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Kapitel 5

Author: Gizem Rae
last update publish date: 2026-05-14 15:14:30

(Luisa)

Der Morgen war grau, die Stadt verschluckt in Nebel – aber ich fühlte mich überraschend ruhig. Vielleicht war es der Schlaf, vielleicht das leise Trotzgefühl in mir. Ich hatte den ersten Tag überlebt. Und ja, mein Boss war ein Arschloch. Aber ich lebte noch.

Meine Haare trug ich heute offen – große, weiche Wellen fielen mir über die Schultern. Die weiße Bluse war frisch gebügelt, der Bleistiftrock saß perfekt. Mein Kinn hob sich automatisch, als ich das Foyer betrat.

Ich war nicht hier, um mich einschüchtern zu lassen.

Ich lief zügig an der Rezeption vorbei – dieselbe abwertende Miene wie gestern, aber heute ignorierte ich sie. Mein Blick war nach vorne gerichtet.

Und dann hörte ich ihn.

„Guten Morgen, Haifutter. Gut geschlafen?“

Ich drehte den Kopf. David.

Er stand lässig an der Wand, einen Coffee-to-go in der Hand, der oberste Hemdknopf offen, das Lächeln viel zu charmant für die Uhrzeit. Seine Augen musterten mich kurz,.

Fast… als wüsste er etwas, das ich nicht wusste.

Ich hob eine Braue.

„Was ist das? Euer offizieller Begrüßungscode für neue Praktikantinnen? Oder machst du das nur, um dich morgens lebendig zu fühlen?“

Er lachte leise, nippte an seinem Kaffee.

„Frech. Ich mag’s. Vielleicht überlebst du wirklich länger als drei Tage.“

Ich schnaubte leise, ging an ihm vorbei zum Aufzug.

„Ziel ist sechs Monate.“

Wir liefen zusammen in den Aufzug.

„Dann solltest du lernen, wie man hungrige Wölfe zähmt!“

Ich drehte mich halb um, einen Moment zu lange, denn meine Augen trafen seine – und da war etwas.

Der Aufzug kam. Wir stiegen ein.

Der Lift fuhr los.

„Alles klar?“ fragte er mit einem Schmunzeln und ließ den Blick auf mir ruhen, während der Aufzug langsam in Bewegung kam.

„Ja, alles gut“, antwortete ich, versuchte, die nervöse Energie, die in mir brodelte, zu verbergen. „Und bei dir?“

„Klar“, sagte er grinsend. „Wenn du diesen Laden hier überlebst, solltest du anfangen, Koffein intravenös zu konsumieren.“ Er zuckte mit den Schultern, als ob er das als Lebensmotto zu betrachten schien.

Ich schmunzelte und nickte. „Ja, das klingt nach einer weisen Lebensentscheidung.“

Wir standen eine Weile schweigend da, der Aufzug fuhr ruhig weiter.

„Aber du wirst dich schon daran gewöhnen“, fuhr David fort. „Der Laden hier kann brutal sein, aber irgendwie auch faszinierend. Und Alec… nun ja, der ist wie eine Mischung aus T-Rex und Schreibtischtäter. Aber hey, mein Bruder er beißt nicht, meistens.“

Ich lachte unwillkürlich. „T-Rex? Das kann ich mir vorstellen. Aber gut, ich glaube, wenn ich hier bleibe, werde ich nicht nur vom Kaffee, sondern auch von den ganzen Büro-Tyrannen überleben müssen.“

„Warte hast du Bruder gesagt ????“

Er grinste schelmisch.

„Ja Alec ist der älteste wir sind 6 Brüder und haben eine Schwester“

„Oh wow Okey das klingt hart für eure Schwester“

Er lachte. „Sie überlebt es“

Er schaute mich an.

„Ja, wenn du überlebst, das ist die wahre Frage“, sagte David mit einem augenzwinkernden Grinsen. „Aber keine Sorge, du wirst es schaffen. Die Frage ist eher: Wie lange dauert es, bis Alec dich in seinem Büro… unschuldig zur Rechenschaft zieht?“

Ich starrte ihn für einen Moment an, noch unsicherer als vorher. „Ich hoffe, das passiert nicht zu früh.“

„Keine Sorge, du hast Zeit. Aber falls er dich in den Bürosessel ziehen will, empfehle ich, nicht zu protestieren. So schwer ist es auch wieder nicht, sich dem Tyrannen zu fügen.“ David grinste noch breiter.

Doch in dem Moment hielt der Aufzug im 50. Stock an. Die Türen öffneten sich.

Alec Black trat ein. Und mit ihm veränderte sich alles.

„David“, sagte Alec knapp, ohne Überraschung. Ein kurzes Nicken – mehr bekam selbst sein Bruder nicht. Dann glitt sein Blick zu mir. Langsam. Prüfend.

„Ah. Miss Williams.“ Seine Stimme war ruhig, aber sie schnitt. Spöttisch. Selbstsicher. „Sie haben es tatsächlich bis hierher geschafft. Beeindruckend. Ich dachte, die meisten Neuen brechen schon im Erdgeschoss zusammen.“

„Danke“, erwiderte ich, bemüht ruhig. Doch meine Stimme war leiser als gewollt.

Seine Augen verengten sich minimal, als würde er in meinem Gesicht lesen wollen. „Ich hoffe, Sie begreifen den Ernst Ihres Daseins hier. Das hier ist kein Praktikums-Ferienlager, Miss Williams. Sie sind hier – in meinem Gebäude. Und in meinem Gebäude… zählt nur Effizienz. Kontrolle. Präzision.“

Er machte eine kurze Pause – und sein Blick wanderte über mein Gesicht, meine Haltung.

„Aber bisher… haben Sie sich nicht völlig blamiert. Das ist mehr, als ich erwartet hatte.“

Ich versuchte zu lächeln, doch mein Körper war angespannt.

„Ich gebe mein Bestes.“

„Tun Sie das weiterhin. Denn hier überlebt nicht der Freundliche. Hier bleibt nur, wer weiß, wann er schweigen… und wann er beißen muss.“

Seine Stimme senkte sich.

„Und glauben Sie mir – ich erkenne jeden Schwächling sofort.“

David schnaubte leise, grinste.

„Er hat’s mit den markigen Sätzen heute wieder drauf.“

Alec ignorierte ihn. Sein Blick lag auf mir, kalt und durchdringend. Dann – ein leichtes Zucken seiner Lippen.

Als der Aufzug endlich in der 60. Etage hielt, trat Alec als Erster hinaus. David folgte ihm – und warf mir im Vorbeigehen ein schiefes Grinsen zu.

David lief direkt mit Mister Black – Alec – in dessen Büro. Die Tür fiel leise ins Schloss. Ich saß an meinem Platz direkt außerhalb, meinem neuen Schreibtisch, der so nah an seinem Büro lag, dass ich jedes Mal zusammenzuckte, wenn sich jemand dort bewegte.

Durch das Milchglas konnte ich nur Silhouetten erkennen, aber es war offensichtlich: Die beiden redeten vertraut, sehr vertraut. Manchmal hörte ich ein leises Lachen von David, dann wieder dieses tiefe, knappe Brummen von Alec – eher ein zustimmendes Geräusch als echte Freude. Es war das erste Mal, dass mir bewusst wurde, dass Mister Black überhaupt lachen konnte.

Ich tippte weiter E-Mails, notierte Termine, beantwortete Anfragen. Mein Notizblock war bereits halb voll mit Terminen, Codes, kurzen Anmerkungen. Ich ließ keinen Fehler zu – zumindest hoffte ich das. Mein Magen knurrte leicht, aber ich ignorierte es.

Dann, plötzlich, ging die Tür auf. David trat hinaus, ein breites Grinsen auf den Lippen. Er beugte sich kurz zu mir runter und flüsterte:

„Du hältst dich wacker, Haifutter. Der Weiße Hai hat dich heute noch nicht gebissen – Fortschritt!“

Ich verzog die Lippen zu einem angedeuteten Lächeln, konnte mir aber ein Augenrollen nicht verkneifen. David zwinkerte mir zu und verschwand den Flur hinunter.

Ich war wieder allein. Alec war noch in seinem Büro. Ich hörte leise das Klicken seiner Tastatur – schnell, präzise, dominant. Alles an ihm war dominant. Dann fiel der Raum wieder in diese kühle, gespannte Stille, die nur durch das gelegentliche Telefonklingeln durchbrochen wurde.

Ich tippte weiter. Und fragte mich, ob es heute wieder Ärger geben würde – oder ob ich vielleicht… ganz kurz… sogar ein winziges Stück Stolz von ihm geerntet hatte. Aber wahrscheinlich war das Wunschdenken. Mister Black hatte keine Zeit für Stolz. Nur für Ergebnisse.

Es war Mittag, und mein Magen knurrte, als hätte ich ihn seit Tagen ignoriert.

Ich klopfte an seiner Tür, zögerlich. „Sir, ich gehe kurz was zum Essen holen, ja?“

Er hob den Blick langsam von seinem Schreibtisch. Diese Augen. Eisblau und durchdringend.

Dann dieses verächtliche, minimal angehobene Kinn. „ Zwanzig Minuten, Miss Williams. Keine Sekunde mehr.“

Seine Stimme war ruhig. Ruhig wie eine geladene Waffe.

Ich nickte sofort. „Ja, natürlich.“

Ich drehte mich um, drückte auf den Aufzugsknopf, meine Uhr im Blick. Der Plan war klar: runter, Sandwich, wieder hoch. Leicht.

Dachte ich.

Der Aufzug ließ auf sich warten, natürlich. Ich tippte nervös mit dem Fuß. Fünf Minuten waren schon vorbei. Als die Türen endlich aufgingen, drängte ich mich mit drei Leuten hinein, die aussahen, als würden sie innerlich längst kündigen.

59… 58… 57…

Ich starrte auf die Zahlen.

Dann – rums. Der Aufzug stoppte. Ich riss die Augen auf.

„Nicht. Schon. Wieder“, murmelte jemand.

Ich drückte panisch auf mehrere Knöpfe. Nichts. Mein Herz raste.

Nach einer gefühlten Ewigkeit ging es weiter – zäh wie Kaugummi. Ich hetzte aus dem Gebäude zur Kantine, die natürlich voll war. Die einzige Schlange, die sich überhaupt bewegte, war die zum Salat.

Ich schnappte mir ein liebloses Sandwich, ließ das Getränk stehen und rannte zurück.

Der Aufzug war wieder zu langsam.

Als ich im 60. Stock ausstieg, war ich völlig außer Atem, Sandwich noch halb im Mund, mein Haar zerzaust.

Und da stand er.

Alec Black.

Lehnend an seinem Türrahmen, die Arme vor der breiten Brust verschränkt, als hätte er die ganze Szene mitverfolgt.

Sein Blick glitt langsam über mich. Von oben bis unten. Erst schweigend. Dann:

„25 Minuten.“

Ich schluckte. „Der Aufzug… ich meine, ich war—“

„Professioneller Miss Wiliams!“

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