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SCHAU ZU, WIE ICH MICH REPARIERE, BETRÜGER!!
SCHAU ZU, WIE ICH MICH REPARIERE, BETRÜGER!!
Author: Genesis

Kapitel 1

Author: Genesis
last update publish date: 2026-05-26 04:12:44

ARIA

Es war kurz nach ein Uhr morgens, als ich auf den kalten Küchenfliesen saß, Ethans iPad auf dem Schoß, und auf ein Video starrte, das ich mir in meinem ganzen Leben nie hätte ansehen wollen.

Mila war schon früher auf dem Sofa eingeschlafen, ihre Lieblings-Einhorn-Tasse noch fest in der Hand. Ich hatte sie vorsichtig nach oben getragen, ins Bett gesteckt und war wieder heruntergekommen, um den Rest aufzuräumen. Dabei hatte ich Ethans iPad offen auf der Arbeitsplatte liegen sehen.

Normalerweise ließ er es nie einfach so herumliegen. Er behandelte es sonst wie einen Safe mit streng geheimen Daten, nahm es überall mit – sogar ins Badezimmer. Angeblich, weil er die aktuellen Verkaufszahlen im Auge behalten musste oder was auch immer.

Ich wollte es nur aufnehmen und ihm ins Schlafzimmer bringen. In dem Moment, als meine Finger es berührten, leuchtete der Bildschirm auf. Was ich sah, ließ mich erstarren.

Das Hintergrundbild war nicht mehr unser Familienfoto von Milas erstem Geburtstag. Stattdessen zeigte es Ethan, Mila und Sienna Vale zusammen an einem Tisch in einem Straßencafé. Hellen Sonnenschein lag über allem. Sienna hielt Mila gemütlich auf dem Schoß, einen Arm um Ethans Schultern gelegt. Alle drei lächelten, als gehörten sie zusammen – wie eine perfekte kleine Einheit.

Mir zog sich sofort der Magen zusammen. Ich versuchte mir einzureden, ich solle nicht zu viel hineininterpretieren, doch das Bild fühlte sich vollkommen falsch an. Sienna sollte doch nur eine Bekannte sein – eigentlich mehr eine aufgedrängte Bekanntschaft. Mila liebte ihre Videos, weil Sienna eine bekannte Kindercontent-Creatorin war, und da Ethan mit ihr studiert hatte, hatte ich mich gezwungen, ihre Anwesenheit zu ertragen.

Ich blickte zur Treppe hinauf. Im Schlafzimmer war das Licht aus. Ethan schlief wahrscheinlich schon tief und fest. Ich stand einen Moment wie erstarrt da, unsicher, was ich mit diesem Bild anfangen sollte, das sich jetzt für immer in mein Gehirn gebrannt hatte. Es ergab einfach keinen Sinn.

Bevor ich es mir ausreden konnte, trug ich das iPad in die Küche, sank wieder auf den kalten Boden und öffnete seine Fotogalerie.

Ich begann zu scrollen. Bild um Bild traf mich wie ein Faustschlag in die Brust. Ethan, der selbstsicher grinste. Mila, die strahlte. Sienna, die direkt neben ihnen lächelte. Sie waren überall zusammen – in Cafés, Parks, einem Spielzeugladen, sogar ein schnelles Selfie am Drive-through mit Milchshakes in der Hand. Jedes einzelne Foto strahlte diese warme, glückliche Familienatmosphäre aus. Genau die, nach der ich mich so sehr gesehnt hatte und für die ich stattdessen nur Ausreden bekommen hatte.

In diesem Moment verstand ich endlich, warum Mila mich in den letzten Monaten immer mehr von sich weggeschoben hatte. Ich hatte es jedes Mal als normales Kinder-Verhalten abgetan. Wenn ich anbot, sie zur Schule zu bringen, hieß es: „Daddy und Tante Sienna machen das.“ Wenn ich etwas Schönes nur für uns zwei plante, bekam ich zu hören: „Tante Sienna hat mir schon was Besseres versprochen.“ Ich hatte mir eingeredet, es wären harmlose Kindersätze, die man sich beim vielen Videoschauen aneignet. Weil Sienna Kindercontent machte, war ich nie auf die Idee gekommen, dass mehr dahinterstecken könnte.

Doch es war ein klares Muster geworden. Seit Monaten gingen Ethan und Mila ständig zusammen weg. Zuerst hatte ich es als süße Vater-Tochter-Zeit gesehen und nicht hinterfragt. Dann kam Mila immer öfter nach Hause und erzählte nur noch von Tante Sienna dies und Tante Sienna das. Neue Outfits. Neue Spielsachen. Niedliche Armbänder. Schicke Haarspangen. Alles Dinge, von denen ich wusste, dass ich sie ihr nicht gekauft hatte.

Nach und nach lagen all die Zeichen, die ich ignoriert hatte, ordentlich aufgereiht in diesem Fotoalbum.

Ich scrollte weiter, bis mir ein versteckter Ordner zwischen den normalen auffiel. Er hatte keinen Namen, nur einen Zeitstempel. Wieder krampfte sich mein Magen zusammen. Jeder Instinkt riet mir, ihn in Ruhe zu lassen – doch mein Finger tippte trotzdem darauf.

Eine ganze Reihe von Videos erschien.

Ich öffnete das erste.

Der Bildschirm leuchtete auf, die Bewegung begann. Ich hielt fast den Atem an. Meine Brust zog sich schmerzhaft zusammen. Meine Hände zitterten so stark, dass ich das iPad beinahe fallen ließ.

Es war ein Sex-Video.

Von Ethan.

Und Sienna.

Ich saß vollkommen erstarrt da. Ein schrilles Klingeln erfüllte meine Ohren. Mein ganzer Körper wurde eiskalt, als wäre der Boden unter mir verschwunden. Die Geräusche aus dem Video – ihre lauten Stöhnen, seine Stimme, wie seine Hände sie packten. Es war ganz anders als die Art, wie er mich früher berührt hatte. Ehrlich gesagt war es so lange her, dass er mir überhaupt nahegekommen war. Beim letzten Mal hatte er mir nur einen flüchtigen Kuss gegeben und gemurmelt, er sei von der Arbeit erschöpft.

Ich konnte nicht wegsehen und gleichzeitig kaum atmen. Was sie taten, war nicht zärtlich oder liebevoll. Es war intensiv, hart, fast aggressiv. Ich hasste mich dafür, die Zeichen nicht früher erkannt zu haben. Es gab keine Ausrede mehr, die das hier hätte erklären können. Beim Zuschauen fühlte es sich an, als würde jemand in meine Brust greifen und so lange zudrücken, bis etwas in mir endgültig zerbrach.

Schließlich pausierte ich das Video, doch die Bilder hatten sich bereits für immer in meinen Kopf eingebrannt.

Meine Hände hörten nicht auf zu zittern. Mein Herz schlug so heftig, dass meine Brust bei jedem Schlag schmerzte. Ich wusste nicht, ob ich nach oben stürmen, Ethan wachrütteln oder einfach nur weglaufen sollte, um wieder Luft zu bekommen.

Ich umklammerte das iPad fest, als wäre es das Einzige, das mich noch zusammenhielt, während meine Gedanken wild kreisten und verzweifelt nach irgendeiner Erklärung suchten, die diesen Albtraum doch noch irgendwie sinnvoll machen könnte.

Irgendwann stand ich auf, die Beine steif und zittrig von den kalten Fliesen. Langsam ging ich zur Treppe und blieb am untersten Schritt stehen.

Ich lehnte mich schwer gegen das Geländer und hielt mich krampfhaft fest. Mein ganzer Körper bebte – nicht vor Kälte, sondern vor purer Angst. Angst vor dem, was jetzt kommen würde. Unser ganzes Leben fühlte sich plötzlich an wie eine einzige große Lüge, und ich war mir nicht sicher, ob ich die Kraft hatte, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen – oder die Kraft, so zu tun, als hätte ich nichts davon gesehen.

Ich schluckte den Kloß in meinem Hals hinunter und zwang mich zur nächsten Stufe.

Als ich leise die Schlafzimmertür aufschob, hielt ich inne.

Ethan schlief friedlich, seine Brust hob und senkte sich in ruhigen, gleichmäßigen Atemzügen. Mir drehte sich der Magen um. Alles in mir wollte das iPad nach ihm werfen, schreien, bis meine Stimme versagte, ihn wachrütteln und Antworten verlangen. Aber ich konnte mich nicht rühren. Ihn so entspannt daliegen zu sehen, völlig ahnungslos, was ich gerade entdeckt hatte, ließ die Wut heißer in mir brennen, als ich es je für möglich gehalten hätte.

Ich legte das iPad vorsichtig auf den Nachttisch. Es gab ein leises Geräusch, als es aufsetzte. Dann trat ich zurück, schluckte schwer gegen den schmerzhaften Kloß in meinem Hals an und verließ das Zimmer. Wenn ich heute Nacht in diesem Bett blieb, hatte ich Angst, etwas zu tun, das ich nicht mehr zurücknehmen könnte.

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