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Lügen im Mondlicht

Lügen im Mondlicht

By:  DingCompleted
Language: Deutsch
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Ich war es, die Kane Blackwood das Herz gebrochen hatte. Er war der Alpha-Erbe, mein Freund seit Kindertagen. Und ich hatte ihn so brutal von mir gestoßen, dass er bis zur Nordfeste ging. Sieben Jahre blieb er dort. Nun war er zurück. Mit einer anderen Frau an seiner Seite. Ihre Paarungszeremonie wollten sie hier abhalten, in unserem Rudel. In derselben Woche eröffnete mir die Rudelhexe ihr Urteil: Noch drei Monate. Als meine Mutter mich nach draußen schob, damit ich ihn sehen konnte, verzogen sich Kanes Lippen zu jenem grausamen, höhnischen Lächeln, das ich nur zu gut kannte. Seine dunklen Augen glitten von Kopf bis Fuß über mich – über den Rollstuhl, meine dürren Arme, mein bleiches Gesicht. „Na so was“, sagte er mit tiefer, schneidender Stimme. „Sieben Jahre, und du siehst erbärmlich aus. Nicht einmal laufen kannst du noch?“ Ich zog den Ärmel hinunter und verbarg die Narben – jene silbrigen Linien, die Jahre gescheiterter Behandlungen hinterlassen hatten. Dann zwang ich meine Stimme zur Ruhe. „Ich bin gestürzt. Habe mir etwas gebrochen. Mehr nicht.“ Kane stieß ein kurzes, kaltes Lachen aus. „Natürlich. Wie auch immer, meine Paarungszeremonie steht kurz bevor. Du solltest Vivras Trauzeugin sein.“ Ich lächelte zurück. Im Lauf der Jahre war ich gut darin geworden, selbst durch den Schmerz hindurch zu lächeln. „Tut mir leid, aber ich gehe bald fort. Irgendwohin, weit weg.“ Dann tätschelte ich die Hand meiner Mutter. Sie sagte kein Wort. Sie umklammerte nur die Griffe meines Rollstuhls und schob mich zurück ins Haus. Ich sah nicht zurück.

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Chapter 1

Kapitel 1

Meine Mutter hatte mich gerade ins Bett gebracht, als Kanes Mutter auftauchte. Ich war nicht überrascht. Ilsa hatte schon immer ein perfektes Timing gehabt – oder ein katastrophales, je nachdem, wie man es sah.

Ilsa stand in meiner Tür, mit demselben Gesichtsausdruck wie vor sieben Jahren. Schuldgefühl und Dringlichkeit lagen darin, als wolle sie mich um etwas bitten, worum sie mich nicht bitten durfte – und es trotzdem tun würde, weil sie längst entschieden hatte, dass die Zukunft ihres Sohnes mehr wog als mein Leben.

„Selene“, sagte Ilsa und trat ein. Ihre Stimme war weich, fast sanft. So begann sie immer. „Ich brauche einen Gefallen. Einen sehr schwierigen Gefallen.“

Ich beobachtete, wie Ilsas Gesicht rot anlief. Immer wieder öffnete sie den Mund und schloss ihn wieder, wie ein Fisch, der nach Luft schnappte. Ich ließ sie nicht ausreden. Ich wusste längst, warum sie hier war.

Es war wie vor sieben Jahren.

Vor sieben Jahren, als ich die Diagnose bekommen hatte, war Ilsa in mein Krankenzimmer gestürmt, noch bevor die Tränen auf meinem Gesicht getrocknet waren. Ich hatte noch versucht zu begreifen, was Silbervergiftung überhaupt bedeutete – versucht zu verarbeiten, dass ich mit achtzehn im Sterben lag – als sie sich direkt vor mir auf den kalten Krankenhausboden kniete.

„Selene, bitte. Reiß Kane nicht mit hinunter. Der Alpha-König hat ihn gerade für einen dreijährigen Ausbildungsposten in der Nordfeste ausgewählt. Wenn er erfährt, dass du an Silbervergiftung leidest, geht er niemals.“

Ich erinnerte mich, wie Ilsas Stimme gebrochen war, wie ihre Augen vor Tränen glänzten. Sie hatte so aufrichtig gewirkt. So verzweifelt.

„Du und Kane, ihr seid zusammen aufgewachsen. Ihr wart all die Jahre zusammen. Ich bitte dich – trenn dich von ihm. Eines Tages wird er Alpha des Rudels, und du stirbst. Wie kannst du ihn da zurückhalten?“

Ich antwortete nicht. Ich konnte es nicht. Meine Kehle war wie zugeschnürt.

Ilsa nahm mein Schweigen als Erlaubnis, weiterzureden. „Ich habe schon alles durchdacht. Ich werde einen jungen Wolfskrieger finden – jemanden aus einem benachbarten Rudel, jemanden, den Kane nicht kennt. Du musst nur so tun, als würdest du ihn unter der alten Eiche küssen. Kane soll es sehen. Dann tust du so, als hättest du ihn betrogen. Als würdest du mit ihm Schluss machen.“

Ilsa sagte es, als sei es einfach. Als wäre es nicht schwerer, Kanes Herz zu brechen, als sich umzuziehen.

Und weil ich achtzehn war, voller Angst und überzeugt, ohnehin schon so gut wie tot zu sein, sagte ich ja.

Statt nach einem Heilmittel zu suchen, statt um mein Leben zu kämpfen, verbrachte ich meine ersten Wochen des Sterbens damit, den einzigen Menschen zu verraten, den ich je geliebt hatte – zumindest dem Anschein nach. Ich zwang Kane, mich zu hassen. Ich trieb ihn nach Norden.

Jetzt, sieben Jahre später, stand Ilsa wieder in meinem Schlafzimmer.

„Selene, gib mir nicht die Schuld. Ich habe keine andere Wahl“, sagte sie und rang die Hände. „Kanes neue Gefährtin, Vivra – sie ist die Tochter des Alpha-Königs. Wenn Kane Alpha wird, wird sie Luna. Die beiden passen in jeder Hinsicht perfekt zueinander. Ich bitte dich – lass sie einfach glücklich sein.“

Ilsa hielt inne, und ihre Stimme wurde leiser. „Du weißt, wie sehr Kane dich einst geliebt hat. Er trug dich im Herzen, seit ihr beide Kinder wart. Wenn er jemals die Wahrheit darüber erfährt, was damals geschehen ist ... Ich habe Angst. Ich habe solche Angst davor, was er tun könnte.“

„Bitte. Halt dich einfach eine Weile von ihm fern. Du stirbst sowieso. Du solltest ohnehin nicht ausgehen, oder?“

In dem Moment, als dieses Wort Ilsas Mund verließ – sterben – schlug meine Mutter die Schüssel, die sie in den Händen hielt, auf den Boden. Porzellan zersprang. Wasser spritzte über die Holzdielen.

Das Gesicht meiner Mutter war rot angelaufen. Ihr ganzer Körper zitterte vor Wut. Ich wusste, sie stand kurz davor zu explodieren, Dinge zu sagen, die sich nicht zurücknehmen ließen, Brücken niederzubrennen, die ich noch nicht niederbrennen wollte.

Ich griff nach dem Arm meiner Mutter und schüttelte ihn sanft. Eine kleine, kindliche Geste. Bitte, Mama. Noch nicht.

Meine Mutter sah auf mich herab, und ihre Wut zerfiel zu etwas Weicherem, Traurigerem. Sie biss sich auf die Lippe und trat zurück.

Ich wandte mich Ilsa zu. Meine Stimme klang ruhig – ruhiger, als ich mich fühlte.

„Luna, eines kann ich Ihnen versprechen. Ich werde Kane nicht erzählen, was vor sieben Jahren geschehen ist. Aber ich kann Ihnen nicht versprechen, ihn nicht zu sehen. Ich kann mich nicht von ihm fernhalten.“

Ilsas Gesicht verhärtete sich. Sie öffnete den Mund, um zu widersprechen, aber ich sprach weiter.

„Sie verstehen es nicht. Ich kämpfe seit sieben Jahren gegen diese Krankheit. Sieben Jahre voller Reinigungsrituale, schlafloser Nächte und Schmerzen, bei denen ich mir am liebsten die Haut vom Leib gerissen hätte. Das Einzige, was mich am Leben hielt, war der Gedanke, ihn wiederzusehen.“

Meine Stimme brach kurz. Ich fing mich wieder.

„Nein. Ich werde mich nicht in diesem Haus verstecken, bis ich sterbe. Ich werde ihn sehen. Bei jeder Gelegenheit, die sich bietet. Und wenn das Ihnen und Ihrer perfekten Vivra das Leben schwer macht, dann tut mir das leid. Aber nicht leid genug, um damit aufzuhören.“

Ilsa starrte mich an. Ihr Mund öffnete und schloss sich mehrmals. Dann nickte sie steif, drehte sich um und ging hinaus.

Meine Mutter sagte nichts. Sie setzte sich nur an den Rand meines Bettes und nahm meine Hand.

Ich lehnte meinen Kopf an ihre Schulter und schloss die Augen.

Die Wahrheit war, ich war Ilsa gegenüber nicht ganz ehrlich gewesen. Ja, ich wollte Kane sehen. Aber nicht, weil ich hoffte, ihn zurückzugewinnen. Ich wusste, dass das unmöglich war. Kane hatte jetzt eine neue Gefährtin. Ein Kind war unterwegs. Ein ganzes Leben, in dem ich keinen Platz mehr hatte.

Ich wollte ihm nur noch ein paarmal nahe sein, bevor ich starb. Das war alles.

War das wirklich zu viel verlangt?

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