfache, frische weiße Bluse.

Ich hob meine Tasche auf, der schwere Riemen schnitt unbequem in meine Schulter, aber ich hieß das Gewicht willkommen. Ich drehte mich um und blickte ein letztes Mal auf die leere, stille Wohnung. Es war ein erbärmlicher, zugiger Ort, aber für die letzten paar Jahre war es mein sicherer Hafen gewesen. Jetzt ließ ich ihn für immer hinter mir, und ein kleines, bittersüßes Lächeln brach schließlich auf meinem Gesicht aus.

Nervosität zog meinen Magen zu Knoten zusammen, aber unter der Angst brannte Entschlossenheit in meiner Brust. Ich war bereit, allem zu begegnen, was auf dem Rossi-Anwesen auf mich wartete.

"Außerdem, was könnte schon schiefgehen?", murmelte ich vor mich hin und versuchte, etwas Selbstvertrauen in den leeren Raum zu bringen.

Ich ging rüber zur Küchenzeile, schnappte mir ein kleines, trockenes Stück Brot und ein Glas Leitungswasser. Ich setzte mich auf die Kante der kargen Couch und aß so schnell ich konnte. Ich hatte seit dem Vorfall mit Vance gestern keinen einzigen Bissen gegessen, und der Hunger hinterließ einen hohlen, nagenden Schmerz in meinem Magen. Ich beendete das Brot in wenigen Bissen und schluckte das restliche Wasser in einem langen Zug hinunter.

Ich stellte das Glas ab und ging zur Wohnungstür. Meine Hand schwebte nur Zentimeter vom Messingknauf entfernt, meine Handfläche schwitzte. Ich holte tief und beruhigend Luft und straffte meine Schultern für die Welt da draußen, als mich ein plötzliches, donnerndes Geräusch auf der Stelle stoppen ließ.

Poch. Poch. Poch.

Ein schweres, dröhnendes und völlig autoritäres Klopfen erschütterte das Holz meiner Tür, dessen Kraft direkt durch meine Schuhsohlen und meine Wirbelsäule hinauf vibrierte.

Mein Transportauto war da. Meine Zeit in diesem alten Leben war offiziell abgelaufen.

Ich verstärkte meinen Griff um den kalten Messingtürknauf, meine Knöchel wurden weiß, als ein weiteres schweres Klopfen den Rahmen erschütterte. Ich dachte wahrhaftig, ich würde nur zu einem Hausarbeitsjob gehen. Ein Weg, die Rechnungen zu bezahlen.

Aber als ich die Tür langsam aufschloss, hatte ich absolut keine Ahnung, dass ich direkt in einen wunderschönen, unausweichlichen Albtraum spazierte.

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