LOGINWas, wenn der Fremde, den du engagiert hast, um schwanger zu werden … die ganze Zeit dein Ehemann war? Sieh mich nicht so an. Ich weiß, wie sich das anhört. Glaub mir, ich habe es selbst erlebt. Ich betrat das Hotelzimmer mit einem Plan: eine Nacht, ein Fremder, ein Baby. Danach hätte ich endlich einen Ausweg aus meiner kalten, lieblosen Ehe mit Damien Blackwood. Einfach. Sauber. Nicht zurückzuverfolgen. Seine Augen glühten hinter der Maske wie flüssiges Gold. Seine Stimme ließ meine Knie weich werden. Er flüsterte: „Du hast keine Ahnung, wie lange ich auf diesen Moment gewartet habe“, und ich war so sehr in ihm verloren, dass ich mich nicht fragte, was er damit meinte. Ich verschwand vor Tagesanbruch. Ich hatte sein Gesicht nie gesehen. Ich dachte, ich hätte gewonnen. Dann begann Damien, meinen Bauch auf eine Weise anzulächeln, bei der sich mir die Haut zusammenzog. Jahre vergingen in einem wunderschönen Gefängnis. Und als mein Sohn schwer krank wurde, als ich einen DNA-Test machen ließ und mir das Blut in den Adern gefror, begriff ich endlich. Ich hatte in jener Nacht keinen Fremden engagiert. Ich hatte meinen Ehemann engagiert. Er hatte drei Millionen Dollar bezahlt, um der Mann hinter der Maske zu sein. Seit Jahren beobachtete er mich. Und jetzt stehe ich in seiner Tür, in den Händen den Beweis dafür, dass alles, was ich zu wissen glaubte, eine Lüge war. Er will, dass ich bleibe. Er behauptet, mich zu lieben. Aber das ist der Haken: Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn umbringen … oder küssen will. Man sagt, die Liebe sei ein Schlachtfeld. Dieses hier ist ein Tatort.
View More„Manche Masken verbergen mehr als nur Gesichter, Mrs. Blackwood.“
Die Frau von der Velvet Agency sagte es leise, beinahe freundlich. Vivienne umklammerte ihr Handy fester und starrte auf ihr eigenes Spiegelbild in den Aufzugtüren.
„Ich habe Ihre Gebühr bezahlt“, sagte sie. „Ich habe Ihre Unterlagen unterschrieben. Eine Belehrung brauche ich nicht.“
„Das ist keine Belehrung. Es ist eine freundliche Geste.“ Eine kurze Pause. Am anderen Ende raschelte Papier. „Unsere Kundinnen entwickeln häufig eine gewisse Bindung. Für Klient 47 hat sich außer Ihnen noch niemand interessiert. Nicht ein einziges Mal. In fünf Jahren.“
Viviennes Daumen erstarrte am Rand des Bildschirms.
„Dann hat er Glück“, sagte sie, und ihre Stimme klang nüchterner, als sie sich fühlte. „Ich suche keine Bindung. Ich will ein Baby.“
„Natürlich.“ Die Verbindung wurde unterbrochen.
Die Aufzugtüren glitten auseinander.
Vivienne trat auf den Flur des Hotels Aurelian hinaus, und der Teppich verschluckte das Geräusch ihrer Absätze. Goldene Lampen tauchten die Wände in warmes Licht. Überall roch es nach Lilien und Geld. Sie ging langsam, eine Hand flach auf ihren Bauch gepresst, als könnte sie damit ihre Nerven im Zaum halten.
Zimmer 47.
Drei Türen davor blieb sie stehen und erlaubte sich, einmal tief durchzuatmen.
Vor zwei Stunden hatte sie noch am langen Marmortisch im Anwesen der Blackwoods gesessen und ein Stück Lammfleisch zerschnitten, das sie nicht zu essen beabsichtigte. Ihr saß ihre Schwiegermutter gegenüber, den Rücken kerzengerade, die Perlenkette glänzend an ihrem Hals.
„Sechs Monate, Vivienne“, hatte Eleanor gesagt, ohne auch nur aufzusehen. „In sechs Monaten einen Erben der Familie Blackwood, oder wir finden jemanden, der uns einen schenken kann.“
„Damien und ich kümmern uns darum.“
„Damien hat dich seit acht Monaten nicht mehr angefasst.“ Eleanor tupfte sich mit einer Serviette die Lippen ab. „Beleidige nicht meine Intelligenz. Das Personal redet.“
Viviennes Messer war mitten in der Bewegung erstarrt. Am Kopfende des Tisches hob Damien sein Weinglas und schwieg. Seine goldenen Augen ruhten einen langen Moment auf ihr, unergründlich, ehe sein Blick wieder zu seinem Teller wanderte. Er verteidigte sie nicht. Das tat er nie.
In diesem Moment war sie aufgestanden, hatte wie eine Frau auf einer Gartenparty gelächelt und gesagt: „Entschuldigt mich. Ich habe Kopfschmerzen.“
Nun stand sie in einem Hotelflur, und aus den Kopfschmerzen war ein pochender Schmerz in ihrer Kehle geworden.
Sie blickte auf die Schlüsselkarte in ihrer Hand. Sie hatte das Zimmer bar bezahlt. Sie trug das schwarze Kleid, das mit dem offenen Rücken, das Damien noch nie auch nur eines Blickes gewürdigt hatte. Im Auto hatte sie ihren Ehering abgezogen und in ihre Tasche fallen lassen. Ihr Finger fühlte sich noch immer seltsam an, leicht und nackt, wie eine Zahnlücke.
Eine Nacht. Ein Fremder. Ein Baby.
Die Worte des Arztes kehrten zurück, kalt und unmissverständlich.
„Verminderte ovarielle Reserve, Mrs. Blackwood. Wenn Sie ein Kind möchten, würde ich Ihnen dringend davon abraten, länger als ein Jahr zu warten.“
Ein Jahr. Und Eleanor hatte ihr sechs Monate gegeben.
„Du schaffst das“, flüsterte sie. „Du hast schon Schlimmeres durchgestanden.“
Das hatte sie nicht. Nicht wirklich. Mit vierundzwanzig hatte sie einen Ehevertrag unterschrieben, für die Kameras gelächelt und es Liebe genannt, weil die Alternative darin bestanden hätte, sich einzugestehen, dass ihre Mutter sie verkauft hatte. Dreimal hatte sie Scheidungspapiere aufgesetzt und sie anschließend in einer Schublade unter ihren Winterschals versteckt, wie ein Kind, das Süßigkeiten vor seinen Eltern verbarg.
Heute Nacht würde sie sich nicht länger verstecken.
Sie ging die letzten Schritte und blieb vor der Tür stehen. Die Messingzahlen glänzten vor ihr. 47.
Sie hob die Hand. Sie zitterte. Sie beobachtete das Zittern und hasste sich dafür.
„Hör auf“, murmelte sie und presste ihre Handfläche gegen ihren Oberschenkel, bis das Zittern nachließ.
Eine Stimme erhob sich in ihrem Hinterkopf, leise und grausam.
Was, wenn er schon da ist? Was, wenn er auf dich gewartet hat?
„Natürlich ist er da“, sagte sie leise. „Ich habe ihn dafür bezahlt.“
Doch das war nicht, was die Stimme gemeint hatte, und das wusste sie.
Weiter hinten im Flur öffnete sich eine Tür. Ein Paar stolperte lachend hinaus, den Arm des Mannes um die Taille der Frau geschlungen. Sie warfen Vivienne einen kurzen Blick zu und sahen dann wieder weg, höflich und gleichgültig.
Normale Menschen in einer ganz normalen Nacht.
Ihre Brust zog sich zusammen. Für einen schwindelerregenden Augenblick sah sie sich selbst mit den Augen der beiden: eine Frau in Schwarz, allein, vor einer Tür stehend, als könnte diese jeden Moment zubeißen.
Geh nach Hause, sagte der vernünftige Teil von ihr. Geh nach Hause und setz dich wieder an einen dieser endlosen Esstische. Lass dich von Eleanor demütigen. Lass Damien durch dich hindurchsehen. Warte darauf, dass dich jemand rettet.
Niemand würde kommen. Das war noch nie der Fall gewesen.
Sie hielt die Schlüsselkarte an das Schloss.
Das Licht blinkte grün.
Das Klicken war so leise, dass es beinahe wie ein Geheimnis klang.
Vivienne drückte die Klinke hinunter, und die Tür schwang lautlos nach innen auf.
Dunkelheit.
Nicht die Art von Dunkelheit, in der einfach niemand war. Sondern eine, die Gewicht hatte, die zu atmen schien. Irgendwo weit im Inneren brannte eine einzelne Kerze und warf einen schmalen, orangefarbenen Lichtstreifen über den Boden. Die Vorhänge waren einen Spalt geöffnet, und durch die Lücke sickerte das Licht der Stadt in silbernen Linien herein.
Sie trat ein.
Die Tür schloss sich hinter ihr von selbst, langsam und schwer. Das Schloss rastete mit einem Geräusch ein, das wie ein Urteil klang.
„Hallo?“ Ihre Stimme klang dünner, als ihr lieb war. Sie räusperte sich. „Mir wurde gesagt, dass Sie mich erwarten würden.“
Keine Antwort.
Sie machte einen weiteren Schritt. Ihr Absatz klickte auf dem Marmor, und das Geräusch hallte zu ihr zurück. Die Luft war warm und trug unter dem Geruch des Kerzenrauchs noch etwas anderes in sich: Sandelholz und etwas Dunkleres, wie Regen auf Stein.
Ihr Magen krampfte sich zusammen. Sie kannte diesen Geruch.
Nein, sagte sie sich. Viele Männer benutzen Parfüm.
„Ich kann Sie nicht sehen“, sagte sie jetzt lauter. Sie ließ ihre Hand an der Wand entlanggleiten und suchte nach einem Lichtschalter. Ihre Handfläche fand nichts als glatten Putz. „Ich habe es nicht so mit Spielchen. Wenn das zum Service gehört, wäre es mir lieber, wenn Sie einfach …“
„Lassen Sie es.“
Die Stimme kam von der anderen Seite des Zimmers.
Tief. Rau an den Rändern. Sie glitt ihr wie eine Fingerspitze über die Wirbelsäule.
Vivienne erstarrte. Jeder Muskel ihres Körpers spannte sich an. Ihre Finger krümmten sich gegen die Wand.
„Lassen Sie das Licht aus“, sagte die Stimme erneut. „Ich möchte Sie so betrachten, wie ich es mir vorgestellt habe.“
Hitze stieg ihr in den Nacken, und mit ihr ein jäher Anflug von Angst. Sie war keine Frau, die errötete. Sie war keine Frau, die sich herumkommandieren ließ.
„Das ist eine merkwürdige Sache, die man zu einer Fremden sagt“, erwiderte sie und hob das Kinn.
Aus der Dunkelheit kam ein leises Geräusch. Beinahe ein Lachen.
„Ist das so?“
Ihr Herz hämmerte so heftig, dass sie es in ihren Ohren spürte. Sie zwang ihre Hand, sich von der Wand zu lösen, und zwang ihre Füße, sich vorwärtszubewegen. Ein Schritt, dann noch einer. Als sie an der Kerze vorbeiging, flackerte die Flamme. Ihr Schatten streckte sich lang über den Teppich.
„Wie soll ich Sie nennen?“, fragte sie.
„Wie Sie wollen.“
„Das ist keine Antwort.“
„Mehr bekommen Sie heute Nacht nicht.“
Die Worte klangen sanft, doch darunter lag Stahl. Sie schluckte.
„Dann lassen Sie mich Ihr Gesicht sehen.“
„Nein.“
„Ich bezahle dafür.“
„Sie bezahlen für das, was ich Ihnen gebe.“ Eine Pause. Als er wieder sprach, war seine Stimme tiefer geworden, beinahe zärtlich. „Vertrauen Sie mir, Vivienne. Sie werden nicht enttäuscht sein.“
Ihr Atem stockte.
Sie hatte der Agentur ihren Vornamen nie genannt.
Auf dem Formular stand nur Mrs. B. So auch beim Telefonat. Und bei der Bezahlung.
Die Kälte glitt scharf wie eine Klinge durch ihre Brust, doch ihr Körper rührte sich nicht. Sie stand einfach da, die Lippen leicht geöffnet, die Handflächen feucht, während sich der ganze Raum um sie herum zu neigen schien.
Keine Panik. Sie haben deine Akte. Sie kennen deinen Namen. Natürlich kennen sie deinen Namen.
Ihr Verstand lieferte ihr die Ausrede so schnell, dass sie sie beinahe glaubte.
Beinahe.
Am Fenster löste sich eine Gestalt aus der Dunkelheit.
Er war groß, mit breiten Schultern. Er bewegte sich langsam, mit einer Ruhe, die sie an Raubtiere denken ließ, die nicht rennen mussten, weil sie es noch nie nötig gehabt hatten. Das Kerzenlicht fing den Rand einer schwarzen Maske ein, glatt und glänzend, die sein Gesicht von der Stirn bis zu den Wangenknochen bedeckte.
Und hinter den Augenschlitzen leuchteten zwei Lichtpunkte.
Gold.
Nicht bernsteinfarben. Nicht braun. Gold, flüssig und brennend, genau der Farbton, den sie in der Akte der Agentur gelesen und für eine geschickte Marketingmasche gehalten hatte.
Ihre Knie wurden weich.
„Du“, hauchte sie und wusste selbst nicht, warum.
Er blieb eine Armlänge von ihr entfernt stehen. Nah genug, dass sie die Wärme spürte, die von ihm ausging. Nah genug, um zu sehen, wie sich sein Hals bewegte, als er schluckte.
„Ich“, sagte er leise.
Sein Blick wanderte langsam über ihren Körper, als würde er etwas lesen, das er längst auswendig gelernt hatte. Er blieb an ihrem nackten Ringfinger hängen. Verweilte dort. Etwas veränderte sich in der Linie seines Kiefers, ein Muskel spannte sich unter der Haut an.
„Du hast ihn abgenommen“, murmelte er.
„Was?“
„Den Ring.“ Seine Augen kehrten zu ihren zurück. „Du hast ihn abgenommen, bevor du hergekommen bist.“
„Woher willst du das wissen?“ Ihre Stimme brach. Sie hasste es. „Woher willst du wissen, was ich getragen habe, bevor ich durch diese Tür gegangen bin?“
Er antwortete nicht.
Stattdessen hob er eine behandschuhte Hand und strich ihr ganz behutsam eine lose Haarsträhne hinter das Ohr. Seine Fingerspitzen streiften ihre Haut, und sie erschauerte, unfähig, etwas dagegen zu tun.
Ihr Puls sprang unter seiner Berührung. Er spürte es. Sie sah ihm an, dass er es spürte.
„Es tut mir leid“, sagte er. „Das hätte ich nicht sagen sollen.“
„Warum hast du es dann getan?“
„Weil ich lange darauf gewartet habe, dich ohne ihn zu sehen.“
Die Stille legte sich schwer um sie. Die Kerze zischte. Irgendwo weit unten heulte eine Sirene auf und verklang.
Viviennes Mund war trocken geworden. Sie hätte sich umdrehen sollen. Sie hätte hinausgehen und niemals zurückblicken sollen. Jeder Instinkt, der sie in einem Haus voller Lügner am Leben gehalten hatte, schrie sie an, davonzulaufen.
Doch er sah sie an wie niemand sonst in den vergangenen vier Jahren. Nicht wie einen Besitz. Nicht wie einen Uterus. Sondern als wäre sie das einzig Wirkliche in einer Welt voller Spiegel.
„Wer bist du?“, flüsterte sie.
Die Maske neigte sich leicht zur Seite. Er trat näher, und sie spürte seinen Atem warm und unruhig über ihre Stirn streichen.
„Der Mann, der auf dich gewartet hat“, sagte er.
Ihre Finger krümmten sich in ihren Handflächen. „Das ist kein Name.“
„Nein.“
„Dann sag mir etwas Wahres.“
Lange sagte er nichts. Seine Brust hob und senkte sich. Seine Hand glitt nach unten und schwebte knapp über ihrem Handgelenk, über der dünnen weißen Narbe, die sie niemals jemanden sehen ließ.
Er berührte sie nicht.
Er betrachtete sie einfach, und seine goldenen Augen wurden weich, beinahe verletzt.
„Du warst neun“, sagte er so leise, dass sie ihn beinahe nicht verstanden hätte. „Da war eine Glastür. Du hast allen erzählt, du seist hingefallen.“
Die Welt stand still.
Niemand wusste davon. Nicht Damien. Nicht ihre Mutter. Kein einziger Mensch, der noch lebte.
„Wie“, begann sie, und ihre Stimme zerbrach. „Woher weißt du das?“
Er hob den Blick zu ihr. Und hinter der Maske sah sie etwas, das nicht zu einem Fremden gehörte. Etwas Altes und Schmerzvolles, etwas auf erschreckende Weise Vertrautes.
Er beugte sich zu ihr, bis seine Lippen beinahe ihr Ohr berührten.
„Du bist spät dran, Mrs. Blackwood“, flüsterte er. „Ich warte schon so lange auf dich.“
Sie erinnerte sich nicht daran, wie sie über den Rasen gegangen war.Einen Moment zuvor hatte sie noch auf den Stufen der Veranda gestanden und einen gefalteten Brief in der Hand gehalten. Im nächsten stand sie am Rand des Gartens im hohen Gras, nah genug, um das Grau in seinem Haar, die Fältchen um seine Augen und die winzige halbmondförmige Narbe an seinem Kinn zu erkennen, die ihr zuvor nie aufgefallen war.„Du bist echt“, sagte sie.„Ich glaube schon.“ Er lächelte. „Ich habe mich vergewissert.“„Du bist älter geworden.“„Du auch.“ Sein Blick glitt langsam und liebevoll über ihr Gesicht. „Es steht dir.“Ein Lachen entfuhr ihr. Es brach in der Mitte ab. „Wie kannst du hier stehen?“„Ich bin nie weggegangen.“ Er hob eine Schulter zu einem entschuldigenden Achselzucken. „Nach der letzten Schleife verließ ich dieses Hotel und trat in einen anderen Morgen hinaus. Ich fand eine Farm in Ohio. Eine kleine. Maisfelder. Ich dachte mir: Ich halte mich aus ihrem Leben heraus. Sie hat sich für
Die Jahre kamen nicht alle auf einmal.Sie kamen wie Wasser, das sich seinen Weg durch Stein bahnte: langsam, lautlos und schließlich überall. Zuerst waren da die Morgen. Toast, aufgeschürfte Knie und ein kleiner Junge, der sich partout keine Schuhe anziehen wollte. Dann kamen die Abende, lange Abende, die sie mit einem Glas Wein im Garten verbrachten, während Adrians Hand auf ihrem Knie ruhte und die Glühwürmchen zu leuchten begannen.Es gab schlechte Tage. Tage, an denen sie ein Spiegelbild auf eine Weise traf, die sie aus der Fassung brachte, oder das Lachen eines Fremden wie eine Stimme aus einem anderen Leben klang und sie um drei Uhr morgens mit geballten Fäusten und einem Herzen, das ihr bis zum Hals schlug, aufwachte. Adrian fragte nie nach. Er streckte einfach seine Hand durch die Dunkelheit, fand ihre und sagte: „Ich bin hier.“ Und jedes Mal glaubte sie ihm ein wenig mehr.Sie stritten. Sie entschuldigten sich. Sie lernten auf unbeholfene Weise, anderer Meinung zu sein, ohne
„Ist das alles?“, fragte Vivienne.„Das ist alles.“„Es klingt einfach.“„Es ist das Schwerste, was du jemals tun wirst.“ Leo lächelte traurig. „Ich weiß das, weil ich dir dabei zugesehen habe, wie du es versucht und immer wieder versagt hast.“Sie wandte den Kopf zum Fenster. Draußen ging das Leben in der Stadt weiter. Ein Taxi hupte. Eine Frau lachte in ihr Telefon. Ein Kind auf dem Gehweg zupfte am Ärmel seiner Mutter und zeigte auf eine Taube. All das war hell, klein und wundervoll, und sie konnte sich nicht erinnern, wann sie es zuletzt wirklich wahrgenommen hatte.„Erzähl mir von der Zukunft“, sagte sie leise. „Von der, aus der du gekommen bist.“Er zögerte. „Sie wird dir nicht gefallen.“„Ich frage dich.“„Also gut.“ Er stellte seine Tasse beiseite. „Sie ist grau. Nicht wie ein Gewitter. Eher wie ein alter Film. Alles ist in dasselbe kalte Licht getaucht. Die Blackwood-Türme ragen wie Grabsteine über der Stadt auf, und auf jedem Bildschirm in jedem Geschäft erscheint dasselbe G
Die letzte Schleife begann wie alle anderen.Goldenes Licht. Kerzenrauch. Das leise Klicken eines Schlosses. Vivienne stand in einem schwarzen Kleid in der Tür von Zimmer 47, ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen, und sie spürte, wie die alte Angst ihr wieder die Kehle zuschnürte.Nicht. Diesmal nicht.Sie holte tief Luft. Als sie ausatmete, zitterte ihr Atem.Neben dem Fenster regte sich eine Gestalt. Groß. Maskiert. Goldene Augen, die im Dämmerlicht leuchteten. Er drehte sich um und sprach nicht sofort, als würde auch er spüren, dass sich etwas verändert hatte.„Vivienne“, sagte er.„Damien.“Er erstarrte.„Nimm sie ab“, sagte sie leise. „Ich bin nicht wütend. Ich möchte dich nur sehen.“Er rührte sich nicht. Langsam und mit festen Schritten durchquerte sie das Zimmer und blieb vor ihm stehen. Nah genug, um Sandelholz und Regen zu riechen. Nah genug, um den Puls an seinem Hals schlagen zu sehen.„Ich kenne dich“, flüsterte sie. „Ich habe dich schon immer gekannt. Selbst in der Dunkelh