Compartilhar

Kapitel 3

Autor: fishhh
Alle in Reinhards Umfeld konnten, wenn von Mareike die Rede war, nur über ihr Glück und ihr Geschick staunen.

Als die Verlobung gerade beschlossen war, hatte Reinhards frühere Assistentin Mareike eigens an der Universität Königsfeld aufgesucht, um sie zu warnen.

Die hübsche Assistentin lächelte tadellos, doch in ihren Worten lag Verachtung, als sie Mareike erinnerte: „Herr Vohwinkel ist äußerst heikel, was Berührungen angeht, und verabscheut jeden Körperkontakt. Bilden Sie sich bitte nichts ein und kommen Sie nicht auf falsche Gedanken.“

„Sie müssen vor Leuten nur die Rolle an seiner Seite spielen. Hinter den Kulissen stören Sie ihn nicht eigenmächtig.“

Mareike sagte: „In Ordnung, ich verstehe.“

Aber dann fragte sie: „Diese Worte – hat Herr Vohwinkel Sie gebeten, sie mir auszurichten?“

Das Lächeln der Assistentin erstarrte.

Danach sah Mareike sie nie wieder.

In Wahrheit hatte Mareike große Angst vor Reinhard.

Doch um zu überleben und in Königsfeld studieren zu können, spielte sie die fürsorgliche Verlobte.

Jeden Tag schrieb sie Reinhard, sorgte sich um ihn, lobte ihn, hatte nur Augen für ihn.

Sie spielte die unschuldige, verliebte Frau bis ins kleinste Detail.

Aber vielleicht hatte sie es zu gut gespielt.

Reinhards furchterregender Drang, alles zu beherrschen, zeigte erste Anzeichen und wurde Tag für Tag stärker, sickerte lautlos in jeden Bereich ihres Lebens.

Vom Kleinsten bis zum Größten stand alles unter seiner Kontrolle: ihre drei Mahlzeiten am Tag, ihre Kleidung, wohin sie ging, wen sie traf, was sie sagte und tat.

Reinhard schränkte auch ihren Umgang mit Männern ein. Jeder, der ihr in der Öffentlichkeit Zuneigung zeigte, verschwand am nächsten Tag lautlos aus ihrem Bekanntenkreis.

Zu Beginn ihres zweiten Studienjahres hatte Mareike sich einmal einen Nebenjob in einem Restaurant gesucht.

Nach wenigen Tagen rief der Geschäftsführer sie in sein Büro und deutete anzüglich an, er könne ihr ein paar einflussreiche Männer vorstellen, sie könne einen besser bezahlten, leichteren Nebenjob haben.

Noch am selben Nachmittag verschwand dieser Geschäftsführer.

Am nächsten Tag war ihr Dienstplan gestrichen.

Einen Monat später erfuhr sie von einer ehemaligen Kollegin, der Geschäftsführer habe sich mit den Falschen angelegt, finde keine Arbeit mehr, könne seinen Kredit nicht mehr bedienen und habe sich aus Königsfeld absetzen müssen.

Anfangs brachte sie das nicht mit Reinhard in Verbindung, denn jenes Gespräch hatte unter vier Augen stattgefunden, er konnte unmöglich davon wissen.

Erst kurze Zeit später erhielt Mareike an der Uni eine Liebeserklärung von einem älteren Kommilitonen.

Viele im Hörsaal grölten dazu, sie wies ihn auf der Stelle scharf ab, doch die Sache drang trotzdem bis zu Reinhard.

Nach der Vorlesung, kaum war sie aus dem Tor getreten, hielt jemand sie auf und führte sie in eine nahe Seitengasse.

Ein pechschwarzer Rolls-Royce stand am Straßenrand.

Auf dem Rücksitz saß Reinhard mit einer schmalen, silbern gefassten Brille, hob den Blick, hinter den Gläsern lag etwas Kühles.

„Herr Vohwinkel“, rief Mareike.

Er sagte: „Steig ein.“

Sie öffnete die Tür und setzte sich, vor Anspannung am ganzen Körper verkrampft.

Reinhard saß im Schatten, die Miene gelassen, kein Gefühl darin zu lesen. „Ich finanziere dich, damit du ordentlich lernst.“

Mareike erklärte: „Herr Vohwinkel, ich habe mit ihm nur über die Aufgaben gesprochen.“

Er hob langsam die Hand und strich über ihr langes Haar, die kühlen Finger an ihrer Kopfhaut.

Sanft sagte er: „Sei brav, Mareike.“

Mareike verkrampfte sich und senkte den Kopf.

Sie schrieb dem jungen Mann eine Absage und bat ihn, sie in Ruhe zu lassen, dann blockierte und löschte sie seine Nummer.

Reinhards Stimme wurde etwas weicher, er lobte sie: „Braves Mädchen.“

Danach band er ihr Verhalten noch strenger.

Sie durfte keinen Nebenjob außerhalb der Uni haben, nicht eigenmächtig an Feiern mit Männern teilnehmen, nicht trinken und keinem Verein beitreten.

Seine Assistentin nahm ihr unter dem Vorwand der Verwahrung sogar die Ausweispapiere ab.

Wie bei einem Haustier übernahm Reinhard vollständig die Kontrolle über alles, was sie betraf.

Je länger sie mit ihm zu tun hatte, desto mehr erschreckte Mareike sein von Tag zu Tag wachsender Kontrolldrang.

In der Wohnung, die Reinhard ihr gestellt hatte, fand sie sogar eine hinter einem Wandbild versteckte Kamera, und in ihrem eigenen Telefon entdeckte sie eine Ortungssoftware.

So harrte Mareike aus, bis der Vertrag fast ablief, dann erst meldete sie sich von sich aus bei Reinhards Assistentin und wies auf die Sache hin.

Doch die Assistentin erklärte ihr daraufhin, falls Reinhard nicht von sich aus kündigte, verlängerte sich der Vertrag automatisch. Sie wies sie freundlicherweise sogar darauf hin, dass im Fall einer Untreue während der Vertragslaufzeit eine enorme Vertragsstrafe fällig würde.

Erst da wurde Mareike klar, dass sie nicht mehr wegkam.

Vielleicht beherrschte er eines Tages ihr ganzes Leben, und ihr blieb nicht einmal Raum, sich zu wehren.

Ein Donnerschlag.

Das Gewitter krachte und erhellte für einen Augenblick die kleine Wohnung.

Mareikes Gedanken lösten sich aus der Erinnerung.

Vor ihr kniete der sonst so hochmütige Reinhard halb auf dem Boden und sah zu ihr auf.

Seine Augenwinkel waren gerötet, Schweiß rann ihm von der Stirn zum Kinn, der Hals angespannt – von seiner sonstigen Vornehmheit und Beherrschung war nichts mehr übrig.

Reinhard war an diesem Abend wie ein anderer Mensch. Betrunken schien er ihre weichen Finger und ihre schlanken Waden über alles zu mögen, mühte sich um Beherrschung und konnte sich doch nicht zügeln, das furchterregende Verlangen in seinen Augen ließ sich kaum noch bändigen.

Mareike war von ihm in die Sofaecke gedrängt, die Hände an seiner Hüfte abgestützt, und spürte durch den dünnen Stoff, wie sich die klar gezeichneten Bauchmuskeln unter ihren Handflächen anspannten und zitterten.

Sie vergaß sogar, sich zu wehren.

Sonst hatte stets er auf sie herabgesehen; ihn einmal von oben zu betrachten, war ihr ganz neu.

Wenn die Frauen, ja sogar die Männer, die ihm verfallen waren, ihn jetzt in diesem aufgelösten Verlangen sähen, sie stürzten sich sofort auf ihn stürzen und mit Haut und Haaren verschlingen.

Wenn er wieder klar wäre und sich an diese Szene erinnerte, wie würde er reagieren?

„Fühlt es sich gut an?“, fragte er heiser.

Mareike erwiderte unwillkürlich: „Was?“

Reinhard nahm ihre Hand und führte sie an seinen Bauch.

Seine Haut glühte, war tiefrot und von Schweiß benetzt.

Er warf den Kopf in den Nacken, der Hals zum Zerreißen gespannt, und bebte vor Verlangen nach Erlösung.

Reinhard führte ihre Hand über seinen Körper.

Mit einem ganz leisen, dumpfen Laut bebte er heftig am ganzen Leib, die Haut überzog sich rasch mit einem rötlichen Schimmer, und auf dem sonst ausdruckslosen Gesicht zeigte sich eine ungeheure Lust.

Mareike zog die Hand zurück, doch er klammerte sich an sie wie ein streunender Hund, den man einmal mit einem Knochen gefüttert hat. Keuchend rückte er näher, klebte an ihr, presste sich an sie.

„Geh nicht.“

Seine Lippen streiften ihren Handrücken und wanderten hinauf. „Mach weiter, Mareike.“

Kurz darauf hockte er sich hin, kniete auf einem Knie vor ihr und legte die Hand an ihr Knie.

Seine Handfläche brannte vor angestautem Blut, und der Arm mit den hervortretenden Adern war fast so kräftig wie ihre Wade.

Mareike sah mit offenen Augen zur Decke, umhüllt vom Alkohol und dem leichten Zedernduft.

Wie benommen dachte sie, falls Reinhard je bankrottginge, könnte er sich noch immer als gefragte Begleitung verdingen.

Sicher legten einige ein Vermögen für ihn hin.

Continue a ler este livro gratuitamente
Escaneie o código para baixar o App

Último capítulo

  • Nur ihre Berührung   Kapitel 30

    Als die Haut rasch rot anlief und beim Weiterreiben wohl bald geblutet hätte, kramte Tobias hastig ein Medikament aus der Tasche und reichte es ihm.Es war ein Beruhigungsmittel, das Lukas bei der Übergabe bereitgelegt hatte, gemischt mit einem Schmerzmittel. Der Chef musste es Lukas zufolge stets bei sich tragen.Reinhard verabscheute Berührungen durch andere zutiefst. In schweren Fällen reagierte er mit Erbrechen, sogar mit Dehydrierung, und brauchte ein solches Mittel, um sich zu beruhigen.Tobias hatte anfangs nur an eine Art Reinlichkeitszwang oder eine psychische Blockade gedacht, hätte aber nicht erwartet, dass eben ein paar Berührungen durch die Frau, noch dazu durch den Ärmel, eine so heftige Reaktion auslösten.Die Hand mit dem Medikament blieb in der Luft hängen.Reinhard hob plötzlich den Kopf. Sein Blick fing den forschenden Ausdruck auf, den Tobias nicht rechtzeitig verborgen hatte. In seiner Stimme lag unterdrückte Kälte.„Raus.“Tobias erschauderte und zog sich eilig au

  • Nur ihre Berührung   Kapitel 29

    Der Wagen kehrte zum „Goldenen Abend“ zurück.Das heutige Festbankett fand im luxuriösesten Hotel von Königsfeld statt.Es war das erste Dinner, das die Delegation aus Calbria nach Abschluss der Verhandlungen im Inland gab.In den vergangenen zweiundsiebzig Stunden hatte Reinhard ununterbrochen unter Hochdruck gearbeitet und kaum ein Auge zugetan. Er hatte die ursprünglich auf vier Tage angesetzte Karibikreise bis zum Äußersten zusammengestaucht, die Verhandlung mit aller Macht auf anderthalb Tage gedrückt und dafür enorme Gewinne abgegeben.Die Vertreter der Gegenseite hatte er mit blutunterlaufenen Augen in die Enge getrieben, und auch ihm selbst standen vor Erschöpfung und ständigem Taktieren die Übermüdung ins Gesicht geschrieben. Sogar Tobias sorgte sich, sein Chef könnte jeden Moment zusammenbrechen.Kaum war die Verhandlung beendet, verlangte Reinhard, sofort heimzukehren.Tobias kontaktierte über Nacht die Fluggesellschaft, um die Privatroute zu ändern, und nach siebzehn Stunde

  • Nur ihre Berührung   Kapitel 28

    Der Fahrer steuerte den Wagen wie angewiesen zu einer Bushaltestelle nahe dem Geschäftsviertel.Tatsächlich sahen sie an der Haltestelle am Lindenufer die dünn bekleidete Mareike auf den Bus warten.Sie stand einsam unter einer Straßenlaterne, hinter sich das prächtige Neon der nächtlichen Stadt, als wollte es sie ganz verschlingen.Ihre Schultern waren schmal, die Nasenspitze gerötet.Durch Reinhards Inneres zog plötzlich eine fremde Empfindung.Er hatte nicht viel Erfahrung im Umgang mit jungen Frauen und war es gewohnt, Probleme auf harte Weise zu lösen. Ob die Cousinen der Familie oder die Töchter der Geschäftspartner, begegneten ihm die meisten höchst ehrerbietig, glatt und schmeichelnd.Als er Mareike allein auf den Bus warten sah, wurde ihm wieder einmal klar:Er sollte sie wohl nicht nach dem alten Muster behandeln.…Der Nachtwind war kalt.Mareike stand an der Bushaltestelle und spürte das Fieber steigen. Ihr Kopf war benommen, die Lippen trocken und blass.Vorhin, als sie zu

  • Nur ihre Berührung   Kapitel 27

    Jetzt, da einer fehlte, herrschte im Wagen Stille.Reinhard saß im Schatten und betrachtete seine Finger.Auf seinen Fingerkuppen haftete noch die weiche Berührung – wie eine süchtig machende Substanz, von der man schon bei der kleinsten Berührung nicht mehr loskam.Dieser Zustand würde sein Urteilsvermögen trüben.Reinhard zog ein Seidentuch hervor und wischte langsam die Finger ab, doch jene Weichheit schien in die Haut eingesickert und ließ sich auch nach vielen Versuchen nicht vertreiben.Auf dem Beifahrersitz trug Tobias Mareikes heutigen Tagesablauf Punkt für Punkt vor.Reinhard hörte still zu Ende und sagte ruhig: „Hatte ich nicht angeordnet, dass die ihr nicht mehr zu nahe kommen sollten?“Schlagartig wurde die Luft im Wagen drückend.Auch Tobias’ Miene veränderte sich leicht, fast wäre ihm der Schweiß heruntergelaufen. „Verzeihung, Herr Vohwinkel, ich kümmere mich darum.“Der sonst so beherrschte Reinhard zeigte selten solche Momente offener Gefühle. Seine Miene war düster, se

  • Nur ihre Berührung   Kapitel 26

    Durch das schwarze, einseitig verspiegelte Glas war nicht zu sehen, was drinnen vorging. Alle warteten stillschweigend draußen.Im Wagen drohte die Stimmung zu gefrieren.Unter Reinhards vornehmer, kühler Fassade kam ein Stück seiner wahren Gefühle zum Vorschein – die Spitze des Eisbergs.Mareike war am ganzen Körper angespannt, ihr Kinn fest umfasst. An Reinhards Fingern saß noch der Verlobungsring; auf seinem Handrücken traten leicht die Adern hervor, und eine dichte Düsternis lag um ihn.Das kalte Metall drückte gegen ihre Haut. Er zog sie ganz nah heran, sein scharfer Blick fiel auf ihr Gesicht.„Warum, wegen dieses Menschen?“Seine Hand war groß und schön, die Finger lang; sie konnte ihr halbes Gesicht bedecken – hell und feingliedrig, wie geschaffen für ein Handmodel.Mareikes Atem stockte. Die Haut, auf die er gedrückt hatte, färbte sich rasch rot, und ihr heißer Atem strich unaufhörlich über seine Handfläche. Die weiche Berührung unter seinen Fingerkuppen löste in ihm einen suc

  • Nur ihre Berührung   Kapitel 25

    Mareike wusste, dass sie dankbar sein sollte.Reinhards erste Reaktion, nachdem ihr etwas zugestoßen war, war gewesen, sie zu rächen, und mit leichter Hand hatte er geschafft, was ihr selbst nie gelungen war.Der beste Weg, ein Gerücht zu ersticken, war, ein größeres in die Welt zu setzen. Seine Rache traf einen gewöhnlichen Menschen wie ein Schlag aus einer anderen Liga, stark genug, ein noch gar nicht begonnenes Leben zu zerstören.Doch sie konnte ihre Gefühle nicht einfach abschalten.In ruhigen Momenten quollen jene Bilder unkontrolliert hervor: wie Dominik mit der Plastiktüte über dem Kopf zitternd auf dem Boden kniete, das Gesicht blau angelaufen. Das Bild zerrte unaufhörlich an ihren Nerven.Nicht nur Dominik, auch jener junge Mann, der sie im Hörsaal öffentlich gedemütigt hatte, war seit Kurzem verschwunden.Die Fakultät hatte nichts öffentlich bekannt gegeben, doch Mareike konnte sich den Grund seines Verschwindens denken. Gerade deshalb wagte sie nicht, ihn zu Ende zu denken

Mais capítulos
Explore e leia bons romances gratuitamente
Acesso gratuito a um vasto número de bons romances no app GoodNovel. Baixe os livros que você gosta e leia em qualquer lugar e a qualquer hora.
Leia livros gratuitamente no app
ESCANEIE O CÓDIGO PARA LER NO APP
DMCA.com Protection Status