Share

Luna – Countdown zum Abschied
Luna – Countdown zum Abschied
Author: Rotes Laub

Kapitel 1

Author: Rotes Laub
Als Kane das Zimmer betrat, wirkten seine Züge entspannt. Offensichtlich war er bester Laune.

„Warum nicht gleich so?“ Seine Stimme klang ungewöhnlich mild. „Solange du dich ruhig verhältst, soll es dir bei mir an nichts fehlen.“

„Hier ist die Zugangsgenehmigung zur Mondquelle.“

Kane legte die Genehmigung vor mir auf den Tisch. „Das Mondritual nächsten Monat darfst du wieder leiten.“

Ich senkte den Blick und griff nicht danach.

Kane hielt meine Reaktion offenbar nur für Trotz und erklärte geduldig:

„Dass der Zugang zur Mondquelle ausgesetzt wurde, habe ich genehmigt. Serena hat nur meine Anweisung ausgeführt. Du hast keinen Grund, deinen Ärger an ihr auszulassen.“

„Du bist einfach in den Ratssaal gestürmt, weil du Luna bist, und hast Serena gedrängt, das Genehmigungsverfahren zu überspringen. Natürlich musste ich dafür sorgen, dass du dir die Regeln merkst.“

Dabei strich Kane mir über den Kopf, wie man ein endlich gezähmtes Haustier beruhigt.

„Aber da du deinen Fehler jetzt eingesehen hast, ist die Sache erledigt.“

Ich wich nicht zurück und widersprach nicht.

Wenn Kane mir vor drei Tagen nur bis zum Ende zugehört hätte, hätte ich vielleicht um meines ungeborenen Welpen willen weiter alles ertragen.

Doch er tat es nicht.

Damals wogen all meine Tränen im Ratssaal weniger als Serenas sanfte Erklärung:

„Der Herzschlag des Welpen der Luna ist nur etwas instabil. Trotzdem verlangt sie, sämtliche Prüfschritte zu überspringen und sofort die Mondquelle zu betreten.“

„Das monatliche Nutzungskontingent der Mondquelle ist begrenzt. Als Beta kann ich die Regeln nicht brechen, nur weil sie die Luna ist.“

Ich stützte mich am Ratstisch ab. Die Krämpfe in meinem Unterleib wurden immer stärker, doch ich versuchte, die Diagnose des Arztes zu Ende zu erklären.

„Kane, der Arzt sagt, der Herzschlag des Welpen ist bereits –“

„Genug.“

Kane unterbrach mich mit gerunzelter Stirn.

„Musst du jedes Mal, wenn Serena deinen Antrag ablehnt, alles so dramatisieren?“

Serena senkte den Blick und sprach mit leiser, gekränkter Stimme.

„Alpha, ich will der Luna wirklich keine Schwierigkeiten machen. Wenn ich nur wegen ihres Status eine Ausnahme mache, werden die Rudelmitglieder glauben, dass Sie sie bevorzugen.“

Der letzte Rest von Kanes Geduld verschwand.

„Mach es so, wie Serena sagt.“

In den vergangenen sieben Jahren bekam ich immer dieselbe Antwort, wenn ich Serenas Entscheidungen infrage stellte.

Ich war die Luna und besaß doch keine einzige Befugnis, die mir als Luna zustand.

Mein Tagesablauf, meine Festgewänder, meine Wachen – sogar die Frage, ob ich die Mondquelle betreten durfte – alles musste von Serena genehmigt werden.

Lächelnd fand Serena jedes Mal einen neuen Fehler.

„Die Zeit für das Gebetsritual ist nicht eindeutig angegeben. Bitte reichen Sie den Antrag erneut ein, Luna.“

„Dieses Gewand ist für den heutigen Anlass ungeeignet. Bitte stellen Sie einen neuen Antrag, Luna.“

„Die Zahl der Wachen entspricht nicht dem aktuellen Plan. Bitte passen Sie den Antrag an und kommen Sie anschließend wieder.“

Jeden Antrag verzögerte Serena bis zum letzten Augenblick.

Dann sah sie lächelnd dabei zu, wie ich mich abhetzte und immer mehr in Bedrängnis geriet.

Sobald etwas schiefging, warf Kane mir vor, kein Zeitgefühl zu haben, und lobte im selben Atemzug Serena dafür, dass ihr nie Fehler unterliefen.

Diesmal war es genauso.

Der Arzt sagte mir, dass der Herzschlag meines ungeborenen Welpen rapide schwächer wurde. Um ihn zu retten, musste ich sofort in die Mondquelle.

Doch Serena schob mir den Antrag nur lächelnd zurück.

„Luna, Ihr Antrag entspricht nicht dem vorgeschriebenen Format. So kann ich ihn nicht unterschreiben.“

Ich änderte den Antrag immer wieder nach ihren Vorgaben, doch Serena lehnte ihn jedes Mal erneut ab.

Schließlich presste ich eine Hand auf meinen schmerzenden Unterleib und flehte Serena an, mich zuerst hineinzulassen. Die Formalitäten konnten wir später nachholen.

Doch Serena befahl den Wachen, das Tor zur Mondquelle zu schließen.

„Das geht leider nicht, Luna.“ Serena lächelte freundlich. „Die Mondquelle gehört dem gesamten Rudel. Ihre Nutzung muss streng nach den Vorschriften erfolgen. Als Beta trage ich Verantwortung für das ganze Rudel. Bitte haben Sie Verständnis.“

So verpasste ich den letzten möglichen Zeitpunkt.

Als Serena schließlich bereit war zu unterschreiben, lief mir bereits Blut zwischen den Beinen hinab.

Mein Welpe war nicht mehr da.

In jener Nacht brachte ich weder einen Schrei noch eine Träne hervor. Der Schmerz in meiner Brust fühlte sich an wie eine Klinge, die mich immer wieder aufschlitzte.

„Welches Gewand willst du beim Mondritual nächsten Monat tragen?“

Kanes Stimme riss mich in die Gegenwart zurück.

Ich sah sein begeistertes Gesicht und lachte innerlich bitter auf.

Kane wusste nicht, dass mich nichts davon noch hier halten konnte.

Noch drei Stunden, dann gehe ich.

„Egal. Irgendeins ist in Ordnung“, antwortete ich beiläufig.

Kane wirkte von meiner Antwort überrascht.

Kane musterte mich eine Weile und zog leicht die Brauen zusammen.

„Meine Luna schmollt also immer noch.“ Kane strich mir eine Haarsträhne hinters Ohr. „Ich komme mit und wir suchen zusammen etwas aus, ja?“

Ich wollte gerade ablehnen, als der Haushofmeister hastig das Zimmer betrat.

„Alpha, Luna – Beta Serena bittet um Einlass.“

Patuloy na basahin ang aklat na ito nang libre
I-scan ang code upang i-download ang App

Pinakabagong kabanata

  • Luna – Countdown zum Abschied   Kapitel 10

    Dieses Amt war mir von niemandem geschenkt worden.Jeder Einzelne im Tempel der Mondgöttin hatte mit seiner Stimme darüber entschieden.Ich führte nun ein neues Leben.Jeden Tag leitete ich Mondrituale, unterrichtete junge Priesterinnen und prüfte die Hilfsgesuche, die aus den verschiedenen Rudeln eintrafen.Wenn die Alphas der großen Rudel mir begegneten, mussten sie ihre Alpha-Aura dämpfen und sich vor mir verbeugen.In diesen drei Jahren hörte ich immer wieder Gerüchte über Kane.Offenbar ging es ihm nicht gut.Gerüchten zufolge verfiel er dem Alkohol und traf bei mehreren wichtigen Entscheidungen hintereinander Fehlentscheidungen.Nach außen befolgte der Ältestenrat des Schwarzkiefer-Rudels weiterhin Kanes Befehle. Insgeheim zweifelten die Ältesten jedoch längst daran, ob er noch geeignet war, das Rudel zu führen.Doch ich schenkte diesen Gerüchten keine weitere Beachtung – inzwischen hatte ich Wichtigeres zu tun.Erst am Tag vor der geplanten Neuwahl des Alpha im Schwarzkiefer-Rud

  • Luna – Countdown zum Abschied   Kapitel 9

    Kristalle, Juwelen und die Besitzurkunden von Kanes privaten Ländereien bedeckten die langen Stufen vor dem Tempel.Kane ließ sogar den Schlüssel zur privaten Schatzkammer des Alpha bringen und ausrichten, dass ich über alles im Schwarzkiefer-Rudel verfügen könne, wenn ich nur zurückkäme.Ich ließ alles unverändert zurückschicken.Nur die Besitzurkunde der Mondquelle behielt ich.Ich öffnete die Mondquelle für alle. Jede Wölfin, die ein ärztliches Notfallsiegel vorlegte, durfte die Mondquelle sofort und kostenlos nutzen.Die Seele meines Welpen, die einst vor dem Tor der Mondquelle abgewiesen worden war, wurde schließlich zum Schutz aller anderen Welpen.Nach der Rückgabe der Geschenke kam Kane persönlich.Die Wachen erzählten mir, dass Kane seit mehreren Tagen vor dem Tempel wartete – von der Abenddämmerung bis zum Monduntergang.„Möchten Sie ihn empfangen?“, fragte mich ein Tempeldiener.Ich blätterte eine Seite meines Gebetbuchs um.„Nein.“Wie viele Tage Kane schließlich noch ausha

  • Luna – Countdown zum Abschied   Kapitel 8

    Alle gaben ihre Waffen ab, dämpften ihre Alpha-Aura und betraten mit gesenktem Kopf ehrerbietig den Gerichtssaal des Tempels.Kane saß auf der Anklagebank. Seine Miene war so finster wie der Himmel vor einem Gewitter.Ich dagegen stand im Priesterinnengewand an der Seite der Hohepriesterin.Von Anfang bis Ende sah ich Kane kein einziges Mal an.Die Hohepriesterin hob den Mondstab. „Die Verhandlung ist eröffnet.“Ihr Blick glitt durch den Saal, ihre Stimme war kalt. „Evelyn erhebt offiziell Anklage gegen Beta Serena vom Schwarzkiefer-Rudel. Ihr wird vorgeworfen, ihre Befugnisse überschritten, die ehemalige Luna des Schwarzkiefer-Rudels vorsätzlich gedemütigt und dadurch den Tod ihres ungeborenen Welpen verursacht zu haben.“Die Wachen traten vor und legten sämtliche Beweise vor.Auch jener Antrag zur Nutzung der Mondquelle, der mit meinem Blut getränkt war, wurde allen Anwesenden vorgelegt.Ich sah auf das alte Dokument. In meiner Brust war nichts mehr von dem zerreißenden Schmerz, den

  • Luna – Countdown zum Abschied   Kapitel 7

    Die Hohepriesterin saß neben mir und reichte mir eine Schale mit Arznei.„Du bist noch sehr geschwächt. Erhol dich erst einmal. Alles andere hat Zeit.“Sie machte mir keinen Vorwurf daraus, dass ich vor sieben Jahren mein Priesterinnengewand abgelegt hatte. Sie fragte auch nicht, warum ich erst zurückkehrte, nachdem ich alles verloren hatte.Nachdem ich die Arznei ausgetrunken hatte, stellte sie mir nur eine Frage.„Evelyn, erinnerst du dich noch an den Eid der Priesterinnen?“Ich stockte einen Moment und senkte den Kopf. „Natürlich.“Der Eid war mir längst in Fleisch und Blut übergegangen. Ich konnte ihn unmöglich vergessen.Die Hohepriesterin nickte und ließ einen Tempeldiener eine Holzkiste bringen.Darin lag das Priesterinnengewand, das ich mit zurückgebracht hatte.Das Gewand war bereits gereinigt und schimmerte im Mondlicht.„Du hast es nicht weggeworfen“, sagte die Hohepriesterin. „Aber ob du es wieder tragen darfst, hängt davon ab, ob du noch würdig bist.“Die Rückkehr in mein

  • Luna – Countdown zum Abschied   Kapitel 6

    Kane schlief die ganze Nacht nicht.Er saß im Schlafzimmer und griff immer wieder nach dem verstummten Gefährtenlink.Keine Antwort.Kane konnte sich nur immer wieder einreden, dass Evelyn den Tempel der Mondgöttin lediglich nutzte, um ihn unter Druck zu setzen.Solange er nicht nachgab, musste sie früher oder später zurückkommen.Am nächsten Morgen ging Kane wie gewohnt zum Ratssaal.Doch kaum betrat er die Steinstufen, bemerkte er, dass etwas nicht stimmte.Vor der Anschlagtafel drängten sich zahlreiche Rudelmitglieder.Als sie Kane sahen, verstummte das Gemurmel schlagartig. In ihren Blicken lag nichts mehr von der gewohnten Ehrfurcht. Stattdessen wichen sie ihm unsicher aus.Mit gerunzelter Stirn trat Kane näher.An der Anschlagtafel hing die Belobigung, die Evelyn vor ihrer Abreise geschrieben hatte – auf seinen eigenen Wunsch.Die Schrift sah aus, als wäre sie mit Blut geschrieben. Jeder einzelne Buchstabe war dunkelrot.„Zu loben ist Beta Serena dafür, dass sie die vorgeschriebe

  • Luna – Countdown zum Abschied   Kapitel 5

    Kane kehrte erst tief in der Nacht zum Anwesen zurück.Bis dahin hatte er die ganze Zeit bei Serena verbracht.Serena hatte sich mit einem Silberdolch einen kleinen Schnitt am Finger zugezogen. Angeblich ließ sich die Blutung nicht stillen.Als Kane dort ankam, blutete die Wunde längst nicht mehr.Serena wirkte jedoch völlig verstört. Immer wieder hielt sie sich die Hand und fragte Kane mit geröteten Augen, ob eine Narbe zurückbleiben würde.Kane wurde ihre ständigen Fragen leid, beruhigte Serena aber trotzdem geduldig.Schließlich fing Serenas Bruder einst einen tödlichen Silberpfeil ab, der Kane gegolten hatte.Diese alte Dankesschuld konnte Kane nicht vergessen.Bei Evelyn ging Kane davon aus, dass sie sich längst beruhigt hatte.Dass sie gehen wollte, hatte sie seiner Meinung nach nur im Zorn dahingesagt.In den vergangenen sieben Jahren gab Evelyn nach jedem Streit am Ende doch wieder nach.Selbst mit geröteten Augen bereitete sie Kane noch heiße Suppe zu und ordnete die Unterlage

Higit pang Kabanata
Galugarin at basahin ang magagandang nobela
Libreng basahin ang magagandang nobela sa GoodNovel app. I-download ang mga librong gusto mo at basahin kahit saan at anumang oras.
Libreng basahin ang mga aklat sa app
I-scan ang code para mabasa sa App
DMCA.com Protection Status