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VINCENT

作者: Kay Amour
last update 公開日: 2026-10-22 17:01:56

Vincents Sicht

Die großen Tore der Rognez-Villa schlossen sich in letzter Sekunde hinter uns, als wir hineinfuhren. Überall auf dem Gelände waren Autos unterwegs, ein deutliches Zeichen dafür, dass alle Familienmitglieder anwesend waren.

Ich warf einen Blick zur Seite und bemerkte, dass Glydon fasziniert die grüne Landschaft draußen betrachtete. Zypressen säumten die Auffahrt, während Laternen den Weg beleuchteten.

Nichts an diesem Anwesen begeisterte mich. Die einzigen Erinnerungen, die ich mit den Mauern dieser alten, düsteren Villa verband, waren Bitterkeit und Schmerz.

Heute Abend würde ich mit meiner blutrünstigen Familie zu Abend essen. Mit denselben Menschen, die meine Eltern auf grausame Weise ermordet hatten, nur um sich das Erbe unter den Nagel zu reißen.

Doch ich würde niemals zulassen, dass mir zustehendes Eigentum an jemand anderen fiel.

Glydon hatte keine Ahnung, was auf sie zukam. Der Sturm, der uns bevorstand, würde verheerend sein. Hoffentlich würde sie ihn überleben, sofern sie wirklich so klug war, wie ich vermutete.

Der Wagen kam vor dem traditionell gestalteten Herrenhaus zum Stehen. Es erinnerte mich an die dunklen Nächte, in denen ich verzweifelt versucht hatte, mir als junger Erbe der Familie einen Platz zu erkämpfen. Meine Stimmung verdüsterte sich, als ich die gewaltigen Türen anstarrte, hinter denen sich Mörder verbargen.

Ich konnte nichts als Flammen vor mir sehen, die das gesamte Herrenhaus verschlangen, während alle darin eingeschlossen waren. Ich würde sie zu Asche verbrennen, genau wie sie es mit meinen Eltern getan hatten.

Erst als die Frau neben mir meinen Arm berührte, wurde mir bewusst, wie tief meine Wut tatsächlich saß.

„Mr. Rognez, geht es Ihnen gut?“

In ihren Augen lag unschuldige Neugier. Wenn sie nur wüsste, dass ich kurz davorstand, sie für meine Rache zu benutzen.

„Mir geht es gut.“ Ich löste ihre Hand von meinem Arm und stieg aus dem Wagen.

Sie folgte mir und stellte sich neben mich, bereit, die perfekte Rolle meiner Ehefrau zu spielen.

„Denk daran: Sobald du dieses Haus gemeinsam mit mir betrittst, musst du dir bewusst sein, dass dein Leben jederzeit auf dem Spiel stehen wird. Wenn du meinen Schutz willst, musst du deine Rolle gut spielen“, warnte ich sie streng. Das Letzte, was ich gebrauchen konnte, war jemand, der meinen Plan ruinierte.

Sie nickte als Antwort, und gemeinsam begannen wir, die lange Treppe hinaufzusteigen.

Auf halbem Weg klammerte sie sich fest an meinen Arm. Ihre Schultern waren angespannt, und ihr ganzer Körper wirkte verkrampft.

Sanft tätschelte ich ihre Hand und flüsterte ihr zu:

„Reiß dich zusammen, Glydon, wenn du nicht ihr nächstes Opfer werden willst.“

„Ein paar aufmunternde Worte wären jetzt wirklich hilfreich“, flüsterte sie mit hörbarer Verzweiflung. „Dir ist schon klar, dass ich gerade dabei bin, ein Haus voller Milliardäre zu betreten? Um genau zu sein: furchteinflößende Milliardäre.“

„Du hast dich freiwillig darauf eingelassen.“

„Korrektur: Du hast mich bestochen, damit ich deine Ehefrau werde.“

„Und trotzdem hast du den Vertrag unterschrieben, nur um es deinem Ex heimzuzahlen“, erwiderte ich und traf damit genau einen wunden Punkt.

Sie riss den Kopf zu mir herum. Ihre grünen Augen funkelten mich an, als wollten sie mich mit Blicken durchbohren.

„Du hast mir das Angebot gemacht. Ich habe lediglich unter einer Bedingung zugestimmt“, fauchte sie.

Da war sie wieder, diese temperamentvolle Seite, die ich von ihr brauchte.

„Gut. Behalte diese Energie bei, denn drinnen wird es jede Menge Provokationen geben“, versicherte ich ihr ohne jede Reue.

Sie verdrehte die Augen, doch ihr Griff um meinen Arm lockerte sich.

Wir betraten das Herrenhaus und wurden von einem der Bediensteten in den Ballsaal geführt, in dem die Geburtstagsfeier meiner Großmutter stattfand.

Als mein Name angekündigt wurde, legte ich meinen Arm um Glydons Taille und zog sie näher an mich.

„Versuch nicht, dich allein irgendwohin zu begeben, und trink keinen Wein“, warnte ich sie, bevor ich sie in den Ballsaal führte, der mit widerwärtigen, gierigen Eliten gefüllt war.

Ihr gemeinsames Geplauder verstummte augenblicklich. Alle Köpfe drehten sich zu uns, als wir majestätisch den Raum betraten.

Glydon vergaß nicht, ihr perfektes Lächeln aufzusetzen. Es wirkte natürlich und unterstrich ihre Gesichtszüge.

Ich führte sie zur Bühne hinauf, auf der meine Großmutter saß.

Selbst mit den Falten des Alters sah die alte Dame noch immer beeindruckend aus. Sie saß mit strengem Gesichtsausdruck da, als hätte man sie gegen ihren Willen gezwungen, an ihrer eigenen Geburtstagsfeier teilzunehmen.

Ich blieb auf der letzten Stufe stehen und hielt respektvollen Abstand zu ihr.

„Du bist zu spät“, knurrte sie und schlug ihren Gehstock heftig auf den Boden.

„Ich hatte wichtige geschäftliche Angelegenheiten zu erledigen“, murmelte ich und hielt ihrem Blick stand, bis sie ihre Aufmerksamkeit auf Glydon richtete.

„Darf ich euch meine Ehefrau vorstellen: Glydon Rognez“, verkündete ich laut und deutlich, sodass jeder es hören konnte.

Die Stimmung im Raum veränderte sich schlagartig, als unter den Gästen ein aufgeregtes Geflüster ausbrach.

Mein Onkel Marcus trat vor. Auf seinem Gesicht lag ein gelassenes Lächeln, doch an dem Zucken seines Mundwinkels erkannte ich, dass ihm meine Ankündigung ganz und gar nicht gefiel.

Eine Ehefrau zu haben bedeutete, dass ich laut Testament berechtigt wäre, das Familienunternehmen zu erben. Nach allem, was sie mir angetan hatten, waren sie davon ausgegangen, dass ich niemals eine Partnerin finden würde.

Ich würde ihnen diese Genugtuung niemals gönnen.

„Woher sollen wir wissen, dass ihr verheiratet seid, wenn es keinerlei Beweise dafür gibt?“, fragte Marcus und begann damit seine Befragung, nur um unter den Gästen Zweifel zu säen.

„Ich schulde dir keine Erklärung für meine Entscheidungen“, murmelte ich mit tiefer, von Bosheit durchdrungener Stimme.

Sekundenlang starrten wir einander an und schleuderten uns unsichtbare Dolche entgegen. Wenn ich doch nur meine Waffe dabeigehabt hätte.

Hust.

Ich wurde aus meinen finsteren Gedanken gerissen und blickte zu Glydon, deren übertriebenes Husten die angespannte Atmosphäre im Ballsaal aufgelockert hatte.

„Mir ist schlecht.“

Sie hustete erneut und legte dramatisch ihre Hand auf meine Brust.

„Geht es dir gut?“, spielte ich mit und berührte ihre Stirn, um ihre Temperatur zu prüfen.

„Das muss am Baby liegen“, sagte sie.

Ich erstarrte.

Das stand ganz bestimmt nicht im Drehbuch.

„Baby?“

Ihre Worte erregten die Aufmerksamkeit meiner Großmutter.

Zum ersten Mal seit Jahren breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus.

Im Ballsaal brach Jubel aus, als sich die Nachricht verbreitete. Selbst mein Onkel konnte seinen Ohren kaum trauen. Mit fassungslosem Gesichtsausdruck stand er da, genau wie ich.

Ich hatte diese Frau wirklich unterschätzt.

Was zum Teufel ging in ihrem Kopf vor?

„Komm zu mir, mein Kind“, forderte meine Großmutter sie auf und überraschte damit alle Anwesenden durch ihre plötzliche Sanftheit.

Meine Großmutter wählte äußerst sorgfältig aus, wen sie an sich heranließ. Nicht einmal ihre direkten Blutsverwandten durften ihr so nahekommen.

Doch Glydon stand vor ihr, als wäre sie ihre eigene Tochter.

„Setz dich zu mir, meine Liebe.“ Sie rückte zur Seite, damit Glydon neben ihr Platz nehmen konnte.

Das Gesicht meines Onkels verzog sich vor Verbitterung, als er mitansehen musste, wie seine eigene Mutter eine Fremde ihm vorzog.

Mein Herz schwoll vor Freude an, während ich mich über sein Versagen amüsierte. Es war herrlich, mitanzusehen, wie er es nicht schaffte, die alte Dame zu beeindrucken.

„Vincent.“

Die Stimme meiner Großmutter riss mich aus meinen Gedanken.

„Da du und diese bezaubernde junge Frau Nachwuchs erwartet, erkläre ich hiermit eine große, öffentliche Hochzeitsfeier für eröffnet“, verkündete sie ohne zu zögern.

Glydon und ich tauschten wissende Blicke aus, denn eine solche Hochzeitsankündigung war nie Teil unseres Plans gewesen.

Und eine große, öffentliche Hochzeit bedeutete nur eines …

Glydon würde die Familie niemals wieder verlassen können.

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