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Kapitel 2

작가: fishhh
Auf dem Bildschirm war ein eindrucksvolles Foto eines Mannes mit nacktem Oberkörper.

Diffuses, anzügliches Licht zeichnete einen breitschultrigen, durchtrainierten Körper nach, die Linien fließend, die Bauchmuskeln klar abgesetzt – und auch sonst ließ er nichts zu wünschen übrig.

Mareike blinzelte. Dieser geradezu makellose Körper hatte sich ihr eingebrannt und ließ sich nicht mehr verscheuchen.

Das Telefon gab einen Ton von sich, eine weitere Nachricht.

„Tut mir leid, das war ein Versehen, falsch verschickt.“

Mareike hob den Blick.

So unachtsam?

Am oberen Bildschirmrand erschien „tippt…“.

Wenige Sekunden später kam die nächste Nachricht.

„Frau Tannberg, erreichen Sie Reinhard heute Abend nicht?“

„Raten Sie mal, in wessen Bett Ihr Verlobter gerade liegt.“

„Wollen Sie so einen dreckigen Mann wirklich noch? Trennen Sie sich von ihm. Sie sollten sich jemand Saubereren suchen.“

Das Telefon summte ununterbrochen.

Mareike sah auf das Display, und irgendetwas passte nicht zu dem, was sie sich gedacht hatte.

Sie war die ganze Zeit davon ausgegangen, dass die Person, die ihr ständig Beweise für Reinhards Untreue schickte, wenn schon nicht die große Liebe selbst, dann doch zumindest eine Frau sein müsste, die in ihn verliebt war.

Doch der Absender war ein Mann.

Sie betrachtete das Bild noch eine Weile, ohne rechtes Interesse, dann drückte sie auf Löschen.

Fast im selben Moment kam von hinter der Badezimmertür ein leiser Ruf. „Mareike.“

Mareike schaltete das Telefon aus und antwortete sanft: „Herr Vohwinkel, ich bin hier.“

Drüben wurde es plötzlich still.

Drüben wurde es schlagartig still, lange kam keine Antwort.

Sie stand auf, trat näher, klopfte zweimal und fragte leise: „Kann ich Ihnen irgendwie helfen?“

Dieser Satz wirkte wie die Beschwörungsformel, die eine Büchse der Pandora öffnete.

Einen unheimlichen Augenblick lang blieb es still. Dann kam von hinter der Tür seine raue Stimme, langsam und gedehnt.

„Mareike…“

„Mareike Tannberg…“

Die Tür war verriegelt.

Er hatte sich im Bad eingeschlossen und rief sie qualvoll.

Mareike überlief es kalt, endlich begriff sie.

Sie hätte nie gedacht, dass sie ihren Namen eines Tages so aus seinem Mund hören würde, durchsetzt von einer Gier, die ihr das Herz stocken ließ.

Reinhard schien nicht ganz klar, weil die ausbleibende Antwort ihn unruhig machte. Er fragte, ob sie da war, und bat sie, nicht zu gehen.

„Ich bin nicht gegangen“, sagte sie leise.

Die Worte brannten ihr auf der Zunge, und ihr Kopf sank immer tiefer, als glühte ihr das Gesicht.

Es klickte, die Tür ging auf.

Mareike hob langsam den Blick. Das Bad war ganz in Dunst gehüllt, das Licht gedämpft, die feuchte Hitze nahm einem fast den Atem.

„Herr Vohwinkel, geht es Ihnen besser?“

Sie trat langsam näher.

Aus der Tiefe des Dampfes kam seine raue Stimme. „Mareike.“

Dazu ein Plätschern von Wasser, das keinen Zweifel ließ, was er gerade tat.

„Komm nicht näher.“ In seiner Stimme lag eine Dringlichkeit, die eher danach klang, als wünschte er sich, sie käme schneller.

Der dichte Dampf zog langsam ab, sobald er die kühlere Luft draußen berührte.

Mareikes Blick stockte und glitt unwillkürlich nach unten. „Herr Vohwinkel…“

Zum ersten Mal sah sie, wie gut der Körper war, den seine sonst so strengen Anzüge verbargen.

Die Haut des Mannes war blass und hell, mit zart durchschimmernden Adern. Breite Schultern, ein flacher, durchtrainierter Bauch, der Adonisgürtel zeichnete sich klar ab und verlor sich nach unten im Dunkeln.

Die Anzughose trug er noch, doch sie saß längst nicht mehr ordentlich.

Der Mann, der sonst von der Spitze auf alle anderen herabsah, bot in diesem Moment ein Bild des Elends. Der große, durchtrainierte Körper kauerte in der Ecke, vom Dampf durchnässt, das Stirnhaar fiel ihm in die tief liegenden Augen. Die dunklen Augen sahen zu ihr herüber, das edle Gesicht halb im Schatten.

Langsam fanden seine Augen ihre Gestalt, und er streckte die Hand nach ihr aus.

„Mareike.“

Heiser sprach er ihren Namen, ohne zu blinzeln, den Blick auf ihr Gesicht geheftet, die dunklen Augen vor äußerster Konzentration leicht verengt.

„Komm nicht her.“

Sein Mund schickte sie fort, doch seine Hand verriet ihn.

Denn diese Hand, die unzählige Verträge über hundert Millionen unterschrieben hatte, packte in dem Moment, als Mareike näher trat, mit hervortretenden Adern hart ihren Knöchel. Die Kraft war erschreckend, als klammere sich ein Ertrinkender an sein Stück Holz.

„Mareike…“

Er sah sie unverwandt an, und in seiner Stimme lag eine Vertrautheit und Schwäche, die er sonst nie zeigte, dazu ein unverhohlenes Verlangen.

„Es tut so weh….“

Mareike versuchte, sich zu bewegen, doch seine Handfläche glühte wie ein Brandeisen, und unter seinem brennenden Blick konnte sie sich nicht losreißen.

„Herr Vohwinkel, womit kann ich Ihnen helfen?“ Sie beugte sich und hockte sich langsam vor ihn.

Reinhard schluckte schwer und griff stattdessen nach ihrem Handgelenk.

Seine langen, feuchten Finger schlossen sich fest um ihre Hand und drückten sie.

„Du bist mich heute nicht abholen gekommen.“ Klebriger, heißer Schweiß lief ihm aus dem Stirnhaar, seine Augen waren von roten Äderchen durchzogen. „Warum bist du nicht gekommen?“

Mareike ertrug den Schmerz und erklärte sanft: „Ich war da. Aber ich war wohl am falschen Ort.“

„Warst du nicht.“

„Herr Vohwinkel, Sie sind gerade nicht klar…“

Er nahm die Brille ab, als risse er eine Tarnung herunter, und sagte mit rauer, gepresster Stimme: „Ich bin völlig klar.“

Die glühende Hand legte sich in ihren Nacken, er rückte näher, zog sie zu sich, senkte den Kopf und küsste sie.

Mareike fand, dass er in diesem Moment etwas zutiefst Forderndes hatte.

Reinhard hatte ein Gesicht, das jeden um den Verstand brachte, doch es war streng und beherrscht, sodass niemand leicht auf Gedanken zwischen Mann und Frau kam. Jetzt aber durchbrach er diese Unnahbarkeit selbst.

Mareike spürte ein leichtes Stechen, als Reinhards feuchtes Stirnhaar ihre Wimpern streifte und ihr unwillkürlich die Augen feucht werden ließ.

Einen Moment lang erstarrte sie, doch sie stieß ihn nicht weg, sondern ertrug vorsichtig und nachgiebig diesen Kontrollverlust nach dem Alkohol.

Ihr blieb fast die Luft weg.

Reinhard hielt die Augen geschlossen, die langen Wimpern warfen Schatten auf die blasse, helle Haut. Er schien diesen Augenblick geradezu zu genießen und murmelte leise ihren Namen.

Ein herber Männergeruch, der letzte Rest seines Zedernparfüms und der Duft ihres Duschgels vermischten sich.

Überwältigend legte es sich über alle Sinne.

Sein Handteller schützte ihren Hinterkopf, sie konnte sich nicht rühren. Wie ein kleines Tier, das Gefahr spürt, zuckte sie leicht zusammen und entspannte sich erst allmählich unter seinem sanften Klopfen.

Nach langer Zeit lösten sie sich endlich.

Beide rangen nach Luft wie frisch aus dem Wasser gezogene Fische.

Als Mareike Reinhards ebenfalls gerötete Lippen sah, wandte sie den Blick ab, als hätte sie sich verbrannt.

Reinhard dagegen sah sie unverwandt an.

Nach einer Weile fragte er heiser: „Alles in Ordnung?“

Mareike brauchte einen Moment. „Was?“

„Wie hat es sich angefühlt, mich zu küssen?“

Mareike kam es vor, als wäre Reinhard ein ganz anderer Mensch.

In seinen Augen lag eine glühende Zuneigung, die ihr beinahe die trügerische Empfindung gab, tief geliebt zu werden.

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