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MR. ROGNEZ

Author: Kay Amour
last update publish date: 2026-10-22 17:01:04

Glydons Sicht

Die Fahrt zur Westspring-Villa verlief schweigend und war beinahe erdrückend. Mr. Rognez konzentrierte sich auf sein Tablet und blickte nur dann auf, wenn er mit Mr. Han geschäftliche Angelegenheiten besprechen musste.

Ich lehnte mich mit gelangweiltem Gesichtsausdruck zurück und seufzte gelegentlich, wenn ich die Stille nicht mehr ertragen konnte

„Haben Sie nichts, womit Sie sich beschäftigen können?“, fragte er und durchbrach damit die Stille im Wagen.

„Dank einer gewissen Person habe ich keinen Job mehr. Außerdem wird es mich nur für kurze Zeit bei Laune halten, im Internet herumzuscrollen“, erwiderte ich trocken

„Da Sie offenbar nichts Sinnvolles zu tun haben, sollten wir den Vertrag durchgehen“, sagte er in einem fordernden Ton.

Er reichte mir sein Tablet, auf dessen Bildschirm der Vertrag geöffnet war. Ich überflog den ersten Absatz und sprang direkt zu den Regeln.

REGELN

1. Die weibliche Vertragspartei darf mit keinem anderen Mann außer ihrem Ehemann sprechen.

2. Beide Parteien müssen bis zur Auflösung der Ehe unter demselben Dach leben.

3. Die weibliche Vertragspartei muss jede Anweisung ihres Ehemannes befolgen.

4. Sexuelle Handlungen und jegliche Form von Intimität sind untersagt, sofern sie nicht notwendig sind.

5. Beide Parteien müssen in der Öffentlichkeit als Paar auftreten.

6. Keine der beiden Parteien darf Geheimnisse vor der anderen haben.

7. Die weibliche Vertragspartei muss ihrem Ehemann jeden Wunsch erfüllen, den er äußert.

8. Jeder Wunsch der weiblichen Vertragspartei wird von ihrem Ehemann erfüllt.

9. Späte Heimkehr ist untersagt.

10. Alkoholkonsum bis zur völligen Trunkenheit ist verboten.

11. Sich zu verlieben ist untersagt.

12. Der weiblichen Vertragspartei ist es strengstens verboten, das Zimmer ihres Ehemannes zu betreten.

13. Kommt es zwischen den beiden Parteien zu Streitigkeiten, müssen sie sich vor dem nächsten Tag versöhnen und sämtliche Missverständnisse ausräumen. Bei Nichteinhaltung wird eine Geldstrafe fällig.

14. Nach Ablauf des einjährigen Vertrags müssen sich beide Parteien scheiden lassen. Die weibliche Vertragspartei darf alles mitnehmen, was sie während der Ehe verdient hat, sowie eine Entschädigung in Höhe von fünf Milliarden

15. Beide Parteien sind rechtlich an diesen Vertrag gebunden. Jeder Verstoß gegen die Vertragsbedingungen zieht eine Geldstrafe in Höhe von zehn Milliarden US-Dollar nach sich

Ungläubig schnaubte ich auf. Was waren das bitte für lächerliche Regeln? Ich durfte nicht einmal trinken, lange ausgehen oder mich in Ruhe aufregen. Typisches Verhalten eines arroganten Milliardärs.

„Sind diese Regeln nicht ein bisschen übertrieben?“, wandte ich ein. „Und woher wollen Sie so sicher wissen, dass Sie sich nicht in mich verlieben werden?“

„Das wird nicht passieren. Unsere Beziehung wird ausschließlich geschäftlicher Natur sein. Merken Sie sich meine Worte“, erklärte er mit ausdrucksloser Miene.

„Ich bin ziemlich liebenswert. Für Sie wird es nicht so einfach sein, mir zu widerstehen“, neckte ich ihn und stupste sanft seinen Arm an.

Er blickte mit einem strengen Gesichtsausdruck auf mich herab, der mein Lächeln augenblicklich verschwinden ließ. Er war tatsächlich der Diktator, für den ihn alle hielten.

Schweigend las ich den Rest des Vertrags, bis wir schließlich an dem Ort ankamen, an dem er anhalten wollte.

„Da Sie künftig als neue Mrs. Rognez an meiner Seite stehen werden, müssen sich einige Dinge ändern“, sagte er und musterte mich mit einem unzufriedenen Blick von oben bis unten

„Welche Dinge?“, fragte ich, doch bevor ich eine Antwort bekam, stieg er bereits aus dem Wagen.

Neugierig folgte ich ihm nach draußen.

„Unsere Ehe wird nicht funktionieren, wenn Sie sich weiterhin so hochnäsig benehmen.“

Er schwieg und ging voraus. Als wir das Einkaufszentrum betraten, verstand ich sofort, was er damit gemeint hatte.

„Von jetzt an müssen Sie sich Ihrem gesellschaftlichen Status entsprechend kleiden. Schäbige Outfits sind nicht akzeptabel“, sagte er herablassend.

„Schäbig?“ Empört schnaubte ich über seine Wortwahl. „Meine Kleidung stammt von Markenherstellern. Sie sind vielleicht nicht besonders bekannt, aber es handelt sich keineswegs um Fälschungen. Ich habe ein Vermögen ausgegeben, um so gut auszusehen, Mr. Rognez. Meine Schönheit lässt sich nicht leugnen.“

Mit einem frechen Lächeln warf ich meine Haare zurück und wackelte mit den Augenbrauen.

Ich ging an ihm vorbei und drehte mich zu ihm um, während ich rückwärts weiterlief.

„Also, was meinen Sie? Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie mich für diesen Job ausgewählt haben, weil ich so umwerfend aussehe.“

„Sie sehen ganz und gar nicht so aus, wie Sie sich selbst beschreiben“, murmelte er trocken.

„Ach, diese Verdrängung! Na gut, kommen wir zur Sache.“

Ich schloss zu ihm auf, und gemeinsam betraten wir ein Bekleidungsgeschäft.

Ein blondhaariger Mann in einem farbenfrohen Rüschenoutfit verteilte gerade lässig Anweisungen. Erst als Mr. Han seine Aufmerksamkeit auf uns lenkte, drehte er sich zu seinen neuen Kunden um.

„Oh, der allmächtige Mr. Rognez höchstpersönlich. Wie kann ich Ihnen helfen?“ Er zog die Wörter unnötig in die Länge und machte ganz offensichtlich keinen besonders motivierten Eindruck.

Es wäre keine Überraschung gewesen, wenn er den mürrischen Mann neben mir nicht leiden konnte. Mr. Rognez war schließlich niemand, mit dem man freiwillig seine Zeit verbringen wollte.

Obwohl ich nichts dagegen hatte, mit ihm zusammen zu sein, da wir mittlerweile mehr oder weniger ein Ehepaar waren.

Als Chef war er jedoch unerträglich und egozentrisch.

„Ich habe jemanden mitgebracht, den du nach Herzenslust einkleiden kannst.“

Mr. Rognez trat zur Seite und gab den Blick auf mich frei.

Die Augen des blonden Mannes leuchteten vor Begeisterung, als hätte er im Lotto gewonnen.

„Perfekte Augen, glatte Haut, ein asymmetrisches Gesicht.“

Er begutachtete meine Gesichtszüge und überschüttete mich mit einem Kompliment nach dem anderen.

„Sie ist perfekt. Ich werde sie einkleiden. Was ist der Anlass?“

„Anlass?“

Ich hob eine Augenbraue und sah Mr. Rognez fragend an, in der Hoffnung, eine Erklärung zu bekommen.

„Heute Abend findet die Vorfeier zum Geburtstag der Familienmatriarchin der Familie Rognez statt“, erklärte Mr. Han.

„Was? Ich dachte, wir hätten vereinbart, dass es zwischen uns keine Geheimnisse geben würde.“

Verärgert beschwerte ich mich darüber, dass ich diese Information erst so spät erhielt.

Wenn ich diese Rolle erfolgreich spielen wollte, musste ich über jede Veranstaltung informiert sein, die die Familie Rognez betraf. Es hieß, die älteste Matriarchin sei noch kälter als ihr Enkel und dulde keinerlei Inkompetenz.

„Mach dir keine Gedanken über ihn, meine liebe Cousine. Er ist so steif wie ein Brett. Ich bin Antonio Rognez“, stellte sich der blonde Mann vor und führte mich zu den Umkleidekabinen.

Während Antonio mich schminkte und mich in allerlei atemberaubende Outfits steckte, klärte er mich über die Verhaltensregeln für die Feier auf.

„Mein Liebling, die alte Dame mag keine Zuspätkommer, keine tollpatschigen Frauen und keine Dummköpfe. Eleganz ist ihr unglaublich wichtig. Ich bin überrascht, dass mein Cousin ausgerechnet dich für diese Rolle ausgewählt hat. Glaub mir, er wird dir nicht helfen, wenn du von der Familie schikaniert wirst.“

„Warum nicht?“, fragte ich und bekam langsam ein mulmiges Gefühl wegen der Geburtstagsfeier.

Die Familie Rognez klang wie eine Robotersekte, die jeden traumatisieren würde, der ihr in die Quere kam.

Antonio schien jedoch anders zu sein. Er war viel farbenfroher und fröhlicher als sein hochnäsiger Cousin. Mir gefiel, dass er sich gut unterhalten konnte und bei sensiblen Themen vorsichtig war.

„Jeder verfolgt seine eigenen Ziele. Wenn du auch nur für einen Augenblick unaufmerksam wirst, werden sie dich in Stücke reißen. Hat Vincent dir das erzählt?“

„Was erzählen? Wer ist Vincent?“

Verwirrt runzelte ich die Stirn. Ich wusste nicht, auf wen er sich bezog.

Antonio verdrehte die Augen, schüttelte den Kopf und legte seinen Foundation-Pinsel beiseite.

„Mein Cousin heißt Vincent“, erklärte er und nahm erneut den Puderpinsel zur Hand. „Ich will dir keine Angst machen, aber wenn du mit ihm ein Paar spielen willst, musst du dich auf das Schlimmste einstellen. Unsere Familie ist kein Spielplatz. Sie sind brutal“, erklärte er mit einer unheimlichen Stimme, bei der ich schwer schlucken musste.

„Ähm …“

„Aber hab keine Angst. Ich bin mir sicher, dass Vincent nicht zulassen wird, dass sie dir allzu sehr wehtun.“ Er lächelte.

Ich bemerkte den Psychopathen, der sich hinter seiner perfekten, fröhlichen Fassade verbarg. Ich hatte wohl vorschnell geurteilt. Niemand in dieser Familie Rognez schien auch nur annähernd normal zu sein.

Plötzlich lief mir ein Schauer über die Haut, obwohl es in diesem Raum nicht einmal ein Fenster gab. Meine Augen huschten von einer Seite zur anderen und suchten überall Halt, nur nicht in seinem Blick.

„Ähm … Antonio?“

„Hab keine Angst, mein Liebling. Ich werde dich nicht fressen, schließlich hat mein Cousin ein Auge auf dich geworfen“, sagte er mit einer kalten, dunklen Stimme.

Von ihm ging eine unheimliche Aura aus, als wäre er irgendein Götterclown.

„Na ja, gut.“

Er strahlte plötzlich wieder, und seine Stimme klang erneut fröhlich.

„Du bist wunderschön, mein Liebling. Vincent wird dich vergöttern, sobald er dich sieht.“

Ich lächelte verlegen. Seine plötzlichen Persönlichkeitswechsel waren mir unheimlich.

In meinem Kopf herrschte völlige Leere. Ich war von seinen Worten so überwältigt, dass ich kaum noch einen klaren Gedanken fassen konnte. Ich bemerkte nicht einmal, dass meine Hand zitterte, bis er sie nahm und mir sanft über den Handrücken strich.

„Ich mag dich, Glydon. Du brauchst also keine Angst zu haben.“

Er grinste mit geschlossenen Augen. Mir drehte sich der Magen um, als er meinen Namen aussprach. Soweit ich mich erinnerte, hatten weder ich noch Mr. Rognez ihm meinen Namen verraten.

„Ähm … ich mag dich auch“, antwortete ich, ohne mir sicher zu sein, ob ich das wirklich so meinte.

Eine tiefe Stimme durchbrach die unheimliche Atmosphäre, und Antonio wechselte augenblicklich wieder zu seiner unbekümmerten Art.

Mr. Rognez blieb in der Tür stehen und betrachtete mich mit einer Falte zwischen den Augenbrauen.

Ich konnte nicht erkennen, ob er verwirrt oder mit meinem neuen Aussehen unzufrieden war. Er stand einfach nur da, ausdruckslos und kalt.

„Ich habe dir doch gesagt, dass er von deiner Schönheit überwältigt sein würde“, neckte Antonio ihn.

Doch Mr. Rognez sah keineswegs so aus, als wäre er verzaubert. Viel eher wirkte er wütend.

„Stehen Sie auf. Wir kommen zu spät zur Feier“, sagte er und verschwand so schnell wieder, wie er gekommen war.

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