LOGINDas rotblutrote Kleid liegt auf dem Bett ausgebreitet wie eine Kriegserklärung.
Es gibt keine Wahl bei dem Stoff, den Luka mit der Präzision eines Chirurgen, der seine Instrumente vorbereitet, dort ablegt. Feiner Krepp, ein Ausschnitt, der das Atmen zum Spektakel macht, der Rücken bis zum Ansatz der Wirbelsäule offen. Es ist unmöglich, einen BH unter diesem Schnitt zu tragen. Es ist unmöglich, irgendetwas zu verstecken.
— Zieh es an — sagt er, ohne mich anzusehen, während er die Manschetten seines grauen Hemdes richtet, als bereite er sich auf ein Geschäftsmeeting vor.
— Nein.
Luka hält inne. Seine heterochromen Augen – eisblau und warmbraun – treffen mich im Spiegel. Keine Wut liegt darin. Nur Berechnung.
— Maeve — seine Stimme ist klinisch, fast gelangweilt — du kannst das Kleid anziehen und mit uns zu Abend essen wie eine erwachsene Frau. Oder du bleibst hier nackt, während wir ohne dich essen und danach hungrig auf andere Dinge zurückkommen.
Zion kommt aus dem Badezimmer, das Haar noch feucht, Wassertropfen rinnen über seinen gebräunten Hals. Seine schwarzen Augen gleiten über meinen Körper, der noch immer nur vom Seidenmorgenmantel bedeckt ist, in einer langsamen, besitzergreifenden Musterung.
— Das Restaurant ist öffentlich, Prinzessin — sagt er und lächelt nur mit einem Mundwinkel. — Viele Leute. Viele Zeugen. Du wirst die… Freiheit genießen.
Sein Lächeln sagt genau das, was die Worte nicht aussprechen: Öffentlich bedeutet, du kannst um Hilfe bitten. Und öffentlich bedeutet auch, dass ich dich vor allen daran erinnern werde, wem du gehörst.
Elias muss nichts sagen. Er sitzt in dem Ledersessel, ganz in Schwarz, Ellbogen auf den Knien, und beobachtet mich mit jener steinernen Geduld, die mich mehr destabilisiert als jede Drohung. Er braucht nicht zu drohen. Er ist die Drohung.
Ich greife nach dem Kleid.
Der Spiegel zeigt mir eine Frau, die ich wiedererkenne und gleichzeitig hasse. Das Rot kontrastiert mit meiner Haut wie frisches Blut. Der Stoff schmiegt sich an meinen Körper, als wäre er direkt auf mich genäht worden, und enthüllt jede Kurve, die fünf Jahre Flucht zu verbergen versucht hatten. Die schwarzen Spitzenhandschuhe, die bis zu den Ellbogen reichen – natürlich hat Luka an alles gedacht – bedecken die Male an meinen Handgelenken.
Zion tritt hinter mich vor den Spiegel, seine Finger gleiten durch mein Haar mit einer Intimität, die mein Körper erkennt, bevor mein Verstand protestieren kann.
— Perfekt — murmelt er.
— Halt die Klappe.
Er lacht, das Geräusch vibriert an meinem Nacken wie ein dunkles Versprechen.
Das Hauptrestaurant des Noel Imperial ist so gestaltet, dass gefährliche Menschen sich zivilisiert fühlen. Kristalldecke, durch die die Sterne hereinleuchten. Tische mit weißen Blumen und hohen Kerzen. Kellner wie Geister, die lautlos erscheinen und verschwinden. Die Art von Ort, an dem niemand die Stimme erhebt, weil Geld und Blut bereits für alle gesprochen haben.
Sie führen mich zu einem zentralen Tisch. Zentral, natürlich. Von allen Seiten einsehbar. Jede meiner Bewegungen kann von der Hälfte des Saals registriert werden.
Zion zieht meinen Stuhl zurück. Luka setzt sich zu meiner Rechten, so nah, dass ich seine Wärme durch den dünnen Stoff spüre. Elias sitzt mir gegenüber, mit dem Rücken zur Wand – der Einzige mit vollem Überblick über das Territorium, der Einzige, der die Gefahr kommen sieht, bevor ich es tue.
— Du wirst essen — sagt Luka nah an meinem Ohr, leise genug, dass nur ich es höre — und du wirst lächeln. Und wenn jemand kommt, um mit uns zu sprechen, wirst du genau die sein, die sie sehen müssen.
— Und wer müssen sie sehen?
Seine Augen mustern mich einen langen Moment.
— Unsere Frau.
Die erste halbe Stunde ist beinahe erträglich. Der Wein ist ausgezeichnet. Das Essen kommt in kunstvollen Tellern, die ich mechanisch esse, weil Luka jede Gabel wie Vitalwerte überwacht. Zion unterhält sich mit dem Nebentisch – ein Unternehmer und seine Frau, die über alles lacht, was er sagt, mit dem Lachen einer Frau, die den falschen Mann liebt.
Dann legt sich Zions Hand unter dem Tischtuch auf mein Knie.
Sie tut nichts. Sie ruht nur dort, heiß und schwer, während er die Unterhaltung fortsetzt, als existiere ich nicht. Doch der Druck nimmt langsam zu, Millimeter für Millimeter, gleitet die Innenseite meines Oberschenkels hinauf.
Ich presse die Beine zusammen. Er hört nicht auf.
— Zion — flüstere ich.
— Hm? — antwortet er dem Unternehmer etwas über Häfen in Montenegro, lächelnd, während seine Finger die Grenze dessen erreichen, was das Kleid erlaubt, und dort verharren. Stetiger Druck. Unmöglich zu ignorieren.
Ich greife nach dem Weinglas. Luka nimmt es mir mit chirurgischer Sanftheit aus der Hand.
— Langsam — murmelt er. — Ich will nicht, dass du benebelt bist. Ich will, dass du bei allem, was danach kommt, vollkommen bei Sinnen bist.
Elias spricht während des gesamten Essens kein einziges Wort. Er beobachtet mich nur über den Rand seines Whiskeyglases hinweg, und etwas an der Qualität dieses Schweigens ist intimer und bedrohlicher als jedes Wort.
Zurück in der Suite verändert sich die Atmosphäre schlagartig. Luka schließt die Tür und lehnt sich dagegen. Zion geht zur Bar und schenkt Whiskey ein, ohne mir etwas anzubieten. Elias bleibt in der Mitte des Zimmers stehen, als wäre der Raum eine Verlängerung seines Körpers.
Ich stelle mich ans Fenster. Das Meer draußen ist absolute Schwärze, ohne sichtbaren Horizont. In mir bleiben die dunkelsten Geheimnisse hinter sieben Schlössern – die Angst, die mein Vater mir einflößt, der wahre Grund für meine Fluchten, das Ausmaß meiner Zerstörung. Sie wissen nichts davon. Und ich habe vor, dass es so bleibt.
— Denkst du ans Fliehen? — fragt Zion, ohne sich von der Bar abzuwenden.
— Immer.
Elias durchquert den Raum langsam. Er bleibt hinter mir stehen. Er berührt mich nicht, doch ich spüre die Wärme seines Körpers wie eine massive Wand.
— Sechs Tage — sagt er, die Stimme tief und direkt. — Und du bist noch keine Stunde stillgeblieben.
— Vielleicht bin ich einfach nicht die Art Frau, die still bleibt.
— Vielleicht — stimmt er zu. — Oder vielleicht benutzt du den Lärm, um nicht hören zu müssen, was in dir ist.
Stunden später, als ich dachte, sie würden mich schlafen lassen, erfuhr ich, dass es in ihrer Welt keine leeren Drohungen gibt.
Ich erwachte durch das Fehlen von Wärme. Zions Arm lag nicht mehr schwer auf meiner Taille. Bevor ich mich aufrichten konnte, packten große Hände meine Handgelenke.
— Schhh. Nicht wehren — erklang Elias’ Stimme in der Dunkelheit.
Elaras Körper ist noch warm an meinem, als die Sonne richtig aufzugehen beginnt.Ich habe nicht richtig geschlafen. Ich habe den größten Teil der Nacht wach verbracht, ihren Atem gehört, jede kleine Bewegung gespürt, als könnte jeden Moment jemand an die Tür klopfen und versuchen, sie wegzunehmen. Meine Hand liegt noch immer flach auf ihrem Bauch, die Finger leicht gekrümmt, besitzergreifend selbst in der Erschöpfung.Sie wacht langsam auf. Zuerst ein Seufzer. Dann spannt sich ihr Körper für eine Sekunde, wie immer, bevor sie sich daran erinnert, wo sie ist. Als sich ihre grünen Augen öffnen und mich finden, ist da etwas anderes. Es ist nicht nur das übrig gebliebene Verlangen der Nacht. Es ist Gewicht.— Du warst schon wieder wach — murmelt sie.— War ich.— Wegen ihnen.— Wegen dir.Elara wendet für einen Moment den Blick ab. Ich fasse ihr Kinn und zwinge sie, mich wieder anzusehen.— Sag, was du denkst.Sie zögert. Ihre Kehle bewegt sich, als sie schluckt.— Gestern, als ich mit Ma
Das Frühstück endet in schwerem Schweigen.Maeve räumt die Tassen mit viel zu ruhigen Bewegungen ab. Luka bleibt sitzen, die Arme verschränkt, und beobachtet jedes Mal, wenn meine Hand sich in Richtung Elara bewegt. Ich tue nichts, um es zu verbergen. Ich halte meine Finger unter dem Tisch auf ihrem Oberschenkel, mein Daumen malt langsame Kreise auf den Stoff ihrer Jogginghose. Sie weicht nicht zurück. Sie beißt sich nur ein wenig fester auf die Kiefer.Als wir schließlich aufstehen, spricht Maeve, ohne mich direkt anzusehen:— Ihr beiden bleibt heute im Wohnzimmer. Nicht verschwinden im Schlafzimmer. Nicht einschließen. Ich will euch in Sichtweite haben.Ich bin kurz davor, etwas Scharfes zu erwidern, aber ich halte mich zurück. Ich nicke nur einmal, starr.Ich führe Elara zum großen Sofa im Wohnzimmer. Ich setze mich zuerst und ziehe sie dicht an meine Seite. Mein Arm legt sich hinter ihren Rücken, meine Hand endet auf ihrer gegenüberliegenden Schulter und hält sie fest an mich gedr
Ich wache auf, bevor die Sonne vollständig die Vorhänge durchdringt.Das Licht ist noch schwach, gräulich, von der Sorte, die nicht wärmt. Elara liegt auf der Seite, mir zugewandt, ihr Gesicht im tiefen Schlaf entspannt. Eine meiner Hände liegt flach auf ihrer Taille, die Finger leicht in das weiche Fleisch gegraben. Die andere habe ich unter das Kopfkissen geschoben, zu nah an der Stelle, wo ich normalerweise die Waffe verstecke, wenn die Nervosität zu stark wird. Das Laken liegt tief auf ihrer Hüfte. Ich kann die Spuren sehen, die ich an ihrem Hals, ihrer Schulter, der Rundung ihrer Brust hinterlassen habe. Gestern bin ich wieder in ihr gekommen. Der Geruch von Sex und Besitz klebt noch immer an der Haut von uns beiden.Ich würde gerne die Welt da draußen aussperren und nur das hier haben.Aber die Welt ist im Gästezimmer.Ich höre Bewegung im Erdgeschoss. Leichte, vorsichtige Schritte. Das Geräusch einer Tasse, die auf die Steinplatte gestellt wird. Das leise Zischen der Kaffeemasc
Das Gespräch endet, aber sein Gewicht bleibt.Maeve steht zuerst auf. Die Bewegung ist langsam, kontrolliert, als würde sie etwas festhalten, das zu explodieren droht. Luka folgt ihr mit den Blicken, bevor auch er sich erhebt. Ich bleibe sitzen, Elaras Hand noch immer in meiner. Ich lasse nicht los. Nicht jetzt. Vielleicht nie.— Ich möchte ein Glas Wasser — sagt Maeve, ihre Stimme leiser. — Und ich möchte, dass sie mit mir in die Küche kommt.Ich öffne den Mund, um abzulehnen, aber Elara drückt meine Finger, bevor ich sprechen kann.— Ich gehe — sagt sie und überrascht uns alle drei. Ihre Stimme ist heiser, aber fest. — Nur… eine Minute.Ich drehe mein Gesicht zu ihr. Der Blick, den wir tauschen, ist aufgeladen. Es gefällt mir nicht. Jede Faser meines Körpers schreit dagegen, sie mit meiner Mutter aus meinem Sichtfeld verschwinden zu lassen. Aber da ist etwas in der Art, wie Elara mich ansieht – eine stille Entscheidung –, das mich dazu bringt, ihre Hand langsam loszulassen.— Fünf M
Ich führe sie ins Wohnzimmer, ohne Elaras Hand auch nur eine Sekunde loszulassen.Meine Finger sind fest um ihre geschlungen, fast schmerzhaft fest. Ich spüre das feine Zittern, das durch ihren Arm läuft, aber sie versucht nicht, sich zu entfernen. Als wir zum großen Sofa kommen, ziehe ich sie dicht an mich heran. Mein Oberschenkel drückt gegen ihren. Mein Arm legt sich klar, besitzergreifend, fast herausfordernd um ihren Rücken. Ihr Körper ist steif, aber sie lässt sich ziehen.Maeve und Luka setzen sich auf das Sofa gegenüber. Der Raum zwischen den beiden Sofas wirkt wie eine Grenze. Die Luft ist zu schwer für die Größe des Raumes.Niemand spricht für eine lange Zeit.Ich spüre Maeves Blick auf mir brennen und dann zu Elara gleiten. Sie beobachtet die Spuren an ihrem Hals, die Art, wie unsere Finger ineinander verschlungen sind, die erzwungene Nähe unserer Körper. Luka schweigt, die Ellbogen auf den Knien, der ernste, berechnende Blick, den ich seit meiner Kindheit kenne.Maeve bric
Die Uhr zeigt 19:47.Ich stehe im Wohnzimmer, nahe dem Fenster, das auf die Einfahrt der Villa blickt. Elara sitzt auf dem Sofa hinter mir, ihre Hände sind auf ihrem Schoß ineinandergepresst. Das schwarze Kleid, das ich für sie ausgewählt habe, schmiegt sich diskret an ihren Körper, aber die Spuren an ihrem Hals sind noch über dem Kragen sichtbar. Ich habe sie nicht gebeten, sie zu verstecken. Ich will nicht, dass sie sie versteckt.Die Stille zwischen uns ist dicht.Ich spüre ihre Gegenwart wie eine zweite Haut. Jeden Atemzug. Jede kleine Bewegung. Seit heute Morgen, als ich sie langsam im Bett nahm und sie dann mit meinen eigenen Händen wusch, hat sich etwas in der Luft verändert. Es ist nicht leichter geworden. Es ist schwerer geworden. Realer.— Du bist nervös, sagt sie leise, ihre Stimme heiser.— Ich bin bereit, korrigiere ich.— Das ist dasselbe.Ich drehe mich um und sehe sie an. Elara hebt ihr Gesicht. Ihre grünen Augen sind ruhiger, als ich sie je gesehen habe, aber sie trage
Die Sonne der Karibik brennt heiß auf mein Gesicht, während wir über das Hauptdeck gehen. Der schwarze Seidenmorgenmantel, den Zion mir gegeben hat, verbirgt kaum, was in den letzten Stunden passiert ist. Meine Handgelenke sind noch immer gezeichnet, rot unter den weiten Ärmeln. Jeder Schritt erinn
Zion fährt weiter mit der kalten Erdbeere über meine Brustwarze, kreist langsam, reizt. Elias hält zwei Finger gegen meinen triefenden Eingang gedrückt, öffnet mich, dringt aber nicht ein, spürt nur, wie nass und verzweifelt ich bin.— Sag es — wiederholt Elias, die Stimme tief und unerbittlich. —
Die Zeit in dieser Suite verwandelt sich in etwas Zähflüssiges und Grausames.Minuten dehnen sich zu Stunden. Ich weiß nicht mehr, ob seit dem endgültigen Klicken der Tür dreißig Minuten oder drei Stunden vergangen sind. Die digitale Uhr auf dem Nachttisch zeigt 23:47, doch das schwarze Meer jensei
Ich ziehe mit aller Kraft an den schwarzen Seidenstricken und spüre, wie sie sich in meine Handgelenke beißen wie scharfe Zähne. Mein Herz schlägt so heftig, dass es scheint, als wolle es aus meiner Brust springen. Ich bin nackt. Vollkommen entblößt. Umgeben von den drei Männern, die ich auf der ga







