Mag-log inJoe's POVEs waren Wochen vergangen, seit Megan damit gedroht hatte, ihre Anwälte zu schicken, um mir die Scheidungspapiere zuzustellen, und trotzdem hatte ich nichts gesehen.Keine gerichtliche Mitteilung.Keine Anwälte.Nichts.Zuerst dachte ich, vielleicht hatten meine Drohungen endlich Wirkung gezeigt. Vielleicht hatte sie begriffen, dass sie nicht einfach so von mir weggehen konnte. Oder vielleicht – nur vielleicht – plante sie etwas noch Schlimmeres.Wie auch immer.Es spielte keine Rolle.Egal, ob sie ihre Anwälte schickte oder selbst auftauchte, ich würde diese Papiere niemals unterschreiben.Niemals.Ich saß allein in meinem Hotelzimmer. Die Vorhänge waren fest zugezogen und verliehen dem Raum eine bedrückende Atmosphäre. Der Geruch von Alkohol erfüllte die gesamte Luft. Leere Flaschen lagen wie gefallene Soldaten auf dem Boden. Whiskey, Wodka, alles, was ich in die Finger bekommen konnte.Ich wusste nicht einmal mehr, wann ich an diesem Abend angefangen hatte zu trinken – od
Megans POVNachdem ich einen politischen Kampf gegen jemanden wie Joe gewonnen hatte, war der nächste wichtige Schritt der Abschluss.Vor der Öffentlichkeit zu gewinnen bedeutete nicht, dass ich frei war.Es bedeutete nur, dass der Krieg in eine neue Phase eingetreten war.Joe war nicht der Typ Mann, der eine Niederlage einfach akzeptierte. Das war er noch nie gewesen. Selbst wenn er verlor, fand er immer einen Weg, die andere Person leiden zu lassen. So lebte er. So atmete er.Wochen später, nachdem Victoria Hales die Scheidungspapiere erfolgreich vorbereitet hatte, fasste ich einen Entschluss.Ich würde Joe die Papiere selbst übergeben.Nicht durch einen Boten.Nicht durch Anwälte.Nicht durch Wachen.Meine eigenen Hände sollten ihm den letzten Schlag versetzen.„Megan …“, rief Kai leise, als ich meinen Mantel zurechtrückte.Er stand ein paar Schritte von mir entfernt, die Arme verschränkt, sein Gesicht angespannt. Ich konnte die Sorge deutlich in seinen Augen sehen. Kai versuchte i
Joe's POVDas Erste, was ich spürte, als Don Julian mir in meinem Büro direkt gegenüberstand, war Schmerz.Scharf. Heiß. Brennend.Eine Ohrfeige traf meine Wange so hart, dass sich mein Kopf drehte. Für eine Sekunde wurde alles schwarz. Mein Ohr klingelte. In meinem Mund schmeckte ich Blut.Ich taumelte einen Schritt zurück und hob die Hand an meine Wange. Ich konnte bereits spüren, wie sie anschwoll.Aber der Schmerz? Er war nichts im Vergleich zu der Wut, die in mir brannte.Don Julians Gesicht war vor Zorn rot angelaufen. Sein Griff um seinen Gehstock wurde fester. Er schwang ihn, als wollte er mich damit zertrümmern.„Du Idiot“, zischte er. „Ich habe dich gewarnt!“Ich lachte – leise, bitter und voller Hass. Ich wollte schreien, doch ich schluckte es hinunter.„Musst du wirklich noch Salz in diese Wunde streuen?“, fragte ich. Meine Stimme war leise. Vielleicht schwach, aber nicht besiegt.„Halt dein verdammtes Maul, Joe!“, brüllte Don Julian. „Du hast mich vor dem Clan gedemütigt.
Megans POVIch wusste nicht, wie lange ich Kai schon festhielt.Die Zeit fühlte sich seltsam an – gedehnt, verschwommen –, als hätte mein Körper gerade erst begriffen, dass die Last, die er tagelang getragen hatte, endlich verschwunden war. Meine Arme lagen fest um ihn geschlungen, mein Gesicht an seine Brust gedrückt, und für einen Moment vergaß ich, wo wir waren. Ich vergaß das Gericht, die Ältesten, die Augen, die uns noch immer beobachteten.Alles, was ich spürte, war er.Das gleichmäßige Heben und Senken seiner Brust. Seine Wärme.Gott.Ich hätte beinahe „Ich liebe dich“ gesagt.Die Erkenntnis traf mich so plötzlich, dass ich leicht erstarrte und mein Herz heftig gegen meine Rippen schlug. Schnell schluckte ich die Worte hinunter und biss mir auf die Innenseite der Wange, als könnte ich sie dadurch dorthin zurückdrängen, wo sie hingehörten.Nicht jetzt.Nicht so.„Du hast es geschafft“, murmelte ich stattdessen, meine Stimme gedämpft an seiner Brust. „Du hast es wirklich geschaff
Megans POV„Danke.“Kai sagte es nicht mit Worten, sondern nur mit seinen Augen, als er zurück zum Podium ging. Der Blick, den er mir zuwarf, war ruhig und erdend, als würde er mir wortlos sagen, dass ich nur noch ein wenig länger durchhalten musste.Und das tat ich, denn ich vertraute Kais Urteil. Er mochte Dinge vor mir verborgen haben, aber er würde mich niemals verraten. Und ich würde lieber damit leben, dass er Geheimnisse vor mir hatte, als wieder zu Joe zurückzugehen.Joe schüttelte sichtlich frustriert den Kopf und verschränkte die Arme vor der Brust. Das Selbstvertrauen, mit dem er den Saal betreten hatte, war verschwunden. An seine Stelle waren Verärgerung, Ungläubigkeit … und Angst getreten.„Es stimmt, dass ich Megan von Anfang an beobachtet habe“, begann Kai ruhig. Seine Stimme hallte durch den Saal. „Aber ich habe sie niemals dazu gezwungen, Joes Haus zu verlassen. Sie ist nicht wegen mir gegangen. Sie ist gegangen, weil er sie verletzt hat. Tief verletzt.“Ein Raunen gi
****Megans Sicht****Der Saal erstarrte vor Schock.Jeder Laut erstarb in dem Moment, als Kai den Raum betrat, seine Präsenz schnitt durch den Saal wie Gift. Wachen folgten ihm in perfekter Formation, wachsam und bereit, und direkt an seiner Seite war sein rechte Hand, Anton, der einen schwarzen Lederkoffer fest umklammert hielt.Einen Moment lang dachte ich, ich würde mir das nur einbilden.„Kai…“, entfuhr es mir, bevor ich es stoppen konnte.Ich war genauso schockiert, ihn hier zu finden.Wie wusste er davon?Wie war er überhaupt in eine Vorladung wie diese hineingekommen?„Lasst auch nur eine einzelne Strähne ihres Haares berühren“, sagte Kai kalt, seine Stimme trug durch den gesamten Saal, „und dieser Rat wird es bereuen.“Die Drohung war mit einer Ruhe unterlegt, die sie erschreckend machte.Einige Älteste sprangen wütend auf und schlugen mit den Händen auf den Tisch.„Das ist eine Beleidigung!“ „Wer wagt es, hier so zu sprechen?“ „Entfernt ihn sofort!“Flavio De’Flavio lehnt







