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Kapitel 3. Zorn und Rache

Auteur: Kester
last update Date de publication: 2026-07-07 11:16:38

Als Lucy diese Frage hörte, hatte sie das Gefühl, ihr Herz bliebe für einen Augenblick stehen. Der scharfe Blick des alten Mannes vor ihr ließ ihren ganzen Körper erstarren. Sie wusste, dass er kein gewöhnlicher Mensch war. Er war Robert Shane – Vicktors Schwiegervater und Eigentümer der Shane Group –, der sie nun voller Misstrauen musterte.

„I-ich … ich weiß es nicht, Sir“, flüsterte sie nervös mit zitternder Stimme.

Robert stieß einen rauen Seufzer aus und drehte sich um.

„Vicktor! Du machst mich wirklich wütend!“, rief er, während er sein Handy aus der Tasche zog. Mit zitternden Fingern wählte er die Nummer seines Schwiegersohns.

In diesem Moment verlor Lucy beinahe den Verstand. Panik und Angst überwältigten sie. Langsam näherte sie sich ihm von hinten. Ohne einen weiteren Gedanken zu verschwenden, stieß sie Robert mit aller Kraft gegen die Schultern.

„Wumm!“

Der gebrechliche Körper des alten Mannes wurde gegen die Mauer am Beckenrand geschleudert. Roberts Kopf prallte heftig dagegen und hinterließ eine dunkelblau anlaufende Schürfwunde.

„Verdammt ... du ...!“, stöhnte Robert und versuchte, den Schmerz zu unterdrücken.

Lucy rang nach Luft. Die Angst schnürte ihr die Kehle zu.

„Es tut mir leid ... es tut mir leid, Sir ...“, murmelte sie panisch, während sie Roberts bereits geschwächten Körper hinter sich herzog. Mit einem verzweifelten Ruck stieß sie den alten Mann in den Pool.

Das Platschen des Wassers zerriss die Stille. Robert kämpfte verzweifelt, versuchte zu schwimmen, doch sein alter Körper versagte ihm die Kraft. Keuchend rang er nach Luft und versuchte, den Beckenrand zu erreichen, doch seine Kräfte schwanden.

„Mein Gott ...“

Lucy geriet immer mehr in Panik. Schließlich sprang sie ins Wasser. Mit ihrer letzten Kraft zog sie Robert wieder an Land. Der alte Mann lag regungslos auf dem Boden.

Mit zitternden Händen tastete Lucy nach seinem Puls.

Er war noch da – aber kaum noch spürbar.

Ohne zu zögern griff sie nach ihrem Handy und rief Vicktor an.

„Vick! Komm sofort nach Hause! Dein Schwiegervater ist hier!“, schrie sie mit gebrochener Stimme, den Tränen nahe.

Fünfzehn Minuten später erreichte Vicktor sein Haus, nachdem Lucy ihn telefonisch verständigt hatte. Sein Blick erstarrte augenblicklich, als er Robert regungslos am Beckenrand liegen sah. Seine Haut war kalkweiß, beinahe wie die eines Toten. Noch schockierender war jedoch der Anblick von Lucy, die völlig durchnässt neben ihm stand.

„Lucy! Was ist mit Dad passiert?!“, rief Vicktor panisch und eilte zu ihnen.

Lucy senkte den Blick. Ihr Gesicht zitterte. Einige Sekunden lang herrschte bedrückendes Schweigen, bevor sie mit leiser Stimme antwortete.

„Ich … ich weiß nicht, was genau passiert ist, Vick. Ich habe deinen Schwiegervater nur im Pool gesehen. Er hat um Hilfe gerufen, also habe ich ihn sofort herausgezogen.“

Verzweifelt fuhr sich Vicktor über das Gesicht.

„Ich muss sofort einen Arzt rufen!“

Seine Hand glitt bereits in die Tasche seines Sakkos, doch Lucy hielt ihn hastig zurück.

„Nein, Vick! Bitte … bring ihn sofort ins Krankenhaus. Das ist jetzt das Wichtigste.“

Ohne weiter nachzudenken nickte Vicktor. Hastig hob er Roberts Körper hoch.

„Lucy, hilf mir! Schnell!“

Gemeinsam schleppten sie Robert mühsam zum Auto. Vicktor atmete schwer, seine Augen waren voller Sorge. Als er gerade den Motor starten wollte, trat Lucy näher.

„Vick … ich möchte mitkommen“, sagte sie leise.

Doch Vicktor schüttelte entschieden den Kopf.

„Nein. Du bleibst hier. Ich habe Angst, dass Amora dich dort sieht und alles falsch versteht.“

Lucy umklammerte Vicktors Hand. Ihre Stimme bebte vor gespielter Angst.

„Ich habe Angst, Vick. Ich habe Angst, dass Amora mich beschuldigt. Ich schwöre bei Gott, ich wollte ihm nichts antun …“

Vicktor sah ihr tief in die Augen.

„Beruhige dich, Liebling. Ich glaube dir. Niemand wird dich verdächtigen.“

Lucy nickte, als wäre sie erleichtert.

Doch kaum war Vicktors Wagen außer Sichtweite, veränderte sich ihr Gesichtsausdruck langsam. Ein hinterlistiges Lächeln breitete sich auf ihren Lippen aus.

Ja.

Sie hatte Robert ganz bewusst beseitigt, damit niemand ihrer Liebe zu Vicktor jemals wieder im Weg stehen konnte.

Lucy stand hochmütig im Wohnzimmer und betrachtete ihr Spiegelbild in der großen Glasscheibe mit einem siegessicheren Lächeln. Tief in ihrem Herzen fühlte sie sich Amora überlegen. Damals, zu Schulzeiten, hatte Vicktor sie grausam zurückgewiesen – nur wegen seiner Liebe zu Amora, dem klugen, wohlhabenden Mädchen, das in den Augen aller vollkommen schien.

Doch nun hatte sich das Blatt gewendet.

Amora war dick geworden. Ihr von Fett bedeckter Körper wirkte einfach nur abstoßend.

„Amora … meine Rache ist noch lange nicht vorbei. Es warten noch viele wundervolle Überraschungen auf dich“, flüsterte Lucy mit einem zufriedenen Grinsen.

Doch ihr Lächeln verblasste langsam, als ihr plötzlich etwas einfiel.

Ihre Augen weiteten sich.

„Die Überwachungskameras!“, rief sie erschrocken und rannte panisch die Treppe hinauf. Keuchend hastete sie durch den langen Flur, bis sie einen Raum erreichte, der voller Monitore war.

Mit zitternden Händen tippte sie hastig auf der Tastatur und versuchte, die Aufnahmen zu öffnen.

„Ich muss sie löschen, bevor es zu spät ist“, murmelte sie.

Ja.

Lucy wollte die Videoaufnahmen der Überwachungskameras beseitigen, die den Bereich des Swimmingpools erfassten.

Doch plötzlich versteifte sich ihr Gesicht.

Das Aufbewahrungsfach, in dem sich die Speicherkarte eigentlich befinden sollte, war leer.

Der USB-Stick war verschwunden.

„Verdammt!“, schrie sie und schlug mit voller Wucht auf den Tisch.

„Wer hat ihn vor mir an sich genommen?“

Ihr Atem wurde immer schwerer, während ihr Blick hektisch durch den Raum wanderte, als suche sie nach einer Antwort.

Jemand war heimlich in das Haus eingedrungen.

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