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Glydons Sicht
Ich betrat die Waschküche und sah, wie Seifenschaum aus der Waschmaschine auf den Boden quoll. Überall lagen nasse Kleidungsstücke verstreut. Katie saß auf der Arbeitsplatte, leckte ihre Pfoten und ließ ihren Schwanz in Richtung Balkon hin und her schwingen. Chris, mein Freund, war erst vor wenigen Minuten hier gewesen, bevor ich zur Arbeit gegangen war. Doch ich hatte dummerweise die Projektanalyse vergessen, an der ich die ganze Nacht gearbeitet hatte, um sie bei meiner Präsentation im Büro vorzustellen. „Komm her, Katie.“ Ich streckte meinen Arm aus und half ihr, aus dem schaumigen Chaos zu entkommen, das Chris angerichtet hatte. Wo zum Teufel steckt er? fragte ich mich, während ich vorsichtig aus der Waschküche trat. Ich setzte Katie auf den Boden, schnappte mir das Dokument, das ich zurückgelassen hatte, und machte mich auf den Weg zu unserem Schlafzimmer. Chris war nicht dort. Gerade als ich das Badezimmer betreten wollte, öffnete sich die Tür und Chris schlüpfte heraus, schweißgebadet. „Ist alles in Ordnung mit dir?“, fragte ich stirnrunzelnd und machte mir wegen seines verschwitzten Aussehens Sorgen. „Hast du etwas vergessen?“ Er ging nicht auf meine Frage ein. Seine Stimme klang etwas angespannter und gehetzter als sonst. Misstrauisch kniff ich die Augen zusammen und trat näher an ihn heran. Ich fragte mich, was er wohl im Badezimmer angestellt hatte. „Habe ich etwas im Gesicht?“, stammelte er und kratzte sich am Hinterkopf. „Hast du dir etwa ohne mich einen runtergeholt? Du kleiner Schmierfink!“, neckte ich ihn und wackelte mit den Augenbrauen. Er lachte verlegen und seufzte. „Ich wollte nicht, dass du auf diese Idee kommst.“ Ich kicherte und verzieh ihm, dass er eben ein Mann war. Schließlich konnte er nichts dafür, dass er seinen Sexualtrieb nicht unter Kontrolle hatte. Außerdem war es für einen heißen Feger wie mich wohl schwer, ihm selbst in meiner Abwesenheit zu widerstehen. Zufrieden mit meiner Wirkung auf ihn überbrückte ich den Abstand zwischen uns und flüsterte ihm ins linke Ohr. „Wie wäre es, wenn wir die ganze Nacht miteinander verbringen, sobald ich zurück bin?“ Seine Ohren wurden rot, was mein Ego bis in den Himmel steigen ließ. Er war einfach zu süß, wenn er errötete. Ich tätschelte seine Schulter, gab ihm einen flüchtigen Kuss und drehte mich dann zum Gehen um. „Vermiss mich nicht zu sehr, wenn ich weg bin, du kleiner Schmierfink“, neckte ich ihn, bevor ich meine Wohnung verließ. Chris und ich waren seit fünf Jahren zusammen. Wir kannten uns praktisch wie Geschwister. Ich liebte ihn so sehr, dass ich ihm Unterschlupf gewährte und mich um den Großteil seiner Bedürfnisse kümmerte, da er sich gerade in einer schwierigen Lage befand. Er hatte vor drei Monaten seinen Job verloren, aber das machte mir nichts aus. Er meinte es ernst mit mir und liebte mich genauso sehr, wie ich ihn liebte. Mein Taxi kam gerade an, als ich den Wohnkomplex verließ. Bis zu meiner Präsentation hatte ich noch vierzig Minuten Zeit. Ich setzte mich auf den Rücksitz und ging meine Rede noch einmal durch. Meine Beförderung hing von diesem Projekt ab. Ich hatte schlaflose Nächte und anstrengende Tage hinter mir, um ein fertiges Konzept auf die Beine zu stellen. Fünf Minuten später erreichte ich mein Büro. Die Stimmung war angespannt, und jeder schien nervös zu sein. Ich ging zügig zu meinen Teamkollegen, neugierig darauf, was hier los war. „Du hast wirklich Glück, dass du es rechtzeitig geschafft hast“, murmelte Chloe, meine Sitznachbarin, leise, als ich mich auf meinen Platz setzte. „Was ist mit der bedrückenden Stimmung los?“, fragte ich und senkte ebenfalls die Stimme. „Der CEO ist schlecht gelaunt. Gerade wurden drei Leute gefeuert, weil sie ihm keine vernünftige Projektübersicht präsentieren konnten“, erklärte sie. Mir sackte das Herz in die Hose. Reiß dich zusammen, Glyn. Du bist anders, redete ich mir gut zu, obwohl meine Hände zitterten. Der CEO war als skrupelloser Workaholic bekannt, der Perfektion bis zum Äußersten liebte. Der kleinste Fehler konnte dazu führen, dass eine ganze Abteilung ihren Job verlor. Zweite Chancen gab er niemals. Wirklich niemals. „Team Drei, ihr seid als Nächstes dran.“ Ich zuckte zusammen, als ich Mr. Han, den Sekretär des CEO, die nächste Gruppe aufrufen hörte. Wir fünf erhoben uns, wobei ich die Führung übernahm. Gemeinsam verließen wir unser Büro und gingen den Flur entlang zum Konferenzraum. Du schaffst das, Glyn, machte ich mir Mut, während ich auf unseren Aufruf wartete. Die großen Türen des Konferenzraums flogen auf, und eine Frau stürmte unter Tränen heraus. Ihr Team folgte ihr mit niedergeschlagenen Gesichtern. Was war da drin passiert? „Unser aller Leben hängt von dir ab, Glyn“, erinnerte Chloe mich. Ich schenkte ihr ein verlegenes Lächeln, warf meinen Teamkollegen einen kurzen Blick zu und betrat dann den Raum. Am Kopfende des langen Tisches saß Mr. Rognez mit ausdrucksloser Miene. Seine blauen Augen waren so kalt, dass ich das Gefühl hatte, in einem bodenlosen Abgrund zu versinken. Ich wandte mich dem Projektor zu und wusste nicht recht, was ich tun sollte, weil meine Hände einfach nicht aufhören wollten zu zittern. Gerade als ich meinen USB-Stick an den Laptop auf dem Rednerpult anschließen wollte, blieb ich an einem Kabel hängen und stürzte mit dem Gesicht voran zu Boden. „Ist das hier eine Talentshow?“, donnerte er mit tiefer, gereizter Stimme. Ich rappelte mich hastig wieder auf und verdrehte dabei versehentlich die Augen, weil ich so frustriert war. „Haben Sie gerade tatsächlich die Augen vor mir verdreht?“, fragte er scharf. Mein Hals wurde trocken. Ich konnte kein Wort herausbringen und starrte ihn einfach nur an. Mein Gehirn suchte verzweifelt nach einer vernünftigen Antwort, doch mir fiel nichts ein. Es war, als hätte ich plötzlich alles vergessen. Ohne ein weiteres Wort schloss ich meinen USB-Stick an den Laptop an und öffnete meine Präsentation. Der Sturz war schon peinlich genug gewesen. Wenigstens konnte ich versuchen, mein Team in der verbleibenden Zeit zu retten. „Verschwinden Sie“, knurrte er. „Nein.“ Das Wort kam mir über die Lippen, bevor ich überhaupt darüber nachdenken konnte. Ich schwöre, ich hatte selbst keine Ahnung, woher dieser Mut plötzlich kam. Die Falte auf der Stirn des CEO vertiefte sich. Von Anfang an hatte ich gewusst, dass ich erledigt war. Doch jetzt oder nie – das war meine einzige Chance, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen. Ich griff nach meiner Projektmappe, durchquerte den Raum, ging zu ihm hinüber und knallte den Ordner vor ihm auf den Tisch. „Ich habe Tag und Nacht gearbeitet, um dieses Projekt fertigzustellen. Also werden Sie mir jetzt zuhören, bis ich jedes einzelne Wort präsentiert habe, das ich aufgeschrieben habe“, sagte ich entschlossen, obwohl mein Herz wie verrückt schlug. Ein spöttisches Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Im nächsten Moment brach er in Gelächter aus, als hätte ich gerade etwas unglaublich Lustiges gesagt. „Sie sind eingestellt“, verkündete er. Ich starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an und konnte nicht fassen, was ich gerade gehört hatte. „Eingestellt?“ „Sie fangen morgen an.“ Er erhob sich und knöpfte sein Sakko zu. „Enttäuschen Sie mich nicht, Miss Parker.“Vincents SichtDie großen Tore der Rognez-Villa schlossen sich in letzter Sekunde hinter uns, als wir hineinfuhren. Überall auf dem Gelände waren Autos unterwegs, ein deutliches Zeichen dafür, dass alle Familienmitglieder anwesend waren.Ich warf einen Blick zur Seite und bemerkte, dass Glydon fasziniert die grüne Landschaft draußen betrachtete. Zypressen säumten die Auffahrt, während Laternen den Weg beleuchteten.Nichts an diesem Anwesen begeisterte mich. Die einzigen Erinnerungen, die ich mit den Mauern dieser alten, düsteren Villa verband, waren Bitterkeit und Schmerz.Heute Abend würde ich mit meiner blutrünstigen Familie zu Abend essen. Mit denselben Menschen, die meine Eltern auf grausame Weise ermordet hatten, nur um sich das Erbe unter den Nagel zu reißen.Doch ich würde niemals zulassen, dass mir zustehendes Eigentum an jemand anderen fiel.Glydon hatte keine Ahnung, was auf sie zukam. Der Sturm, der uns bevorstand, würde verheerend sein. Hoffentlich würde sie ihn überleben,
Glydons Sicht Die Fahrt zur Westspring-Villa verlief schweigend und war beinahe erdrückend. Mr. Rognez konzentrierte sich auf sein Tablet und blickte nur dann auf, wenn er mit Mr. Han geschäftliche Angelegenheiten besprechen musste. Ich lehnte mich mit gelangweiltem Gesichtsausdruck zurück und seufzte gelegentlich, wenn ich die Stille nicht mehr ertragen konnte „Haben Sie nichts, womit Sie sich beschäftigen können?“, fragte er und durchbrach damit die Stille im Wagen. „Dank einer gewissen Person habe ich keinen Job mehr. Außerdem wird es mich nur für kurze Zeit bei Laune halten, im Internet herumzuscrollen“, erwiderte ich trocken „Da Sie offenbar nichts Sinnvolles zu tun haben, sollten wir den Vertrag durchgehen“, sagte er in einem fordernden Ton. Er reichte mir sein Tablet, auf dessen Bildschirm der Vertrag geöffnet war. Ich überflog den ersten Absatz und sprang direkt zu den Regeln. REGELN 1. Die weibliche Vertragspartei darf mit keinem anderen Mann außer ihrem Ehemann spre
Glydons Sicht„Was zur Hölle, Chris? Du hast mich mit dieser Schlampe betrogen!“ Ich schleuderte meine Handtasche nach ihm, während er sich schützend vor sie stellte.Er wusste genau, wie sehr ich Lucy hasste. Meine verdammt nervige Nachbarin, die einfach nicht die Finger von anderen Männern lassen konnte.„Es ist nicht so, wie du denkst, Glyn“, sagte er und wich dem Schuh aus, den ich nach ihm warf.„Ich kann nicht glauben, dass ich dir vertraut habe. Du verdammter Mistkerl! Verschwinde sofort aus meinem Haus!“, schrie ich aus voller Kehle. Die Wut über seinen Verrat brachte mich beinahe zum Explodieren.Doch anstatt mit seiner untreuen Schlampe zu verschwinden, stellte er sich stolz hin und stemmte die Hände in die Hüften.„Hast du das etwa vergessen?“ Er grinste höhnisch, während Lucy ihm ein unterschriebenes Dokument reichte. „Ich bin der Eigentümer dieses Hauses, schon vergessen?“Ich las die Überschrift und fluchte leise vor mich hin.Eigentumsübertragungsvertrag.Vor zwei Jahre
Glydons SichtGedankenverloren schlenderte ich aus dem Konferenzraum. Ich war tatsächlich eingestellt worden, nachdem ich den CEO regelrecht angeschrien hatte. Meine Teamkollegen waren überglücklich über diese Neuigkeit. Doch irgendetwas an der ganzen Sache kam mir seltsam vor.Hatte ich ihn wirklich so beeindruckt, wie Mr. Han behauptet hatte, als ich ihn vorhin danach gefragt hatte?„Entspann dich, Glyn. Du zerbrichst dir viel zu sehr den Kopf. Hauptsache, unser Projekt hat die erste Runde bestanden. Du musst aufhören, immer vom Schlimmsten auszugehen“, sagte Chloe mit einem breiten Grinsen.Seit die Präsentation vorbei war, hatte sie ununterbrochen gejubelt und damit geprahlt, wie kompetent unser Team doch sei, obwohl wir im Grunde nichts Beeindruckendes geleistet hatten.„Lasst uns als Team essen gehen. Ich übernehme die Rechnung“, verkündete sie aufgeregt.Ich konnte nicht anders, als mich zu entspannen. Ich wusste, wie viel dieses Projekt Chloe bedeutete. Also war es das Mindest
Glydons SichtIch betrat die Waschküche und sah, wie Seifenschaum aus der Waschmaschine auf den Boden quoll. Überall lagen nasse Kleidungsstücke verstreut. Katie saß auf der Arbeitsplatte, leckte ihre Pfoten und ließ ihren Schwanz in Richtung Balkon hin und her schwingen.Chris, mein Freund, war erst vor wenigen Minuten hier gewesen, bevor ich zur Arbeit gegangen war. Doch ich hatte dummerweise die Projektanalyse vergessen, an der ich die ganze Nacht gearbeitet hatte, um sie bei meiner Präsentation im Büro vorzustellen.„Komm her, Katie.“ Ich streckte meinen Arm aus und half ihr, aus dem schaumigen Chaos zu entkommen, das Chris angerichtet hatte.Wo zum Teufel steckt er? fragte ich mich, während ich vorsichtig aus der Waschküche trat.Ich setzte Katie auf den Boden, schnappte mir das Dokument, das ich zurückgelassen hatte, und machte mich auf den Weg zu unserem Schlafzimmer. Chris war nicht dort. Gerade als ich das Badezimmer betreten wollte, öffnete sich die Tür und Chris schlüpfte h







