Share

Two

Author: Les Neo
last update publish date: 2026-08-26 07:14:57

Der Donnerstagmorgen kam kälter als der Tag zuvor. Lena erwachte mit steifem Nacken, wieder, und dem Geschmack der Tränen der letzten Nacht noch hinten in der Kehle, dazu ein bitteres Gefühl. Sie setzte sich langsam auf, rieb sich die Augen und sah auf den geschlossenen Laptop auf dem kleinen Tisch. Das Dokument war in ihrem Kopf noch offen, obwohl es leer war. Sie hatte mehr geschrieben, als sie erwartet hatte. Mit vielen unordentlichen Absätzen über den Laden, über Adrian, über die Jahre, die sie damit verbracht hatte, so zu tun, als würde die Vergangenheit nicht mehr zählen, und es fühlte sich seltsam an, die Worte außerhalb ihres Kopfes zu sehen, aber es fühlte sich auch notwendig an.

Sie putzte sich die Zähne und wusch dann ihr Gesicht mit kaltem Wasser, zog saubere Kleidung an, machte denselben dünnen Kaffee wie zuvor und ging nach unten. Der Laden wartete im grauen Licht. Sie schloss die Vordertür auf, stützte sie mit dem Ziegelstein und schaltete die einzige noch funktionierende Deckenlampe ein. Die Luft roch nach einem Burger, der seinen Weg in ihren Laden gefunden hatte. Sie richtete den Tisch mit den Taschenbüchern beim Fenster gerade und wischte den Tresen erneut ab, obwohl er schon sauber war. Sie putzte gerne.

Die erste Stunde verging ohne einen einzigen Kunden. Lena stand hinter dem Tresen und versuchte, nicht auf ihr Handy zu schauen. Adrian hatte seit dem letzten scheußlichen Besuch weder angerufen noch geschrieben. Und die Stille fühlte sich lauter an als jede Drohung, die er ausgesprochen hatte, seit sie zusammen gewesen waren. Sie wusste, dass er auf Freitag wartete, und sie wusste auch, dass er nicht ewig still bleiben würde.

Kurz nach zehn erklang das sanfte Klingeln über der Tür. Eine junge Frau trat zuerst ein und schüttelte den Regen von einem leuchtend roten Regenschirm. Hinter ihr kam ein junger Mann etwa gleichen Alters, größer, mit demselben dunklen Haar und lockerer Haltung. Beide sahen aus, als wären sie Ende zwanzig. Die Frau lächelte, sobald sie Lena sah.

„Hallo. Habt ihr geöffnet?“, fragte sie und ging zum Tresen.

„Ja“, sagte Lena. „Kommt rein.“ Sie versuchte ihr Bestes zu lächeln.

Die Frau schloss den Regenschirm und stellte ihn neben die Tür. „Ich bin Claire. Das ist mein Bruder Tom. Wir haben das Schild gesehen und dachten, wir schauen mal rein. Wir wollten schon ewig kommen, aber der Laden sah immer geschlossen aus.“ Sagte sie, entschuldigend.

„Er war es auch“, antwortete Lena. „Ich habe ihn erst kürzlich wieder übernommen.“ Sagte sie, an den Tresen gelehnt.

Toms Blick wanderte über die Regale, blieb dann eine Sekunde länger als nötig auf Lena hängen. „Freut mich. Tom.“ Er streckte ihr die Hand entgegen. Lena schüttelte sie kurz. Sein Griff war warm und fest.

Claire war bereits zur Belletristik-Abteilung geschlendert. „Wir suchen etwas zu Mamas Geburtstag. Sie mag ruhige Bücher. Nichts zu Schweres. Und vielleicht noch ein paar Sachen für uns selbst, während wir hier sind.“

Lena nickte und trat hinter dem Tresen hervor. „Zeitgenössische Literatur ist an dieser Wand. Lokale Autoren stehen vorne, falls sie so etwas mag.“ Sagte sie, ein wenig stolz auf ihre gekonnte Erklärung.

Claire bedankte sich und begann, Titel herauszuziehen, die Rückseiten mit konzentriertem Interesse lesend. Tom blieb näher bei Lena. Er blickte zum Lyrikregal, dann wieder zu ihr.

„Hast du schon immer hier gearbeitet?“, fragte er.

„Meiner Mutter gehörte der Laden. Ich bin in der Wohnung oben aufgewachsen.“ Lena hielt ihre Stimme ruhig. „Ich bin eine Weile weggegangen. Jetzt bin ich zurück.“

„Muss sich seltsam anfühlen“, sagte er. „Zu all dem heimzukommen.“

Sie zuckte kurz mit den Schultern. „Tut es.“

Claire rief über ihre Schulter. „Tom, hör auf, das Mädchen zu belästigen, und hilf mir suchen.“

Er lächelte, bewegte sich aber kaum. „Ich helfe, indem ich Fragen stelle. Das ist Recherche.“ Lena lächelte.

Claire verdrehte liebevoll die Augen und kehrte zu den Regalen zurück. Tom senkte die Stimme ein wenig.

„Tut mir leid. Sie hält mich für neugierig. Ich mag es, die Geschichten der Leute zu kennen.“ Er hielt inne. „Du siehst aus, als hättest du ein paar davon.“ Sagte er, und ihre Augen hellten sich auf, obwohl es nur Fassade war. Sie lächelte fast.

„Das hat jeder.“ Sagte sie und drehte den Bleistift, den sie hielt.

Sie gingen langsam durch den Laden. Claire fand drei mögliche Bücher für ihre Mutter und einen schmalen Roman für sich selbst, während Tom eine Sammlung von Kurzgeschichten aufnahm und sie hielt, ohne sie zu öffnen, dabei beobachtete er Lena.

„Kommen viele Leute rein?“, fragte er.

„Noch nicht. Es sind erst ein paar Tage her.“

„Es wird schon voll werden. Solche Orte werden immer belebt, sobald die Leute merken, dass sie wieder geöffnet haben.“ Er neigte den Kopf. „Was machst du, wenn du nicht hier bist? Freunde in der Nähe? Abende unterwegs?“

Die Frage kam sanft, überraschte sie aber trotzdem. Lena wischte ein unsichtbares Staubkorn vom Tresen. „Nicht wirklich. Ich bin noch nicht lange genug zurück, um wieder Kontakt aufzunehmen. Die meisten Leute, die ich kannte, sind vor Jahren weggezogen.“

Claire gesellte sich mit Büchern im Arm zu ihnen an den Tresen. „Tom, lass sie in Ruhe. Du machst das schon wieder.“

„Was denn?“

„Dieses Ding, bei dem du versuchst, in fünf Minuten das ganze Leben von jemandem herauszufinden. Zu deiner Information, das ist nervig.“ Claire legte die Bücher ab und lächelte Lena an. „Ignorier ihn. Er ist meistens harmlos. Ich bin diejenige, die wirklich befreundet sein möchte. Wir sind erst vor sechs Monaten in die Gegend gezogen, und ich kenne noch nicht viele Leute. Es ist schön, jemand Neues kennenzulernen, der nicht schon in einer festen Gruppe steckt.“

Lena fühlte eine kleine, unerwartete Wärme. „Ich bin gerade nicht besonders gesellig.“

„Das ist in Ordnung“, sagte Claire. „Ich eigentlich auch nicht. Wir könnten klein anfangen. Kaffee, wenn der Laden mal ruhig ist? Oder plaudern, wenn ich Bücher kaufen komme. Kein Druck.“ Sagte sie lächelnd.

Tom lehnte sich an den Tresen, immer noch die Kurzgeschichtensammlung haltend. „Ich würde auch kommen, wenn das erlaubt ist. Ich führe ordentliche Gespräche, wenn meine Schwester mich nicht gerade zurechtweist.“ Er brachte sein Gesicht nah an ihr Ohr. „Ich bin viel besser als sie“, flüsterte er.

Claire warf ihm einen Blick zu, aber ohne wirkliche Schärfe. „Kann er tatsächlich. Wenn er sich benimmt.“

Lena antwortete, bevor sie darüber nachdenken konnte. „Kaffee klingt möglich. Sobald ich den Laden richtig am Laufen habe.“

Claires Lächeln wurde breiter. „Gut. Ich werde dich daran erinnern.“

Sie unterhielten sich noch ein wenig, während Lena die Verkäufe abrechnete. Claire fragte nach der Geschichte des Ladens und hörte mit echtem Interesse zu, als Lena ihre Mutter erwähnte. Tom stellte weniger Fragen, beobachtete aber Lenas Gesicht, während sie sprach. Als sie erwähnte, dass sie mehrere Jahre weg gewesen war, nickte er langsam.

„Es ist schwer, danach wieder ein soziales Leben aufzubauen“, sagte er. „Ich verstehe das. Claire und ich sind fürs Studium weggegangen, und als wir zurückkamen, hatte sich der alte Freundeskreis zerstreut. Es ist seltsam, wie still es sich anfühlen kann, selbst wenn die Straßen belebt sind.“

Lena begegnete für einen Moment seinem Blick. „Ja. Genau so.“

Claire bezahlte mit Karte und packte die Bücher sorgfältig in eine Stoffbeutel, die sie mitgebracht hatte. „Wir kommen wieder. Mama wird sie lieben, und ich will mir eure Lyrikabteilung noch mal genauer ansehen.“

Tom legte die Kurzgeschichtensammlung zum Stapel dazu. „Und ich nehme das hier. Das gibt mir einen Vorwand, bald wiederzukommen.“

Er sagte es beiläufig, aber das Interesse in seiner Stimme war deutlich. Lena spürte, wie ein leichtes Erröten in ihre Wangen stieg, und schaute auf die Kasse hinab, um es zu verbergen. Sie reichte ihm das Wechselgeld und den Kassenbon.

„Danke euch beiden. Wirklich.“

Claire hielt an der Tür inne. „Streng dich nicht zu sehr an, ja? Und denk über den Kaffee nach.“

Tom hielt seiner Schwester die Tür auf, warf dann noch einen Blick zurück. „Es war schön, dich kennenzulernen, Lena.“

Die Glocke klingelte, als sie gingen. Lena stand hinter dem Tresen und beobachtete, wie sie unter Claires rotem Regenschirm die Straße überquerten. Der Laden fühlte sich stiller an als zuvor, aber nicht auf einsame Weise. Zum ersten Mal, seit sie angekommen war, drückte die Stille nicht ganz so schwer.

Sie verbrachte die nächste Stunde damit, Regale geradezurücken, die keine Geraderückung brauchten, und das Gespräch in Gedanken durchzugehen. Claires unbeschwertes Angebot der Freundschaft war sanft angekommen. Toms stille Aufmerksamkeit war anders angekommen. Sie war für keines von beidem bereit, nicht wirklich, doch beides hatte sich nach Tagen der Isolation und Adrians kaltem Druck seltsam willkommen angefühlt.

Mittags schloss sie die Tür für zwanzig Minuten ab und ging nach oben. Sie öffnete den Laptop wieder und fügte dem Dokument einen neuen Abschnitt hinzu. Sie schrieb über die Geschwister, die aus dem Regen hereingekommen waren. Über Claires hellen Regenschirm und ihre direkte Freundlichkeit, über Toms ruhigen Blick und die Art, wie er nach ihrem sozialen Leben gefragt hatte, als würde es etwas bedeuten.

Die Worte kamen leichter als am Abend zuvor. Sie tippte, bis ihr Tee kalt wurde, speicherte dann die Datei, machte sich ein Sandwich und ging wieder nach unten.

Der Nachmittag brachte zwei weitere Kunden. Ein älterer Mann kaufte einen zerfledderten Atlas, ein Teenager-Mädchen stöberte lange im Jugendbuchregal und ging mit einem Taschenbuch. Lena trug beide Verkäufe in das alte Notizbuch ihrer Mutter ein. Die Einträge sahen klein aus, aber sie waren etwas.

Ihr Handy blieb still, keine Nachrichten von Adrian. Die Stille hätte eine Erleichterung sein sollen, doch sie ließ Freitag nur näher rücken. Sie wusste, dass er die Frist nicht einfach verstreichen lassen würde. Irgendwo bereitete er den nächsten Schritt vor, ruhig und selbstsicher wie immer.

Kurz vor Ladenschluss setzte der Regen wieder ein. Lena stand am Fenster und beobachtete, wie sich der Gehweg verdunkelte. Sie dachte an Claires Kaffeeangebot und Toms halbes Lächeln, als er sagte, er würde wiederkommen. Jahrelang hatte sie Menschen auf sorgfältigem Abstand gehalten. Das war einfacher gewesen. Sicherer. Jetzt zwang der Laden sie, stillzustehen, und Stillstehen bedeutete, dass andere Menschen sie finden konnten.

Sie drehte das Schild auf „Geschlossen“, schloss die Tür ab und stieg mit schwereren Schritten als sonst die Treppe hinauf. Der Laptop wartete auf dem Tisch. Sie öffnete ihn noch einmal und starrte auf die wachsenden Seiten ihrer Memoiren. Der Cursor blinkte am Ende des letzten Satzes. Sie tippte noch eine Zeile, bevor sie den Deckel schloss.

Heute kamen zwei Fremde herein und behandelten mich wie eine Person, die vielleicht noch ein Leben außerhalb dieser Wände hat. Ich weiß noch nicht, was ich damit anfangen soll.

Lena klappte den Laptop zu, nahm ein Nachtbad, zog ihr Nachthemd an, machte Abendessen und setzte sich auf die Bettkante, während sie es langsam aß. Das Foto ihrer Mutter starrte sie von der Fensterbank aus an. Draußen klopfte der Regen stetig gegen das Glas. Freitag war weniger als einen Tag entfernt. Adrian würde kommen, auf die eine oder andere Weise, aber zum ersten Mal, seit sie in den Laden zurückgekehrt war, hatte sie ein Gefühl, das nicht nur aus Angst oder Zorn bestand.

Sie schaltete das Licht aus, legte sich hin und sprach ein kurzes, stilles Gebet.

Der Schlaf kam nicht schnell,

doch als er kam, war er ruhiger als in der Nacht zuvor.

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • Mein Retter Im Regen   Eight

    Samstagmorgen kam mit Kopfschmerzen, die Lena bei weitem nicht so verdient hatte, wie sie sich anfühlten. Sie lag lange still da, starrte an die Decke und ließ die Ereignisse der letzten Nacht nach und nach wieder auftauchen: den Champagner, die zweite Flasche, Claire, die am Arm eines Fremden in der Nacht verschwand, und Toms Hand an ihrer Wange, und die Art, wie sie sich zurückgezogen hatte.Sie griff nach ihrem Handy, bevor sie wirklich bereit dazu war. Keine neue Nachricht von Tom, nur ihre eigene SMS von letzter Nacht, die dort einsam stand. Sicher zu Hause. Sie starrte einen Moment zu lange darauf, legte das Handy dann mit dem Display nach unten aufs Kissen und presste den Handballen gegen die Augen.Es summte eine Minute später erneut. Claire.Am Leben. Etwas reumütig. Sein Name war anscheinend Marcus, und Gott sei Dank war er kein Psycho, weil ich ihm vorher null Informationen zum Arbeiten gegeben habe. 10/10, würde ich als Strategie nicht empfehlen. Wie geht's meinem Bruder?

  • Mein Retter Im Regen   Seven

    Lena bürstete ihr Haar und ließ es offen über die Schultern fallen. Sie trug ein rosa geblümtes Kleid und Slipper, legte ein wenig Make-up auf und ging nach draußen. Ihr Handy summte. Sie warf einen Blick darauf, runzelte die Stirn und beendete den Anruf. Einen Moment später schickte Claire ihr die Adresse per SMS, und sie lächelte, hielt ein Taxi an, stieg ein und gab dem Fahrer die Richtung an.Als der Fahrer hielt, bezahlte sie und ging ins Restaurant. In der Tür blieb sie wie erstarrt stehen und schnappte leise nach Luft. Claire winkte, und Lena lächelte und ging zum Tisch, setzte sich, immer noch grinsend.„Wo ist Tom?", fragte Lena, gerade als ein Kellner mit Champagner kam.„Ich glaube, er schämt sich noch ein bisschen wegen des Freesien-Vorfalls – und weil er dir gestern einen schlechten Witz erzählt hat", sagte Claire, und beide lachten.„Und wer hat gesagt, dass es ein schlechter Witz war?", ertönte Toms Stimme. Er beugte sich hinunter, küsste Claire auf die Wange und ließ s

  • Mein Retter Im Regen   Six

    Lena verließ die Wohnung kurz nach halb neun. Der Himmel war klarer als in den Tagen zuvor, obwohl die Luft immer noch diese feuchte Kälte trug. Sie trug einen dunklen Mantel über einem schlichten schwarzen Pullover und Jeans, ihr Haar zu einem niedrigen Pferdeschwanz zurückgebunden. Der Vorschuss vom Verlag war nun vollständig eingegangen. Heute musste sie die endgültigen Unterlagen unterschreiben und den ersten Zahlungsscheck persönlich abholen.Das Verlagsbüro lag auf der anderen Seite der Stadt, fast vierzig Minuten mit dem Bus. Sie ging zur Haltestelle an der Hauptstraße und wartete mit zwei anderen Leuten unter dem kleinen Wartehäuschen. Als der Bus ankam, bezahlte sie mit ihrer Karte und setzte sich in der Mitte hin. Die Fenster waren leicht beschlagen. Sie beobachtete, wie sich die Straßen veränderten, während der Bus durch die vertraute Hauptstraße fuhr, dann am Gewerbegebiet vorbei, dann hinein in die breiteren Straßen, die zum Zentrum führten.Die Fahrt gab ihr Zeit zum Nac

  • Mein Retter Im Regen   Five

    Am nächsten Morgen hatte der Regen aufgehört, doch die Luft trug noch immer diesen feuchten, erdigen Geruch, der nach einer langen Regenperiode entsteht. Tom stand vor dem Flurspiegel und knöpfte ein dunkelgrünes Hemd über einem schlichten schwarzen T-Shirt zu. Den obersten Knopf ließ er offen. Claire kam aus ihrem Zimmer, in einem weichen grauen Pullover und schwarzen Jeans, das Haar zu einem lockeren Pferdeschwanz zurückgebunden. Sie trug einen kleinen, in braunes Papier gewickelten Blumenstrauß.„Du bringst die mit?“, fragte Tom und nickte zu den Blumen.„Du bringst sie mit“, sagte sie und drückte sie ihm in die Hände. „Ich habe sie ausgesucht. Du kannst reden, wenn du willst, aber du trägst sie.“Sie gingen das kurze Stück zur Buchhandlung. Die Einkaufsstraße wirkte reingewaschen. Pfützen standen noch im unebenen Gehweg und spiegelten den grauen Himmel. Ein paar Leute bewegten sich ins und aus dem Café an der Ecke. Das Fenster der alten Buchhandlung fing das schwache Licht ein, un

  • Mein Retter Im Regen   Four

    Claire war schon zu Hause, als Tom zur Tür hereinkam. Der Flur roch schwach nach dem Zitronenreiniger, den sie am Morgen benutzt hatte, und nach der restlichen Wärme des Heizkörpers. Er schüttelte seinen dunklen Regenschirm aus, Wassertropfen verteilten sich auf der Matte, und hängte seine Jacke an den Haken. Der Stoff war unter seinen Händen noch feucht und schwer. Sie blickte vom Sofa auf, ein halb aufgegessenes Sandwich in der einen Hand, ihr Handy in der anderen. Sanftes Lampenlicht sammelte sich um sie herum und erfasste den Rand ihres Haars.„Du bist spät dran“, sagte sie. „Ich dachte, du wolltest nur kurz in der Buchhandlung vorbeischauen.“„Wollte ich auch.“ Tom streifte seine Schuhe ab. Die Dielen fühlten sich kühl an unter seinen Socken. Er ließ sich ans andere Ende des Sofas fallen, das Kissen sackte mit einem leisen Seufzen unter seinem Gewicht ein. „Bin dann doch länger geblieben als geplant.“Claire legte ihr Handy auf die Armlehne. Der Bildschirm wurde dunkel. Sie muste

  • Mein Retter Im Regen   Three

    Freitagmorgen begann wieder mit Regen, sanft und stetig gegen die Fenster. Lena wachte früher als sonst auf und saß eine Minute lang auf der Bettkante, dem Geräusch lauschend. Dann stand sie auf, zog die alten Laken ab und begann, das Zimmer zum ersten Mal seit ihrer Ankunft richtig zu putzen. Sie fegte den Boden, wischte das Fensterbrett ab und schüttelte den Vorhang aus, der tagelang schlaff herabgehangen hatte. Staub stieg auf und legte sich wieder. Als das Zimmer weniger verlassen aussah, ließ sie ein Bad ein.Das Wasser war nur lauwarm, aber sie blieb darin, bis ihre Schultern sich lösten. Sie wusch ihr Haar mit dem billigen Shampoo, das sie mitgebracht hatte, spülte es aus und wickelte sich in das dünne Handtuch, das schwach nach dem Schrank roch. Danach zog sie frische Kleidung an, machte Toast und Tee und aß Frühstück am kleinen Tisch, während draußen der Regen weiterging. Die einfache Handlung, sich zum Essen hinzusetzen, fühlte sich fast normal an.Als die Teller gespült war

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status