LOGINAureas Perspektive
Die Fahrt im Luxusauto hatte sich wie ein qualvoller Countdown angefühlt, und nun war meine Zeit offiziell abgelaufen.
Ich stand erstarrt in dem majestätischen Foyer des Rossi-Anwesens, meine Finger umklammerten den abgenutzten Segeltuchriemen meiner Reisetasche so fest, dass meine Knöchel weiß wurden. Diesen Ort ein Anwesen zu nennen, war eine absolute Untertreibung; alles hier schrie praktisch nach obszönem, unantastbarem Reichtum.
Die Decken ragten so hoch auf, dass sie den Himmel zu berühren schienen, verziert mit aufwendigen, handgemalten Fresken und massiven Kristallkronleuchtern, die gebrochenes Licht über den Boden warfen. Es war nicht nur ein Haus; es war eine weitläufige Festung aus poliertem Marmor, glänzendem Blattgold und einer schweren, erstickenden Opulenz, die mich sich völlig winzig fühlen ließ.
"Schau nicht so verängstigt, Liebes. Wir beißen nicht, es sei denn, man befiehlt es uns", gluckste eine warme, sanfte Stimme neben mir und durchbrach das Klingen in meinen Ohren.
Ich drehte mich um und sah Frau Jade, die Chefhaushälterin. Sie war eine süße, ältere Frau mit freundlichen, faltigen Augen und einer ordentlich gepressten Uniform. Sie hatte mich an der Tür mit einem Lächeln begrüßt, das den Knoten in meiner Brust augenblicklich lockerte, wenn auch nur ein kleines bisschen.
"Danke, Frau Jade", sagte ich, meine Stimme klang unglaublich klein und erhob sich kaum über ein vorsichtiges Flüstern in dem hallenden Raum.
"Folge mir, Liebes. Herr Vincenzo wartet im Arbeitszimmer auf dich", sagte sie und deutete mit einer Hand auf die große, geschwungene Treppe. "Sein Zwilling, Herr Velarius, gibt sich nicht damit ab, das Hauspersonal zu interviewen. Er sieht es nur als absolute Zeitverschwendung an, also wirst du heute nur einem von ihnen Rede und Antwort stehen."
Ich nickte stumm und schluckte schwer, während eine schwere Welle von Angst meine Brust mit jedem einzelnen Schritt, den ich diese Marmortreppe hinaufstieg, enger werden ließ. Vincenzo. Ich hatte sein Gesicht und das seines Bruders auf Fernsehbildschirmen gesehen. Ich hatte furchterregende Gerüchte über sie von den normalen Kollegen gehört, mit denen ich in Vances Modegeschäft gearbeitet hatte. Eine scharfe, aristokratische Kieferpartie, Augen so kalt und unerbittlich wie Eis und ein skrupelloser Ruf in der Unterwelt, der selbst die mächtigsten Milliardäre ihren Kopf beugen ließ.
Frau Jade blieb schließlich vor einem Paar aufragender, dunkler Eichen-Doppeltüren stehen, die mit aufwendigen Wappen verschnörkelt waren. Sie klopfte zweimal sanft und gemessen, und fast augenblicklich schnitt eine tiefe, glatte, gefährliche Stimme von der anderen Seite durch das schwere Holz.
"Herein."
Schon der Klang seiner Stimme ließ das Blut in meinen Adern vollkommen kalt werden, und ein Tropfen nervösen Schweißes brach auf meiner Haut aus. Frau Jade öffnete die Tür und gab mir noch ein letztes aufmunterndes Nicken, bevor sie sich den Flur hinunterwandte. Ich machte einen zögerlichen Schritt hinein, während sich die schweren Eichentüren leise, aber bestimmt hinter mir mit einem Klicken schlossen, das wie das Abschließen einer Gefängniszelle klang.
Der Raum war absolut massiv und roch schwer nach teurem Leder, alten Büchern, feinem Tabak und einer leichten Note von reichhaltigem Zigarrenrauch, der in der Luft lag. Massive, bodentiefe Fenster blickten über das weitläufige Grundstück, aber meine Aufmerksamkeit war augenblicklich auf die Mitte des Raumes gerichtet. Alles hier schrie nach unmittelbarer Gefahr, genau wie der imposante Mann, der hinter dem eleganten Schreibtisch saß: Vincenzo Rossi.
Er machte sich nicht einmal die Mühe aufzusehen, als ich eintrat. Sein Kopf blieb gesenkt, seine scharfen Augen konzentrierten sich völlig auf einen Stapel rechtlicher Unterlagen vor ihm, während ein schwerer Goldstift perfekt zwischen seinen Fingern balancierte.
Mein Puls schnellte heftig in die Höhe. Jeder einzelne Überlebensinstinkt in meinem Körper schrie mich an, mich umzudrehen, diese Türen aufzureißen und so schnell zu rennen, wie meine Beine mich tragen konnten. Aber ich konnte nicht. Ich brauchte diesen Job dringend. Noch wichtiger war, dass ich ein Dach über dem Kopf brauchte. Wenn ich jetzt aus diesem Anwesen rennen würde, wäre ich bis Ende der Woche auf den eisigen Straßen Italiens völlig hilflos.
Ich schluckte meine aufsteigende Panik herunter, ging mit zitternden Beinen hinüber und setzte mich auf den Ledersessel direkt gegenüber seines Schreibtisches, wobei ich meine zitternden Hände flach auf meinen Schoß legte, um das Zittern zu verbergen.
Für einen langen, qualvollen Moment war das einzige Geräusch im Raum das rhythmische, spöttische Ticken der teuren Antikuhr an der Wand. Er sah mich für die nächsten mehreren Sekunden nicht an und ignorierte meine Existenz vollkommen.
Dann schließlich, ohne Vorwarnung, sprach er. "Aurea."
Die tiefe, niedrige Art, wie mein Name von seiner Zunge rollte, ließ mich für einen Moment erstarren. Dann hob er langsam seinen Kopf. Sein Ausdruck war völlig gelangweilt, seine dunklen Augen leicht verdeckt, als wäre das Interviewen eines neuen Hausmädchens eine absolute Verschwendung seiner unglaublich wertvollen Zeit und er könne es kaum erwarten, dass meine Existenz aus seinem Blickfeld verschwand.
Aber in der exakten Sekunde, in der sich seine dunklen, raubtierhaften Augen auf mein Gesicht hefteten, verschwand die Langeweile. Etwas Tiefes und Intensives blitzte in seinen dunklen Augen auf. Es war blendend schnell, wie ein scharfer Funkenschlag eines Blitzes an einem Mitternachtshimmel.
So schnell dieser Blick aufgetaucht war, verschwand er auch schon wieder hinter einer Maske aus reinem Eisen, sodass ich mich fragte, ob mein Verstand sich das nur eingebildet hatte. Er glättete seine Gesichtszüge und begann das Vorstellungsgespräch zu führen. Er fragte nach meiner bisherigen Erfahrung und meiner täglichen Verfügbarkeit, sein Tonfall glatt, strukturiert und völlig distanziert, als würde er von oben herab mit einem Kind sprechen. Ich zwang mich, all seine Fragen zu beantworten, ohne meine Angst zu zeigen.
"Alles scheint in Ordnung zu sein", sagte Vincenzo ruhig und schloss die Mappe auf seinem Schreibtisch abrupt mit einem definitiven Schnappen.
Ich stieß einen kleinen, hyperventilierenden Atemzug aus und dachte wahrhaftig, die Folter sei endlich vorbei.
Aber dann stand er auf.
Sein breitkörniger Rahmen warf einen Schatten über mich. Er ging langsam um den Schreibtisch herum, seine Bewegungen geschmeidig, ungehetzt und völlig dominant—wie ein erfahrener Jäger, der seine Beute erfolgreich in die Enge getrieben hatte. Er blieb direkt neben meinem Stuhl stehen, ragte über mir auf, während sein reicher, berauschender dunkler Duft meine Nase erfüllte und mein Gehirn vernebelte.
Ich sah auf, völlig erstarrt, während gebietender Schrecken aus seiner Haltung strahlte.
Er ließ mein Gesicht los, woraufhin die Haut dort prickelte, wo seine Finger gerade gewesen waren, und ging mit einem dunklen, spöttischen Grinsen aus den Doppeltüren.
Als die schwere Tür laut hinter ihm ins Schloss fiel, kroch mir ein Schauer direkt die Wirbelsäule hinunter. Ich saß alleine in dem massiven Raum, meine Brust hob und senkte sich heftig, während ich meine brennende Wange hielt. Ich hatte ein übelkeitserregendes, flaues Gefühl, dass die Annahme dieses Jobs offiziell der größte Fehler meines Lebens war.
Aureas SichtPlötzlich drückte sich ein sanftes Gewicht gegen meines.Zwei schlanke Arme schlangen sich um meine Taille und brachten mich aus dem Gleichgewicht. Ich stieß ein überraschtes Keuchen aus; meine Absätze schrammten über den polierten Boden, als mich die Person mit solcher Kraft umarmte, dass mir beinahe die Luft in den Lungen wegblieb.„Oh mein Gott! Ich kann es nicht glauben! Ich kann es wirklich nicht glauben!“, quietste eine vertraute, hohe Stimme direkt in mein Ohr.Die Person löste sich schließlich von meinem Körper und erlaubte mir, einen Atemzug zu nehmen. Ich blinzelte, und mein Kiefer klappte vor absoluter Überraschung herunter, als ich das Mädchen ansah, das vor mir stand.„Nina?!“, hauchte ich, meine Stimme kaum mehr als ein Flüstern gegen das Summen der Menge.Da stand sie, gekleidet in einem wunderschönen, schimmernden smaragdgrünen Cocktailkleid, das sie ganz anders aussehen ließ als das Mädchen, das ich aus Paris gekannt hatte. Ihr lockiges Haar war elegant h
Aureas SichtDie Karte glitt aus meinen Fingern und flatterte nutzlos auf den Boden. Ich trat einen Schritt zurück, meine Augen weit vor Entsetzen, als ich den lila Bären ansah.Sie waren in meinem Zimmer gewesen. Schon wieder. Die Erkenntnis, dass ich niemals wirklich sicher war, ließ mir einen kalten Schweißausbruch über die Wirbelsäule laufen.„Raus hier“, flüsterte ich, meine Stimme brach in dem stillen Raum. „Geht weg von mir.“Angetrieben von einer plötzlichen Welle manischer Energie stürzte ich nach vorne und packte das riesige Kuscheltier am plüschigen Arm. Es war unglaublich schwer, aber das war mir egal. Ich zog es über den Boden, mein Herz hämmerte gegen meine Rippen, und riss die Türen zu meinem begehbaren Kleiderschrank auf. Ich drängte mich an den Reihen von Designer-Kleidung vorbei und schob den lila Bären in die hinterste Ecke des Raumes, wo ich ihn hinter einem Stapel leerer Kofferboxen vergrub, damit ich sein Gesicht nicht mehr ansehen musste.Ich schlug die Schrankt
Aureas SichtMeine Finger schwebten über dem leuchtenden Bildschirm, während die Textnachricht Löcher in meine Sehschärfe brannte. Und mit einem scharfen, entschlossenen Druck meines Daumens tippte ich auf den Bildschirm, blockierte die Nummer und drückte auf Löschen. Der Verlauf verschwand von meinem Bildschirm im Nichts.Ich stieß einen langen, rauen Seufzer der Erleichterung aus; meine Schultern sackten nach unten, als ich das Telefon mit dem Display nach unten auf das Bett warf. „Nein“, flüsterte ich in den leeren, stillen Raum, meine Stimme zitternd, aber fest. „Ich werde nicht zulassen, dass sie mir das antun. Ich werde den Typen heiraten, von dem meine Eltern sprechen. Wer auch immer er ist, er muss besser sein als das hier. Ich werde ihn heiraten, ich werde zulassen, dass er mich beschützt, und ich werde diesen beängstigenden, monströsen Menschen ein für alle Mal entkommen.“Der Entschluss fühlte sich wie eine Rettungsleine an – eine verzweifelte Hoffnung, an die ich mich klam
Aureas Sicht„Geh nicht! Bitte, verlass mich nicht!“Ich schnappte nach Luft und meine Augen flogen auf, als ein verzweifelter Schrei die Stille des Zimmers zerriss. Mein Herz hämmerte wie ein gefangener Vogel gegen meine Rippen. Kalter Schweiß feuchtete meinen Haaransatz an. Für eine schreckliche Sekunde brannte sich das Bild meiner Pflege Mutter hinter meinen Augen ein – wie sie mir den Rücken kehrte und in einem wirbelnden, grauen Nebel verschwand.Ich blinzelte rasch und schüttelte den Kopf, als der Traum langsam zurückwich und mein Schlafzimmer zum Vorschein kam. Die vertrauten lilafarbenen Vorhänge waren zugezogen und ließen nur das sanfte, warme Leuchten des späten Nachmittags herein.„Oh, Liebling, atme. Es ist alles gut. Du bist sicher“, eilte eine sanfte, zitternde Stimme herbei, um mich zu trösten.Ich riss den Kopf zur Seite. Auf der Kante meiner Matratze saß meine Mutter; ihr Gesicht war blass und von überwältigender Sorge erfüllt. Neben ihr standen zwei Dienstmädchen, di
Aureas Sicht„Geh schlafen, June“, sagte Vincenzo leise, seine Stimme völlig ruhig, als hätte er nicht gerade komplett meinen Verstand erschüttert.Ohne ein weiteres Wort standen beide Brüder vom Bett auf und gingen aus meinem Schlafzimmer. Sie bewegten sich beiläufig und mühelos, als würde ihnen das gesamte Anwesen gehören und als hätten sie jedes Recht, durch die Korridore zu wandeln.Ich lag erstarrt in der Dunkelheit da, meine Brust hob und senkte sich schwer, während ich die geschlossene Tür anstarrte. Ich konnte für den Rest der Nacht kein einziges Auge zutun. Jedes kleine Geräusch riss mich hochschreckend aus dem Schlaf und zwang mich, mich aufzusetzen und die Dunkelheit zu mustern, um zu sehen, ob die Brüder zurückgekehrt waren.Als der Morgen endlich anbrach, hatte der schwere Regen aufgehört und einen matten, grauen Nebel hinterlassen, der die Skyline wie eine Decke einhüllte. Erschöpft schleppte ich mich aus dem Bett und ging ins Badezimmer.Als ich vor den großen Marmor-Wa
AureaMein Atem stockte. Die Härchen auf meinem Nacken stellten sich auf.Noch bevor sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnen konnten, sank die Matratze auf beiden Seiten neben mir tief ein.Innerhalb von Sekunden war mein Bett von den dunklen, hünenhaften Silhouetten von Vincenzo und Valerius überlagert. Mit einer furchterregenden Eleganz stiegen sie zu mir herauf und begruben mich unter ihrem schieren Gewicht.Valerius lag zu meiner Rechten, Vincenzo nahm die linke Seite ein. Gleichzeitig beugten sie sich hinab und vergruben ihre Gesichter tief in meiner empfindlichen Halsbeuge. Ihr heißer, schwerer Atem traf meine kühle Haut und schickte mir eine spürbare Gänsehaut über den Rücken. Der Duft von teurem Parfum und Regen umhüllte all meine Sinne.„Erschreck uns nie wieder so, kleiner Vogel“, flüsterte Valerius voller Besessenheit an meiner Haut. Seine tiefe Stimme vibrierte direkt an meinem Schlüsselbein, während seine Zähne sanft über meine Kieferlinie striffen.„Wenn dir irgendet







