FAZER LOGINElara
Ich greife erneut danach, meine Finger noch befleckt von meinem eigenen Verlangen. Der Umschlag ist mit einem roten Wachssiegel verschlossen, unversehrt. Wie ein Versprechen. Wie eine Herausforderung.
„In Ordnung“, murmele ich mit brüchiger Stimme. „In Ordnung, verdammt.“
Ich stehe auf, reiße meinen Morgenmantel herunter und gehe zum Kleiderschrank. Meine Hände wühlen durch die Stoffe, auf der Suche nach ihr. Dem Kleid, das ich mich nie zu tragen traue. Dem Kleid, das ich in einem Anfall von Wahnsinn gekauft habe, an einem Abend, an dem der Wein für mich sprach.
Schwarz. Eng anliegend. Mit einem Ausschnitt so tief zwischen den Brüsten, dass er an Obszönität grenzt. Der Stoff gleitet über meine Haut wie eine Liebkosung, schmiegt sich an jede Kurve, als wäre er für mich gemacht. Für sie.
Ich habe keinen BH, der dazu passen würde – wozu auch? Meine Brustwarzen zeichnen sich bereits durch den Stoff ab, zwei kleine harte, unanständige Punkte. Ich fahre mir mit den Fingern durch die Haare, lasse sie in ungeordneten Wellen fallen, dann streife ich schwarze High Heels über, so hoch, dass ich schwanke.
Im Spiegel erkenne ich mich nicht wieder.
Die Frau, die mich anstarrt, hat gerötete Wangen, geschwollene Lippen, Augen, die von einem Fieber glänzen, das ich nicht länger leugnen kann. Sie sieht bereit aus. Bereit, verschlungen zu werden.
Ich greife nach meinem langen Wollmantel und trete hinaus in die Nacht.
Die Akademie erhebt sich am Ende einer von knorrigen Eichen gesäumten Allee. Das Gebäude selbst ist ein Alptraum aus schwarzem Stein und roten Glasfenstern, die Fenster erleuchtet von einem goldenen Schein, der zu atmen scheint. Als würde etwas dort drinnen auf mich warten.
Ich steige die Stufen hinauf. Die massive Tür ist mit Körpern und Mündern verziert, die sich beinahe bewegen, wenn ich blinzle. Ich klopfe.
Stille.
Dann ein Knarren. Die Tür öffnet sich von selbst einen Spalt. Die warme Luft, die herausströmt, ist schwer von Moschus und Sex. Von Schweiß. Und von einem kupfernen Geruch … Blut.
Ich stoße die Tür auf und trete ein.
Die kreisrunde Halle gleicht einer perversen Kathedrale. Bordeauxfarbene Samtwände, Hunderte von Kerzen, Schatten, die tanzen wie Liebende. In der Mitte ein Tisch aus schwarzem Marmor, bedeckt mit Gegenständen … Peitschen, Klammern, ein Lederhalsband mit silbernen Nieten.
„Du bist zu spät.“
Ich drehe mich um.
Isadora. In ein schwarzes Latexkleid gegossen, an einen Pfeiler gelehnt. Ihr eisblondes Haar fällt in Kaskaden, ihre Lippen rot – zu rot.
„Ich … ich wusste nicht, dass es eine Uhrzeit gibt“, stammle ich.
Sie kichert, kommt näher, ihre Absätze klacken wie Peitschenhiebe. Ich weiche zurück, doch die Wand stoppt mich. Sie steht direkt vor mir, so nah, dass ich ihre Wärme spüre.
„Du weißt ganz genau, warum du hier bist, Kleine“, sagt sie und fährt mit der Fingerspitze meine Kieferlinie entlang. „Du spürst, was dieser Ort mit dir macht. Ich sehe es.“
Ihr Finger gleitet über meine Brüste, findet meine Brustwarze, kneift sie. Ich halte zitternd die Luft an.
„Du bist feucht, nicht wahr? Du hast mit dir gespielt, während du diesen Brief gelesen hast. Du hast dich selbst befriedigt und dir vorgestellt, was wir mit dir machen werden.“
„Nein …“
„Lügnerin.“
Ihre Hand taucht unter mein Kleid. Ich zucke zusammen, ein erstickter Schrei. Ihre kalten Finger wandern meine Innenschenkel hinauf, finden meinen durchnässten Slip und dringen ohne Vorwarnung in mich ein.
„Verdammt …“
Ich wölbe mich, meine Nägel krallen sich in den Samt, meine Hüften suchen ihre Hand. Sie bearbeitet mich gnadenlos, ihre Fingerknöchel reiben über meinen empfindlichen Punkt.
„Du bist so eng, Kleine. So heiß. Wirst du so kommen? Hier im Eingangsbereich, im Stehen, wie das kleine Luder, das du bist?“
Ich schüttele den Kopf, doch mein Körper sagt ja. Ich bin kurz davor zu explodieren …
„Genug.“
Die Stimme schlägt ein wie Donner.
Isadora zieht ihre Finger zurück. Ich schwanke. Sie leckt sie langsam ab, genießt es.
Ich hebe den Blick.
Kael. Oben auf einer Wendeltreppe. Perfekter schwarzer Anzug. Hohe Wangenknochen. Markanter Kiefer. Und diese Augen, blassblau, fast weiß. Eis. Tod.
„Willkommen, Elara“, sagt er mit einer Stimme, weich und gefährlich zugleich. „Du bist hier, um zu lernen.“
Ich zittere vor Erregung.
Isadora lacht hinter mir.
„Oh, sie hat so viel zu lernen. Sieh sie dir an. Sie kommt allein schon, wenn sie dich ansieht.“
Ich werde rot, aber ich wende den Blick nicht ab. Ich kann nicht. Kael steigt die Treppe hinunter, jeder Schritt kontrolliert. Als er vor mir steht, streift er meine Wange mit dem Handrücken. Seine Haut ist kalt. Zu kalt.
„Hast du Angst?“, flüstert er.
„Nein.“
„Solltest du aber.“
Seine Hand schließt sich um meinen Hals, gerade fest genug, um meinen Puls zu fühlen. Ich stöhne, und seine Pupillen weiten sich.
„Komm“, befiehlt er und lässt mich los. „Deine erste Lektion beginnt jetzt.“
Isadora kichert. Ich folge ihm, die Beine zittern.
Irgendwo in den Schatten stöhnt jemand.
Ich weiß, dass ich diesen Ort nicht unversehrt verlassen werde.
ELSAIch wache mitten in der Nacht auf.Adrien schläft neben mir, sein Atem gleichmäßig, sein Körper warm an meinem. Das Zimmer ist in Dunkelheit getaucht, aber ich weiß, dass draußen Vollmond ist, der Paris mit seinem kalten Licht erhellt.Ich denke an Lena. An das, was sie gesagt hat. An das, was sie erwartet. An das, was uns alle eines Tages erwartet.Ich denke an Claire, die neue Rekrutin, die unten in ihrer Zelle schläft. An das, was sie in einem, in zwei Jahren sein wird. An das, was sie geben, was sie empfangen wird.Ich denke an mich. An die, die ich vor drei Jahren war, in diesem Café Rue de la Roquette. Allein, leer, verloren. An die, die ich geworden bin. Gezeichnet, gefüllt, gefunden.Ich lege meine Hand auf meinen Bauch, dort, wo sich in den letzten Wochen etwas verändert hat. Eine Verzögerung. Übelkeit am Morgen. Eine Gewissheit, die wächst.Ich bin schwanger.Ich habe es ihm noch nicht gesagt. Ich weiß nicht wie. Ich weiß nicht, was das bedeutet, für uns, für den Kreis,
— Nicht jetzt. Nicht bevor es lange dauert. Aber eines Tages, ja. Wie Lena. Wie der Alte. Und wenn dieser Tag kommt, braucht es jemanden, der weitermacht. Sie, sie ist es.— Du kennst sie kaum.— Ich kenne sie. Ich erkenne sie. Das war ich vor drei Jahren. Derselbe Hunger. Dieselbe Leere. Derselbe Durst nach etwas, das sie nicht zu benennen weiß.— Und du willst sie initiieren?— Ja. Aber nicht wie die anderen. Nicht so, wie ich initiiert wurde. Tiefer. Totaler.— Wie du. Die zweite Nacht.— Ja. Wie ich.Ich sehe sie an. Ihre Augen glänzen im Halbdunkel. Sie ist schön, so schön. Aber nicht in diese Schönheit bin ich verliebt. Sondern in das, was sie ist. In das, was sie geworden ist.— Tu es, sage ich. Ich vertraue dir.Sie lächelt. Sie beugt sich vor, küsst mich.— Danke, flüstert sie.— Gern geschehen. Du selbst hast dich entschieden.---ELSADie Zeremonie findet bei Vollmond statt.Die Rotunde ist vorbereitet. Die Kerzen, der Weihrauch, der schwarze Altar. Die Mitglieder sind da,
ADRIENDie Wochen vergehen.Sie heilt, langsam. Die Schnitte an ihren Brüsten schließen sich zu weißen, feinen, endgültigen Narben. Die Schnitte an ihren Oberschenkeln ebenfalls. Die Striemen der Peitsche verblassen, werden schwächer, bleiben aber für den, der zu sehen weiß, sichtbar. Ihr Körper wird ein immer dickeres, immer reicheres Buch.Aber nicht ihr Körper hat sich am meisten verändert.Es ist ihr Blick.Früher, selbst nach der Initiation, hatte sie etwas Verletzliches an sich. Einen Riss. Eine Angst vielleicht, dass alles aufhören, die Leere zurückkehren könnte. Jetzt ist dieser Riss verschwunden. Ihre Augen sind ruhig, tief, sicher. Sie weiß, was sie ist. Sie weiß, was sie will. Sie weiß, was sie kann.Sie nimmt an den Zeremonien teil, wie zuvor. Aber es ist nicht mehr dasselbe. Früher war sie meine Zweite, die Ausführende, die Gehorchende. Jetzt ist sie meine Partnerin. Wir führen gemeinsam. Wir berühren gemeinsam. Wir geben gemeinsam. Die Mitglieder des Kreises haben sie ak
Ich bleibe einen Moment allein in der Rotunde. Die Kerzen brennen noch, der Weihrauch vergeht langsam. Der schwarze Altar ist befleckt von Blut, Schweiß, Tränen. Die Spuren dessen, was hier heute Nacht geschah.Ich setze mich auf den Rand des Altars, schließe die Augen.Siehst du? denke ich. Siehst du, was sie geworden sind? Was sie geworden ist? Das wolltest du, nicht wahr? Eine Priesterin, die alles übertrifft. Eine Priesterin, die auch eine Geliebte ist. Eine Gleichgestellte. Eine Flamme, die nicht erlöschen wird.Ich spüre seine Gegenwart. Den Alten. Er ist da, ich weiß es. Er war immer da, von Anfang an, seit der ersten Nacht, als Elsa diese Tür durchschritt.Sie übertrifft dich, flüstere ich. Sie übertrifft alles, was du aufgebaut hast. Und das ist gut so. So muss es sein. Der Kreis geht weiter. Das Blut zirkuliert. Das Leben geht weiter.Ich öffne die Augen. Die Kerzen flackern, als wäre ein Hauch vorbeigegangen. Aber da ist niemand. Nur ich, der Altar, die Stille.Ich stehe au
Sie beendet den Satz nicht. Sie muss nicht.— Jetzt, sage ich, der letzte Schritt. Der alles schließen wird. Alles öffnen. Alles füllen.Ich öffne meine Tunika. Mein Glied ist hart, auf sie gerichtet. Sie sieht mich an, ihre Augen glänzen von Blut, Tränen, Verlangen.— Ich werde in dich eindringen, sage ich. Mit dem Blut. Mit dem Schmerz. Mit allem. Und wenn ich komme, wirst du kommen. Und du wirst gefüllt sein. Von mir. Von uns. Von dem, was du immer gesucht hast.Ich stelle mich zwischen ihre geöffneten Schenkel. Das Blut fließt noch, warm, gleitend. Ich spüre die Spitze meines Glieds an ihrem Eingang, an ihr, geöffnet, feucht, brennend.— Sieh mich an, sage ich.Sie sieht mich an. Ihre Augen tauchen in meine. Ich dränge.Ich dringe ein.---ELSADer Schmerz ist unbeschreiblich.Nicht der der Peitsche, nicht der des Messers. Etwas anderes. Ein Schmerz, der von innen kommt, der alles füllt, der alles auslöscht. Er ist in mir, gewaltig, brennend, und jede Bewegung reißt an den Schnitt
ADRIENDer erste Schlag fällt.Ich sehe die Peitsche auf ihre Oberschenkel niedersausen, sehe die Haut für einen Sekundenbruchteil weiß werden, bevor das Rot erscheint. Ich sehe ihren Körper sich anspannen, ihre Fäuste sich um die Fesseln schließen, ihren Mund sich öffnen.Sie schreit nicht. Diesmal nicht. Sie stöhnt, ein rauer, tiefer Laut, der in der Rotunde widerhallt.Zweiter Schlag. Auf ihr Gesäß. Die Haut rötet sich, die Spuren der vorherigen Peitschenhiebe erwachen, überlagern sich. Sie hebt die Hüften, wie um zu fliehen, aber die Fesseln halten sie fest.Dritter Schlag. Auf ihren Rücken, dort, wo die Narben am ältesten sind. Das Leder beißt in die bereits gezeichnete Haut, und diesmal schreit sie. Ein kurzer, abgehackter Schrei, den sie unterdrückt, indem sie die Zähne zusammenpresst.— Lass los, sage ich. Halt nichts zurück. Schrei, wenn du schreien willst. Weine, wenn du weinen willst. Heute Nacht musst du nicht stark sein.Sie sieht mich an. Ihre Augen glänzen bereits vor T
CéliaDer Schlaf kommt nicht. Er entzieht sich, ein fliehender Tümpel, an dessen Oberfläche die Spiegelbilder dessen tanzen, was gerade geschehen ist. Mein Körper ist ein stilles Schlachtfeld. Jeder Muskel erinnert mich an seine Gegenwart, sein Gewicht,
KassianIn ihr zu sein ist eine Offenbarung. Eine Ekstase, weit tiefer als alles, was ich mir vorgestellt hatte. Sie ist von einer perfekten Enge, einer feuchten Wärme, die mich umschließt, umfängt, in sich aufsaugt. Sie unter mir zu sehen, die Augen ertrunken
ÉvaKael legt die Nadel beiseite, und in der darauffolgenden Stille kehrt keine Erleichterung ein, sondern eine noch schrecklichere Erwartung, denn ich weiß tief in meinem bereits gemarterten Körper, dass diese Pause nur das Vorspiel zu einer neuen Form der Folter ist, und ich sehe ihm zu, wie er d
ElaraDas goldene Licht des Nachmittags filtert durch die dicken Vorhänge und zeichnet warme Streifen auf das dunkle Parkett. Ich knie bereits auf dem Bett, die Hände auf meinen Oberschenkeln abgelegt, die Haut empfindlich unter der Berührung des kühlen Bettlakens. Die Luft ist schwer, geladen mit







