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Kapitel 4

Author: Genesis
last update Petsa ng paglalathala: 2026-05-26 04:16:06

„Ich meine…“ Ethan wedelte abfällig mit der Hand in meine Richtung, als wollte er etwas Unwichtiges wegwischen. „Du solltest dich vielleicht mehr auf dich selbst konzentrieren. Das würde… die Dinge vielleicht klären.“

Ich starrte ihn völlig fassungslos an. „Was genau klären?“

Er zögerte einen Moment. Sein Blick huschte zu mir, dann weg, dann wieder zurück, als müsste er sich zwingen weiterzusprechen.

„Aria… schau dir doch mal deinen Bauch an. Deine ganze Figur. Deine Taille. Ich meine… du weißt schon… du bist irgendwie…“

Seine Worte trafen mich wie ein schwerer Schlag direkt in die Brust. Meine Augen brannten sofort, heiß und stechend. Das waren keine sanften Tränen – es waren wütende, schmerzhafte Tränen, die aus tiefer Verletzung kamen.

„Body-shamst du mich gerade ernsthaft, Ethan?“ Meine Stimme brach, klang aber dennoch scharf.

Er hob leicht die Hände. „Ich shame dich nicht. Ich sage nur, vielleicht wenn du–“

„Nach allem, was mein Körper durchgemacht hat?“ Ich trat näher, mein Atem ging unregelmäßig. „Erinnerst du dich überhaupt an die Komplikationen bei Milas Geburt? Den starken Blutverlust? Die Nähte? Die Monate, in denen ich kaum laufen konnte, ohne dass es sich anfühlte, als würde etwas in mir zerreißen?“

Er sah mich nur mit kaltem, leerem Gesichtsausdruck an, als hätte all das keine Bedeutung.

„Ich habe meine schmale Taille verloren, weil ich unsere Tochter ausgetragen habe“, fuhr ich fort. „Weil ich etwas durchgestanden habe, das mich fast von ihr weggerissen hätte. Und jetzt stehst du hier und zeigst auf meinen Bauch?“

Ethan zuckte nur leicht mit den Schultern, als wäre er bloß vernünftig. „Aria… ich bin einfach nur ehrlich zu dir. Du siehst nicht mehr so aus wie früher. Und vielleicht ist das einer der Gründe, warum es zwischen uns… nicht mehr stimmt. Wenn du an dir arbeitest, könnte das wirklich helfen.“

Das war der Moment, in dem etwas in mir endgültig riss.

Ich schlug ihm ins Gesicht, bevor ich überhaupt merkte, was ich tat. Das scharfe Klatschen hallte durch den Raum. Sein Kopf flog zur Seite, und zum ersten Mal sah er wirklich geschockt aus.

„Ich hasse dich.“

Ich drehte mich sofort um und ging hinaus, mit schnellen, unsicheren Schritten.

Die Tränen liefen schon, bevor ich den Flur erreichte.

Ich wischte sie grob mit dem Handrücken weg, doch sie kamen weiter. Ich nahm den längeren Gang, der hinter den Gästezimmern entlangführte, damit Mila und die Nanny mich nicht so zusammenbrechen sahen.

Mein Atem stockte beim Gehen immer wieder, und seine Worte liefen in Dauerschleife durch meinen Kopf. Dein Bauch… deine Taille… Die Dinge klären.

Mich selbst klären?

Mich selbst klären, damit ich wieder attraktiv für ihn war?

Mich selbst klären, damit er keine andere Frau brauchte?

Mein Herz sackte schwer nach unten. Denn in diesem schmerzhaften Moment fügte sich plötzlich alles zusammen.

Das war also der Grund, warum er fremdgegangen war. Er sah mich an und sah jemanden, den er nicht mehr begehrte. Und das Video, das ich gesehen hatte, war kein zufälliger Fehler oder bloße Lust. Es war seine Entscheidung für eine andere Frau, weil ich nicht mehr das schlanke, schmaltaillige Mädchen war, das er geheiratet hatte.

Eine Welle der Übelkeit stieg in meiner Kehle auf.

Natürlich war er zu ihr gerannt. Zu seiner alten Studienfreundin. Der Frau, die aussah wie ein Model. Mit langen Beinen, flachem Bauch und einer perfekten Figur, für die sie nie kämpfen musste. Genau der Typ Frau, mit dem Männer bekanntermaßen fremdgehen – sowohl in Filmen als auch im echten Leben.

Ich stützte mich mit der Hand an der Wand ab, um nicht umzukippen, und atmete schwer.

„Ich werde dir das nie verzeihen, Ethan.“

-----

Ich saß eine gefühlte Ewigkeit auf dem Boden. Ich weiß nicht einmal, wie viel Zeit verging. Das Einzige, was mich davon abhielt, völlig wegzutreten, war das schwache Bewusstsein, dass ich noch immer dort saß.

Ich spürte meinen Körper auf den kalten Fliesen, aber sonst nahm ich nichts wahr. Meine Augen waren offen, doch ich sah nichts wirklich. Es war, als hätte mir jemand Watte in die Ohren gestopft – alle Geräusche um mich herum klangen fern und gedämpft, als wäre ich unter Wasser gefangen.

Ich bemerkte die Schritte nicht einmal. Das Erste, was ich spürte, war eine sanfte Hand auf meiner Schulter. Ich zuckte so heftig zusammen, dass mir der Atem stockte.

Als ich aufblickte, stand Debby vor mir, Milas Nanny.

Sie trug diesen besorgten Ausdruck, den Menschen aufsetzen, wenn sie merken, dass etwas nicht stimmt, aber nicht nachbohren wollen.

„Alles in Ordnung?“, fragte sie leise.

„Mir geht’s gut“, antwortete ich, obwohl meine Stimme selbst in meinen Ohren fremd und hohl klang. Ich stemmte mich vom Boden hoch. Meine Beine fühlten sich steif und ungelenk an, als hätten sie vergessen, wie man richtig läuft.

Debby hielt mir mein Handy hin. „Es hat ununterbrochen geklingelt. Deshalb habe ich nach dir gesucht.“

„Danke.“

Ich nahm das Telefon und warf einen Blick auf den Bildschirm.

Fünfzehn entgangene Anrufe.

Alle von meiner Filialleiterin. Natürlich. Probleme warteten nie auf den richtigen Moment. Irgendetwas musste im Laden schiefgelaufen sein.

Gerade als ich weitergehen wollte, hielt ich inne und zwang mich zu fragen: „Was ist mit meinem Mann…“

Ich schloss die Augen. Allein das Wort auszusprechen, fühlte sich erschöpfend an.

„…und Mila.“

„Die beiden sind schon weg“, sagte Debby sanft. „Ich habe Milas Lunch, ihre Ersatzflasche, ihre Strickjacke und ein paar Snacks eingepackt. Sie war heute Morgen allerdings sehr still.“

Still.

Ich nickte langsam. „In Ordnung. Danke.“

Ich ging weiter und schaute dabei auf mein Handy. Eine lange Nachricht von Clara war auf dem Bildschirm erschienen – Probleme mit einem Lieferanten, sie bat um Erlaubnis, etwas Geld zu verwenden, um es zu regeln.

Ich tippte schnell zurück: „Clara, bitte kümmere dich darum. Du hast meine Erlaubnis.“

Meine Kehle fühlte sich trocken und rau an, als hätte ich Sand geschluckt. Es war noch früh am Tag, aber mein Körper fühlte sich bereits vollkommen ausgelaugt an, als hätte ich ein ganzes Leben voller Schmerz durchlebt. Ich ging nach unten in die Küche.

Debby folgte mir leise.

„Du kannst jetzt gehen“, sagte ich, ohne mich umzudrehen. „Mir geht’s gut.“

Sie zögerte. „Bist du sicher?“

„Geh nur, Debby. Bitte.“

Sie blieb noch einen Moment stehen, dann nickte sie. Debby wohnte nicht im Haupthaus – sie hatte ihre kleine Wohnung hinter dem Hof und kam nur herüber, wenn Mila sie brauchte. Aber heute spürte ich, dass sie sich Sorgen machte, mich allein zu lassen.

Ich rang mir ein kleines, schwaches Lächeln ab. „Ich komm klar.“

Sobald sie weg war, gaben meine Knie fast nach, aber ich hielt mich am Geländer fest und ging weiter.

Ich ging direkt zur Spüle, goss mir ein Glas Wasser ein und trank es in einem Zug leer, obwohl meine Hand leicht zitterte. Ich ignorierte es.

Als ich das Glas abstellte, hallte das Geräusch durch die stille Küche. Ich blieb gegen die Arbeitsplatte gelehnt stehen, die Augen geschlossen, und atmete langsam aus.

Dann blickte ich zur Decke hoch.

„Daddy… der Sohn deines Freundes behandelt deine Tochter nicht mehr richtig“, flüsterte ich.

Es laut auszusprechen, tat weh. Nicht wegen Ethan, sondern weil mein Vater nicht mehr hier war, um mir zuzuhören.

Ich trat aus der Küche und ging ins Wohnzimmer. Ich wollte gerade den Flur zu meinem Zimmer hinuntergehen, als ich Debby noch immer beim Eingang stehen sah.

„Debby“, rief ich überrascht, weil sie noch nicht gegangen war.

Ich ging langsam auf sie zu. Erst da bemerkte ich, dass noch jemand bei ihr stand.

Ich trat näher, um zu sehen, mit wem sie sprach, und als ich sein Gesicht und seine Statur deutlich erkannte, vergaß ich fast zu atmen. Oder ich übertrieb einfach. Aber ehrlich…

Wer zur Hölle ist das?

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