Se connecterKAPITEL 114Aus Santinos SichtDas Schweigen kehrt zurück. Schwer. Erstickend. Wie die Luft vor dem Gewitter.Ich wende mich Elias zu. Meine Beretta erhoben. Der Lauf direkt auf seine Stirn gerichtet.Unsere Blicke treffen sich. Ein letztes Mal. In seinen Augen sehe ich nicht die Angst. Nein. Ich sehe die Akzeptanz. Die Resignation. Und irgendwo, tief vergraben, einen Funken Trotz.Er wendet den Blick nicht ab. Er fleht nicht. Er weint nicht.Respekt.Ein letzter Überrest dessen, was wir einst waren. Zwei Waffenbrüder. Zwei Männer, verbunden durch Blut und Feuer.Aber diese Zeit ist vorbei.— »Auf Wiedersehen, Elias.«Meine Stimme ist ruhig. Fast sanft.— »Wir sehen uns in der Hölle.«Mein Finger krümmt sich um den Abzug.BANG.Der Schuss explodiert im Raum wie ein Donnerschlag. Der beißende Geruch von Schießpulver erfüllt sofort den engen Raum.Die Kugel trifft Elias mitten auf die Stirn. Sein Kopf knallt gewaltsam nach hinten. Ein schwarzes Loch erscheint zwischen seinen beiden Auge
KAPITEL 113Aus Santinos SichtIch bleibe in der Mitte des Raumes stehen, beherrsche die Versammlung mit meinem Blick. Sie sind alle da, zusammengekauert auf Sofas und Stühlen wie Verurteilte, die auf das Urteil warten. Erbärmlich.Ich beginne auf und ab zu gehen, die Hände auf dem Rücken verschränkt, mit der Miene eines Lehrers, der im Begriff ist, eine meisterhafte Lektion zu erteilen.— »Was genau habt ihr geglaubt?«Meine Stimme ist ruhig. Zu ruhig.— »Ihr dachtet, ich würde im Knast verrotten? Dass ich hinter Gittern versauern würde, während ihr euer kleines, glückliches Leben lebt?«Ich bleibe stehen, drehe mich abrupt zu Elias und Alaya.— »Und heute bin ich hier. Draußen. Frei.«Ich lache bitter auf.— »Naja … frei ist ein großes Wort. Ich bin ein gesuchter Mann. Ein Flüchtiger. Gejagt von den Bullen, von meinen Feinden, von allen, die meinen Kopf wollen.«Ich richte einen anklagenden Finger auf sie.— »Und das alles ist eure Schuld. Euch beiden.«Das Schweigen ist erdrückend.
KAPITEL 112Aus Santinos SichtAcht Minuten und vierzig Sekunden.Das Geräusch eines Motors. Zuschlagende Türen.Ich springe auf, stürze mit der Anmut eines Raubtiers, das seine Beute gesichtet hat, zum Fenster. Meine Finger schieben den Vorhang ein paar Zentimeter zur Seite – gerade genug, um zu beobachten, ohne gesehen zu werden.Ein normales Auto. Eine Scheiß-Limousine, die schon bessere Tage gesehen hat.Elias steigt aus, die Züge angespannt, der Blick verstört. Und an seiner Seite diese Schlampe Alaya. Ihre Haare wehen im Wind, als wäre sie in einem verdammten Liebesfilm. Erbärmlich.Meine Augen durchkämmen die Straße mit der Aufmerksamkeit eines Falken. Jede Ecke. Jedes geparkte Auto. Jedes Fenster der gegenüberliegenden Gebäude. Nichts. Keine zivilen Polizeiautos. Keine verdächtigen Silhouetten. Keine Transporter, die an der Straßenecke versteckt sind.Ein Lächeln verzogen meine Lippen.»Perfekt.«Ich lasse den Vorhang fallen und drehe mich zu meinen beiden Geiseln um, die mich
KAPITEL 111Aus Santinos SichtDas Telefon knistert in meiner Hand. Ich höre Elias‘ Stimme, diesen verdammten Idioten, der glaubte, mich herausfordern zu können.— »Hallo Papa, wie geht es dir?«Ich lächele. Ein eisiges Lächeln, das niemand sieht, aber das jeder spürt.— »Hallo Elias«, antworte ich mit sanfter, fast väterlicher Stimme. »Hier ist Santino.«Das darauffolgende Schweigen ist köstlich. Ich stelle mir vor, wie dieser kleine Scheißer erstarrt wie eine gefangene Ratte. Sein Atem beschleunigt sich. Die Panik steigt. Ich genieße sie.— »Verdammt, Santino! Lass meine Familie aus dem Spiel!«Aus dem Spiel? Ich kicherle innerlich. In meiner Welt gibt es kein »aus dem Spiel«. Wenn man mir etwas schuldet, zahlt jeder.— »Ach ja?« Ich lasse die Worte schleppen, spiele mit ihm wie eine Katze mit einer Maus. »Ich wollte nur deinen Eltern einen kleinen Besuch abstatten.«Der Alte sitzt da, vor mir, die Augen weit aufgerissen, noch nicht begreifend, in welche Hölle sein Sohn ihn gestürzt
KAPITEL 110Aus Santinos SichtDie Straße lag vor mir, gerade, endlos. Eine Asphaltlinie, die sich zwischen Oliven- und Weizenfeldern schlängelte, getaucht in das blasse Licht des Morgens.Der Motor brummte leise – ein gleichmäßiges, fast beruhigendes Geräusch, das den Tumult in meinem Kopf übertönte.Ich fuhr seit etwas mehr als dreißig Minuten. Die Luft strömte durch das leicht geöffnete Fenster, vermischt mit dem Geruch von Leder und Tabak. Auf dem Beifahrersitz lag mein schwarzer Mantel. Und unter meinem Hemd, an meiner Hüfte, das vertraute Gewicht von Metall. Eine kalte, beruhigende Präsenz.Meine Waffe.Ich hatte Nina nichts gesagt.Ich war früh aufgestanden, bevor sie aufwachte, hatte eine kurze Nachricht auf dem Tisch hinterlassen:„Ich komme vor Einbruch der Dunkelheit zurück. Mach dir keine Sorgen.“Sie hätte Fragen gestellt, und ich hätte nicht lügen können, wenn ihre Augen auf mir ruhten. Also war ich lautlos gegangen, wie ein Geist, der seinen Zufluchtsort verlässt.Die F
KAPITEL 109Aus Santinos Sicht— »Was?«, sagte ich und blies den Rauch aus.Er zog eine Augenbraue hoch.— »Du hast dich verändert, Santino.«— »Soll das eine Beleidigung sein?«— »Nein. Es ist nur … überraschend.«Ich lächelte ironisch.— »Man kann nicht sein ganzes Leben lang ein Dämon bleiben.«— »Ein Dämon vielleicht nicht. Aber ein Ricci schon. Und ein Ricci vergisst nie.«Ich spürte seinen Blick auf mir lasten.Ich wusste genau, worauf er hinauswollte.— »Wovon redest du?«Er beugte sich ein wenig zu mir, seine Stimme leiser, fester.— »Willst du mir sagen, dass du Elias und Alaya vergessen hast?«Der Name traf mich wie eine Ohrfeige. Mein Lächeln verschwand.Ich blieb einen Moment still, die Zigarette zwischen meinen Fingern schwebend.— »…Die Rache«, murmelte ich nachdenklich.Luca kniff die Augen zusammen.— »Ja. Die Rache. Die dich all die Jahre am Leben gehalten hat. Die, für die du deine Haut riskiert hast.«Ich antwortete nicht sofort.Ein leichter Wind wehte, ließ die Ke
KAPITEL 7: JAGD AUF DIE WÄLTINAus Santino Riccis SichtDas schwarze Leder meines Sessels knirscht unter meinem Gewicht, als ich mich abrupt aufrichte. Der Raum liegt in gedämpftem Licht, nur die bläulichen Schimmer der Überwachungsmonitore zeichnen die angespannten Gesichter der Techniker vor mir
KAPITEL 6: SCHIMMER DER HOFFNUNGAus Alayas SichtEin sanftes Licht fiel durch die Ritzen des alten Fensters und strich über mein Gesicht, das noch immer von der Erschöpfung gezeichnet war. Ich war kaum eingeschlafen, hin- und hergerissen zwischen der Angst, entdeckt zu werden, und der Ungewissheit
KAPITEL 5: DIE WUT DES MAFIABOSSESAus Santinos SichtIch starrte auf meine goldene Uhr – es schien mir, als würde diese Ewigkeit kein Ende nehmen. Ein Meisterstück, das mir mein Vater vor seinem Tod geschenkt hatte. Heute erinnerte es mich mit jeder verstreichenden Sekunde an die Demütigung, die i
KAPITEL 4: DER AUSWEGAus Alayas SichtDer elfenbeinfarbene Stoff meines Kleides raschelte leise bei jeder meiner Bewegungen im luxuriösen Wagen. Meine Hände waren feucht, lagen verkrampft auf meinen Knien. Ich war noch nie in einem so prächtigen Auto gesessen. Die Sitze waren aus cremefarbenem Led







