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MAMI, WO IST PAPA?
MAMI, WO IST PAPA?
Author: Trizzy

Tanzen mit meiner Vergangenheit

Author: Trizzy
last update publish date: 2026-08-23 02:49:02

Kapitel 1

Matilda

Das schummrige Licht des Clubs lag auf meiner Haut, während sich ein sanftes, verführerisches Lächeln auf meine Lippen legte. Langsam ließ ich meinen Blick durch die Menge schweifen und musterte jedes Gesicht aufmerksam – sowohl die vertrauten als auch die neuen.

Meine Güte, wer hätte gedacht, dass ich mit meiner Stripshow Tausende von Menschen begeistern könnte? Und nun stand ich hier, umgeben von ihnen.

„Red Puppy!“ Alle schrien meinen Spitznamen, und mein Gesicht fühlte sich förmlich an, als würde es brennen.

Der Club vibrierte vor Lärm, der schwere Bass dröhnte in meiner Brust. Es überraschte mich nicht, dass hier jeder meinen Spitznamen kannte. Ich arbeitete schon so lange an diesem Ort, und ich war die Einzige, auf die Max, mein Boss, sich wirklich verlassen konnte.

Natürlich war ich sein bestes Mädchen. Der Star des Clubs.

Allerdings konnte ich mich genauso gut für immer an diesen Club ketten lassen. Ich meine, wer lässt freiwillig die eine Mitarbeiterin gehen, die ihm das Geld auf den Tisch bringt? Eben. Niemand. Und wenn ich ehrlich war, war ich selbst noch nicht bereit zu gehen. So viel Geld für gerade einmal eine Stunde Tanzen? Manchmal brachte es mich wirklich dazu, mich zu fragen, ob ich jemals den Mut aufbringen würde, einfach aufzuhören.

Heiße Blicke wanderten immer wieder über meine entblößte Haut und blieben an meinen Brüsten hängen, die von dem roten Netz-Crop-Top, das ich trug, kaum bedeckt wurden. Aber wen kümmerte das? Es gehörte zu dem Deal, den ich vor Jahren eingegangen war.

Mit einem leisen Seufzen legte ich meine Hand um die Stange und drückte meinen Körper dagegen, während laute Rufe der Überraschung und Begeisterung durch den Raum gingen.

Ja. Ich musste sie beeindrucken. Ich musste sie daran erinnern, was ich zu bieten hatte. Ich bewegte meinen Körper an der Stange entlang und spreizte die Beine, als plötzlich die Stimme eines Mannes die Musik übertönte.

„Sie ist die Beste! Ich hab's euch doch gesagt, ihr Tanz macht mich jedes Mal wahnsinnig!“

Mit unverhohlenem Ekel sah ich den fetten, glatzköpfigen Mann an. Er hatte seinen Schwanz in der Hand. Gott, wenn ich mich nicht irrte, war das Ding nicht einmal sieben Zentimeter lang, und trotzdem befriedigte er sich einfach hier vor allen.

Solche widerlichen Männer musste ich jeden Tag ertragen. Ich hasste es. Natürlich tat ich das. Aber von Hass konnte ich keine Rechnungen bezahlen, oder? Hass ernährte meinen Sohn nicht. Geld schon. Und solange dadurch Essen auf dem Teller meines Sohnes landete, konnte ich meinen Stolz herunterschlucken und jeden Tag so tanzen, als würde ich es aus Leidenschaft tun.

Nach stundenlangem Tanzen rutschte ich endlich von der Stange. Mein ganzer Körper zitterte, und jeder einzelne Muskel schmerzte, doch ich blieb aufrecht stehen.

Durch die flackernden Lichter und den Lärm hindurch bemerkte ich jemanden, der mich durch die Glasscheibe zwischen dem Hauptbereich des Clubs und dem VIP-Raum beobachtete. Seine blauen Augen glänzten, während sein Blick über meine Haut glitt, als würde ihm jeder Zentimeter meines Körpers gehören.

Er sah verdammt gut aus. Seine schmalen schwarzen Augenbrauen, sein markantes Kinn … Oh verdammt! Dieser Mann war ein Kunstwerk! Aus der Entfernung konnte ich seine vollkommene Erscheinung zwar nicht richtig erkennen, aber das, was ich sah, reichte schon aus.

Er trug einen makellos sitzenden schwarzen Armani-Anzug, und mein Herz schlug in einem Rhythmus, den ich selbst nicht verstand, obwohl ich sein Gesicht kaum erkennen konnte. Eines war sicher: Er hatte ein Piercing an der Lippe, das ihm die Ausstrahlung eines Mannes verlieh, der nicht darum bat, etwas zu bekommen. Er nahm es sich einfach.

Ich wandte den Blick sofort ab und unterdrückte das nervöse Gefühl, das sich in meiner Brust zusammenzog.

Ein falsches Lächeln breitete sich auf meinen Lippen aus, die von einem roten Schleier verdeckt waren. Ich war mir sicher, dass es niemand bemerken würde. Dann verließ ich die Bühne und ging direkt in meinen Umkleideraum.

Ich ging den Flur entlang, doch zu meiner Überraschung wartete mein Boss mitten im dunklen Gang auf mich. Die Hände hinter dem Rücken verschränkt, lief er unruhig hin und her.

„Was ist los, Max?“, fragte ich.

Er fuhr erschrocken herum. Seine grünen Augen leuchteten auf, als er mich sah, und er schaffte es, ein beruhigendes Lächeln aufzusetzen.

„Red Puppy“, sagte er leise.

Ich biss die Zähne zusammen und presste sie auf meine Unterlippe. „Matilda. Für dich bin ich Matilda. Es nervt mich, wenn du mich so nennst.“

„Oh, tut mir leid, Matilda“, lachte er und lehnte sich mit dem Rücken gegen die harte Wand.

„Was machst du hier? Solltest du nicht in meinem Umkleideraum sein und das Geld zählen? Es ist schon elf Uhr. Ich bin spät dran, mein Kin—“

Seine Stimme schnitt mir das Wort ab.

„Du hast ein Angebot bekommen. Einer der VIP-Gäste will eine private Show“, verkündete er ruhig, als wäre das nichts Besonderes.

Mein Herz begann zu rasen bei dem Gedanken, vor irgendeinem VIP-Gast zu tanzen.

„Was?! Du weißt, dass ich keine privaten Stripshows mache, Max!“, stieß ich beinahe schreiend hervor. Er zuckte zusammen.

„Ich habe ihm gesagt, dass Sarah das macht, aber er hat darauf bestanden. Er meinte, er wolle nur dich. Ich glaube nicht, dass ich ihn noch irgendwie umstimmen kann“, sagte Max mit tiefer, rauer Stimme.

„Dann find einen Weg, Max.“

Sarah war eine weitere Tänzerin in diesem Club. Sie übernahm die privaten Shows für die VIP-Gäste. Ich hingegen machte nur die normalen Auftritte, bei denen es keinen Körperkontakt gab – sie durften lediglich zuschauen. Natürlich hatte ich noch meine Würde.

„Ich lehne das Angebot ab. Es ist schon spät. Ich habe einen Sohn, Max. So spät nach Hause zu kommen, ist kein gutes Beispiel, das eine Mutter ihrem Kind geben sollte.“

Ich wollte gehen, doch seine nächsten Worte ließen mich wie angewurzelt stehen bleiben.

„Er hat mir fünfhunderttausend Dollar gegeben.“

Die Summe hallte in meinem Kopf wider. Mir klappte vor Unglauben der Mund auf.

Was zum Teufel?!

„Aber—“

„Kein Aber mehr, Red.“ Seine Stimme wurde lauter, und Frustration schwang darin mit. „Komm schon, Red. Wir brauchen das Geld beide.“

„Das ist eine Win-win-Situation!“

„Vierzig Prozent für dich“, fügte er hinzu.

„Fünfzig Prozent“, erwiderte ich.

„Abgemacht. Und sorg dafür, dass du einen guten Job machst.“ Er grinste.

Ich verdrehte die Augen und seufzte. „Wie auch immer. Na gut.“

Ich richtete den roten Schleier wieder ordentlich über meinem Gesicht und ging an ihm vorbei.

Oh ja, definitiv. Er war es. Der Mann, der mich eben noch angesehen hatte, als hätte er Angst, die Kontrolle über sich zu verlieren. Doch jetzt? Sein Blick klebte an seinem Handy.

Ich öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch seine heisere Stimme schnitt mir zuvor, vollkommen nüchtern und emotionslos.

„Habe ich nach einer Wache verlangt?“, fragte er mit gerunzelten Brauen. Ein Schauer lief mir über den Rücken. Seine Stimme war tief und eiskalt.

„Mach deine Arbeit. Ich habe keine Zeit mehr zu verschwenden“, knurrte er. Dabei fuhr seine Zunge über den goldenen Ring an seiner Lippe.

Diese Stimme kam mir bekannt vor. Als würde mir eine Melodie ins Ohr geflüstert. Aber ich schenkte dem Gedanken keine weitere Beachtung. Ich nickte knapp und trat auf die Stange zu.

Eine kurze Stille breitete sich zwischen uns aus, doch ich konnte seinen Blick spüren, der jeder meiner Bewegungen folgte.

Ich setzte all meine gewagten und beeindruckenden Moves ein – die, bei denen das Publikum sonst jedes Mal ausrastete. Doch hier tanzte ich für einen Fremden, der völlig unbeeindruckt wirkte.

„Hm, ist das alles, was du kannst?“, summte er leise.

„Matilda.“

Mein Name glitt über seine Lippen, und mein ganzer Körper erstarrte. Eine eiskalte Erkenntnis traf mich wie eine Ohrfeige. Ich stolperte rückwärts, die Augen vor purem Schock weit aufgerissen.

„Ist das alles, was du nach deinem plötzlichen Verschwinden noch draufhast, Matilda?“, sagte er.

Ich verengte die Augen und sah ihn an.

„Hä? Eine Stripperin?“ Er lachte leise.

Gott … Geld verändert das Aussehen eines Menschen tatsächlich.

Er war es.

Der Vater meines Sohnes.

Mein Exfreund.

Der Mann, den ich verlassen hatte, um mein eigenes Leben zu retten.

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