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Kapitel 2

Author: Rotes Laub
Serena verbeugte sich nur vor Kane und reichte ihm dann das Schreiben. In ihrem Blick lag genau das richtige Maß an Schüchternheit.

„Alpha, das ist ein Dankschreiben, das ich für Sie verfasst habe.“

Kane nahm das Schreiben entgegen und lächelte noch breiter. „Du hast es selbst geschrieben?“

„Sie haben mir die Lorbeermedaille verliehen und mir außerdem vorübergehend die Rudelangelegenheiten anvertraut. Ich wollte meine Dankbarkeit einfach schriftlich festhalten.“

Serena ließ ihren Blick wie beiläufig über mich gleiten.

„Jetzt ist auch die Luna endlich bereit, sich an die vorgeschriebenen Abläufe zu halten. Ich bin sicher, dass wir künftig besser miteinander auskommen werden.“

Das schmeichelte Kane sichtlich.

Kane trat zu mir, entrollte das Pergament und las es Wort für Wort.

Das Schreiben war voller Lob für Kane. Serena dankte ihm für sein Vertrauen und dafür, dass sie der Luna dabei helfen durfte, sich mit den Regeln des Rudels vertraut zu machen.

Am Ende stand sogar ausdrücklich:

„In letzter Zeit ist die Luna endlich bereit, sich an die vorgeschriebenen Abläufe der Rudelverwaltung zu halten.“

„Möge die Mondgöttin sie anleiten, ihren Hochmut abzulegen. Möge die Mondgöttin sie anleiten, die Rudelgesetze zu befolgen.“

Kane rollte das Pergament zusammen und lachte leise.

„Sehr schön geschrieben. Du hast dir all die Jahre viel Mühe gegeben.“

Kane sah mich an. Sein Ton klang so selbstverständlich, als würde er mir eine ganz gewöhnliche Aufgabe geben.

„Evelyn, schreib du auch etwas.“

Ich hob den Blick. „Was soll ich schreiben?“

„Eine Bekanntmachung, in der du Serena lobst.“

Kane runzelte die Stirn. Offenbar verstand er nicht, warum ich überhaupt fragte.

„Sie hat so viele Rudelangelegenheiten für dich erledigt. Trotzdem sagen manche im Rudel, dass sie ihre Befugnisse überschreitet. Einige nennen sie sogar die eigentliche Luna. Als meine Luna solltest gerade du das persönlich klarstellen.“

Ich sah auf das Dankschreiben in Kanes Hand und dachte plötzlich sieben Jahre zurück.

Damals kam Serenas Bruder an der Grenze ums Leben, als er Kane rettete. Kane versprach, sich ein Leben lang um Serena zu kümmern.

Daraufhin holte Kane Serena an seine Seite.

Von da an bestimmte Serena über alles, was eigentlich in meinen Zuständigkeitsbereich fiel.

Und ich, die Luna, wurde ausgerechnet zur machtlosesten Person im Schwarzkiefer-Rudel.

Ich fragte Kane einmal, warum er Serena all das überließ, was mir zustand.

Kane antwortete nur: „Serena kennt sich mit den Rudelangelegenheiten besser aus als du.“

Jetzt verlangte Kane sogar, dass ich diesen Machtentzug eigenhändig in einer Bekanntmachung lobte.

Ich wandte den Blick ab und sagte leise: „Gut.“

Kane wirkte endlich zufrieden und küsste mich leicht auf die Wange.

„So gefällt mir meine brave Luna.“

Kane stand auf und sagte zu Serena: „Komm, ich bringe dich persönlich hinaus.“

Serena wehrte sofort ab. „Das ist nicht nötig, Alpha. Draußen sind Wachen –“

„Ich bringe dich doch nur zurück. Wozu so viele Worte?“ Kane hob bereits den Vorhang für sie an.

Als Serena an mir vorbeiging, blieb sie absichtlich einen Moment stehen.

Kanes Hand glitt an Serenas unteren Rücken, während er den herabhängenden Vorhang für sie beiseitehielt.

Serena nutzte die Gelegenheit, lehnte sich an ihn und lächelte zu ihm auf.

„Alpha, Sie sind so gut zu mir.“

Kane lächelte unbekümmert. „Ich habe geschworen, mich mein Leben lang um dich zu kümmern. Das ist doch nichts.“

Ihre Stimmen wurden immer leiser.

Früher wäre ich ihnen vermutlich hinterhergelaufen und hätte Kane gefragt, warum er mit Serena so vertraut umging.

Ein einziges „Das steht ihr zu“ von Kane hätte mich noch lange verletzt.

Doch jetzt war da nichts mehr.

Der Verlust meines Welpen raubte mir die letzte Kraft.

Kein Schmerz. Keine Wut.

Ich wollte nur noch in aller Stille gehen – in zwei Stunden.

Ich breitete ein leeres Pergament aus, biss mir in die Fingerspitze und schrieb die Bekanntmachung mit meinem Blut als Tinte.

Als ich fertig war, klebte bereits geronnenes Blut an meiner Fingerspitze.

Der Türvorhang hob sich erneut. Kane kam strahlend herein, völlig unberührt von dem eben Geschehenen.

„Fertig?“

Kane trat zu mir. In seiner Stimme lag ungewohnte Begeisterung. „Da ich heute Zeit habe, suche ich mit dir zusammen ein Festgewand aus.“

Mein Blick streifte das zusammengerollte Pergament. „Gut“, antwortete ich ruhig.

Kane lächelte zufrieden.

Kane nahm meine Hand und ging beschwingt mit mir zum Ankleidezimmer.

Plötzlich erstarrte die Hand, die meine fest umschloss.

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Higit pang Kabanata
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