MasukDie Welt um mich herum verstummte.Das hektische Geschrei der Reporter, das gleißende Blitzlichtgewitter hunderter Kameras, das Knurren der Federal Marshals, die Damien auf den mit Teppich ausgelegten Bühnenboden drückten – all das löste sich in meinen Ohren in einer eisigen, rauschenden Leere auf.Nicht meine Tante. Meine leibliche Mutter.Ich starrte Harrison an, der Atem stockte mir in der Brust. „Wovon redest du da?“, brachte ich mühsam hervor; meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, und ich zitterte so heftig, dass meine Zähne aufeinander schlugen.„Diana ... Diana hat mich großgezogen. Sie hat mir erzählt, meine Mutter sei bei der Geburt gestorben!“„Diana hat über alles gelogen, Ivana“, krächzte Harrison mit dunkler, tiefer Stimme, während seine große Hand meinen Nacken umschloss – eine Berührung voller wilder, beschützender Wärme. Er hob meinen Kopf an und zwang mich, den Blickkontakt mit seinen weit aufgerissenen, verängstigten Augen zu halten. „Sie hat dich als Neugebor
Im großen Ballsaal herrschte plötzlich Totenstille, als die schweren Flügeltüren aufklickten und das Geräusch von den hohen, vergoldeten Decken widerhallte.Harrison schritt den Mittelgang entlang, flankiert von seinem Sicherheitschef und zwei hochrangigen Anwälten der Bundesverteidigung. Er trug einen makellosen anthrazitfarbenen Anzug und wirkte völlig unbeeindruckt – das perfekte Abbild eines skrupellosen Titanen, dem dieser Raum gehörte. Keine dramatischen Ketten oder aufgebrochenen Schlösser – nur die überwältigende, kalte Autorität eines Mannes, der jeden Raum beherrschte, den er betrat.„Was soll das bedeuten?!“, schrie Diana in das Mikrofon am Rednerpult; ihre eisige Fassade zerbrach augenblicklich und wich blanker Panik. „Sicherheit! Verhaftet diesen Mann! Er müsste eigentlich in einer Hochsicherheitszelle sitzen!“Keiner der Sicherheitsleute von Carlton rührte sich. Harrisons leitender Anwalt trat vor, knöpfte sein Sakko auf und holte eine beglaubigte gerichtliche Anordnung
Die Fahrt in der Limousine zum Grand Carlton war ein erstickender Albtraum.Damien saß mir im luxuriösen Lederinterieur gegenüber und goss sich einen Scotch in ein Kristallglas ein, während draußen hinter den getönten Scheiben die Lichter der Stadt verschwammen. Er wirkte wie ein Mann, der den Krieg bereits gewonnen hatte; mit einem arroganten Grinsen, bei dem sich mir der Magen umdrehte, ließ er die goldene Flüssigkeit im Glas kreisen.„Einen Drink?“, bot er geschmeidig an und machte eine Geste mit der Karaffe.„Eher würde ich ersticken“, zischte ich; meine Knöchel traten weiß hervor, so fest umklammerte ich den Rand des Ledersitzes.Mein Herz hämmerte so heftig gegen meine Rippen, dass ich kaum richtig Luft holen konnte. Hannah lebt. Die Tante, die mich einst voller echter Zärtlichkeit gehalten hatte, bevor sie vor zweiundzwanzig Jahren aus meinem Leben verschwand, war nicht bei einem Unfall ums Leben gekommen. Sie war entführt, versteckt und in einem goldenen Käfig mit Medikamenten
Das widerliche Klicken schwerer Stahlhandschellen, die sich um Harrisons kräftige Handgelenke schlossen, hallte wie ein Schuss vom Mahagonischreibtisch wider.„Nimm deine verdammten Hände von mir“, knurrte Harrison; seine Stimme sank in eine so dunkle, tödliche Tonlage, dass sie eine physische Schockwelle direkt durch mein Rückgrat jagte.Selbst als drei kräftige Beamte seine breiten Schultern auf den Schreibtisch drückten, wirkte er nicht besiegt – er sah aus wie ein Raubtier im Käfig, das nur auf den richtigen Moment wartete, um ihnen die Kehle herauszureißen. Sein Blick bohrte sich in meinen – pechschwarz und lodernd vor roher, erschreckend besitzergreifender Wut.„Harrison!“, schrie ich und stürmte ohne nachzudenken vorwärts, die Hände nach ihm ausgestreckt.Bevor ich die Distanz überbrücken konnte, legte der Gerichtsdiener einen schweren Arm quer über meine Brust und stieß mich mit solcher Wucht zurück, dass meine Absätze auf dem polierten Marmorboden wegrutschten.„Bleiben Sie z
Die Luft im Privatbüro wurde augenblicklich eisig.Der Name Hannah hing wie ein körperlicher Schlag zwischen uns – schwer und erstickend, sodass mir der Atem stockte. Ich holte hastig Luft und stützte mich am Mahagonischreibtisch ab; meine Beine zitterten noch immer von Harrisons Berührung.Harrison drehte sich langsam um; von seiner massiven Gestalt ging eine beängstigende, tödliche Energie aus. Seine sturmgrauen Augen fixierten Caleb, und sein Kiefer war so fest zusammengepresst, dass sich der Muskel unter seiner gebräunten Haut abzeichnete.„Sag diesen Namen noch einmal“, schnurrte Harrison, und seine Stimme sank in eine so dunkle Tonlage, dass sich mir die Nackenhaare aufstellten.„Es ist Hannahs Akte, Boss“, sagte Caleb knapp und hielt ihm das verschlüsselte Tablet hin.„Vor zweiundzwanzig Jahren, kurz vor ihrem tödlichen Autounfall, zahlte Diana einem Gerichtsbeamten ein Vermögen, damit er einen offiziellen genetischen Datensatz unter Hannahs Namen unter Verschluss nahm. Als Dam
Bevor Harrison auch nur ein Wort sagen konnte, spiegelte sich in den riesigen Glasfenstern seines Büros ein plötzlicher Blitz aus blendendem Licht wider, der von der dreißig Stockwerke tiefer gelegenen Straße heraufdrang.Draußen wimmelte es vor dem Haupteingang von Voss Developments bereits von Übertragungswagen, Nachrichtenhelikoptern und schreienden Menschenmengen.Der Albtraum hatte nicht nur begonnen – Daniel Vrit hatte gerade den totalen Krieg erklärt, und die ganze Welt sah zu.Die Geräusche der Übertragungswagen draußen erinnerten an einen Hornissenschwarm; ihre rot und blau blinkenden Lichter huschten über die hohen Fenster von Harrisons Büro.„… Eilmeldung … Durchgesickerte Gerichtsdokumente deuten auf eine skandalöse Inzest-Affäre zwischen dem Wirtschaftsmagnaten Harrison Voss und seiner Stieftochter hin …“Harrison sah weder zum Fenster noch auf den schreienden Fernsehbildschirm, der in seine Wand eingelassen war.Er bewegte sich wie ein entfesseltes Raubtier; er ließ das







